Infra – Ein Ingenieur als Held User-Artikel

Stadt in Gefahr

spielo2716 / 28. April 2018 - 11:27 — vor 29 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PC
Adventure
Ego-Adventure
Loiste Interactive
16.01.2016
Link
Auf den ersten Blick wählt Infra zwar ein alltägliches Setting, entwickelt sich im Spielverlauf aber zu einer dramatischen Rettungsaktion. Unser User-Test verrät euch mehr über das Indie-Adventure.
Wir sind Mark, ein Ingenieur in der fiktiven Stadt Stalburg. Unsere Aufgabe ist es, die marode Infrastruktur zu begutachten, Schäden zu dokumentieren und bei Bedarf auch zu reparieren. Im morgendlichen Teammeeting erhalten wir die Aufgabe, einen Staudamm und die ihn umgebenden Tunnelsysteme zu prüfen. Nach einem kurzen Bürorundgang, bei dem wir die grundlegende Steuerung lernen, sammeln wir noch schnell Taschenlampe sowie Kamera ein und machen uns auf den Weg. Dass aus dem Routine-Check ein Abenteuer wird, an dessen Ende sogar das Schicksal der ganzen Stadt hängt, ahnen wir natürlich noch nicht.
 

Ein Ingenieur als Held

Die Taschenlampe hilft uns in den dunklen Anlagen bei der Orientierung, während die Kamera für die Dokumentation von Schäden zum Einsatz kommt.
Die durch Vernachlässigung und Korruption heruntergewirtschaftete Stadt stellt uns vor allerlei Aufgaben. Während uns die Taschenlampe bei der Orientierung in den verfallenen, dunklen Industrieanlagen hilft, können wir mit der Kamera Schäden begutachten. Sehen wir beispielsweise einen Riss in tragenden Elementen oder zerstörte Gänge, halten wir kurz die Kamera darauf und drücken den Auslöser. Gleiches gilt für unzählige Dokumente, durch die wir die Hintergründe der Geschichte und mit zunehmender Spieldauer auch einen waschechten Skandal aufdecken. Das Schöne daran: Infra überlässt es uns, wie tief wir in die Geschichte eintauchen wollen. Denn abgesehen von gelegentlichen Telefongesprächen mit unserem Vorgesetzten müssen wir uns die Geschichte durch besagte Unterlagen selbst erschließen. Wer einfach nur die Levels genießen will hat ebenso viel Spaß, wie jene Spieler, die gerne jede Ecke einer Spielwelt erkunden. Und da gibt es einiges zu entdecken, denn die Levels sind schlichtweg gigantisch groß, gespickt mit optionalen Bereichen und Rätseln, die gut und gerne 20 bis 25 Stunden an den Bildschirm fesseln. Wer wirklich alles entdecken will, kann vermutlich auch die doppelte Spieldauer erwarten.
 

Marode Anlagen …

Der Staudamm ist unser erster, größerer Schauplatz, die weitläufigen Levels begleiten uns aber durch das gesamte Spiel.
Spielerisch ist Infra ein First-Person-Adventure, nutzt bei Storytelling und Atmosphäre aber auch Elemente aus Walking-Simulatoren wie zum Beispiel The Vanishing of Ethan Carter. Die Rätsel sind dabei oftmals glaubwürdig in die Levels integriert. So müssen wir am Staudamm zunächst auf einer Schalttafel Türen öffnen, um uns einen Weg durch den Komplex zu bahnen. An einer anderen Stelle leiten wir wiederum den Wasserkreislauf so um, dass wir durch das Hauptrohr den nächsten Abschnitt erreichen. Dabei helfen uns in vielen Fällen Diagramme der Anlage, die abstrakt die einzelnen Elemente aufzeigen. Unsere Leistung als Spieler besteht dann darin, die Abbildungen in den echten Level zu übertragen, um so die richtigen Schalter zu drücken oder Türen zu öffnen. Das gelingt leider nicht ohne den ein oder anderen Backtracking-Abschnitt, gerade in der ersten Spielhälfte motiviert das Erkunden der Levels und Erschließen der Rätsel aber ungemein. In den meisten Fällen gibt es mehrere Lösungswege und es ist fast unmöglich, im ersten Spieldurchgang jeden Level vollends zu erkunden. Oftmals verlassen wir einen Abschnitt mit dem festen Gewissen, weite Teile einer Anlage gar nicht gesehen zu haben, weil zum Beispiel ein Raum mit giftigen Gasen zwar gefunden, aber nicht leergepumpt werden konnte. Ein erneutes Besuchen der Schauplätze lohnt sich also.
 
Leider fällt die Qualität der Levels in der zweiten Spielhälfte etwas ab. Statt verlassener Industrieanlagen verschlägt es uns in die Kanalisation, U-Bahn-Schächte und menschenleere Straßenabschnitte. Auch die Rätsel sind simpler gehalten. Es gesellen sich keine neuen Elemente hinzu, wir entdecken nur noch Variationen der früheren Puzzles. Zudem steht zu oft die spielzeitstreckende Suche nach Schlüsselkarten oder munteres Kistenschieben im Vordergrund. Das ist vermutlich auch der Tatsache geschuldet, dass das Spiel ursprünglich in drei Teilen über den Zeitraum von fast zwei Jahren veröffentlicht wurde, wobei der finale Abschnitt erst Ende 2017 erschien. Immerhin: Im dramatischen Finale zieht das Spiel nochmal an und sorgt so für einen versöhnlichen Abschluss.
 

… in gelungener Technik

In den Außenbereichen erzeugt die üppige Vegetation eine geheimnisvolle Atmosphäre und kann das Alter der Source-Engine gut kaschieren.
Grafisch macht Infra einen guten Eindruck. Es basiert zwar mit der Source-Engine (Half-Life 2, Titanfall 2) auf einem schon etwas älteren Grafikmotor, zaubert aber trotzdem teils beeindruckende Bilder herbei. In Erinnerung bleibt eine stillgelegte Stahlanlage, bei der sich das Sonnenlicht durch zahlreiche Risse in der meterhohen Decke bricht und den Schauplatz in eine dichte Atmosphäre taucht. Auch die Außenbereiche mit ihrer dichten Vegetation wissen zu gefallen. Auf rein technischer Ebene könnte man über einige schwammige Texturen meckern, dem Gesamteindruck schadet dies jedoch kaum. Leider gibt es aber auch hier Abstriche in der zweiten Spielhälfte. Auch weil wir fast nur noch unterirdisch unterwegs sind, fallen die erwähnten Schauwerte größtenteils weg und in den überirdischen, modernen Straßenabschnitten merkt man der Engine ihr Alter dann leider doch an.

Der Sound ist unaufdringlich, teilweise begleitet uns nur das Hämmern und Piepen der technischen Anlagen, oft hallen aber auch nur unsere Schritte durch die verlassenen Industrierelikte. Musik wird nur sporadisch an Schlüsselstellen eingesetzt, wirkt dafür aber umso eindringlicher, zum Beispiel wenn wir nach stundenlanger Anstrengung unter Tage endlich einen Ausgang finden und in die Abendsonne von Stalburg emporsteigen. Die Sprecher sind leider eher unterdurchschnittlich, gerade unsere Hauptfigur wirkt oftmals gelangweilt und teilnahmslos. Da allerdings recht wenig gesprochen wird, fällt das nicht allzu stark ins Gewicht. Gute Englischkenntnisse solltet ihr übrigens mitbringen. Für die Gespräche stehen zwar deutsche Untertitel zur Verfügung, die zahlreichen Dokumente und Grafikobjekte wie Schilder gibt es aber nur in englischer Sprache. Gerade diese sind aber sowohl für Story als auch einige Rätsel relevant.
 
Die Standard-First-Person-Steuerung ist schnell erlernt, sowohl Maus/Tastatur als auch Gamepad lassen sich problemlos für den Ingenieursalltag nutzen. Schön gelöst: Öffnen wir das Pause-Menü, zückt unser Protagonist sein Smartphone, auf dem wir auf alle Optionen zugreifen können, während der Spielfluss nicht gestört wird.
 

Pflichtkauf für Erkunder

So lässt sich festhalten, dass Infra zu Unrecht kaum Beachtung fand. Gerade Spieler, die Freude am Erkunden großer Levels und dem Erschließen einer Story haben, finden hier ein umfangreiches Adventure, das gerade in der ersten Spielhälfte mit atmosphärischen Levels aufwartet. Der Mix aus gut integrierten Rätseln, vielen optionalen Wegen und Lösungsmöglichkeiten und dem Erkunden der menschenleeren, verrottenden Anlagen motiviert. Es bleibt uns überlassen, wie wir die Levels angehen, ob wir alle Dokumente und Schäden untersuchen oder einfach nur in die melancholische Stimmung eintauchen. Leider geht dem Spiel in der zweiten Hälfte ein wenig die Puste aus. Sowohl spielerisch wie optisch kann es nicht mehr an den Beginn anknüpfen, bietet aber zum Abschluss ein gelungenes, dramatisches Finale.
 
Infra gibt es bei Steam für PC. Wer das Spiel in Aktion sehen möchte, findet hier den offiziellen Trailer sowie ein Gameplay-Video des Entwicklers, das euch einen guten Eindruck des Spiels vermittelt.
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Sowohl grafisch als auch spielerisch eines der Highlights im Spiel ist die stillgelegte Stahlfabrik, die mit guten Rätseln und einem spannenden Levelfinale aufwartet.
spielo2716 28. April 2018 - 11:27 — vor 29 Wochen aktualisiert
thhko 13 Koop-Gamer - 1261 - 28. April 2018 - 9:07 #

Danke für den Artikel, das Spiel ging völlig an mir vorbei, nie was von gehört. Hab´s mir mal auf die Wunschliste gesetzt.

spielo2716 14 Komm-Experte - P - 1924 - 28. April 2018 - 11:36 #

War für mich auch eine der Überraschungen in letzter Zeit, gerade auch wegen des großen Umfangs.

Crizzo 18 Doppel-Voter - P - 12690 - 28. April 2018 - 11:39 #

"Ein Ingenieur als Held" ganz wie es sein sollte!

Elfant 21 Motivator - P - 28756 - 28. April 2018 - 13:49 #

Dem Ingenieur ist halt nicht zu schwör.

st4tic -ZG- 19 Megatalent - P - 15097 - 28. April 2018 - 14:49 #

Wie sollte es denn sonst sein?!

TheRaffer 18 Doppel-Voter - - 11683 - 30. April 2018 - 20:21 #

Also quasi eine wahre Geschichte :)

Kirkegard 19 Megatalent - 17149 - 28. April 2018 - 11:48 #

Dank für die Anregung.
In der Stalburg habe ich schon viel Apfelwein getrunken ;-)

Noodles 24 Trolljäger - P - 47684 - 28. April 2018 - 12:26 #

Schöner Test zu einem Spiel, von dem ich noch nie gehört hab. Klingt aber interessant. :)

euph 26 Spiele-Kenner - P - 65097 - 28. April 2018 - 12:45 #

Geht mir auch so.

Slaytanic 24 Trolljäger - P - 49265 - 28. April 2018 - 22:17 #

So erging es mir auch gerade.

Flitzefisch 17 Shapeshifter - P - 6476 - 28. April 2018 - 12:47 #

Vielen Dank für den Test ... der gehört eigentlich auf die Linke Seite der Startseite. :o)

Shawn 13 Koop-Gamer - 1219 - 30. April 2018 - 5:57 #

Sehe ich auch so. :-) Hat mir gut gefallen.

Noodles 24 Trolljäger - P - 47684 - 30. April 2018 - 13:34 #

Warum ist er da jetzt eigentlich nicht? Hat ja mittlerweile fünf Highlight-Votes erhalten.

Admiral Anger 25 Platin-Gamer - P - 55243 - 30. April 2018 - 14:01 #

Ich glaube das ist noch ein Relikt aus früheren Tagen. User-Artikel müssen trotzdem noch redaktionell "gehighlighted" werden, um nach links zu wandern. So werden sie nur "Top News".

Makenshi 10 Kommunikator - 441 - 28. April 2018 - 14:02 #

Das Spiel ist auf Steam auch gerade um 40% runtergesetzt. Von 27,99€ auf 16,79€.

Vampiro 23 Langzeituser - P - 42379 - 28. April 2018 - 14:04 #

Danke für den Artikel!

BruderSamedi 16 Übertalent - P - 5150 - 28. April 2018 - 14:05 #

Klingt gut, erinnert mit an Ether One, mit dem ich viel (Rätsel-)Spaß hatte. Kommt gleich mal auf die Wunschliste.

spielo2716 14 Komm-Experte - P - 1924 - 28. April 2018 - 15:41 #

Das wiederum liegt noch auf meinem Pile of Shame ;)

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 125526 - 28. April 2018 - 16:54 #

Werde es auch mal auf die Wishlist setzen. Guter Artikel!

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - P - 126344 - 29. April 2018 - 12:17 #

Klingt ganz nett, ich wusste bisher auch gar nichts von der Existenz dieses Spiels. Danke für den Test.

smerte 17 Shapeshifter - P - 6853 - 29. April 2018 - 20:58 #

Von dem Spiel hab ich noch nie etwas gehört, aber nach dem Test kommt es auf jeden fall mal auf die Wunschliste!

Kanonengießer 14 Komm-Experte - 2596 - 30. April 2018 - 7:59 #

Also, wenn das die Ingeneure aus unserem Betrieb wären, wären wir alle verloren!!!

Aladan 24 Trolljäger - P - 49479 - 30. April 2018 - 9:33 #

Danke für die Einsichten. Das Spiel ist zwar nichts für mich aber ich finde es schön, wenn gerade in der unübersichtlichen Lawine von Spielen auf Steam mal das ein oder andere herausgepickt wird, das die Beachtung wert ist.

TheRaffer 18 Doppel-Voter - - 11683 - 30. April 2018 - 20:24 #

Danke für den Artikel. Das Spiel schaue ich mir genauer an :)

Arrr 17 Shapeshifter - P - 6248 - 1. Mai 2018 - 17:59 #

Vielen Dank für den tollen Artikel, wegen dem ich mir das Spiel gleich gekauft habe und schon einige Stunden damit verbracht habe. Vorallem das Leveldesign, die Atmosphäre und die Rätsel gefallen mir sehr gut.

spielo2716 14 Komm-Experte - P - 1924 - 1. Mai 2018 - 18:52 #

Freut mich, dass der Artikel gut ankam. Für mich waren auch die genannten Punkte die Highlights des Spiels. Viel Spaß noch in Stalburg :)

Ganon 24 Trolljäger - P - 46820 - 1. Mai 2018 - 19:45 #

Da denke ich mir beim Ansehen der Screenshots, dass mich die Optik an Half-Life 2 erinnert, und dann schreibst du, dass es auf der Source Engine basiert. Das erklärt es natürlich. :-)
Sehr schön geschriebener User-Test, spielo. Von dem Spiel hätte ich sonst wohl nichts mitbekommen, also danke.

spielo2716 14 Komm-Experte - P - 1924 - 2. Mai 2018 - 20:28 #

Danke, soll nicht mein letzter Artikel gewesen sein :)
Stimmt, die Engine hat einen eigenen Look, schaut aber immer noch gut aus. INFRA kaschiert die Schwächen auch recht gut.

Ganon 24 Trolljäger - P - 46820 - 3. Mai 2018 - 13:25 #

Da ich Half-Life 2 über alles liebe, ist das für mich auch kein Negativpunkt. :-)

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