Q-lumne 6: Sorry, falsche Zielgruppe! User-Artikel

Die goldene Ära der Nische?

Q-Bert / 28. Juli 2019 - 18:30 — vor 15 Wochen aktualisiert
Es sind goldene Zeiten für Rundentaktikfans, Pixelfreunde und Retrolover, denn nie zuvor waren Minderheiten so Mainstream. Am Ziel aller Zielgruppenkonflikte sind die Indiekuschler aber noch lange nicht!

Als die Conquistadores vor 300 Jahren die Bodenschätze ihrer südamerikanischen Kolonien plünderten, stießen sie auf ein massives Problem. Die Erzadern waren verseucht mit „unreifem Gold“. Tonnenweise versenkten sie das ungewollte Metall im Meer und gaben ihm eine abfällige Bezeichnung, angelehnt an das spanische Worts plata (Silber). Der Name Platin blieb haften und erinnert bis heute an einen der teuersten Epic Fails der Geschichte.

Was lernen wir aus diesem historischen Beispiel? Wertschätzungen sind umso fehleranfälliger, je genauer man weiß, wonach man sucht! Die Spanier suchten nach Gold. Sie erwarteten Gold. Platin ist aber kein Gold, deshalb hatte es keinen Wert. Einige Alchemisten der Frühen Neuzeit haben sicher noch versucht, das Metall zu transformieren: „Fiat aurum! ¡Mutate en oro! Werde zu Gold!“, doch mangels eines veritablen Teilchenbeschleunigers passierte da gar nichts. Also weg damit!
 

Die Zwerge haben zu gierig und zu tief geschürft


Passionierte Gamer sind moderne Goldgräber; unsere Nuggets sind gute Computerspiele. In den Tiefen der Minen von Steam und Epic lauert neben der ersehnten Edelware viel nutzloses Geröll darauf, an die Desktopoberfläche befördert zu werden. Und immer wieder stoßen wir bei unseren Ausgrabungen auf Dinge, deren Wert wir nicht auf Anhieb verstehen. Wie einst die Kolonialisten verlassen wir uns dann am besten auf die Expertise von Fachleuten. Die nehmen eine Probe mit ins Labor und nach allerlei Hokuspokus kommt eine Bewertung heraus, die uns sagt, ob es sich um einen Rohdiamanten oder billigen Quarzsplitter handelt.

Je nach Lautstärke zeigen Transmutationsgesänge moderner Alchemisten, nennen wir sie Influencer, Let's-Player oder Spielejournalisten, aber durchaus Wirkung! Nur mit dem umgekehrten Effekt, dass sich ein Spiel dadurch nicht in Gold verwandelt. Weil es keiner mehr kauft. Das mag in manchen Situationen durchaus sinnvoll sein, zum Beispiel, wenn ein Game mit Lootboxen verseucht ist. Es gibt schlicht keine geistig zurechnungsfähige Zielgruppe für Lootboxen. Jeder Spieler hasst Lootboxen. Ab auf den Müllhaufen der Geschichte!

Ärgerlich wird es aber, wenn es sehr wohl eine Nische für ausgefallene Spieleigenschaften gibt und YouTuber oder Journalisten fordern trotzdem, dieses Spiel möge sich gefälligst dem allgemeinen Goldstandard unterwerfen. Sie suchen Massentauglichkeit. Sie erwarten Massentauglichkeit. Sie finden ... ein Indiegame. Igitt! Das ist nicht das, was der Durchschnittsspieler will. Also weg damit? Stopp! In diesem Moment verwandelt sich der Experte zum Prediger, der von seiner Kanzel herab zum indigenen indiegamenden Volke spricht „Du sollst jederzeit speichern können!“, als wäre das ein in Steintafeln gemeißeltes Gebot. Da krieg ich 'nen Hals.
 

Manche Indiegames sind Rohdiamanten - trage sie mit Fassung!


Ich bin nur ein Indiekuschler und ganz kapiert habe ich auch noch nicht, was im Einzelfall ein gutes Spiel von einem schlechten unterscheidet. Aber ich habe eine Arbeitsthese: K.O.-Kriterien machen ein Spiel besser! Zugegeben, dies gilt nur für die, die nach dem Punch noch gerade stehen. Denn es liegt in der Natur eines K.O.-Kriteriums, dass es alle anderen Gamer ausknockt: Wer keine Ego-Shooter mag, der spielt halt keine Ego-Shooter. Wen ein Textadventure schlafen legt, spielt keine Textadventures. Aber für die menschliche Restmenge, die selbst bei einem ultraschweren Roguelike mit fortlaufendem Speicherstand in 8-Bit-Grafik noch nicht wankt, könnte ein solches Spiel gerade wegen der konsequenten Ausrichtung besonders spielenswert sein!

Versteht mich nicht falsch, es gibt sehr gute, objektive Gründe, ultraschwere Roguelikes mit fortlaufendem Speicherstand in 8-Bit-Grafik nicht zu mögen. Wer eine epische Geschichte erleben will, für den ist das Roguelike-Prinzip ein Designfehler, Ultraschwierigkeit eine Spaßbremse und Retrografik immersionskillend. Trotzdem sollte niemand einem Spiel vorwerfen, genau das zu sein, was es eben sein will. Egal ob casual, arcadig, permatödlich, pixelig oder wasauchimmerig. Denn was wird da in diesem Moment bewertet? Doch nicht das Spiel, das seine Nische vielleicht perfekt bedient ... sondern die Menschen, die genau diese Nische mögen! Sorry, ihr seid eine scheiß Zielgruppe, euch rotten wir aus!

Dabei mögen doch auch längst nicht alle Spieler Jump-and-Runs. Oder gar Rennspiele. Trotzdem würde kein Mensch auf die Idee kommen, deshalb Super Mario abzuwerten. Oder Forza Horizon. Sobald die Zielgruppe aber schrumpfig genug ist, scheint es eine willkürliche Grenze zu geben, ab der genrespezifischer Zielgruppenrassismus erlaubt ist! Und mit diesem Satz wird es höchste Zeit für ein paar Beispiele.
 

Oldschool is the new black


Bei Gamestar war Randgruppendiskriminierung über eine Dekade fest im Wertungssystem verankert. Man glaubte, die ultimative Zauberformel gefunden zu haben, aus der sich Spielspaß = Grafik + Sound + Balance + ... mathematisch exakt errechnen ließe. Dieses System war perfekt, um typischen Triple-A-Mainstreamkram treffsicher zu verorten. Gamestar wusste genau, dort gibt es Gold zu finden! Doch in der Nische versagten sie vollständig. Minecraft oder Dear Esther konnten nicht im Ansatz erfasst werden, wie Michael Graf mittlerweile auch offen zugibt. Statt des verdienten Platin-Awards hätten diese Ausnahmeerscheinungen bestenfalls eine errechnete Spaßwertung von 50 bekommen. Tetris nur eine 35.  An der Monsterwelle der Indiegames und 100 Millionen Minecraft-Spielern zerschellte dieses Unrechtssystem wie die Karavellen der iberischen Eroberer an den Küsten Patagoniens.

Lange her und längst vergessen? Nein, in seiner aktuellen Gamestar-Kolumne fordert Redakteur Peter Bathge, es muss „endlich Schluss mit Oldschool“ sein! Die Entwickler sollen in Zukunft andere Spiele machen, weil es in den letzten Jahren genug Games mit Iso-Perspektive und Rundenkampf gab. Aber Peter, niemand zwingt dich, diese Spiele zu spielen! Nur weil du die Zielgruppe wechselst, müssen dir deine Lieblingsspielserien und Lieblingsentwicklerstudios nicht dorthin folgen. Zock' halt Witcher, Fallout, Skyrim, Cyberpunk 2077 oder Outer Worlds! Aber gönne anderen Spielern weiterhin ihren Oldschoolspaß mit Pillars of Eternity, Divinity - Original Sin, Tyranny oder Baldurs Gate 3. Genrevielfalt ist etwas Großartiges, sie zu erhalten, ist erste Journalistenpflicht!

Das Phänomen kennt keine Magazingrenzen. Harald Fränkel forderte „Ein Spiele-Magazin muss versuchen, allen seinen Lesern gerecht zu werden. Eine 9 oder 10 ist für Dark Souls schlichtweg zu hoch“, da es 95% der Spieler überfordert. Klingt demokratisch. Heißt aber übersetzt: Hat das Spiel eine Mini-Zielgruppe, tja Pech, dann kann es von vornherein keine hohe Wertung bekommen. Spitzenidee Harald, damit wirst du der Mehrheit der Leser gerecht, für die „bockschwer“ ein K.O.-Kriterium ist und die das Game so oder so nicht spielen werden. Präejakulative Wertungskastration erreicht aber für die tatsächlichen Spieler soviel wie eine Steakhouse-Kritik für Vegetarier, Hedgefondsempfehlungen für Durchschnittsverdiener oder ein Campingtauglichkeitstest für Bugatti-Besitzer. Nämlich gar nichts. Lediglich Investoren und Designer werden noch mehr rundgelutschten Einheitsbrei produzieren. Niemand steckt Zeit und Geld in ein Spiel, bei dem schon vor der ersten Codezeile feststeht, dass es maximal 8 Punkte erhält.

Auch das ist lange her und längst vergessen? Nein, denn was lese ich jüngst bei Michael Hengst? Er fühlt sich chronisch ignoriert, sogar diskriminiert, weil junge Spieledesigner ihn nicht namentlich bei der Zielgruppendefinition inkludieren. Dabei gibt es eine wachsende Ü50-Gemeinde, die Spielemacher doch gefälligst mitadressieren sollen. Nein, Old Man, völlig vergaloppiert! Selbst ein Spiel, das sich an die 0- bis 3-Jährigen richtet, diskriminiert dich nicht! Ein Spiel wertet nicht seine Zielgruppe über eine andere, sondern definiert einfach, was das Spiel sein will. Die Diskriminierung findet erst im Kopf statt, wenn du ein Spiel deswegen als weniger wertvoll betrachtest.
 

Spezielle Einblicke in späte Einsichten


Der Spielejournalismus hat in den letzten Jahren viel dazugelernt, hat sich weiterentwickelt. Die Gamestar hat verstanden, dass ein Spiel mehr ist als die Summe seiner Teile. Im Rahmen einer neuen Wertungsphilosophie hat sich die Gamestar 2015 die Verpflichtung auferlegt, ein Spiel und dessen Spieler (nicht alle Leser!) fair zu behandeln und weder vorzuverurteilen noch grundlos hochzujubeln. Trotz der vereinzelten „Schluss mit Oldschool“-Beschwörungen, ist das der richtige Weg.

Seit März 2018 wertet GamersGlobal subjektiv. Die Unterschiede sind deutlich. Sorgte sich Benjamin Braun in seiner Kolumne im Namen der Allgemeinheit der GG-Leser noch mit professioneller Distanz um die seelische Verfassung von Kollegen, die „bei Spiel X am Ende wie ein Schlosshund geweint haben wollen“, so erlaubt sich Harald, ja genau der Harald Fränkel, der früher einem Nischenspiel keine 9 geben wollte, folgenden epischen Satz: „Ich kann das wendungsreiche Detroit - Become Human nicht aus der Perspektive eines gefühllosen Androiden beurteilen, dafür bin ich viel zu nah am Wasser gebaut“. Und er vergibt trotz, nein wegen der vielen K.O.-Kriterien des Rohdiamanten eine 9,5. Welcome to the pleasuredome!

Schön und gut, aber muss dann nicht jedes Spiel Höchstwertungen bekommen, das mindestens einen glühenden Verehrer hat?! Reicht eine One-Man-Zielgruppe? Nein, denn es ist ja lange nicht alles Gold oder Platin, was glänzt! Ein Spiel kann auf 1000 Ebenen bei der Umsetzung scheitern und muss dafür abgestraft werden. Nur eben nicht für die eine, mutige Entscheidung, sich an eine kleine Zielgruppe zu richten! Sobald sich jemand absolut nicht mit einer Winzgruppe identifizieren will, schlägt die große Stunde der Subjektivität. Denn selbst so ein Indiekuschler wie ich kann wunderbar damit leben, wenn ein erfahrener Spielejournalist in einem Spielelabortest seiner Spielekritik zu einem ganz anderen Ergebnis kommt. Meinungsvielfalt ist etwas Großartiges, sie zu erhalten, erste Leserpflicht!
 

Q-Berts Quintessenz

  • Kritisiert ein Spiel für das, was es ist, nicht für das, was die Mehrheit erwartet!
  • Bewertet das Spiel - nicht die Menschen, die diese Art Spiel mögen!
  • Objektive „Wahrheiten“ sind Silber, gut begründete Meinungen sind Gold!
 
Q-lumne? Was soll das?
Ich, der Autor, heiße zum einen Q-Bert bzw. Micha und zum anderen euch herzlich willkommen mitzureden. In meinen Q-lumnen mäandere ich durch verschiedene Themen der Games- und IT-Welt. Wenn's euch gefällt, dann einmal pro Monat. Bitte vokalisiert und konsonantisiert eigene Gedanken, Meinungen und Kritik in den Kommentaren - und das bitte reichhaltig kontrovers, denn meine eigene Sicht der Dinge kenne ich ja bereits. Und ihr jetzt auch.

Bild oben: "Far Cry - New Dawn", Herstellerbild, Ubisoft
Bild unten: "Mona Lisa", Leonardo da Vinci // Julian Gallasch

Musik: „Sprinter“ by Idris Hussain

Bisherige Q-lumnen:
Q-lumne 4: Blech- und Sprechschäden!
Q
-lumne 5: Verliebt in Spielen
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Im schlimmsten Fall hätte Leonardo da Vinci auf die "Experten" gehört und Mona Lisa 2.0 wäre in Farbe erschienen. Und bunt.
Q-Bert 28. Juli 2019 - 18:30 — vor 15 Wochen aktualisiert
Bluff Eversmoking 16 Übertalent - P - 4361 - 28. Juli 2019 - 15:11 #

Sagen wir mal, die Zunft der Spieleberichterstatter hat sich in den letzten Jahren öfter mal vergaloppiert. Daß die aufwendigen, aber spielerisch oft dürftigen Hochglanzproduktionen hochgejubelt werden, ist eine Tatsache und führt letztlich zu Fehlkäufen und zu der Notwendigkeit, den eigenen Geschmack immer wieder auf die harte Art nachjustieren zu müssen. Der Indie-Titel hingegen bringt nicht genug Leser oder Klicks - für uns als Spieler eine latent ätzende Situation.

Fränkel ist da auf seine Art nur konsequent: Kritik am schwierigen Spiel, groteske Jubelrezension für den Titel, der sicher niemanden überfordert. Aber das ist geradezu ein Paradebeispiel, wie Spiele eben nicht besprochen oder bewertet werden sollten. Nicht so sehr wegen der Schwierigkeit, sondern wegen des Verhältnisses von Wertung zu persönlicher Heul-Neigung.

Aber "falsche Zielgruppe" ist ein schönes Fazit. So fühle ich mich als Spieler, der seit den 80ern spielt, mittlerweile öfter mal.

CharlieDerRunkle 13 Koop-Gamer - 1557 - 28. Juli 2019 - 15:09 #

Super Artikel. Die Probleme, die du thematisierst, sind genau die Gründe, weshalb ich Spielewertungen nie für voll genommen habe. Der Redakteur X testet Spiel Y und versteht es nicht oder es ist einfach nicht seins, und schon steht eine schlechte Wertung darunter, obwohl's da draußen massenhaft potentielle Spieler für diesen Titel gibt. Oder das Problem, dass man massentauglich sein will - ein Spiel ist super, bekommt aber nur eine 65%-Wertung weil nicht massentauglich, obwohl's eine 85% verdient hätte (fiktives Beispiel). Ich glaube, es sollte in erster Linie darum gehen, dass man einem potentiellen Spieler aufzeigt, was das Spiel ausmacht. Wenn es beispielsweise um ein Spiel wie Dark Souls geht, reicht es nicht, zu schreiben/sagen, dass es sich dabei um ein Dark Fantasy RPG handelt, sondern eben auch dieses Key Feature mit dem extrem hohen Schwierigkeitsgrad hat. Mit dem Hinweis auf den Schwierigkeitsgrad kann man dann gerne eine wasweißich 80% oder 9 von 10 geben oder was auch immer, ohne dem Spiel Wertungspunkte abzuziehen, weil's an sich gut aber eben nichts für jeden ist.

Ist ein sehr interessantes Thema, ich habe auch schon mal überlegt, ob ich mich mit objektiven/subjektiven Spieletests und der Unsinnigkeit von Wertungen beschäftige und darüber mal einen Artikel schreibe. Vielleicht irgendwann mal. Oder auch nicht.

Danke und Amen.

SupArai 17 Shapeshifter - - 8591 - 28. Juli 2019 - 15:14 #

Der Link zur Soundcloud ist noch nicht aktiv, oder bin ich zu ungeschickt?

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. Juli 2019 - 17:03 #

Nein, nein, es liegt nicht an deiner Geschicklichkeit ^^

Den Audiocast spreche ich sonst immer 1-2 Tage vor der Veröffentlichung ein, weil sich ja bis zur Freigabe noch was ändern könnte. Ich bin grade selbst überrascht, dass die Q-lumne heute schon online ging, ich hab da dieses Wochenende nicht mit gerechnet. :) Den Link zum Audiocast hab ich erstmal entfernt, evtl. ergänze ich ihn die Tage dann nachträglich.

SupArai 17 Shapeshifter - - 8591 - 28. Juli 2019 - 17:58 #

Puh, Gottseidank, dass Internet stellt mich oft vor ungeahnte Hürden... ;-)

Dann werde ich in ein paar Tagen mal bei der Soundcloud reinschauen, die war mir bislang auch kein Begriff.

amenon 16 Übertalent - P - 5261 - 28. Juli 2019 - 15:34 #

Sehr schöner Artikel. Speziell die ersten drei Abschnitte habe ich weggelesen wie nichts. Ich finde es ist weiter hin wichtig und wird wegen der Menge auch immer wichtiger Spiele zu testen und es wird immer unwichtiger Spiele zu bewerten. Mich interessiert viel stärker, ob die Mechanismen des Spiels sinnvoll ineinandergreifen und ob ein rundes Werk entsteht tausendmal mehr, als welche Zahl man diesem Werk geben würde.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 77953 - 28. Juli 2019 - 16:21 #

Mehr davon!Ich stimme für eine
Q-lumne pro Tag!

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 28. Juli 2019 - 17:03 #

"Objektive „Wahrheiten“ sind Silber, gut begründete Meinungen sind Gold!"
Jetzt hast Du es Dir aber verdient: schwach -, blöd - und unsinniger Quatsch!

Meinungen sind wie Arschlöcher und jeder hat bekanntlich mindestens eines davon. Ob eine Meinung gut begründet ist, lässt sich erst sagen, wenn man entweder eine repräsative Menge an Meinungen quantifiziert und miteinander abgleicht oder man sich selbst eine Meinung bilden konnte.
Harald Fränkel gab beispielsweise mit dem Test zu Wolfenstein - The New Colossus eine gegründete Meinung samt einer subjektiven Note ab, welche zu mindestens mir in keinem Punkt als Kaufentscheidungshilfe dienen konnte. Erst nach dem Durchspielen war ich in der Lage den Text zu verstehen, auch wenn ich ihm nicht in Gänze zustimmen würde.

Ein gute Kritik verrät dem Leser alles nötige über das Werk, damit sich dieser eben selbiger selbst eine Einschätzung bilden kann. Sowohl die Schwächen und die Stärken werden erwähnt, als auch sollten hemmungslos Spielinhalte verraten werden, wenn dies der für die Einschätzung des Rezipienten unerlässlich ist. Eine Kritik welche sich nicht an diese objektiven Wahrheiten gebunden füllt, sondern nur der Begründung der eigene Meinung verpflichtet ist, ist genau das Problem, welches Du hier bemängelst: Dann ist Dark Souls eben keine 9 oder 10 im subjektiven Redaktionsnotensystem, weil der Kritiker keine "schwerer" Spiele mag, sondern es ist eine 3 mit einer gut begründet Meinung, warum zu schwere Spiele scheiße sind.

Wenn Du einen Fehler in der Videospielbesprechung suchst, ist es die Flucht in den New games Journalismus anstatt ein faires übergreifendes Wertungssystem zu erforschen und der Unwillen vieler Spieler mehr als den Meinungskasten und die Note zu lesen.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. Juli 2019 - 17:25 #

Natürlich sollte eine Kritik einen "sachlichen Teil" enthalten, der einfach die nackten Fakten widergibt:
- Was ist das Spielziel?
- Wie funktionieren die Mechaniken?
- Gibt es Bugs?
usw., darum geht es in der Q-lumne aber gar nicht :)

Es geht um die Bewertung dieser Fakten - und da gibt es keine objektiven Wahrheiten. Egal wie sehr du es im Alchemielabor versuchst. Du kannst schreiben "Das Spiel erlaubt kein freies Speichern". Fakt. Aber ist das nun positiv oder negativ? Dafür gibt es keine Regel! Und wenn Leute so tun, als hätten sie da eine wie auch immer begründete "objektive Regel" gefunden, ist das Schwachsinn! Weil meist lautet die Regel "na, weil die meisten es so wollen...". Was aber Bullshit ist, weil niemand weiß, ob die meisten es auch bei DIESEM Spiel wollen würden. Und vor allem nicht, wenn die meisten genau die meisten sind, die das Spiel ohnehin nicht spielen!

Und an genau dem Punkt sollte man gar nicht erst anfangen, den Lesern erzählen zu wollen, ob etwas gut oder schlecht ist - sondern einfach seine (gut begründete) Meinung aufschreiben:

a) "Ich finde Ironman ohne freies Speichern geil, weil es mich zwingt, meine Züge zu überlegen und jeder Entscheidung eine viel größere Relevanz gibt"
b) "Ich finde Ironman ohne freies Speichern scheiße, weil ich mich beim Zocken entspannen will und nicht für jeden kleinen Fehler bestraft werden will"

Mit beiden kann ich wunderbar leben. Nur nicht, wenn in einem "Labor"test als verkündete Wahrheit steht "(-5 Punkte)kein freies Speichern möglich!".

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 28. Juli 2019 - 18:23 #

Nur ist ein Fakt eben eine objektive Wahrheit. Falls die Bewertung eines Faktes notwendig sein sollte, kommt der Kritiker natürlich in seinem Alchemielabor nicht weiter, weil sich niemand inklusive er selbst darum kümmert einen veritablen Teilchenbeschleuniger zu entwickeln. Daß dessen Entwicklung an sich möglich ist und eine eigene Bandbreite ermöglicht, sieht man in jedem anderem Medium und in jedem anderem Medium führte es sogar, soweit kulturgeschichtlich erfasst, zu besseren Werken.
Stattdessen findet ein Großteil der Weiterentwicklung an der Goldbörse statt und diese ist daran interessiert, den Goldpreis in die Höhe zu jagen und nicht etwa mehr Gold zu schürfen oder gar Platin als wertvoll anzuerkennen.

Das Ergebnis des "Labors" mit "(-5 Punkte) kein freies Speichern möglich" ist eben auch nichts anderes als eine begründete Meinung mit dem Wortlaut "Wir finden keine freie Speicherwahl scheiße, weil sie uns in ein starres Korsett zwängt und so der Automanie beraubt." Der Fehler liegt schlicht darin, daß manche Menschen zu der unsinnigen Annahme gelangt sind, daß Zahlen immer "objektiv" sind. Eine Zahl deren Bedeutung unbekannt ist und sich auch nicht erschließen lässt, hat aber nur folgende Aussage: Elfant Ringelschwanz hat 2 Maßeinheit.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. Juli 2019 - 19:04 #

"Objektive Wahrheiten" stehen in Anführungszeichen, damit du als Leser weißt, dass ich hier nicht von der simplen Nennung von Fakten rede, sondern von gefühlter Objektivität oder subjektivierte Objektivität, wie Jörg es nennen würde.

Diese Art Objektivität existiert nicht, sie ist eine Illusion. Selbst 20 Jahre Erfahrung als Spielejournalist ermöglichen dir keine subjektivierte Objektivität. Das ist wie bei einem Autofahrer, der bei 250 km/h auf der Autobahn aufgrund jahrelanger unfallfreier Praxis das Gefühl hat, er hätte diese Situation unter Kontrolle... hat er aber nicht. Er denkt es nur - solange, bis er tot unterm LKW liegt.

"(-5 Punkte) kein freies Speichern möglich" ist keine begründete Meinung, das ist ein Gebot. Wie "Du sollst nicht Ehebrechen". Das "Warum?", was du da nachlieferst, ist der Interpretation des LESERS überlassen, sie kommt eben nicht vom Schreiber. Nur ist diese Interpretation durch das negative Vorzeichen schon präjudifiziert. Der Leser bildet sich also eben NICHT mehr anhand der Fakten seine freie Meinung, sondern wird beeinflusst wie von nem Prediger auf der Kanzel.

"Der Fehler liegt schlicht darin, daß manche Menschen zu der unsinnigen Annahme gelangt sind, daß Zahlen immer objektiv sind."

Nee, Widerspruch. Das sage ich doch auch ganz deutlich, dass Menschen mit jeder Zahl unter einer Kritik wunderbar leben könnten. Den Fehler machen nicht die Menschen, denen vesucht wird, die Zahl als objektiv zu verkaufen (egal, ob die nun auf den Trick reinfallen oder nicht), sondern die Menschen, die sich der Illusion ihrer eigenen "Objektivität" nicht bewusst sind und fest daran glauben, mit dieser Zahl "Wahrheit" gesprochen zu haben. Hugh!

Borin 15 Kenner - P - 3349 - 28. Juli 2019 - 22:08 #

Ich schreibe es einfach irgendwo in diesen Strang, weil ich es nicht mehr lesen kann (auch nicht in Anführungszeichen), ohne mich gleich in einem Spiel an schuldlosen NSC abreagieren zu wollen: "Objektive Wahrheit" ist doppelt gemoppelt. Es gibt keine sinnvolle, sprich haltbare Definition, nach der Wahrheiten nicht das sind, was man gemeinhin unter "objektiv" versteht. Daher ergeben auch "subjektive Wahrheiten" oder Jörgs "subjektive Objektivität" keinen Sinn. Diese kann man nicht erreichen, egal ob Spielejournalist oder nicht, weil man eben auch keine schwarzen Schimmel reiten kann.
Anführungszeichen sollte man da meiden, sondern schreiben, was man meint. Wenn es subjektiv ist, dann kann man das Kind einfach so beim Namen nennen.
Gründe für Meinungen sind da eine andere Kiste. Meinungen kann man natürlich schlechter oder besser begründen und deren Basis auch schlechter oder besser für andere transparent machen.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. Juli 2019 - 23:16 #

Du selbst setzt "Wahrheit" hier mit Anführungszeichen. Und zwar aus exakt dem gleichen Grund, warum ich es getan habe. ;)

Borin 15 Kenner - P - 3349 - 29. Juli 2019 - 5:53 #

Nö. Ich unterscheide halt Meta- und Objektsprache.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 29. Juli 2019 - 16:20 #

Na dann.... ich unterscheide zwischen Begriffen, die ich mir selbst ausdenke und Begriffen, die ich von anderen *zitiere* bzw. darauf *referenziere*, aber mir nicht zueigen machen möchte.

Borin 15 Kenner - P - 3349 - 29. Juli 2019 - 17:05 #

Verstehe mich nicht falsch. Die Q-lumnen habe ich bisher alle mit Genuss gelesen. Bei dem Wahrheitending - und nicht nur da - sieht man nicht, das es ein Zitat ist.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 31. Juli 2019 - 22:04 #

Ich überlege mir dazu für die Zukunft eine Lösung.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 28. Juli 2019 - 22:33 #

Ich wüsste nicht wie ich dies als Leser wissen kann, aber geschenkter Punkt, da es gut an meinem Bios liegen kann.

Die subjektivierte Objektivität von Jörg war letztlich ein Vergleichssystem. Ganz nett wenn man seine eigene Meinungen etwas objektivieren möchte, aber als Testsystem ist es natürlich einigermaßen untauglich.
Ohne eine ernsthafte Forschung noch diesen objektiven Kriterien wird es aber immer Trickserei im Alchemielabor bleiben.

"(-5 Punkte) kein freies Speichern möglich"
Nein es ist schlicht ein wesentlicher Punkt bei dem der Rezipient der Kritik selbst entscheiden muss, ob er für ihn relevant ist. Das Minus zeigt nur an, daß es dem Tester nicht gefällt. Sofern wir natürlich annehmen, daß der Leser nicht nur ein treudoofes Schaf ist. Oder um bei den Gebot "Du sollst nicht Ehebrechen" zu bleiben: Der Paffe kann da noch so sehr von seiner Kanzel predigen, solange alle direkt und indirekt Beteiligten damit einverstanden sind, kann fröhlich der Swingerclub besucht werden.

"Das sage ich doch auch ganz deutlich, dass Menschen mit jeder Zahl unter einer Kritik wunderbar leben könnten."
Da widerspreche ich. Wenn die Menschen dieser Zahl wunderbar leben könnten, hätte es hier zu keine Wertungsdiskussionen gegeben. Es ist schlicht die Note des subjektiven Redaktionssystems. Natürlich sieht sich ein verdienter Redakteur als Experte und versucht nach besten Kräften die richtige Note zu verleihen. Einen Angriff auf diese Note ist dann wiederum ein Angriff auf seine Arbeit, welcher dann noch von Außenstehenden kommt, welche das dahinterliegende System nicht kennen.
Jetzt ist das "Alles nur noch eine persönliche Meinung" - System auf GG noch relativ jung, aber seit dem gab es zumindest keinen Wertungsaufschrei mehr. Eventuell weil die Leute der Zahl jetzt weniger Bedeutung schenken oder schlicht jetzt den wesentlichen Teil vorher konsumieren.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. Juli 2019 - 23:07 #

Siehste, das sehe ich ganz anders:
Ich denke, ein Aufschrei passiert dann, wenn jemand seine Meinung als Wahrheit verkauft. "Alien Isolation IST scheiße, beweisbar durch die Fakten 1, 2 und 3!". Weil die Fakten zwar beweisbar sein mögen, aber die Relevanz der Fakten für den Spielspaß eben nicht.

Eine konstruktive Diskussion entsteht dann, wenn jemand seine Meinung sagt. "Ich finde Alien Isolation scheiße, weil 1, 2 und 3!". Das hat IMHO nichts mit der Bedeutung der Wertung zu tun (warum sollte Jörgs Meinung zu dem Thema plötzlich weniger Wert sein?) und auch nichts mit dem Konsumverhalten der Leute. Es zeigt nur, dass die Leute durchaus bereit sind, andere Meinungen zu akzeptieren, solange sie dabei nicht bekehrt werden.

Übrigens wunderbar von Jörg hier auf den Punkt gebracht:
https://www.gamersglobal.de/news/158562/gamersglobal-grillfest-2019-video#comment-2434684
Da ging es zwar um Vegetarier, nicht um Spiele, aber hey, letztlich ist es da genau das Gleiche! Meinung sagen ja, Diskutieren ja, Predigen und Bekehren nein.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 29. Juli 2019 - 12:31 #

Es gibt in Deinem Beispiel nur keinen Unterschied. Da es keine uns bekannte Möglichkeit gibt Spaß zu objektiv zu bestimmen und kein objektives Bewertungssystem existiert, um die Güte eines Spiels zu bestimmten, muss beides eine Meinung sein und zwar völlig gleich wie totalitär oder paraobjektiv sie verkündet wird.
Daß die Meinung eines Experten durchaus höher gewichtet werden kann, ist da ein gänzlich anderes Blatt. Es sollte nur eingeschränkt sein, weil auch Experten gelegentlich irren (Jörg gesteht ja bereitwillig seine Fehlwertungen) oder systematisch Unsinn erzählen ( Beispielsweise Heiler welche einem Homöopathie als wirksame Therapieform halten).

Daß der Leser durchaus selbst zu einer anderen Wertung als der Profi kommen darf, stellt Jörg auch gar nicht in Abrede.
https://www.gamersglobal.de/news/141345/momoca-am-1232018-gg-user-elfant-diskutiert-mit-uns-ueber-wertungen
Hier geht es zwar um den umgekehrten Fall, bei dem mich GTA, mit seinen durch die Bank hohen Wertungen und je nach Wertungssystem sogar als Pflichttitel für jeden Spieler gehandelt, nicht interessiert und ich sie sogar für schlechte Spiele halte.
Genauso steht es jedem frei über die tatsächlichen Mängel eines Dark Souls oder Alien Isolation hinwegzusehen und was der Tester als negativ empfand als positiv zu empfinden.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 28. Juli 2019 - 19:22 #

Also, mein Eindruck bezogen auf objektivierte Tests waren zumeist, dass ich mich grundsätzlich nur eingeschränkt informiert fühlte. Abseits von Technik und Spielmechanik war der Rest idr Würfeln, weil der Eindruck des Testers eigentlich relativiert wurde. Ich sage bewusst Eindruck und nicht Meinung, denn an dieser Stelle machten Reviews auch nicht halt sondern orientierten sich an irgendeinem virtuellen Maßstab. Aber wir hatten in der Vergangenheit schon öfter über unsere unterschiedlichen Sichtweisen hinsichtlich der Bewertungssysteme diskutiert, da kommen wir eh nicht überein.

Was ich ein wenig anders als im Artikel nehmen würde, ist der Punkt "Objektive Wahrheiten sind Silber, gut begründete Meinungen sind Gold". Objektive Wahrheiten - solange sie wirklich messbar sind - sind relevante Informationen, die Diskussion um "mehrere" gut begründete Meinungen ist Gold. Sobald man die rein handwerkliche Seite eines Spiels verlässt, wird es bei einem großen Teil ohnehin schwer, eine allgemeingültige Position einzunehmen.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. Juli 2019 - 19:42 #

So ist's auch gemeint :) Ich bin ein Opfer der selbstauferlegten Beschränkung, dass die Statements in "Q-Berts Quintessenz" in eine Zeile (Desktoplayout) passen sollen. So wie jede Q-lumne auf eine Seite passen soll. Und ein Textblock nie mehr als 12 Zeilen haben soll... so zwinge ich mich dazu, mich kurz zu fassen und nicht ins Labern zu verfallen!

Das reisst aber gleichzeitig immer wieder Lücken, wo der Text angreifbar wird - was ja auch durchaus erwünscht ist. Solche Diskussionsbeiträge wie von Elfant oder dir würde es sonst nicht geben. Aber genau solche Kommis, über die man diskutieren kann, freuen mich besonders! :)

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 28. Juli 2019 - 22:29 #

Ja Du stehst halt auf der anderen Seite der Medaille. So nah und doch so fern.

Lassen wir mal die alten Streitpunkte weg. Auch das Handwerk ist nicht so einfach zu beurteilen, wie wir es gerne hätte. Nehmen wir mal das typische Nachfolgerproblem der Sportspiele. Diese Spiele werden ja handwerklich oft jedes Jahr besser. Gibt der Kritiker jetzt jedes Jahr einen Punkt mehr? Was ist wenn zwischen den Spielen ein neues Graphikbrett erscheint? Oder gar ein neuer Titel in genau dieser Sparte handwerklich die Latte höher legt?

euph 27 Spiele-Experte - P - 79748 - 28. Juli 2019 - 18:11 #

Sehr schön geschrieben, danke dafür

Steffi Wegener 21 Motivator - P - 26453 - 28. Juli 2019 - 19:11 #

Mit Folge 6 zur Perfektion gefunden. Oder sagen wir lieber: fast. Denn es soll ja bitte noch weitergehen!

Beim Lesen des Intros befürchtete ich noch ein Anglizismen- und Denglischfest, das mich derzeit in allen möglichen Medien nur noch nervt. Hast du aber gerade noch umschifft.

Noodles 24 Trolljäger - P - 55805 - 28. Juli 2019 - 19:12 #

Schöner Artikel, dem ich in seiner Aussage zustimme. :)

Rüdiger Steidle Freier Redakteur - F - 8560 - 28. Juli 2019 - 20:47 #

Schön geschrieben, allerdings muss ich zugeben, dass ich trotz der Zusammenfassung nicht ganz kapiert habe, was mir der Artikel nun eigentlich sagen möchte. Dass man Nischentitel nicht nach den gleichen Kriterien bewerten sollte wie Mainstream-Spiele? Ich finde, das ist eine völlig legitime Herangehensweise - bei einem Mainstream-Medium für mich sogar die einzig umsetzbare, schließlich muss eine gewisse Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet sein.

Wer sich in einer bestimmten Nische wohlfühlt, findet doch heute genügend Experten, die genau diese bedienen. Möchte ich mich als Gelegenheits-Rollenspieler über ein Rollenspiel informieren, würde ich schauen, was Gamersglobal & Co. darüber zu schreiben. Möchte ich dagegen als eingefleischter Landmaschinen-Fan wissen, ob der neue Landwirtschaftssimulator etwas taugt, gehe ich stattdessen zu Trekkersglobal.

Wie auch im Artikel steht: "Meinungsvielfalt ist etwas Großartiges, sie zu erhalten, erste Leserpflicht!" Solange also alle Zielgruppen bedient werden, ist doch alles in bester Butter. Oder ist das genau die Aussage, die ich missverstanden habe?

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. Juli 2019 - 23:44 #

Hi Rüdiger, danke für deinen Kommentar.

Die Kolumne möchte dir gerne sagen, dass Du als Kritiker sehr gerne Nischen-Titel nach den gleichen Kriterien bewerten darfst wie Mainstream-Spiele. Ich bitte dich lediglich, deine eigenen Antworten auf die Frage nach der Gewichtung der "Testkriterien" zu finden! Dich NICHT auf das zu stützen, was (vielleicht) die Antwort der Mehrheit der Leser wäre. Was halt im Fazit steht: Bewerte das Spiel, nicht die Zielgruppe.

>>> schließlich muss eine gewisse Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet sein.

Nö. Was nutzt mir die Aussage "Witcher 3 ist besser als Hearts of Iron 3"? Ist doch genauso sinnlos wie "Ein VW Bus ist besser als ein Space Shuttle", und glaub mir, ich kann die diese Aussage mit 100 objektiven Kriterien beweisen! No.1: Das Spaceshuttle ist zu teuer. No.2: Du kannst nicht rückwärts fahren ... Ja natürlich, die Zielgruppe von Witcher 3 viel größer ist als die von HoI3. Aber das ist mir auch ohne Test klar...

Ich brauche auch keine Vergleichbarkeit deiner Kritiken mit denen von Harald Fränkel (die es eh nie geben kann). Was mir aber wichtig ist, ist, dass DU in DEINEN Wertungen konsistent bist und mir deine (gerne völlig subjektiven) Beweggründe erklärst.

Das ist übrigens völlig d'accord mit Jörgs Aussage "der Tester muss keine Rücksicht auf frühere Wertungen, etwa des Vorgängers, mehr nehmen, und auch nicht auf ähnliche Spiele. Natürlich sollte die Wertung vergleichbar sein mit früheren Noten desselben Testers", siehe: https://www.gamersglobal.de/sonstiges/sotestenwir

>>> ... gehe ich stattdessen zu Trekkersglobal.

Aber nein! Eben nicht. Ich möchte hier DEINE Kritik zu einem Spiel lesen. Weil ich dich (und Jörg, Denis, Benjamin, Harald, Heinrich) seit Jahren kenne und weiß, was ich davon zu halten habe, wenn du eine Kritik schreibst. Was nutzt es mir, eine hochgejubelte Fanwertung des Farmsimulator 12 in einem Farmsimulator-Fanforum zu lesen? Nüscht! Aber wenn Rüdiger, der Strategieexperte / Tüftler / Denker, in seiner ganz persönlichen, subjektiven, aber gut begründeten Bewertung erklärt, warum Farmdings 12 geil/scheiße ist, dann kann ich damit was anfangen.

Deswegen wäre es auch so wichtig, dass sich alle Redakteure und freien Autoren mal mit Kurzprofil vorstellen, damit "Neulinge" auch wissen, wer du bist und was du denkst.

>>> "Meinungsvielfalt ist etwas Großartiges, sie zu erhalten, erste Leserpflicht!" Solange also alle Zielgruppen bedient werden, ist doch alles in bester Butter.

Es geht doch nicht ums Bedienen. Ich will keine Indiequote und auch keine Gefälligkeitswertungen! Von mir aus verreiss mein Lieblingsspiel, wenn das deine begründete Meinung ist. Aber tue es mit DEINEN Gründen, deinen Kriterien, deinen Maßstäben. Nicht mit den Maßstäben anderer Tester, nicht mit den Kriterien eines "Goldstandards" und nicht mit dem Grund, dass die meisten Leser dir am Ende zustimmen.

P.S.:
Ich hab das in "Du" Form geschrieben, weil du gefragt hast - heißt aber nicht, dass ich dich mit der Kolumne ansprechen wollte. Ich finde z.B. dein Tropico 6 Fazit richtig gut, weil du da ausdifferenzierst, wer Teil 4 und 5 gespielt hat und wer nicht. Ich bin ja auch so ein Strategiefuzzi und wenn ich speziell deine Kritiken nicht gut finden würde, wär ich gar nicht hier!

Harry67 18 Doppel-Voter - - 11290 - 29. Juli 2019 - 8:10 #

#Team Rüdiger ;)

Ich hab trotzdem den Eindruck, dass du mit deinen ja akzeptablen Ansprüchen speziell hier eher offene Türen einrennst.

Ein Aspekt, der mir aber zu kurz kommt ist die Verlässlichkeit der Redaktion bzw. heute wohl eher der individuellen Redakteure als Institution für eine Kaufberatung. Nicht zu vergessen die Bestätigung des eigenen Gamerweltbildes ...

Tatsächlich "nutzt" mir Jörg bei der Beurteilung eines Farmsimulators so gut wie gar nichts. Die altbekannten Schwächen sehe ich selber in wenigen Minuten und zu den interessanten Details kommt Jörg erst gar nicht, weil der sich vielleicht schon an der nicht genug realistischen Physik abgearbeitet hat. Also suche ich mir einen Tester, "der mich versteht". Jörg und alle anderen hier haben ihre spezielle Bedeutung für mich, weil sie jeweils in ihren Bereichen verlässlich sind.

Wenn ich das ins Wirtschaftliche weiterdenke, dann hat eine Redaktion nur gute Karten, wenn sie es schafft das breite Mittelfeldspektrum zu bedienen(!). Wird es zu nischig, zu hobbyenthusiastisch, dann spricht es zu wenig Leute an. Nur Mittelfeld wäre dann im Gegenzug aber zu wenig individuell. Aus meiner Sicht bewegen sich so gut wie alle Redaktinen/Redakteure in diesem Spannungsfeld.

Bluff Eversmoking 16 Übertalent - P - 4361 - 29. Juli 2019 - 15:10 #

Ganz persönliche, subjektive, aber gut begründete Bewertungen stellen immer noch den Tester, und nicht das Spiel in den Vordergrund. Und das ist ein handwerklicher Kardinalfehler in jeder Art von Rezension. Es sei denn, man möchte ggf. einen Tester, und nicht etwa ein Spiel kaufen.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 29. Juli 2019 - 16:24 #

Passiert doch auch bei vermeintlich objektiven Labortests. Nur stört es mich da viel mehr als bei einer Meinungsäußerung.

Rüdiger Steidle Freier Redakteur - F - 8560 - 29. Juli 2019 - 17:18 #

Danke für die Aufklärung. Dann habe ich den Text wohl doch richtig verstanden, bleibe aber leicht anderer Meinung.

Die Vergleichbarkeit von Ergebnissen über verschiedene Autoren hinweg ist mir wichtig. Nein, nicht auf einen halben Prozentpunkt oder eine Fünf-Grad-Neigung des Daumens und auch sicher nicht über Genregrenzen hinweg, da bin ich ganz bei dir. Aber wenn Autorin A und Redakteur B beim gleichen Magazin völlig unterschiedliche Maßstäbe anlegen, dann verwirrt mich das als Leser. Genau dafür gibt es festgelegte Wertungskriterien und interne Wertungskonferenzen, um Testergebnisse vergleichbar zu machen.

Wenn ich eine Zeitschrift jahrelang lesen, über Monate den gleichen Podcast hören oder denselben Youtube-Kanal schauen muss, um die Vorlieben der Redaktion kennenzulernen, dann sinkt der Nutzwert bis dahin doch deutlich. Und in erster Linie lese/schaue/höre ich Tests nach wie vor als Kaufberatung und nicht zur Unterhaltung.

Kurzprofile der Autorinnen und Autoren sind da sicher hilfreich, vielleicht solltest du die Idee an Jörg herantragen.

Gerade bei Nischentiteln neige ich allerdings ähnlich wie Harry eher dazu, auch Nischenmedien zu berücksichtigen, weil dort eben ganz andere Maßstäbe gelten als in einem Medium, das die breite Masse bedient.

Aber wie schon gesagt: Solange unsere unterschiedlichen Ansprüche bedient werden, ist doch eigentlich alles gut in der aktuellen Medienlandschaft. Ich mache mir nur zunehmend Sorgen, weil Text-Tests immer weniger populär werden und auch der Aufwand, der für die Artikel betrieben wird, immer weiter zu sinken scheint.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 30. Juli 2019 - 2:15 #

>>> Kurzprofile der Autorinnen und Autoren sind da sicher hilfreich, vielleicht solltest du die Idee an Jörg herantragen.

Nicht meine Lorbeeren, die Idee wurde schon mal vorgeschlagen, aber ich kann es gerne nochmal als Userfrage im MoMoCa in Erinnerung rufen, auch wenn ich die Antwort zu kennen glaube :)

>>> Ich mache mir nur zunehmend Sorgen, weil Text-Tests immer weniger populär werden und auch der Aufwand, der für die Artikel betrieben wird, immer weiter zu sinken scheint.

Ich bin da wohl eher Teil des Problems als Teil der Lösung, denn ich konsumiere seit Jahren eigentlich nur noch den Meinungskasten (der gerne länger sein dürfte). Für Spielprinzip, Grafik, Sound und sonstige "Fakten" reicht mir ein Blick auf eine kurze Videosequenz. Und dann steht meine Entscheidung fest, ob ich das Spiel spielen möchte oder nicht.

Aufwendige Analysen, der filettieren von Spielen, wie es z.B. Jörg gerne (ge)macht (hat), interessieren mich in der Regel deshalb nicht, weil ich das alles selbst rausfinden will beim Spielen. Für mich ist das ein endloser Spoiler, nach dem Lesen hab ich kaum noch Lust, das Ding selbst zu spielen.

Das Kurztestformat hier auf GG kommt mir daher sehr entgegen.

LRod 17 Shapeshifter - - 6617 - 30. Juli 2019 - 9:12 #

Da bist du nicht der einzige. Früher kannte ich die PC Player-Tests praktisch auswendig. Heute freue ich mich, wenn das per kurzem Video anschauen kann.

Manchmal - wie etwa beim Test zum Civ6-Addon - macht ein geschriebener Text immer noch viel Spaß. Aber auch da gibt es das schöne Civ6-KI-Video als witziges Gegenstück ;-)

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Juli 2019 - 12:48 #

Fühlt euch bitte vorwurfsvoll angesehen.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 31. Juli 2019 - 22:03 #

Also die letzten Tests von Harald Fränkel in der Gamestar habe ich komplett gelesen. Das sind zwar meistens Schrottspiele, die ich niemals spielen möchte, dafür sind die Texte (auch weil Gamestar ein paar Fränkeltendenzen im Zaum hält) sehr unterhaltsam.

Jac 18 Doppel-Voter - P - 9692 - 30. Juli 2019 - 7:34 #

Daran habe ich auch gedacht. Was helfen mir als durchschnittlicher Spieler denn Tests, bei denen ich gar nicht erkennen kann, ob das jeweilige Spiel etwas für mich persönlich wäre. Überspitzt gesagt: Für irgendeine Zielgruppe ist es immer das beste Spiel ;)
Ich habe nichts gegen Nischentitel und bin für Vielfalt, aber das muss für mich alles nachvollziehbar bewertet werden.
Es ist aber eine sehr unterhaltsame Kolumne, die ich gerne gelesen habe, auch wenn ich abweichender Meinung bin.

Alain 18 Doppel-Voter - P - 9082 - 28. Juli 2019 - 21:02 #

Wahre Worte.

Ich dachte schon bei der Power play, dass ich gewisse Wertungen nur wirklich gezählt habe wenn die richtigen Redakteure dahinter standen - und somit meinen groben Geschmack wieder spiegelten.

RoT 18 Doppel-Voter - P - 12413 - 29. Juli 2019 - 1:00 #

anregender Artikel, erfrischend im OP-Ed-stil :D

Currypuff 11 Forenversteher - P - 708 - 29. Juli 2019 - 6:07 #

Beim „Ausrotten“, „Rassismus“ und „Unrechtssystem“ bin ich der Meinung, das es auch in einer Kolumne zwei, drei Nummern kleiner hätte gehen müssen. Zumal an dem Punkt die Verbindung zu deinem Einstiegsszenario dünner wird.

„Manche Indiegames sind Rohdiamanten - trage sie mit Fassung!“

Danke dafür!

malkovic 14 Komm-Experte - 2183 - 29. Juli 2019 - 8:53 #

Gratulation zu dieser Kolumne, Mr. Q, das nenne ich ein Brett. Provokant, klar auf den Punkt, keine großen Ausweichmanöver. Ausdrücke wie blabla-Rassismus o.ä. sind bisschen überzogen, aber das sind Kleinigkeiten, die sich schnell glätten lassen. Bisher die beste Q-lumne, die ich gelesen habe, danke dafür.

AlexCartman 18 Doppel-Voter - P - 12263 - 29. Juli 2019 - 9:12 #

Schöner Artikel, toll geschrieben. Die Thesen unterstütze ich. Rein stilistisch finde ich allerdings, dass die Bullet Points am Ende einen Bruch darstellen, die „Quintessenz“ hätte ich einfach weggelassen. :)

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 29. Juli 2019 - 16:28 #

Hm, die Quintessenz ist so ein wiederkehrendes Basiselement, das immer dabei ist als tl;dr für Lesefaule :)

Genau wie in jeder Q-lumne ein Satz drin ist "Ich bin zwar nur XY und so ganz verstanden habe ich die Sache auch noch nicht. Aber ich habe eine Arbeitsthese:...". Auch immer drin.

Slaytanic 24 Trolljäger - - 53557 - 29. Juli 2019 - 9:46 #

Eine flott zu lesende und sehr interessate Q-lumne, vielen Dank dafür.

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 20033 - 29. Juli 2019 - 9:49 #

Ich merke mir: Kenne deinen Tester ;)

Faerwynn 18 Doppel-Voter - P - 10306 - 29. Juli 2019 - 10:08 #

Dem kann ich mich anschließen. Ich liebe Roguelikes und kann es mittlerweile nicht mehr ausstehen, die Kritik daran in jedem Test ab einer gewissen Größe des Testmediums zu lesen. Spielt doch die vielen anderen Spiele. Ich hätte gerne eine Einordnung in der Zeit und innerhalb des Genres. Also etwa "bringt die Genre-Standardformel in ansprechender Grafik" oder "viele innovative Elemente bei knirschender Technik". Warum erwartet bloß fast jeder Tester dass er entweder bisherige Nicht-Fans zu Konvertiten machen muss, oder alle genau davon abhalten muss?

Hyperlord 17 Shapeshifter - P - 7956 - 29. Juli 2019 - 10:55 #

Nora Beyer hat in der aktuellen Ausgabe der GameStar (warum schreibt sie eigentlich nicht auch für GG? Wollte sich melden ...) ein mehrseitiges Essay über "Was ist Qualität" verfasst.

Ist, bezogen auf diese Kolumne, dann "Platin-Awards" sowas wie die Auszeichnung für Nieschen-Indie-Bockmist?

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 29. Juli 2019 - 16:33 #

Den Nora-Artikel hab ich am Samstag gelesen, den Einsteig fand ich auch richtig gut. Ihr Ansatz, Spiele sollten sich konsequent ausrichten, geht ja auch genau in meine "KO-Kriterien machen ein Spiel besser"-Richtung.

Leider wird der Gamestar Artikel für mich danach sehr zäh und viel zu lang. Ein Problem, was ich mit vielen GS-Artikeln in letzter Zeit habe... 3-4 Seiten waren das, oder? Puhh...

Platin-Awards sind wie Platin-Premiumenten hier auf GG! ;)

Ganon 24 Trolljäger - P - 53331 - 30. Juli 2019 - 8:10 #

Echt? Mit vier Seiten war der für eine GameStar-Reportage verhältnismäßig kurz. ;-)

rammmses 19 Megatalent - P - 18412 - 29. Juli 2019 - 18:47 #

Ich weiß nicht so recht. Wenn es früher bei der Gamestar eine 85+ gegeben hat, hieß das sowas wie Ausnahmespiel, das man als Genreinteressierter auf jeden Fall spielen sollte. Eine 90 war gar ein Meilenstein, was so auch rückblickend funktioniert hat. Mit der ganzen Subjektivität ist je nach Sichtweise alles möglich, irgendwelche Retro-Kram, der rein gar nichts als Fan-Service macht, kann abgefeiert werden, Durchschnittskost, die in 2 Jahren keiner mehr kennt, kann absurd hohe Wertungen kriegen, wenn es den richtigen Tester erwischt (siehe call of Cthulhu bei der gamestar). Am Ende ist alles irgendwie "gut", aber was sind denn nun die must-plays? Gerade in Zeiten von überbordende Spieleflut, sollte man sich auf Qualitätskriterien verständigen.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 29. Juli 2019 - 19:48 #

Also, mein Eindruck war eher, dass mit dem Fortschritt der Technik der Anspruch der Objektivität eher Austauschbarkeit salonfähig machte. Speziell die 80% hat sich zu einer Art Kompromiss-Marke für Spiele entwickelt, wenn sich Tester nicht so ganz einig werden konnten. Im Zweifel hievt es die Production Value über diese Grenze. Das war für meine Begriffe auch das Hauptproblem an dem Wertungssystem der Gamestar bis zur Lockerung vor ein paar Jahren.

Was ich an der ganzen Diskussion um dieses Thema immer etwas schwierig finde, dass der Schritt zwischen vermeintlicher Objektivität und Subjektivität nicht unbedingt ein großer ist. Da werden schnell die Tests von 4Players ins Feld geführt, welche Vergleichbarkeit bereits seitens der Wertungsphilosophie ausschließen. Nur wage ich zu bezweifeln, dass die gleichen Menschen in einem fester gesteckten Rahmen von ihren Prinzipien abweichen würde.

Hier auf GamersGlobal hat sich die Herangehensweise an Tests doch nicht groß geändert, seitdem subjektiv gewertet wird. Es fällt hauptsächlich das Kompromiss-Wichten weg, welche auch nicht unfehlbar war (ich muss gerade wieder an den Test zu Dragon Age Inquisition denken, bei der ich mich immer noch frage, wie man dem überwiegendenen RPG-Generika ohne persönlichen Hype eine 9.5 geben konnte).

Du nennst als Beispiel das Hofieren von Retrokram, das ist in der Tat so eine Sache, weil sie halt alleine vom Scope nicht vergleichbar mit Mainstream-AAA-Produktionen sind. Ich bin zwar auch der Meinung, dass solche Spiele durch andere Qualitäten glänzen können und wie beispielsweise im Fall von Undertale oder Stardew Valley verdient einen Kultstatus haben. Nur auch bei solchen Ausnahmespielen in dem Segment bevorzuge ich Reviews ohne Zahl darunter.

rammmses 19 Megatalent - P - 18412 - 29. Juli 2019 - 20:03 #

Ja Wertungsinflation ist ein anderes Thema, daran hat sich aber nichts geändert, ist sogar schlimmer geworden würde ich behaupten. Natürlich auch schwierig, wenn sich erst einmal eingebürgert hat, dass eine 60er Wertung "Schrott" bedeutet.

LRod 17 Shapeshifter - - 6617 - 30. Juli 2019 - 9:08 #

Die untere Hälfte der Skala wird auch einfach nicht mehr getestet. Schau mal in eine alte PC Player, da wurde noch alles getestet (in einem viel überschaubaren Markt) und da waren dann natürlich echte Gurken dabei. In Zeiten knapper Ressourcen fallen die natürlich weg, was aber nicht heißt, dass es unter 6.0 nichts mehr gibt.

Aber ja, ich glaube auch, dass das - zusammen mit dem größeren Angebot - dazu führt, dass sich die Wertungsgrenze für einen Kauf nach oben verschobenen hat.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 29. Juli 2019 - 22:31 #

Ich denke, daß Dein Eindruck durchaus richtig ist, aber Du zum falschen Ergebnis kommst. Je niedriger der technische Standard war, um so mehr konnte man relativ einfach durch diesen ein Urteil fällen, welches objektiv schien. Lara Crofts Animationsphasen in Tomb Raider 1 waren zum Beispiel damals etwas einmaliges. Bei einem Witcher 3 würde man soetwas heute bei keiner Nebenfigur Figur noch durchgehen lassen. Ein Indie - Spiel kann soetwas aber nicht leisten. Also höhere Produktionskosten = höhere Wertung und einen Nachteil für Indie - Spiele.
Gerade die technisch interessanten Zeiten des PCs der späten 1990 - iger bis mittleren 2000 tragen da eine Mitschuld.
Das Problem stellt also da diese Kluft samt ihre Überwindung dar. Darauf wurde allerdings aus meiner Sicht schon vorher keine funktionierende Lösung gefunden. Schon weit vor einem relevanten Indiemarkt im heutigem Sinn hat man deswegen Spiele nur im Genre verglichen. Um das Jahr 1997 zu bemühen: Wie sollte man sonst ein Monkey Island 3 mit einem GTA, Theme Hospital oder Incubation vergleichen? Eine schnelle funktionierende Lösung war schlicht wichtiger als ein das grundlegende strukturelle Problem anzugehen.

Um DA:I Test mal etwas zu verteidigen: Findest Du einen Deiner Kritikpunkte nicht im Test?
Ich könnte mir vorstellen, daß Du wie ich zu viel Zeit in den Hinterlanden verbracht hast oder im Gegensatz zu mir ineffizient am War table Zeit verbracht hast. (Als bis 4 Stunden während des Spiels und alles darüber getaktet über Nacht oder über den Arbeitstag hinweg.)

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 29. Juli 2019 - 23:13 #

Den Hauptkritikpunkt, der mir im DA:I-Test abgeht, dass es nicht einen Hinweis gibt, wie stocksteif die Welt designt ist. Dieser Gegensatz zwischen Zwischensequenzen und die schlichtweg statische Spielwelt. Um da mal anzufangen, das sprang mich bereits in der ersten Spielstunde an und ebenso die allgegenwärtige generische Natur beim Quest-Design. Es tut mir leid, ich finde das Spiel in seiner Gesamtheit durchaus gut, aber eine 9.5 hat das Spiel im Leben nicht verdient und auch keine 9.0. Nach objektivierten Maßstäben verstehe ich die Wertung noch weniger.

Ich denke sonst schon, dass wir schon einen recht ähnlichen Blick auf die Testlandschaft haben. Nur ist mein Schluss, dass das Streben nach Objektivität eine Einbahnstraße ist, die eigentlich noch nie so ganz funktionierte. Bei klar abgrenzbaren Genres mit erkennbaren Qualitätsmaßstäben geht das noch gut auf. Sobald die Genres aber verschwimmen oder Spiele mehr von der Story getragen werden, funktioniert das aber nicht mehr. Die Zielgruppe wird uneindeutig, die emotionale Wirkung bekommt mehr Gewicht und funktioniert nicht mehr bei jedem gleich.

Wo ich auch nicht mitgehe, ist Production Value als Qualitätsmaßstab anzusetzen. Bzw ich sagte bereits, dass ich hier schon eine Abgrenzung sehe und man kleine Indie-Produktionen nicht wirklich mit AAA ins Verhältnis setzen kann. Aber mal Factorio als Beispiel: Das ist in seiner Nische ein absolutes Schwergewicht, trotz der schlichten Präsentation. Soll man solch ein Spiel aufgrund seines Budgets bestrafen?

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 77953 - 30. Juli 2019 - 6:43 #

Ich bin mal gespannt, ob ich eure DA:I Kritik nachvollziehen kann, wenn ich es denn irgendwann mal spiele. :)

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Juli 2019 - 9:33 #

Ich denke, Du hast mich etwas missverstanden. Dies ist allerdings verständlich: Ausnahmsweise plädiere ich diesmal nicht mal nicht für die Objektivität als Allheilmittel.^^

"Bei klar abgrenzbaren Genres mit erkennbaren Qualitätsmaßstäben..."
Schon da funktioniert dieser Ansatz nicht, weil er letztlich nur eine Krücke ist, welcher das Problem zwischenzeitlich löste oder besser kaschierte. Die Krücke funktionierte aber nicht mehr, als auch sie Produktionsbudgets sich auch innerhalb eines Genres zu stark variierten oder sich die Genres immer mehr vermengten.
Ich bin da also ganz bei Dir.

PS:
Zum DA:I
"Einzige, was uns zu unserem Glück fehlt, ist ein regelmäßiger Tag-Nacht-Wechsel, der das Leben der NPCs beeinflusst."
Ok da ist die Statik der Spielwelt durchaus nur verklausuliert lesbar.
Das Questdesign ist nun der Standard Rollenspiel - Quark. Da ist Witcher 3 auch nicht besser. Da werden die Quest nur schöner verpackt und es gibt auch nicht so viele Nebenaufgaben.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 30. Juli 2019 - 10:19 #

Zu DA:I
Solche Dinge sind für meine Begriffe Archillesversen moderner Open-World-Games und es macht es auch nicht besser, wenn andere Spiele dieser Größenordnung auf genetisches Design setzen, um Die Welt irgendwie zu füllen. Sowas wirkt sich massiv auf das Spielerlebnis aus und ist entsprechend kritikwürdig.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Juli 2019 - 12:45 #

Ja und Nein. Bring, Hole samt Finde und Töte - Aufgaben sind die Quintessenz der Rollenspielaufträge. Es gibt aus dieser Tradition nur wenige Ausreißer (und überraschend viele heißen davon Fallout). Damit haben wir dann auch noch die gesamte Geschichte von Herr der Ringe zusammen gefasst.
Zum Anderem haben offene Welten immer ihre Probleme. Entweder baut man sie spannend und limitiert sie entsprechend. Elex ist da ein gutes Beispiel. Ich habe da völlig freiwillig aus eigenem Antrieb, die nicht markieren Sammelaufgaben wie die Schnitzeljagden mit Photos oder Audiobänder erledigt, weil es schlicht nette kleine Geschichten in einem interessanten Weltenbau sind. Ich wüsste sogar noch noch nicht einmal ob es eine Schnellreisefunktion gab.
Aber die Welt von Elex ist auch etwas gar nicht: Sie ist ungefähr so glaubwürdig wie eine Schule ohne Aborte. Diese sind super für die Immersion und die Glaubwürdigkeit der Spielwelt aber schlecht für das Spieldesign. Unsere echte Welt ist nämlich verdammt langweilig. Gut Elex hat auch Aborte, aber es gibt zum Beispiel keine Schulen. Wir alle erinnern uns alle noch an unsere Schule: Großes Gebäude, architektonisch wahrscheinlich eher uninteressant und ein eventuell ein Spießrutenlauf. Ganz genauso ist es zum Beispiel in Fallout 4. Die Peiniger sind schlicht durch Feinde ersetzt worden, welche wir jetzt erschießen. Ja ich weiß Nerd - und Killerspieleklischee.
Damit diese wahrscheinlich habwegs realistische Welt irgendwie interessant wird, gibt es "Tagesabläufe" (mit einer guten Wahrscheinlichkeit, daß wir Figuren ohne Questmarker nicht mehr ohne weiteres finden falls sie nicht sehr rudimentär sind) und viele Sammelgegenstände. Nicht das falsch verstehen: Das Brotbacken in Ultima 7 ist super, aber wer hat es öfter als einmal gemacht? Angesehen, positiv vermerkt und anschließend ignoriert.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 30. Juli 2019 - 13:16 #

In der Hinsicht bin ich strikt: Wer große Welten baut, muss sich daran messen lassen. Nur, weil die Industrie meint, dass Größe besser ist, die Kosten zu generischen Design zwingt, macht es ein Spiel nicht unbedingt besser.

Die Formelhaftigkeit, welche zB Ubisoft-Spiele prägt, erschöpft sich nach einer gewissen Zeit und da hilft auch eine beeindruckende Kulisse nicht weiter. Wenn man es nicht schafft, die glaubhafte Welt auch mit interessanten Inhalten zu füllen, lässt man es vielleicht besser bleiben und baut das Spiel kleiner oder stellt sich auf entsprechendes Feedback ein. Vergleicht man Fallout 4 mit Teil 3 und New Vegas hat das bis auf wenige Ausnahmen eher austauschbare Misionsdesign das Spiel ein Stück weit entwertet.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Juli 2019 - 18:01 #

Generisches Design ist jetzt sicherlich eine Frage des Standpunktes. Ich würde DA:I jetzt per se keine generischen Design unterstellen. Da wäre ein Fallout 2 schon deutlich generischer im Leveldesign. Das Spieldesign ist mit Ausnahme der ganzen Sammelgeschichten halt der Standard. Ich weiß nicht, warum Karsten sie damals so toll fand, aber es stand im Test und warnte mich entsprechend. Beim Charakterdesign fand wiederum die große Massengeschmackswäsche statt. Einfach Bäh!

Was wären die Ausnahmen bei Fallout 4? Sie sind mir scheinbar noch nicht begegnet.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 30. Juli 2019 - 18:57 #

Den Standard vom Spieldesign sehe ich in der Form schlichtweg nicht ein und auch nicht, wenn es ein Tester macht - jedenfalls nicht, wenn man sich objektivierte Berichterstattung auf die Fahne geschrieben hat. Das sind reine Kompromisse um Spiele aufzublähen - nichts weiter. Und auf meinen Ausgangspunkt zu kommen: Dass in solchen Fällen der Production Value in Reviews den Ausschlag gibt, fühlt sich für mich einfach nur falsch an. Wo war deiner Ansicht nach DA:I denn nicht generisch im Questdesign?

Fallout 2 finde ich in dem Zusammenhang nicht ganz fair als Vergleich. Das Spiel erschien 16 Jahre vorher und auch in einer Zeit, als das RPG-Genre sich gerade aus einem Popularitätstief freistrampelte.

Es gab ein paar Stellen in Fallout 4, welche aber eher erzählerisch wirkten. Das mit dem unterirdischen Einbruch ist mir da im Gedächtnis geblieben oder das Schiff in der Stadt. Sonst war an F4 ziemlich wenig Fleisch. Nur auch das Thema hatten wir schonmal, dass wir beide eine unterschiedliche Wahrnehmung haben, was gute Quests ausmachen.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Juli 2019 - 20:53 #

Daß liegt daran, daß es auch falsch ist, aber es gibt da noch einen anderen Punkt: Du schriebst davon, daß die Ubisoftformel sich abnutzen würde. Ich würde sagen, daß sie von Anfang an Mist war. Es gibt schlicht keine objektiven Kriterien, um es zu bewerten und damit nur Meinungen. Selbst wenn es ein gutes Questdesign wäre, tritt ein Übersättigungeffekt auf, weil man es einfach zu oft spielt.
Fallout 4, DA:I und Witcher 3 teilen sich dasselbe Questdesign. Dieses Design kennen wir seit den Urzeiten des cRGP. Ich wandere gerne in Fallout 4, allerdings mehr weil ich die Welt mag. Elders scrolls Skyrim kann ich wiederum nichts abgewinnen, weil ich die Welt nicht mag.

Die beste Questdesign in DA:I war meiner Meinung nach die Mission auf dem Maskenball: An sich ein generisches "Finde Hinweise auf damit die Kaiserin Dich mag" Ein Palastkomplott ohne Bösewicht aber mit unterschiedlichen Ansichten und einen Zeitsystem bei dem man neben der Beliebtheit auch sich Zeit erkaufen muss, damit man alles zu Ende aufdecken kann. Im Sinne unser Diskussion habe ich diesen Teil leider nur einmal ohne Quicksave und herumprobieren gespielt.

Das Popularitätstief war spätestens mit Baldur Gate 1 (und wie jeder weiß eigentlich mit Fallout 1 überwunden.) Wir könne aber auch gerne andere Rollenspiele nehmen Mass effect 1. Ebenso ein generisches Leveldesign.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 30. Juli 2019 - 21:26 #

Ähm. Bei der Ubiformel bin ich ganz deiner Meinung, es ging mir nur in meiner Aussage nicht darum, dass sich die Formel über mehrere Spiele abnutzt, sondern während jedem einzelnem Spiel. Allerdings würde ich sagen, dass wenn ein Spiel über 10 Stunden motiviert und dann die Routine langweilig wird wäre es wahrscheinlich ein gutes Spiel, wenn es auf 10 Stunden ausgelegt wird. Das kann durchaus mehrfach funktionieren, zumindest ging es mir bei mehreren Teilen Assassin's Creed und auch Far Cry Primal so. Nur finden die Spiele in dem Moment kein Ende, weil der Markt offenbar nach immer mehr Größe verlangt. Bei den 3D-Fallouts empfinde ich das allerdings noch anders. Die Spiele schaffen es, permanent meinen Entdeckerdrang aufrecht zu erhalten. Die Story hat mich sowohl in Teil 3, New Vegas und Teil 4 relativ wenig gekümmert, wollte aber dennoch wissen, wie es am anderen Ende der Karte ausschaut.

Das mit dem Popularitätstief von RPGs glaube ich btw nicht, dass das schon bei Fallout 1 überwunden war, das war eher eine Initialzündung. Man soll zwar nicht von seinem Umfeld auf andere schließen, aber zb in meinem Bekanntenkreis hatte Fallout 1 und 2 seine Popularität ausschließlich der Gold Games 2 Sammlung zu verdanken (und in meinem Fall auch das Interesse an RPGs wieder geweckt). Die Spiele haben hier vorher niemanden interessiert, weil recht seltsames Setting und öde Präsentation. Baldurs Gate war dagegen tatsächlich ein Selbstläufer.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 31. Juli 2019 - 15:50 #

Ich bezog mich jetzt eher auf das Questdesign in der Ubisoftformel und nehme an Du redest jetzt vom allgemeinem Spieldesign beziehungsweise die Ubisoftformel in ihrer Gänze? Fast alle Spiele versuchen das generische Questdesign durch andere Dinge aufzuwerten. Sei es nun durch die Welt, Mechaniken, Narrative oder sonstige Spieldesignelemente. Auch mein DA:I Beispiel sollte man noch einmal darauf prüfen.

Es zählen natürlich nur die Kenner. ;-) Nein Fallout 1 verkaufte sich etwa 500.000 mal und Baldurs Gate 1 etwa 1.000.000 mal. Ich weiß aber nicht, in wie weit dort schon die Budgetversionen inkludiert sind.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 31. Juli 2019 - 16:19 #

Naja, ich bezog mich von Anfang an auf die Bewertung von Spielen ihrer Gesamtheit. Einen kleinteiligeren Ansatz finde ich in dem Zusammenhang auch schwierig, bzw Leveldesign funktioniert exemplarisch für die Argumentation, aber es bleibt ein Teil des Ganzen. Bei Ubisoft-Spielen empfinde ich das Leveldesign auch als Sinnbild des formelhaften Aufbaus. Unabhängig davon begreife ich generische Spielinhalte die nicht als Aufwertung von Spielen, sondern fast immer als Kompromiss, um Spiele kosteneffizient aufzufüttern. Mir fällt kaum ein Titel ein, wo ein Spiel wirklich von derartigen Inhalten profitiert bzw wo ein handverlesene Design oder Kürzungen nicht die bessere Wahl gewesen wären.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 31. Juli 2019 - 18:57 #

Ok dann redeten wir etwas aneinander vorbei. Ich würde generische Inhalte nicht generell verteufeln. Die Mass Effect Reihe ist ein Musterbeispiel an funktionierender Generik in allen Punkten. Die Texte werden unisex geschrieben und gesprochen. Die Quests sind vollkommen generisch. Es gibt ein paar besondere Orte, aber auch sehr viel wiederkehrende Objekte und Architekturen. Dennoch sind es gute Spiele. Ok außer bei Spielverderbern wie mir, welche es mit Mammutleistungen wie Bloodlines vergleichen und selbst da war das Questdesign nicht gut.
Fallout New Vegas ist sogar eher als Assetflip zu bezeichnen.

Wie Du selbst schon schriebst verlangt der Markt nach immer größeren Spielen. Ich würde sogar einen Schritt weitergehen: Der Markt erwartet eine Vollvertonung außerhalb MMORPGs und schon die ist völlig unnötig, wenn jede per Generator benamste Skyrim - Wache nur erzählt, daß ein Pfeil im Bein Ihre Abenteuerer - Karriere beendet hat. Mit der sollte man gar nicht erst kommunizieren können, wenn sie nichts wie in Ultima 7 zu sagen hat, wo jeder Dorfbewohner zumindest sein Dorf kannte.

So gerne man auch über die Ubisoftformel meckert, sollte man aber nicht ihre wandlungsfähig nicht unterschätzen. Sie funktioniert in Assassins Creed vor der Pause anders als Farcry oder Watchdogs. Klar es gibt immer Türme, etwas zu markieren und Nebenaufgaben. Aber während ich in AC mit seiner Flowphilosophie "geschmeidig" hoch hüpfe, kämpfe ich mich bei Far Cry 3 an die Spitze und bei Watchdogs löse ich eine Puzzelaufgabe unter Zeitdruck.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 31. Juli 2019 - 23:42 #

Verteufeln würde ich nicht sagen, eher dass generische Inhalte eine recht scharfkantige Methode sind, um ein Spiel anzureichern. Scheinbar gut angelegt sind sie nach meinem Eindruck in Spielen, bei denen auch Grind-Mechaniken den Spielspaß nicht stören oder gar ausmachen. Wie zB bei diablo-artigen Titeln oder Roguelikes/lites (wobei ich mit dem ganzen Rogue-Kram selbst nichts anfangen kann).

Bei Ubisoft-Spielen empfinde ich es auch nicht per se als schlecht, sondern die Spiele geraten nach wenigen Stunden an einen Punkt, wo das formelhafte in eine Art Routine driftet und ich irgendwann aussteige.

Mass Effect halte ich da auch für ein gutes Beispiel, bzw auch wenn ich die Shepard-Trilogie total gerne mag, empfand ich den Cut dort noch stärker. Ich gehöre zu den gefühlt fünf Leuten, denen der Buggy und die Nebenmissionen richtig Spaß machten. Doch in den Spielen gab es einen Moment, ab dem von NPCs nur noch Standard-Antworten kamen und auch die Missionen bis kurz vor Finale wie aus dem Baukasten wirkten. Besonders auffällig war das mMn beim dritten Teil, wo ich beim letzten Drittel die Missionen immer austauschbarer und eigentlich nur noch McGuffins gestreut wurden, die für die Story keinen echten Mehrwert hatten. Der letzte Action-Abschnitt vor dem Ende war nur noch ein langer Schlauch an Arbeit.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 1. August 2019 - 13:43 #

Wie immer kann ich Dir einen guten Geschmack attestieren und wir sind schon zwei M35 Mako - Möger.

Ich denke generische Spielinhalte ist die falsche Begrifflichkeit. Mir scheint es so, als ob es Dir mehr um die Spielzeitstreckung gehen würden. Denn was Du gerade bemängelst, sind ja durch aus originelle Spielbestandteile, welche schlicht wenig Sinn machen. Im Falle der Schiffsbesatzung wären eher fehlende Inhalte im späten Spiel. Dies hätte aber nichts mit Generik wie den DA:I typischen Nebensammelaufgaben an sich zu tun.

Selbiges trifft auch auf die Ubisoftformel zu: Eine halbwegs immersive Welt ist schlicht langweilig. Deswegen überspringt man Reisen im P&P fast konsequent mit ein paar Beispielszenen wie es auch Fallout 1 und 2 machen.

v3to 16 Übertalent - P - 4281 - 3. August 2019 - 11:09 #

Ja, natürlich ist das am Ende eine Form der Spielzeitstreckung. Wobei ich das bezweifel, ob das in jedem Fall vom Entwickler als solche geplant war und da eher die verwendete Technik oder die Herangehensweise beim Leveldesign als Grund sehe. Ich bezeichne es jetzt mal als "generischen Charakter", da ich auch solche Dinge, wie Asset-Recycling oder gleichförmiges Missionsdesign mit in den Topf werfe.

Bei Mass Effect sind das solche Dinge, wie Missionen im späteren Verlauf, welche an sich nur ein Rundlauf sind, in der Mitte möglicherweise gespiegelt um irgendeinen Ausweis oder sowas zu stehlen. Oder auch, dass man ab einem bestimmten Fortschritt im Spiel nur noch Standard-Kommentare von NPCs zu hören bekommt (das ist etwa so aufregend, wie Bandansagen am Telefon). Dazu zählt für mich aber auch, wie zb in Dragon Age Inquisition, dass NPCs abseits der Video-Sequenzen in dieser ziemlich aufwendig gestalteten Welt wie festgenagelt an ihren Plätzen verharren. Dadurch bekommen die Spiele mMn einen beliebigen Anstrich.

Die Grenze, welche ich hier ziehe, geht auch etwas ins Detail. Ich spiele zb gerne Oldschool-Metroidvanias, welche durch die tile-basierte Grafik an sich der Prototyp für Wiederverwertung von Assets darstellt. Dennoch schafft es zb ein Axiom Verge dass die Räume einen eigenständigen Charakter behalten. Das ist in modernen Metroidvanias allerdings nicht selbstverständlich und das im gesteigerten Maße, wenn die Karte prozedural generiert wird. Und an der Stelle bin ich wieder an dem Punkt, dass Spielmechanik und Gameplay diesen Umstand ausgleichen müssen, sonst nimmt der Eindruck von Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder Langeweile überhand.

zfpru 17 Shapeshifter - P - 7982 - 30. Juli 2019 - 5:36 #

Trivia: Ich spiele im Moment Prey. Da gibt es einen Q Strahl.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 30. Juli 2019 - 21:47 #

Und ich hab neulich das hier entdeckt:
https://www.genderlessvoice.com/

Eine Stimme namens "Q Voice", die erste geschlechtslose Stimme, die weder männlich, noch weiblich ist.

Sgt. Nukem 16 Übertalent - P - 4203 - 30. Juli 2019 - 17:56 #

Wow. Super Kolumne!
Kannte die bislang noch gar nicht.

Extrapanzer 16 Übertalent - P - 5547 - 31. Juli 2019 - 10:36 #

Detroit - Become Human ein Rohdiamant?
Bei mir ist das Ding zu einem Häufchen Kohlestaub zerfallen, als das Spiel mir die Gleichzeitigkeit von Rassentrennung und Sklaverei verkaufen wollte. Ich kaufe mir keinen Androiden zum Einkaufen, wenn der in die Hälfte der Läden nicht rein darf und alle Produkte aus der Kühlung bis zuhause schlecht werden, weil hinten im Bus das Abteil für Androiden schon voll war.
Wie eng ich meine Nische auch fassen mag, solche Logikbrüche machen mir eigentlich alle Spiele von Quantic Dreams immer kaputt.
Voraussetzung ist natürlich, dass ich die Logikbrüche auch sehe, was ja zur aktuellen Debatte bei Filmen führt. Da gibt es Kinobesucher, die einen Film gut finden, weil sie die Logikbrüche nicht bemerkt haben und die andere Gruppe, sie sich nach 10 Minuten nur noch mit dem Film rumgequält hat. Wie soll man da zu einer Wertung kommen ...
( Ich wusste z.B. um die ganzen Probleme von Last Jedi, aber als ich ihn mir vor ein paar Wochen nebenher angesehen habe, fand ich das alles gar nicht so schlimm, weil meine Konzentration woanders lag. Bei Spielen geht das aber nicht, die spielen sich nicht passiv nebenher ...).

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 31. Juli 2019 - 11:48 #

Ich hab Detroit - Become Human nie gespielt. Hab mich da auf das Urteil des Experten verlassen :)

euph 27 Spiele-Experte - P - 79748 - 1. August 2019 - 5:29 #

Da bin ich immer froh, dass ich zur Gruppe gehöre, die Logikbrüche nicht bemerken oder darüber hinwegsehen kann und mir so den Spaß an Spielen und Filmen nicht kaputt mache.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 1. August 2019 - 12:42 #

Das ist eine beneidenswerte wenn man das zu Ende so könnte man dann wirklich jeden Film und das ohne sich weitere Gedanken! Ich hab mir da so schon so einige Filme! Komischerweise stört es mich nicht bei! Aber das kann daran liegen, dass ich selten storylastige.

euph 27 Spiele-Experte - P - 79748 - 2. August 2019 - 5:49 #

Ganz deiner Meinung!

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 77953 - 2. August 2019 - 6:57 #

Wtf? Ich versteh kein Wort.

euph 27 Spiele-Experte - P - 79748 - 2. August 2019 - 7:45 #

Da scheinen einige Logikbrüche drin zu sein - zum Glück bemerke ich sowas aber nicht oder es stört mich nicht, sodass ich sein Posting trotzdem genießen konnte ;-)

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 77953 - 2. August 2019 - 8:06 #

Ach so, Absicht. :D
Ich bin übrigens ganz bei dir.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 2. August 2019 - 14:00 #

Also das ist ja jetzt und deswegen, aber bitte.

Sven Gellersen 22 AAA-Gamer - - 33462 - 21. August 2019 - 1:23 #

Du kennst Piet Klocke?

euph 27 Spiele-Experte - P - 79748 - 21. August 2019 - 7:15 #

LOL, stimmt, der spricht auch immer so :-)

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 21. August 2019 - 13:55 #

Wie ich grad feststellen konnte, haben er und ich sogar am selben Tag Geburtstag :)

euph 27 Spiele-Experte - P - 79748 - 21. August 2019 - 14:50 #

Optisch unterscheidet ihr euch hoffentlich ;-)

Sven Gellersen 22 AAA-Gamer - - 33462 - 21. August 2019 - 16:00 #

Das möchte ich unserem Q doch sehr wünschen :)

iYork 17 Shapeshifter - P - 7917 - 21. August 2019 - 16:49 #

Viel Unterschiede sehe ich nicht... :) Unter früheren Kolumnen ist ein Foto von Micha zusammen mit Q-Bert. Wer wer ist müsst ihr selbst rausfinden :))

Sven Gellersen 22 AAA-Gamer - - 33462 - 21. August 2019 - 15:59 #

Haha, sehr gut :D

Danywilde 24 Trolljäger - - 57622 - 8. August 2019 - 12:43 #

Q-Bert, wolltest Du die Audioversion noch nachschieben?

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 8. August 2019 - 13:26 #

Zeitlich werde ich es in den nächsten Tagen nicht schaffen, aber grundsätzlich ja, ich will die Audioversion noch nachliefern.

Ich hab sogar eine neue, fetzige Titelmusik am Start, von einem GG-User! Die will ich unbedingt einbauen :)

Danywilde 24 Trolljäger - - 57622 - 9. August 2019 - 12:31 #

Fancy! Da freue ich mich, ich lausche Deiner Stimme sehr gerne!

Sven Gellersen 22 AAA-Gamer - - 33462 - 21. August 2019 - 1:25 #

Schöner Artikel, handwerklich Dein bester, lieber Q. Inhaltlich möchte ich Dir auch zustimmen, Du hast da so einiges angesprochen, was mich oft genug schon an Reviews gestört hat.

firstdeathmaker 17 Shapeshifter - P - 8490 - 24. August 2019 - 13:48 #

ich weis garnicht wieso man darüber so intellektuell Diskutiert. Für mich ist ein Review immer die persönliche Meinung eines Menschen, manche davon sind gut darin mir etwas zu empfehlen und andere halt nicht. Es gibt ja auch Empfehlungen, die ganz klar sagen, dass ein Spiel vor allem für Fans einer bestimmten Richtung oder Mechanik ist.

Und gute Redakteure versuchen dass auch sprachlich einigermaßen abzugrenzen. Manchmal entdeckt man auch Autoren die einen ähnlichen Geschmack haben wie man selbst. Viele der früheren Gamestar Artikel und Empfehlungen konnte ich nach dem Spielen vollkommen verstehen, die waren da sogar besser als meine initiale Auffassung des Spiels nachdem ich es gekauft habe. Es gibt aber eben auch Spiele die total unterschätzt werden, kann passieren. Aber die richtig guten finden irgendwann doch ihren weg zu den Fans.

CBR 20 Gold-Gamer - P - 24276 - 27. August 2019 - 14:04 #

Vielen Dank für die Q-Lumne. Urlaubs- und layoutbedingt bin ich erst jetzt darauf gestoßen. Einerseits teile ich zwar Deine Meinung, finde aber, dass ein guter Text, der nicht zwangsweise lang sein muss, wertvoller ist als ein durchdachtes Wertungssystem.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 28. August 2019 - 0:32 #

Kein "aber" an der Stelle :) Ich finde auch knackige Text, gerne in Form eines Meinungskastens, wichtiger als die Zahl darunter. Ganz egal wie diese Zahl nun zu Stande gekommen ist.

Ich freu mich grade, dass die Q-lumne auch 4 Wochen nach der Veröffentlichung noch neue Leser findet :D

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 146877 - 5. November 2019 - 20:29 #

Intelligenter Artikel. Danke dafür.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15741 - 5. November 2019 - 23:45 #

Je später der Leser, desto wertvoller das Lob :)