User-Kritik

Die etwas anderen Spielezeitschriften: GEE und Elektrospieler User-Artikel

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So liest sich "Elektrospieler"
(CSW Verlag, regulär 9,95 €, Sonderpreis zur Gamescom 5,00 €)

Nur wenig Text stört das Titelbild: Elektrospieler
Nimmt man die Zeitschrift Elektrospieler zur Hand, fällt als erstes die hochwertige Gestaltung des Umschlags auf. Hochglanzdruck auf schwerem Karton, das macht gleich einen wertigen Eindruck. Und auch das Cover ist nicht so überfrachtet wie bei manch anderem Magazin. Lediglich die Ankündigung von drei Titelthemen in einer zurückhaltenden Schriftgröße, so dass das Titelbild - ein Motiv aus Call of Juarez - The Cartel sehr gut zur Geltung kommt. Die beiden anderen Titelthemen drehen sich um Deus Ex - Human Revolution und Driver San Francisco. Insgesamt hat das Heft sogar vier Titelthemen, wobei man eins davon möglicherweise erst ganz am Schluss bemerkt. Oder als erstes, denn die Zeitschrift hat zwei Cover und die vierte (oder erste) Titelgeschichte ist am Ende des Hefts in umgekehrtem Druck gesetzt. So hat man immer eine von zwei Titelseiten oben liegen - egal, wie man das Heft hinlegt. Ich fand das ein bisschen irreführend, aber Geschmacksache.

Vor dem Artikel über Call of Juarez - The Cartel finden sich jedoch zunächst zwei Seiten mit Screenshots, die den Hexer Geralt aus The Witcher 2 - Assassins of Kings bei einem heißen Stelldichein mit seiner Berufskollegin Triss Merigold zeigen. Im Begleittext wird das Thema "Sexszenen in Videospielen" angerissen, was jedoch nur ein Teaser für einen Artikel im Elektrospieler-Blog ist. Warum man sowas noch vor der ersten Titelgeschichte bringen muss, ist mir unklar, andererseits unterstreicht so ein ungewöhnlicher Auftakt den Anspruch, ein etwas anderes Spielemagazin zu sein. Übrigens gibt es auch von Elektrospieler eine iPad-App, die laut Aussagen auf der Website denselben Inhalt wie das Heft bieten soll.

Der Artikel zu Call of Juarez - The Cartel selbst umfasst 10 Seiten, ist aber sehr bildlastig und weniger mit Infos vollgepackt als in den einschlägigen Gaming-Magazinen. Auch zum Gameplay selbst erfolgen nur wenige Ausführungen. Und der Autor des Artikels liefert auch die Begründung dazu: "Die Mechanik eines Shooters brauchen wir unseren Lesern nicht zu vermitteln", behauptet er vermutlich nicht ganz zu Unrecht. Empfehlenswert an dem Titel sei insbesondere der Coop-Modus, ansonsten geht es mehr um Story und Atmosphäre. Bereits bei diesem Artikel fällt eine Eigenheit des Heftes auf, nämlich dass sich Bildunterschriften mehr oder weniger wortwörtlich im Text des Artikels wiederholen.

Die zweite Titelgeschichte zu Deus Ex - Human Revolution umfasst 14 Seiten. Klingt erst mal viel, aber da den Bildern in allen größeren Artikeln viel Platz eingeräumt wird, ist auch dieser Artikel recht schnell verschlungen. Dennoch sind die wesentlichen Informationen enthalten: Nach der Lektüre kann man sich recht gut vorstellen, wie die Augmentierungen und das Deckungssystem funktionieren und wie groß die "offene" Spielwelt ist. Kein Artikel, der allzusehr ins Detail geht, dennoch habe ich das Gefühl, recht gut zu wissen, was mich erwartet, sollte ich mir das Spiel zulegen.

Der folgende Artikel über Driver San Francisco liest sich mehr wie eine Vorschau als wie ein Test, weckt jedoch Interesse an dem Titel. Als nächstes kommt ein aufschlussreicher Titel über The Legend of Zelda - The Ocarina of Time, der erklärt, welche Maßstäbe dieses Spiel für das Genre der 3D-Action-Adventures gesetzt hat. Für Gamer, die diesem Hobby schon länger frönen, zwar keine Neuigkeiten, aber durchaus eine Auflockerung des gesamten Heftes. Danach geht es weiter mit einem aktuellen Titel: Bei Alice - Madness Returns wird zwar das originelle Design der Spielwelt gelobt, Gameplay-Fanatikern aber von dem Titel abgeraten: "Zuviele Haken und Ösen und technische Unzulänglichkeiten." Wenn man es sich dann doch kaufen wolle, solle man zur PC-Fassung greifen, da diese grafisch sehr viel schöner sei -- nützlicher Tipp, wie ich finde.

Nach drei kurzen Artikeln über Arcana Hearts, Risen 2 und The Cursed Crusade dann die Abteilung "Kritik", in der die Spiele auch bewertet werden. Die Skala reicht dabei von 1 - 15 Punkte, was an das Notensystem in der Oberstufe erinnert. Anders als in meinem Abizeugnis tauchen dabei jedoch oft auch zweistellige Bewertungen auf. Die Bewertung ist zwar bei manchen Spielen aufgrund sehr kurzer Texte nicht immer nachvollziehbar. Auch scheinen die Bewertungen insgesamt sehr hoch, da z.B. für The Witcher 2 die volle Punktzahl gezückt wird, für Lego - Pirates of the Carribean ein Punkt weniger (14) und für Dungeon Siege 3 auch noch eine 13 herausspringt.

Nach der Kritik folgt dann die vierte Titelgeschichte zu From Dust, für die das Heft herumgedreht werden muss. Auch hier werden wieder die wesentlichen Abläufe und das Spielziel erklärt, einleitend nimmt der Text auf den geistigen Vorläufer Populous Bezug und erläutert, warum Eingeborene als Spielfiguren für die Thematik besonders passend sind. Insgesamt weckte auch dieser Artikel Interesse für den Titel, nicht zuletzt aufgrund der grandiosen Bilder, denen auch hier wieder sehr viel Platz geschenkt wird.

Einzelne Artikel aus Elektrospieler sind auch als PDF abrufbar - anders layoutet und etwas textlastiger als das Heft.

Fazit Elektrospieler


Zum einen ist mir aufgefallen, dass sich der hochwertige Eindruck durch das gesamte Heft zieht. Die Artikel sind durchweg nicht nur gut geschrieben, sondern auch wunderschön layoutet und durch das Zusammenspiel der Bilder mit den informativen Texten wurde bei mir Interesse auch für Titel geweckt, deren Berichterstattung ich normalerweise überlesen würde. Dabei versuchen die Redakteure erst gar nicht, jedes Detail eines Spiels auszuleuchten, sondern konzentrieren sich auf die wesentlichen Punkte, die einen Titel ausmachen, und sprechen anhand dieser wesentlichen Aspekte Empfehlungen für den Leser aus. Oder raten manchem von bestimmten Spielen ab, wie z.B. im Beispiel Alice - Madness Returns.

Auch die Zeitschrift Elektrospieler verzichtet bei den "großen" Artikeln auf Wertungen. Im hinteren Teil kommen diese jedoch als Resumée von Kurzkritiken vor, was ich persönlich nicht ganz konsequent finde. Die großen Artikel bzw. Titelgeschichten verstehen es jedoch gut, die Atmosphäre der Spiele zu beschreiben und dem Leser Appetit auf die jeweiligen Spiele zu machen. Dabei gestaltet sich die Beschreibung der Games selbst nicht viel anders als in anderen Spielemedien, allerdings liegt die Gewichtung mehr bei Story und Atmosphäre. Doch auch das Gameplay wird erwähnt, falls dieses ein wesentlicher Punkt ist, der gelobt oder beanstandet wird. Man hat das Gefühl, die Analyse der Spiele ist weniger statisch, sondern jeder Titel wird für sich betrachtet und die wesentlichen Punkte des Spiels herausgearbeitet. Ist dabei das Gameplay besonders erwähnenswert, wird auch auf dieses eingegangen, jedoch gibt es kein starres Gerüst, in das sich jeder Spieletest einfügen muss.

Durch die Aufmachung wirkt Elektrospieler fast wie ein hochwertiges Comic-Heft und ist ähnlich bildlastig. Wie bei GEE sind die Texte weniger analytisch als in "klassischen" Testzeitschriften. Dennoch ist der Schwerpunkt das Spiel an sich, wie es sich spielt und ob es Spaß macht. Ein Spiele-Feuilleton ist also auch Elektrospieler nicht. Insgesamt fühle ich mich aber sehr gut informiert und vor allem unterhalten und finde, einen angemessenen Gegenwert für den doch relativ hohen Kaufpreis von 9,95 € zu bekommen.


Gamaxy 7. Oktober 2011 - 16:41 — vor 12 Jahren zuletzt aktualisiert
Captain Placeholder (unregistriert) 7. Oktober 2011 - 17:39 #

"Schau her, Gamer, es gibt noch andere Themen, wir decken sie zwar nicht so intensiv ab, aber sie kommen zumindest vor."

Ich verstehe das eher als "Schau her, Gesellschaft, Spiele sind ein essentieller Teil der heutigen Kultur und wir ordnen sie deswegen als Teil derselben ein."

Henke 15 Kenner - 3636 - 7. Oktober 2011 - 18:47 #

Ich gebe zu, ich habe die GEE damals gerne gelesen, mir dann ein Jahresabo besorgt, und voila : 2 Ausgaben später kam dann ein übelst zusammengeschustertes "Best-Of", dessen vier Farben (Ohne Scheiß) mir übelsten Augenkrebs und dessen aufgewärmte (da schon publizierte) Artikel mir Langeweile bescherten.

Dann war es eine Zeitlang ruhig; das nächste Heft hatte dann nur noch die vom Autor beschriebene Größe (Seitenanzahl dieselbe, halt nur A5 statt A4) und es wurde großartigst auf eben jene App verwiesen, die ich mir doch bitte anschaffen sollte.

Als Abonnent fühlt man sich natürlich verarscht, und auch wenn die Themenvielfalt und die (für mich) interessanten Artikel nun in ein kleineres Format gepresst werden, so bleibt doch ein fader Beigeschmack.

Zu einem (Kampf-)preis von 3,99 im Quartal ist das Heft natürlich zu empfehlen, von einem Abonnement würde ich dringenst abraten, da mir die Zukunft dieses Printmediums derzeit mehr als ungewiß erscheint!

Labrador Nelson 31 Gamer-Veteran - P - 266425 - 9. Oktober 2011 - 0:50 #

Korrektur: Seite zwei, 2. Abschnitt: Entweder "...den Hexer...zeigt..." oder "...wo der Hexer...gezeigt wird..." // "...den Hexer...gezeigt wird..." scheint falsch. :)

Gamaxy 19 Megatalent - 14748 - 9. Oktober 2011 - 15:34 #

Hab's korrigiert, danke.

firstdeathmaker 18 Doppel-Voter - 9333 - 9. Oktober 2011 - 17:09 #

Die alte GEE habe ich mir immer wieder gerne geholt. Ich hab die Berichterstattung und auch den Kram darum echt gerne gemocht. Mit der Umstellung auf das IPad bin ich dann wohl leider aus deren Zielgruppe geflogen. Ich werd mir jedenfalls garantiert kein IPad kaufen.

. 21 AAA-Gamer - 28253 - 11. Oktober 2011 - 10:42 #

Also den Elektrospieler lese ich nun regelmässig auf dem iPad. Ich finde da hat der Ex-Maniac Robert Bannert ein tolles Heft auf die Beine gestellt. Ganz besonders hat mir die Ausgabe gefallen, die sich nur mit Dragon Quest beschäftigt. Auch die Einbindung von Videos - finde ich - ist in der App hervorragend. Wenn man bedenkt, dass ein grosser Verlag wie IDG es zeitweise nicht hinkriegt, dass die Videos in der Gamestar App, funktionieren. Ist das entweder ein Armutszeugnis für IDG oder Wert für ein Riesenlob an die Macher der Elektrospieler App.

Zum Schluss. Danke für den Artikel dem Schreiber und an alle bitte Elektrospieler kaufen.

KingPott 17 Shapeshifter - 7272 - 11. Oktober 2011 - 17:30 #

Sehr netter Erfahrungsbericht.

Green Yoshi 22 Motivator - P - 36248 - 13. Oktober 2011 - 20:34 #

Schöner Artikel.
Die GEE hat mir bis zu ihrem unrühmlichen Wechsel aufs iPad immer sehr gut gefallen, zu schade, dass sie jetzt nur noch im Mini-Format und vierteljährlich erscheint.
Die Elektospieler hab ich ein paar Mal am Kölner Hauptbahnhof (woanders hab ich sie noch nicht gesehen) angelesen, sie trifft leider nicht meinen Geschmack.

Das einzig lohnenswerte Heft im Moment ist meiner Meinung nach die M!Games. Da merkt man anders als z.B. bei der Gamepro, dass noch Herzblut ins Heft gesteckt wird.

webs1 (unregistriert) 16. Oktober 2011 - 1:46 #

Schöner Erfahrungsbericht. Schade, dass es keine deutsche Version der EDGE mehr gibt.

Anonymous (unregistriert) 23. Oktober 2011 - 16:25 #

Vor dem Wechsel auf die App habe ich die GEE auch gerne gelesen, eben auch weil die Spiele dort eben nicht nach Noten und/oder Punkten bewertet wurden. Teilweise wurden die Rezensionen nicht mal von "echten" Spieleredaktueren geschrieben, z.B. der "Test" zu Call of Duty Black Ops hat ein Hamburger Musiker (!) geschrieben.

Das mit der App finde ich sehr suboptimal, vor allem für Leute die aus finanziellen Gründen sich kein Smartphone/ Tablet leisten können oder, wie in meinem Fall, in einer Gegend wohnen wo das mobile Internet kaum vorhanden ist.

An sich aber ein netter Test zum Heft, gerne mehr davon, wie wärs denn beim nächsten mal mit der RETRO oder der RETURN?

cdr_tofino (unregistriert) 22. Januar 2014 - 10:58 #

Die Elektrospieler ist auch heute noch eine der wenigen Zeitschriften im Spiele-/Konsolenbereich die sich zu lesen lohnt.