Spiel's noch einmal! User-Artikel

Der Tragödie zweiter Teil

CharlieDerRunkle / 23. Februar 2020 - 12:26
Steckbrief
MacOSPC
Strategie
Echtzeit-Strategie
12
Maxis
Electronic Arts
04.09.2008
Amazon (€): 33,28 (EA Classics), 34,30 (Software Pyramide)

Teaser

Zu früh, zu spät, zu verbuggt, zu ambitioniert, zu unbekannt, nicht ausgereift oder einfach nur Pech gehabt. Ich möchte euch zehn Spiele vorstellen, die dieses harte Los (zu unrecht?) gezogen haben.
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Wie schon im ersten Teil möchte ich euch in diesem Artikel Spiele vorstellen, die meiner Meinung nach eine zweite Chance verdient haben. Natürlich ist das wie immer rein subjektiv und das im letzten Text angedeutete "Piratenspiel in der Karibik" könnte der wohl umstrittenste Titel in dieser Liste sein. Zunächst machen wir aber eine kleine Zeitreise in einige der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte. Außerdem werfen wir einen Blick auf ein Spiel, das gezeigt hat, dass auch Sims-Erfinder Will Wright mal daneben liegen kann. Den Abschluss macht ein Action-RPG in der Antike, das leider unter dem Radar geflogen ist. Aber genug Vorgeplänkel.
 

Darkest of Days

Um Darkest of Days ist es wirklich schade. Selten habe ich in einem Spiel gedacht: "Wow, das ist ja mal eine geniale Idee!" – aber leider wird die Immersion hin und wieder durch kleinere Logikfehler in der Handlung zerstört. Hinzu kommt, dass das Spiel an einigen Stellen recht gemächlich abläuft, von der Dynamik her also kaum mit einem Call of Duty vergleichbar ist. An anderer Stelle fehlt etwas der Feinschliff, wodurch manche Missionen schwer bis unfair werden. Ärgerlich ist es, wenn ihr einen Handlungsabschnitt wiederholen müsst, weil ihr aus einem Wald heraus beschossen werdet und keine Chance habt, den Gegner überhaupt zu sehen. Gegnerische Soldaten haben hingegen kein Problem damit, durch Dickicht und Gebüsch präzise Schüsse abzufeuern, was auch durch hin und wieder auftretende KI-Aussetzer nicht ausgeglichen wird. Man muss den 8Monkey Labs aber zugute halten, dass Darkest of Days ihr erster First-Person-Shooter war.
 
Der Protagonist Alexander Morris kämpft in der Schlacht am Little Big Horn am 25. Juni 1876 und wird verwundet. Ein Blick in die Geschichtsbücher gibt Aufschluss darüber, dass keiner von General Custers Männern überlebte. Plötzlich erscheint wie aus dem Nichts eine merkwürdige Kugel, die aus Wasser zu bestehen scheint. Ein Mann aus der Zukunft entsteigt ihr und gibt uns zu verstehen, dass wir mitkommen sollen. So überleben wir diesen dunklen Tag der amerikanischen Geschichte.

Wir landen bei Kronotek, einer Firma, die sich auf Zeitreisen spezialisiert hat. Dessen Gründer Dr. Koell hat einen Grundsatz: Die Geschichte darf nicht verändert werden! Daher beobachtet Kronotek den Verlauf der Geschichte und registriert alle Abweichungen. Bei zwei Personen fällt auf, dass die Chronologie der historischen Ereignisse durcheinander geraten ist. Und zu allem Überfluss ist Dr. Koell irgendwo in der Vergangenheit verschollen...
Mit dem Gewehr nehmen wir gegnerische Soldaten unter Beschuss.

Aus bestimmten Gründen – die ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden habe – rekrutiert Kronotek Menschen, die offiziell verschwunden sind. Der Protagonist wurde beispielsweise erst kürzlich Custers Truppen zugeteilt. Diese Information ist aber aus bürokratischen Gründen untergegangen: Alexander Morris hat also auf dem Papier nicht an der Schlacht teilgenommen, in Wahrheit schon. Bei Kronotek nimmt uns Agent Dexter unter seine Fittiche, ein ehemaliger Feuerwehrmann, der bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 unter den Trümmern begraben und dessen Leiche niemals gefunden wurde – offiziell zumindest. Inoffiziell wurde er von Kronotek wenige Momente vor dem Einsturz des Turmes gerettet.
 
Es gibt zwei Zeitlinien, in denen wir Missionen erledigen müssen. Dabei können wir meistens frei wählen, welcher Aufgabe wir uns als nächstes widmen. Die meiste Zeit verbringen wir im Sezessionskrieg, wo wir einen Soldaten der Nordstaaten retten müssen, sowie im Ersten Weltkrieg, wo ein russischer Offizier unsere Unterstützung benötigt. Immer wieder fällt auf, dass gegnerische Parteien stärker sind, als sie eigentlich sein dürften. Meistens läuft es darauf hinaus, dass wir erst einmal die gesuchte Person finden müssen. Hin und wieder erwehren wir uns der feindlichen Übermacht und müssen alles in unserer Macht stehende tun, um die Zielperson zu retten.

Immer wieder tauchen dabei Leute auf, die offensichtlich aus der Zukunft stammen und versuchen, unsere Pläne zunichte zu machen. Anfangs wissen wir nicht, wer diese Leute sind, doch es ist klar, dass es da eine Organisation geben muss, die andere Ziele als wir verfolgt. Bei Darkest of Days handelt es sich zwar um einen First-Person-Shooter, allerdings heißt das nicht, dass wir einfach jeden Gegner umbringen müssen oder dürfen, im Gegenteil: Einige Gegner haben eine blaue Aura, die sie umgibt. Diese Leute sind wichtig für den Verlauf der Geschichte, sodass sie nicht getötet werden dürfen. Stattdessen müssen wir sie kampfunfähig machen. Töten wir sie trotzdem, kann es passieren, dass wieder Gegner aus der Zukunft auftauchen und Jagd auf uns machen.
 
In Darkest of Days wurde viel Wert auf Realismus gelegt: So sterben gegnerische Soldaten nicht einfach, sondern können auch nur verwundet werden und stöhnend am Boden liegen. Die Waffen entsprechen in der Regel genau der Zeitepoche, sodass wir beispielsweise im Sezessionskrieg mit einem Vorderlader unterwegs sind, der genau einen Schuss abfeuern kann.

Die Liebe zum Detail wird auch an anderer Stelle deutlich: Die bereits erwähnte blaue Aura, die bestimmte Soldaten umgibt, ist keine Erfindung der Entwickler, sondern basiert auf realen Ereignissen. Nach der Schlacht von Shiloh leuchten die Wunden vieler Soldaten bläulich. Da besonders viele dieser Soldaten mit blau schimmernden Wunden die Schlacht überlebten, wurde dieses Phänomen als "Angel‘s Glow" bekannt. Erst 150 Jahre später fand man eine wissenschaftliche Erklärung dafür: Es handelte sich dabei um bestimmte Bakterien (falls ihr Genaueres dazu wissen wollt, fragt Google).

Ja, Darkest of Days hat so seine Macken und ist nicht jedermanns Sache. Und natürlich hat den Entwicklern ein wenig die Erfahrung und sicher auch das Geld gefehlt, um ihre Ideen vernünftig umzusetzen. Aber trotzdem ergibt die Story durchaus Sinn, abgesehen davon, dass der Protagonist stumm und eindimensional bleibt und einfach alles, was er sieht, hinnimmt. Dass es aus seiner Sicht 70 Jahre in der Zukunft einen Weltkrieg mit Konzentrationslagern gibt, kann er gar nicht wissen – gleiches gilt für Sturmgewehre, Elektronik und so weiter. Das sind halt Logikfehler in der Handlung, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen.

Mit Darkest of Days kann man schon sehr viel Spaß haben, wenn man ihm seine Fehler nachsieht, sich auf die Story einlässt und historisch verhältnismäßig akkurate Spiele mag.
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Mit dem MG geben wir der Zielperson (dem leuchtenden Typ) Feuerschutz.
 
zfpru 17 Shapeshifter - P - 8672 - 23. Februar 2020 - 10:53 #

Ich sage zu diesen Spielen: Ja, vielleicht!

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 140524 - 23. Februar 2020 - 11:46 #

Schöner Artikel! Ich hatte mit Rise of the Argonauts viel Spaß, mir hat es sehr gefallen. War Anfangs auch etwas skeptisch aber das Spiel hatte einen gewissen Flow. Action-RPG-Fans können sich das ruhig mal anschauen.

Maverick 30 Pro-Gamer - - 499600 - 23. Februar 2020 - 12:31 #

Rise of the Argonauts war für mich interessant aufgrund des verwendeten Mythologie-Szenarios, hatte ein paar durchaus schön anzuschauende Levelumgebungen. Kein Titel, den ich zweimal spielen müsste, aber für einen Spiel-Durchgang war er ganz unterhaltsam. ;)

Truffe 16 Übertalent - - 4485 - 23. Februar 2020 - 11:47 #

Rise of the Argonauts ich habe mir das spiel in einem Sale gekauft vor einigen Jahren und wurde nicht enttäuscht. Man kann es immer mal wieder spielen.

Epic Fail X 17 Shapeshifter - P - 7311 - 23. Februar 2020 - 11:49 #

Raven's Cry fand ich von Konzept und Setting schon immer spannend. Allein die Umsetzung soll eher weniger gelungen sein.
Aber vielleicht kreuzen sich unsere Wege eines Tages ja doch noch.

euph 27 Spiele-Experte - P - 88180 - 23. Februar 2020 - 12:16 #

Von diesen Spielen habe ich bisher kein einziges gespielt

Slaytanic 24 Trolljäger - - 56096 - 23. Februar 2020 - 12:27 #

Rise of the Argonauts schlummert schon sehr lange in meiner Steam-Bibliothek... ;)

Maverick 30 Pro-Gamer - - 499600 - 23. Februar 2020 - 12:28 #

Bei mir war es Rise of the Argonauts, auf der Xbox 360 damals.

Slaytanic 24 Trolljäger - - 56096 - 23. Februar 2020 - 12:28 #

Schöner User-Artikel, gab gleich mal von mir ein Highlight-Vote. :)

Maverick 30 Pro-Gamer - - 499600 - 23. Februar 2020 - 12:58 #

Der Artikel war auf jeden Fall lesenswert, Teil 1 muss ich noch nachholen. ;)

Ganon 24 Trolljäger - P - 57645 - 23. Februar 2020 - 12:57 #

Wieder sehr schön zu lesen. Darkest of Days klingt tatsächlich von der Idee her sehr interessant. Aber die Umsetzung ist wohl eher so mittel, schade.

Hyperlord 17 Shapeshifter - - 8500 - 23. Februar 2020 - 13:40 #

Seltsame Games

TSH-Lightning 22 AAA-Gamer - - 31942 - 23. Februar 2020 - 16:19 #

Kenne keines der Spiele und ich bin auch nicht der Typ, der So La La Spiele ausprobiert, dafür hab ich nicht mehr die Zeit. Am interessantesten erscheint da noch Rise of the Argonauts, was aber evtl. auch daran liegt, dass ich AC: Odyssey gerade durch habe (Platin ohne DLCs).

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 80681 - 23. Februar 2020 - 17:07 #

War wieder sehr unterhaltsam. Freue mich auf Teil 3.

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 20941 - 23. Februar 2020 - 17:12 #

Spore fand ich vom Konzept her auch sehr, sehr spannend und finde es schade, dass es danach keine solche "Evolutionsspiele" mehr gab, wo man theoretisch Milliarden von Wesen erschaffen kann.

Vor einiger Zeit hatte ich "Ecosystem" auf Kickstarter unterstützt, das Spiel wurde aber nicht gefunded... :( Der Entwickler hat trotzdem weiter dran gebastelt und wenn's fertig ist, werde ich mir das "neue Spore" bestimmt anschauen:

https://www.rockpapershotgun.com/2019/09/25/ecosystem-has-burst-my-mind-and-you-could-be-playing-it-right-now/

Player One 14 Komm-Experte - P - 2672 - 23. Februar 2020 - 18:01 #

Schöner Artikel, die Spiele würde ich allerdings nicht freiwillig anfassen. Da gibt es doch lohnenswertere Alternativen.

Jürgen 24 Trolljäger - P - 53925 - 23. Februar 2020 - 20:42 #

Sehr schön geschriebener Artikel mit Wahnsinns-Aufwand dahinter. Toll! Gefällt mir persönlich besser als der erste Teil - entsprechend kommt die Krönung bestimmt zum Schluss. Nur kein Druck ;)

CharlieDerRunkle 14 Komm-Experte - 2595 - 23. Februar 2020 - 21:45 #

"Nur kein Druck", ja toll :) :D

Admiral Anger 26 Spiele-Kenner - P - 68337 - 23. Februar 2020 - 23:17 #

Das heißt, dass der Artikel bitte online und nicht gedruckt erscheinen soll. ;)

Jürgen 24 Trolljäger - P - 53925 - 23. Februar 2020 - 23:32 #

Genau so war es gedacht :)

Jonas S. 20 Gold-Gamer - P - 21890 - 24. Februar 2020 - 11:28 #

Spore fand ich gerade die ersten zwei Phasen mit der "Ursuppe" cool. Nur doof das es die Phase glaub als Demo gab und ich deswegen das Spiel nie erworben habe. :D

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 24017 - 25. Februar 2020 - 10:22 #

In der Tat 4 Perlen der Spielegeschichte von denen ich teilweise noch nicht einmal gehört habe... ;)
Vielen Dank für all deine Mühen. Vielleicht schaue ich mir Raven‘s Cry mal an und Darkest of Days klingt gut, aber ich befürchte es wäre mir zu frustrierend.