Action im Wilden Westen

Gun User-Artikel

CharlieDerRunkle 5. März 2023 - 1:01 — vor 22 Wochen aktualisiert
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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Da Gewalt in Videospielen und die Frage, ob man das nun mag oder nicht, eher wie die Ananas-auf-Pizza-Debatte ist (also alle haben recht und keiner), ist eine Diskussion, ob Gun nun (in der unzensierten Version!) zu brutal ist oder nicht, eine ziemlich fruchtlose. Was man Gun vorwerfen kann sind Kleinigkeiten, die immer wieder negativ auffallen. Das Werfen von Dynamit und Molotow-Cocktails beispielsweise ist sehr ungenau, was vor allem im Endkampf gegen Magruder zum Problem wird. Obwohl der Schwierigkeitsgrad bis zur letzten Mission in der Regel recht niedrig ist, stellt der Bosskampf am Ende eine echte Herausforderung dar: In einer Höhle müssen wir natürlich vorkommende Gasquellen mithilfe von Dynamit in Brand setzen, sobald Magruder in der Nähe ist. Der eine schwere Rüstung trägt, durch die keine Kugeln dringen. Trotz der Tatsache, dass er keinen Helm auf hat, können wir ihn nicht mit einem Kopfschuss ausschalten, sondern müssen ihn nach dem besagten Prinzip ausschalten.

Auch die eigentliche Geschichte ist nicht unbedingt originell, das Südstaaten-Rassisten-Arschloch-will-Schatz-finden-um-die-Konförderation-doch-noch-zum-Sieg-zu-verhelfen-Szenario gab es schon in mehreren Spielen und in viel mehr Filmen. Funktioniert aber, keine Frage. Auch das Waffen-Auswahl-Menü ist etwas umständlich. Geschuldet ist dies der Tatsache, dass Gun in erster Linie ein Konsolenspiel ist und auf den PC lediglich ohne entsprechende Optimierung portiert wurde. Das führt auch dazu, dass die damals nicht mehr taufrische Grafik ganz furchtbar gealtert ist. Leider keine Seltenheit bei Spielen aus dieser Zeit. Etwas Abhilfe schafft ein Widescreen-Fix, durch den es möglich ist, die PC-Version in Full HD zu spielen.
 

Eine lineare offene Welt

Gun gehört zu den Spielen, die im Laufe der Zeit in der Versenkung verschwunden sind. Was natürlich auch daran liegt, dass es bald 20 Jahre alt ist. Aber ein bisschen schade ist es schon, denn Gun macht vieles richtig. Im Gegensatz zu anderen Spielen von damals funktioniert das Speichersystem erstaunlich gut: Außerhalb von Missionen kann jederzeit frei gespeichert werden. Zudem gibt es in den Missionen Speicherpunkte, von denen aus wir einen neuen Versuch wagen können, falls wir die Mission in den Sand gesetzt haben. Ein ewiges Zur-Mission-hinlaufen-nur-um-sie-dann-noch-mal-zu-verkacken gibt es nicht wie beispielsweise bei einem GTA: San Andreas.
Wir bereiten mit Sprengstoff einen Hinterhalt vor, um einen Zug zu stoppen.

Im Allgemeinen geht das Konzept von Gun sehr gut auf. Viele Mechaniken greifen ineinander und tragen positiv zum Gesamtbild bei. Die Nebenmissionen stellen keine Beschäftigungstherapie dar, sondern unterscheiden sich voneinander und ergeben durchaus Sinn. Die Spielwelt passt sehr gut zur Story; es gibt keinen Ort, der nicht in irgendeiner Form in die Handlung eingebunden ist. Wobei der Spieler ein bisschen an der Nase herum geführt wird: Gun tarnt sich zwar als Open-World-Spiel und ist es gewissermaßen auch, aber eigentlich nicht. Man kann sich zwar frei bewegen, aber es gibt dafür keinen Grund. Sofern wir keiner Mission folgen, ist die Spielwelt leer und langweilig. Das geht einher mit der relativ kurzen Spielzeit: Auf YouTube gibt es komplette Let’s Plays mit einer Laufzeit von unter 4 Stunden. Gun ist also im Prinzip ein linearer Shooter, der sich als Open-World-Spiel ausgibt. Was aber auch nicht allzu schlimm ist, denn nicht jeder mag eine offene Spielwelt (ich schon, fands aber trotzdem in Ordnung).
 

Ein gelungener Western-Vertreter

Das Western-Genre hatte in der Welt der Videospiele nie den Stellenwert, den es lange Zeit in der Filmbranche besaß. Dabei wirft es bis heute seinen Schatten, sodass es kein Wunder ist, dass der eine oder andere Spieleentwickler sich dessen annimmt. Gun ist ein typischer Vertreter dieses Genres, der zeigt, dass die Thematik durchaus etwas taugt für ein Videospiel. Natürlich hat heutzutage keiner mehr Zweifel daran. Red Dead Redemption und vor allem sein Nachfolger haben das unter Beweis gestellt. Als Gun erschien, zeichnete sich das aber noch nicht ab, ebenso wie das kurz zuvor erschienene Red Dead Revolver ebnete es dem Western-Genre den Weg in den Mainstream. Ja, selbstverständlich gab es bereits 1997 mit Outlaws einen populären Western-Vertreter im Gewand des damals noch neuen Egoshooter-Genres. Später erschienen auch ein Dead Man’s Hand sowie ein Western Desperado, doch das waren eher Nischen-Spiele, die kaum einer kennen dürfte. Und ja, das Western-Genre als Vieospiel-Thematik gibt es schon so lange wie dieses Medium selbst, auch auf dem Atari 2600 gab es Ableger davon.

Der Punkt ist, dass Gun zu den Spielen gehört, die gezeigt haben, dass Western durchaus als Spiel funktionieren können, wenn die zugrunde liegenden Mechaniken und Konzepte aufgehen. Auf der anderen Seite gibt es ja auch genug Spiele, die man nicht mehr kennt, weil die Entwickler sich offensichtlich gesagt haben: „Leute, wir machen ein Echtzeitstrategiespiel mit Fantasy-Setting, Rohstoffe abbauen, Gebäude errichten, Soldaten ausbilden und den Feind platt machen, fertig ist die Laube, also ein No-Brainer!“ Natürlich kann nicht jeder was mit dem Western-Genre anfangen (oder mit Fantasy oder mit Weltkriegs-Shootern), wenn beim Game Design aber das meiste richtig gemacht wird, können damit auch Leute angesprochen werden, die eigentlich einen Bogen darum machen würden. Wie heißt es so schön? „Don’t judge a book by it’s cover!“ Gun ist meiner Meinung nach ein schönes Beispiel dafür.
Beim Poker können wir versuchen, unsere geschätzten Mitspieler abzuzocken.


Spiel und Spaß im Wilden Westen

Als Fan des Genres machen mir Ausflüge in den Wilden Westen immer Spaß. Gun gehört für mich zu den besseren Videospiel-Vertretern dieser faszinierenden Welt voller Gewalt, Rachegelüsten, Gier, aber auch schier unbegrenzten Möglichkeiten, einer Art ausgleichende Gerechtigkeit und natürlich der endlosen Weiten der Prärie. Gun geht einen eigenen Weg und orientiert sich dabei wenig an anderen Spielkonzepten. Aber natürlich erinnert es ein wenig an GTA; man kann nicht einfach so Unschuldige abknallen, oder zumindest sollte man das nicht, weil das Konsequenzen hat (die Leute rotten sich zusammen und machen Jagd auf einen, wie sich das für den Wilden Westen gehört). Trotzdem kann man meiner Meinung nach nicht von einem GTA-Klon sprechen.
 
Gun gehört nicht zu den Spielen, die man unbedingt nachholen muss. Trotzdem handelt es sich dabei um eine echte Perle, mit der man viel Spaß haben kann. Womit man auch viel Spaß haben kann ist Lucky Luke für das SNES! So, jetzt habe ich es geschafft, alle meine vorherigen Artikel einzubinden, die irgendetwas mit dem Wilden Westen zu tun haben. Sehr schön. Ein bisschen Arroganz muss auch mal sein.
 
Ich hatte eigentlich gehofft, diesen Artikel mit irgendeinem Gag beenden zu können von wegen: „Passt auf, falls ihr das nächste Mal durch die Badlands reitet! Da gibt es Banditen, die offensichtlich scharf drauf sind, in die ewigen Jagdgründe einzugehen.“ Oder irgendwas mit skalpieren und Wladimir Putin, aber ich glaube, das lohnt sich nicht bei dem. Ich verabschiede mich daher mit der uralten indianischen Weisheit: „HAU! AB!“
Wir verteidigen eine Kutsche gegen den Angriff der Apachen.
 
CharlieDerRunkle 5. März 2023 - 1:01 — vor 22 Wochen aktualisiert
invincible warrior 15 Kenner - 3256 - 5. März 2023 - 2:00 #

Das bessere Red Dead Redemption 0, Revolver kam ja nicht für den PC und das Spiel war doch viel näher am GTA Konzept als Revolver. Ich hatte meinen Spaß und war enttäuscht, dass es nie ein Gun 2 gab. Ich vermute aber auch, dass der zu generische Titel dem Spiel langfristig den Erfolg verwehrte.

CharlieDerRunkle 17 Shapeshifter - 7630 - 5. März 2023 - 2:18 #

Da gebe ich dir absolut recht, vor allem das mit dem generischen Titel ist ein sehr guter Punkt, mit dem Problem schlage ich mich gerade rum wegen dem Artikel, an dem ich aktuell schreibe, da geht es ebenfalls um ein Spiel mit einem sehr generischen Titel, ist manchmal nicht so einfach da das richtige zu finden... wobei ich bei "Gun" den Eindruck hatte, dass die da einfach den Arbeitstitel beibehalten haben ^^

ds1979 21 AAA-Gamer - P - 25303 - 5. März 2023 - 11:13 #

Nee es war nicht der Titel. Der Erfolg war auch ok so 250.000 Titel. Die Macher haben später Guitar Hero gemacht und gehen dessen Milliarden war ein Gun 2 halt zu wenig für Activision;)

invincible warrior 15 Kenner - 3256 - 5. März 2023 - 16:10 #

Damit meinte ich nicht direkt den Erfolg des Spiels, sondern dessen Fortführung. Ein Red Dead Revolver/Redemption vergisst man nicht so schnell, ein Gun wird dagegen zu "ach da war doch dieses tolle Westernspiel, keine Ahnung wie der Titel war". Keiner fragt nach ner Fortsetzung zu so nem Titel.
Neversoft war vor Guitar Hero ja das Tony Hawks Studio mit ähnlichen Verkaufszahlen. Guitar Hero aber kann ich mir nicht vorstellen, dass das viele Entwickler bindet, technisch war die Entwicklung ja jetzt nicht so groß und der Inhalt lässt sich sicherlich auch schnell füllen.
Gun war wohl eher ein Wunschprojekt, damit die Entwickler mal etwas Abwechslung haben. Hatte damals auch um die 1.5 Millionen Einheiten verkauft. Das fiel eher der allgemeinen Activision Umstrukturierung zum Opfer, die ab dem Merger mit Vivendi passierte und darin resultierte, dass wirklich alles bei Activision konsolidiert auf deren Best Seller wurde.

Faerwynn 20 Gold-Gamer - P - 20314 - 5. März 2023 - 10:35 #

"Der eine schwere Rüstung trägt, durch die keine Kugel dringen." Dieser Satz kein Verb (und einen Singular wo vermutlich ein Plural hin soll).

Ich glaube das Spiel habe ich damals bei einem Freund angespielt und es kam mir irgendwie holprig und unfertig vor, dann hatte ich es aus den Augen verloren. Muss aber nicht an Gun gelegen haben, zu dieser Zeit ging mir das öfters mit 3D-Spielen, das war wohl für mich die Zeit des Uncanny Valleys, wo die Grafik gut genug wurde, dass mein Hirn sie langsam als "echt" betrachten wollte. Und die UIs bzw. die Bedienung hatten zu der Zeit noch nicht die Standards gefunden, die wir heute gewöhnt sind.

CharlieDerRunkle 17 Shapeshifter - 7630 - 5. März 2023 - 18:07 #

Da ist ein n unter den Tisch gefallen, danke für den Hinweis.

Shake_s_beer 19 Megatalent - - 19085 - 5. März 2023 - 11:02 #

Vielen Dank für den schön geschriebenen Artikel, der mir Gun wieder in Erinnerung gerufen hat.

"Gun gehört zu den Spielen, die im Laufe der Zeit in der Versenkung verschwunden sind."

Dem Satz würde ich zustimmen, denn obwohl ich das Spiel damals am PC gespielt hatte, hatte ich es mittlerweile vollständig vergessen. Das spricht nicht unbedingt für das Spiel, ich erinnere mich aber, dass ich es damals eigentlich ziemlich gut fand und gerne gespielt habe. Gun dürfte sogar bis zum Erscheinen von Red Dead Redemption mein liebstes Western-Spiel gewesen sein.

Nienlic 20 Gold-Gamer - P - 21593 - 5. März 2023 - 22:17 #

Ich habe Gun damals auf der Xbox gespielt und fand es großartig! Das war für mich der erste Westernfilm zum Mitspielen! Schön, dass Du das Spiel mal wieder hervorgeholt und so gut beschrieben hast!

Nischenliebhaber 18 Doppel-Voter - 10921 - 5. März 2023 - 22:19 #

Oh, das kenn ich noch von der PSP! War damals in meiner Erinnerung ganz nett gewesen. Und thematisch so unverbraucht.

CharlieDerRunkle 17 Shapeshifter - 7630 - 5. März 2023 - 23:49 #

Die PSP-Version habe ich mal angespielt... die Frage, die ich mir immer gestellt habe war, ob es große Unterschiede gab... ? Ich war, ehrlich gesagt, ein wenig zu faul, um die PSP-Version ebenfalls zu spielen, abgesehen davon, dass ich Maus + Tastatur bevorzuge...

Mata Harry 13 Koop-Gamer - 1646 - 5. März 2023 - 22:50 #

Das Spiel hat mir damals sehr gefallen und ist eines der wenigen, die ich wirklich bis zum Ende durchgespielt habe.

Jürgen (unregistriert) 6. März 2023 - 11:57 #

Hab ich damals leider nicht gespielt. Obwohl ich Western-Liebhaber bin und mit Outlaws anno dunnemal auch angefüttert wurde. Davor auf dem Schneider Kane. Hach ja.
Danach kam bei mir erst wieder Read Dead Redemption auf die Platte und ich hab immer mal wieder überlegt, ob ich Read Dead Revolver noch nachholen sollte. Stattdessen ginge natürlich auch Gun. Hm.

ds1979 21 AAA-Gamer - P - 25303 - 6. März 2023 - 14:43 #

Mein Rat wäre weder noch sondern stattdessen, falls du es noch nicht kennst Call of Juarez Gunslinger. Schöne Musik, typische Western Story und ein gelungener Shooter.

Jürgen (unregistriert) 6. März 2023 - 15:14 #

Jetzt, wo Du es erwähnst... Gunslinger war dieser Shooter, in dem die Erzählerstimme sich immer wieder verbessert und damit die Situation ändert, oder? Das müsste in meinem Steam-Stapel liegen. Gute Idee, danke!

Michael D. 20 Gold-Gamer - - 22879 - 6. März 2023 - 19:35 #

Das habe ich damals auf der XBox gespielt, den Endkampf aber nicht geschafft. Dann habe ich es mir auf der XBox 360 (gebraucht) nochmal gekauft, wieder mit viel Freude gespielt und sogar inkl Endkampf beendet.
Danke für den Artikel, der viele Erinnerungen geweckt hat.

Audhumbla 20 Gold-Gamer - - 21727 - 7. März 2023 - 11:57 #

Also nach meinem Gefühl waren Outlaws und Dead man's hand bekanntere Spiele.

TheRaffer 23 Langzeituser - P - 40437 - 23. März 2023 - 15:16 #

Das Spiel sagte mir gar nichts. Vielen Dank für den Artikel. :)