User-Interview mit Jan Leverenz

„ESGN TV wird eSports auf Fernsehniveau bieten“ User-Artikel

Dieser Inhalt wäre ohne die Premium-User nicht finanzierbar. Doch wir brauchen dringend mehr Unterstützer: Hilf auch du mit!

Das Studio in seiner ganzen Pracht.

Ihlow: Eines der großen Probleme bei den eSports-Übertragungen ist, dass es, durch sich streckende Matches, zu Verzögerungen kommt und es fast unmöglich ist, einen ordentlichen Schedule anzubieten. Was sowohl für die interne Planung schwierig ist, aber auch für den Zuschauer nervig sein kann. Wie geht ihr mit diesem Problem um und glaubst du, dass von den Veranstaltern bzw. den Spieleproduzenten, die sich im eSports etablieren wollen, Lösungen geschafft werden müssten?

Leverenz: Ich finde diese Probleme gar nicht so gravierend und ich kann natürlich nicht für den Großteil der Fans sprechen, aber ich persönlich bin eher genervt, wenn es durch technische Probleme oder Unprofessionalität zu Verzögerungen kommt. Wenn ein Spieler nach 30-minütiger Pause kurz vor Spielbeginn merkt, dass er doch nochmal zur Toilette und dann rauchen muss, habe ich dafür wenig Verständnis. Genau dazu sind ja die Pausen da. Wenn während eines Turniers ständig die Verbindung abbricht oder Computer crashen, dann stört mich das.

Allerdings erinnere ich mich gut und gerne an spannende Spiele. Auf den NGL One Finals spielte HasuObs gegen SoJu und das Spiel dauerte unglaublich lange. Alle im Raum waren sehr angespannt und es war so spannend. Oder auch das World Cyber Games Finale von Sky gegen Creolophus. Als Fan des Spiels, des Spielers oder des Teams ist dir eigentlich egal, wie lange ein Spiel dauert. Man erinnert sich immer wieder gerne an spannende und unterhaltsame Spiele und wenn sich ein Turnier dadurch etwas verzögert, wird es einem kaum jemand verübeln.

So ist es auch im Tennis. Einige Spiele sind nach drei kurzen Sätzen vorbei und es ist nicht wirklich unterhaltsam, andere Spiele gehen über fünf lange Sätze, dauern lange, sind aber auch spannend. Auch hier lässt sich nicht sagen, wie lange ein Spiel geht und trotzdem überträgt man es im Free TV.

Ihlow: Man bekommt immer wieder mit, dass sich Publisher wie Blizzard und Valve mit Progamern und Leuten aus der Szene auseinandersetzen, um ihr Produkt anzupassen und zu verbessern. Doch neben dem reinen Gameplay spielen auch die Übertragungsmöglichkeiten eine eminente Rolle, um das Spiel letztendlich vermarkten zu können. Würdet ihr euch als Streamingdienst, die quasi Werbung für das Spiel machen, mehr Mitspracherecht in diesem Bereich wünschen.

Leverenz: Wir selber sind ja kein eigener Streamingdienst und arbeiten daher mit Youtube, Dailymotion, AzubuTV und Twitch.TV zusammen. Und natürlich ist es wichtig, dass Spiele, die der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen, eine angemessene Möglichkeit zur Darstellung bieten. Warcraft 3 hatte damals keine ordentliche Möglichkeit zur Übertragung der Spiele bis Waaagh!TV veröffentlicht wurde. Das war zwar immer noch nicht optimal, aber hat gezeigt, dass die Szene solche Möglichkeiten haben will und zur weiteren Entwicklung auch braucht. Die Publisher haben das verstanden. Die Zusammenarbeit mit den Profis zeigt ja auch, dass den Herstellern diese Features wichtig sind und wir können froh sein, dass sich Blizzard, Valve und Co. überhaupt mit den Spielern zusammensetzen und an besseren Möglichkeiten arbeiten. Das ist nicht selbstverständlich, wird aber oft so hingenommen.

Ihlow: Wie sollte eine gut-implementierte Übertragungsmöglichkeit aussehen und was sollte auf gar keinen Fall fehlen?
ESGN TV soll jedem Interessenten zugänglich sein.

Leverenz: Ich denke, dass die Kompatibilität mit Smartphones in Zukunft immer wichtiger wird. Der Markt ist riesig und Smartphones und Tablets werden immer beliebter, daher sollte man das nicht vernachlässigen.
Ansonsten sieht man bei unseren Streamingpartnern bereits sehr gut, was wichtig ist: Hochauflösende Übertragung, stabile Server, viele Optionen in Bezug auf Qualität und Größe des Bildschirms, Untertitel und so weiter. Wir sind bereits jetzt schon sehr gut aufgestellt.

Ihlow: Fast alle neuen Sendungen, die versuchen sich mit modernen Themen wie dem Computerspielen auseinanderzusetzen, legen Wert auf Spontanität und bauen Social Media mit ein. Inwieweit wird die Community bei euren Sendungen mit einbezogen werden?

Leverenz: Die Community ist enorm wichtig. Wie auch im traditionellen Sport leben die Spieler, Sponsoren etc. von den Fans und ohne diese wären finanzielle Auswüchse wie im Fußball gar nicht möglich. Im eSport sind ebenfalls die Fans die Basis. Warum sollte ich als Sponsor Geld in Werbung stecken, wenn diese im Endeffekt keiner konsumiert? Daher werden wir natürlich auch in den kommenden Shows mit der Community arbeiten. ESGN TV wird vorerst als Beta starten und wir werden genau hinsehen, was uns die Community mitteilt und was sie sich wünscht. Das ist natürlich nie alles realisierbar, aber im Endeffekt produzieren wir ein Produkt für die Community und wenn es Wünsche gibt, werden wir die nach Möglichkeit berücksichtigen.

Ihlow: Welchen Stellenwert soll die Community insgesamt bei eurem Projekt einnehmen? Möchtet ihr eine „all-round“ Website werden oder gebt ihr euch mit dem Streamen zufrieden?

Leverenz: ESGN.com wird keine Communityfeatures wie Kommentare oder ein Forum enthalten. Die Seite ist eine reine Informationsquelle. Außerdem möchten wir nicht in bestehenden Communities wildern, in dem wir Leute aus anderen Foren zu uns holen. Wer ESGN.com besucht, kann sich informieren und wird gut informiert werden. Diskussionen werden auf der Seite nicht stattfinden. Dazu gibt es ja bereits große Portale oder Social Media – bei letzterem ist auch ESGN und ESGN TV vertreten.
Die Interaktion mit der Community wird über ESGN TV, die Events und Social Media stattfinden. Wie ich bereits sagte sind die Fans der wichtigste Bestandteil des (e)Sports und daher werden wir so viel Interaktion wie möglich anstreben.

Das Interview führte Florian Ihlow (Username Stoke).
 
Stoke 13. Januar 2014 - 16:33 — vor 10 Jahren zuletzt aktualisiert
Hemaehn 16 Übertalent - 4637 - 13. Januar 2014 - 16:56 #

Kann man einen Algorhythmus (S.1) tanzen? :P

Gutes Interview über ein für mich total langweiliges Thema und vor allem zu Spielen, die ich mir nie im Leben angucken würde.

Sp00kyFox (unregistriert) 13. Januar 2014 - 18:23 #

die nachfrage zu street fighter verwundert mich. mit der jährlichen evolution championship series hat dieses genre das größte esport-event überhaupt. starcraft, dota und cs mögen zwar kommerziell erfolgreicher sein. aber in sachen hype, teilnehmeranzahl und event-organisation können sie da mit fighting games nicht mihalten. und für ESGN mag das auch interessant sein, weil dieses genre für außenstehende wesentlich leichter zu beobachten und zu verstehen ist als echtzeitstrategie. damit ist street fighter 4 als momentan immer noch beliebtester genre-vertreter eigentliche eine ziemlich logische wahl.

Calmon 14 Komm-Experte - P - 2380 - 13. Januar 2014 - 18:29 #

Mal sehen was daraus wird. Da ich gerade Hearthstone spiele habe ich alle Folgen gesehen und fand die eSport news ganz nett.

Ich hoffe daraus erwächst was. Ich wohne in Berlin und man kann eigentlich schon ein bisschen Stolz drauf sein das Deutschland der Standort für so ein Projekt ist.

immerwütend 22 Motivator - 31893 - 13. Januar 2014 - 20:27 #

Jedem sein Hobby... ich frage mich nur, wer das alles wirklich sehen will.

BriBraMuc 14 Komm-Experte - 2447 - 13. Januar 2014 - 21:44 #

Die, die auf der Gamescon und anderen Messen kreischend um nen Stand stehen um ein T-Shirt abzugreifen oder sich für Autogramme von "eSportlern" anstellen. Es gilt wie so oft: Es gibt immer jemanden der sich das anschaut / kauft.

DerMitDemBlunt 14 Komm-Experte - 2483 - 13. Januar 2014 - 22:04 #

Sehr schönes Interview

DomKing 18 Doppel-Voter - 9954 - 13. Januar 2014 - 22:31 #

Wäre natürlich interessant, wenn sich z.B. die Standings durchsetzen. Bis jetzt kocht ja jedes Spiel/Organisation irgendwo sein eigenes Süppchen.

Ich bin dann mal gespannt, wie es bei der Übertragung großer Turniere aussieht.

Sp00kyFox (unregistriert) 13. Januar 2014 - 22:57 #

wobei sich dann fragt wieso man über ESGN gucken sollte, wenn ja die meisten esport-events ohnehin ihren eigenen stream haben, wo man bis auf sponsor-einblendungen von werbung verschont bleibt.

Stoke 12 Trollwächter - 907 - 13. Januar 2014 - 22:59 #

Wie im Interview erwähnt, weil es bisher schon Top-produzierte Inhalte gibt, die (auch aufgrund der Sprache - Bsp.: GameFy), hier/in anderen Ländern wenig Beachtung finden. Deswegen soll es einen Sender geben, der diese Inhalte bündelt und für die breite Masse anbietet.

Sp00kyFox (unregistriert) 13. Januar 2014 - 23:09 #

jo mal gucken ob dann auch entsprechend leute einschalten. man könnte ja annehmen, dass diejenigen die eh schon esports-interessiert sind, sich speziellere formate zu ihren favorisierten games angucken. ich bin da vorerst skeptisch.

AQeX3tH (unregistriert) 14. Januar 2014 - 5:38 #

Das sind zu 90% Ex-NASL Leute und deren SC2 COntent war bis auf PULSE ziemlich mies. StarCraft ist weiterhin GSL und dann kommt lange nichts!

wtff1 (unregistriert) 14. Januar 2014 - 11:01 #

ach so,dann ist alles klar....

K3NtheM4N 11 Forenversteher - 682 - 5. Februar 2014 - 3:43 #

ESGN bietet zumindest einen interessanten Ansatz.