To The Moon

Das beste Spiel der Welt User-Artikel





 
Weitere Hinweise auf die Autismus-Thematik des Spiels

Im Verlauf des Spiels wird Autismus aber auch an anderen Beispielen aufgegriffen, wodurch die Thematik des Ganzen noch verdeutlicht wird. So spricht der Lehrer in der Schule im Kunstunterricht von Leonardo Da Vinci und wie er oft Eier zum Training gemalt haben soll, um perfekt zu werden. Ob Da Vinci autistisch war, lässt sich logischerweise nicht mehr belegen – seine Kreationen, sein krankhafter Perfektionismus und einige bekannte Informationen zu seinem Leben lassen aber darauf schließen, dass er, wie einige andere Berühmtheiten auch, von dieser Störung betroffen war.

Auch das Buch Des Kaisers neue Kleider ist nicht unwichtig für die Charakterisierung von River, auch wenn das Buch im Grunde nichts mit Autismus zu tun hat. So geht es in der Geschichte um Betrüger, die dem Kaiser unsichtbare Kleidung verkaufen und dabei betonen, dass nur dumme Menschen sie nicht sehen könnten. Und da keine Person für dumm gehalten werden will, passen sich alle an, auch wenn sie den nackten Kaiser sehen können – bis eines Tages ein kleiner Junge ruft, dass der Kaiser ja nackt ist. Und das liegt einfach daran, dass das Kind die gesellschaftlichen Normen nicht kennt oder versteht und nicht begreift, warum er nicht die Wahrheit sagen sollte. River meint im Spiel, dass dies ihr Lieblingsbuch war, was zum Teil mit Sicherheit daran liegt, dass sie sich mit dem Jungen identifizieren konnte.

Und selbst Rivers Name könnten Ableitungen aus der Popkultur sein. River, ein eigentlich sehr seltener Name, tauchte in der Serie Firefly auf. Die Rolle, gespielt von Summer Glau, war ebenfalls sehr merkwürdig und könnte dem autistischen Spektrum zugeordnet werden. Ihr Nachname Wyles könnte von dem autistischen Rapper Rio Wyles stammen, der trotz seiner Behinderung eine Karriere starten konnte.

Die Tragik der Geschichte

Die Tragik der Geschichte ist einerseits natürlich die Geschichte von John, der im Grunde sein Happy End findet, was wohl alle Spieler zu Tränen gerührt hat. Wenn man es auch einmal genauer betrachtet, hätte John die Reise zum Mond nicht einmal gebraucht, da diese für ihn nur dafür stand, wieder mit River vereint zu sein. In seinem wahren Leben war er aber schon mit ihr zusammen und so gesehen hatte er längst das, was er wollte – auch wenn es ihm nicht ganz bewusst war.

Ich deute seinen Wunsch jedoch auch auf eine andere Art und Weise. Johns Vergangenheit mit seiner tragischen Familiengeschichte trägt dazu sicherlich auch seinen Teil bei. So betont John in der Cafeteria, dass er auch gerne einfach jemand anderes und nicht wie alle anderen wäre. In River findet er diese Andersartigkeit. Und da sie mit ihrem Autismus (Stichwort: Wrong-Planet-Syndrome) vielleicht von einem anderen Planeten kommt, könnte seine Sehnsucht zum Mond auch daher kommen, dass er gerne dahin gehen würde, woher River kommt ... vielleicht vom Mond, der im Spiel eine Metapher für Autismus darstellt.
John & River – gemein einsam?

Tragischer empfinde ich jedoch Rivers Ende. Sie mag mit ihrem Leuchtturm eine Menge Glück gefunden haben. Dennoch war sie bis zu ihrem Lebensende einsam, obwohl sie sogar verheiratet war. Über Jahre hinweg wurde sie von niemandem wirklich verstanden – nicht einmal von ihrem Ehemann. Und bis zum Ende hat sie versucht, sich mit den Origamihasen irgendwie verständlich zu machen, weil sie nicht wusste, wie sie ihre Gedanken anders hätte vermitteln können. Und so verstarb sie erfolglos und ihr Wunsch, einmal wirklich verstanden zu werden und damit nicht so fremd von dieser Welt zu sein, wurde nicht erfüllt.

Warum bin ich also traurig?

Ich mag mich täuschen, weil ich nicht in alle Köpfe schauen kann. Ich beziehe mich daher nur auf mir bekannte Kritiken zum Spiel und ich bin als Spieler von To The Moon und selbst als Asperger-Autist traurig über die Rückmeldungen zum Spiel, weil genau diese Thematik des Autismus, der sich durch das gesamte Spiel zieht, nicht erkannt wurde.

Und hier kommt für mich auch der entscheidende Hinweis im Spiel auf Rivers Zustand. Als John und River zur Diagnose beim Arzt sind, wird auch dort ihr Syndrom nicht beim Namen genannt – der Arzt gibt den beiden jedoch ein Buch von Tony Attwood mit, der auch im Spiel schon als Spezialist aufgeführt wird. Meinen Eindrücken nach hat kaum jemand verstanden, warum River so war, wie sie war und kaum jemand hat sich auch wirklich dafür interessiert.

Als sich John und River in einer Spielszene in einer Bücherei aufgehalten haben, gab es dort ein kleines Quiz. Und bei diesem kinderleichten Quiz gab es auch den Kommentar, dass man die Lösung auch hätte bekommen können, wenn man einfach mal kurz bei Google nachgeschaut hätte.

Und genauso hätte jeder interessierte Spieler einfach innerhalb von wenigen Sekunden nach Tony Attwood googlen können, um zu erfahren, dass er neben Hans Asperger der bekannteste Experte zu dieser Form des Autismus ist und ihr Syndrom wäre furchtbar leicht erkennbar gewesen. Gab es deswegen vielleicht nicht einmal den Wunsch, ihr Handeln und sie als Menschen überhaupt verstehen zu wollen?
Einfach mal googlen...

Kan Gao hat jedem Spieler furchtbar viele Details präsentiert und es hätte ausnahmslos jeder verstehen können, was mit River nicht stimmte. Und trotzdem hat sich kaum jemand diese winzige Mühe gemacht, auch einmal selbst die Initiative zu ergreifen. Kan Gao hat 1000 Schritte gemacht, um das Verständnis für Autismus im Alltag zu erleichtern, ohne belehrend zu sein. Und kaum ein NT machte einen einzigen Schritt in seine Richtung.

Und das macht mich traurig. Nicht verstanden zu werden, ist ein sehr unangenehmes Gefühl und ich gebe mir selbst oft viel Mühe, mich dennoch und bei weitem nicht immer erfolgreich verständlich auszudrücken. Es kostet sehr viel Kraft, aber ich möchte nicht so einsam und unverstanden wie River sterben. Wenn sich kaum jemand Mühe macht, Autisten verstehen zu wollen, ist das deprimierend. Die Freude, wenn ich erfahre, dass sich jemand aber trotzdem mal eben per Google informiert, ist dafür aber umso größer. Kan Gao bin ich genau deswegen aber unglaublich dankbar. Er hat seinen Teil getan und mir nicht nur eine richtig toll erzählte Geschichte geboten, die mich oft zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken gebracht hat.

Und darum ist To The Moon für mich das beste Spiel der Welt.
 
q 21. Februar 2013 - 17:50 — vor 1 Jahr zuletzt aktualisiert
Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - P - 140880 - 21. Februar 2013 - 18:22 #

Respekt! Ein sehr schöner, notwendiger und engangierter Artikel zum Game! Würde gerne öfter soetwas hier lesen. Nebenbei ein tolles Plädoyer für To The Moon, was mich womöglich endgültig überzeugt, das Spiel zu kaufen. Gespielt hatte ichs bereits mal kurz, und warum die Autismusthematik nicht erkennbar ist, ist mir schleierhaft. Ist doch eigentlich mehr als offensichtlich. Vielleicht setzt es aber ein wenig Sachkenntnis voraus, keine Ahnung. Mir war die Sache bald klar.

Jedenfalls was das Umdenken und das Verständnis in der Gesellschaft gegenüber allen Formen des Autismus angeht, hatte ich in meinem Umfeld glücklicherweise das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren doch was getan hat. Mag an der häufigeren Bericherstattung und Informierung liegen und wahrscheinlich auch an den spektakulären Leistungen, die "Aspies" vollbringen können, was ich sicherlich medial gut vermarkten lässt, wie auch immer. Wie dem auch sei, toller Artikel, danke dafür = Kudos! :)

Freylis 20 Gold-Gamer - 22984 - 21. Februar 2013 - 18:59 #

Schoener Artikel, q. Danke. Das ist genau der Grund, weshalb ich Indi-Titel liebe. Sie sagen das, was sie sagen wollen und transportieren die Gehalte, die eine tiefgruendige Story ausmachen, bei der die cutscenes NICHT nerven. PS: Der Disclaimer am Anfang ist m.E. unnoetig - in User-Artikeln geht es gerade darum, die persoenlichen Emotionen und Gedanken auszudruecken - und das hast du mutig, eloquent und mit viel Hingabe getan. PPS: Ich denke, dass am Ende jeder Mensch ein einsamer Leuchtturm ist, Autisten genau wie Neural-Standarts, wir reichen einander die Hand, koennen jedoch unsere ureigenen Gedanken und Gefuehle niemals ausreichend mit Umstehenden teilen oder 100%ig begreiflich machen. Manchmal ist es die Kunst, die uns mehr verbindet als blosse Worte - und es klingt so, als ob dieses Spiel/Kunstwerk es fertigbringt. Das allein macht es zu einem ausgezeichneten Spiel. --- Liebe Gruesse, Freylis (PPPS: der Artikel sollte schnellstmoeglich zur Top-News erhoben werden!)

Krusk 15 Kenner - 2750 - 21. Februar 2013 - 19:14 #

Wahre Worte, dennoch ist River mit ihrem Problem nur ein Teil des Spiels. Vor allem die beiden 'Spielercharaktere' stehen eben auch für einige Probleme und besonders der Spassvogel der beiden hat tiefersitzendes.
Das besondere an To the Moon ist nicht nur die sehr gut erzählte Geschichte und die von dir angesprochene subtile Arbeit mit dme Thema Autismus, sondern eben die Komplexität so ziemlicher aller Charaktere.
Allerdings diente dieser Artikel ja dazu eben die river-problematik zu erläutern, insofern ist dieser Kommentar hier nicht als Kritik sondenr Ergänzung zu verstehen.

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:39 #

Was mit Neil los ist, wird man ja hoffentlich in Teil 2 etwas ergründen. Bei To The Moon hat man ja nur an der Oberfläche gekratzt :>

Pomme 17 Shapeshifter - P - 7131 - 21. Februar 2013 - 19:17 #

Danke für den Text! Zum Spiel möchte ich aber sage: Ich wollte es wirklich mögen, aber es hat nicht funktioniert. Ich hatte kein Problem mit Grafik oder Spielinhalten - aber die Dialoge haben mich überhaupt nicht angsprochen, das war mir schlichtweg nicht schön genug erzählt. Meine Freundin saß ein paar Minuten beim Spielen neben mir und brummelte etwas von "Soap-Niveau". Vielleicht habe ich einfach Pech, dass es bei mir nicht gefunkt hat... schade.

ElliotYouIdiot (unregistriert) 21. Februar 2013 - 21:08 #

Ich habe To The Moon schon vor einiger Zeit gespielt. Ich erinnere mich daran, dass ich mich gewundert habe, warum Isabelle so krampfhaft bemüht um das Thema "Asperger Syndrom" herumredet und hab es mir damit erklärt, dass River eine ganz spezielle, noch tiefgreifendere Form des Autismus haben muss. Wenn es so ist, dass der Autor nur die Begriffe Asperger/Autismus vermeiden wollte, dann... ja, dann hab ich das Spiel wohl auch nicht verstanden. ^^

Was ich übrigens seltsam finde:
In Artikeln zu dem Spiel werden jede Menge Referenzen zu Memento und vielen anderen Filmen, Serien, Spielen hergestellt, doch nie -in keinem Kommentar- finde ich die alleroffensichtlichste Bezugnahme zu "Guess how much I love you" ("Weisst Du wie lieb ich Dich habe?") von Sam McBratney.

*SPOILER!!*
Diese Origami-Häschen, die River die ganze Zeit faltet... Der Hase, den John und River als Kinder am Himmel sehen... für mich eine klare Referenz auf das Kinderbuch. Wo der kleine Hase dem großen Hasen sagt: "To the Moon - and back! That's how much I love you!".

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:40 #

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das Buch nie gelesen habe. Daher dank ich dir für das Feedback.

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 12465 - 21. Februar 2013 - 21:37 #

Spitzen Artikel, danke dafür!

Pfarra2k 13 Koop-Gamer - 1275 - 22. Februar 2013 - 0:15 #

Ich muss ja sagen, dass To the Moon für mich inzwischen durch Katawa shoujo als emotionalstes Spiel abgelöst wurde. Hat das schon jemand gespielt?

Green Yoshi 21 Motivator - P - 28040 - 22. Februar 2013 - 0:49 #

Fand es auch merkwürdig, dass das Thema Autismus, das einen großen Teil der Story ausmacht, in vielen Reviews nicht erwähnt wurde. Vielleicht wollte man den Leser nicht spoilern?

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:43 #

Was ich "komisch" fand, war, dass es in manchen Reviews sogar ganz kurz erwähnt wurde, ohne sich damit irgendwie zu befassen. Ich glaub, im Text von GameSpot stand etwas von "irgendwas auf dem autistischen Spektrum" und das wirkte für mich etwas merkwürdig.

Ich hatte auch einen Podcast über das Spiel gehört, wo spoilerhaltig darüber gesprochen wurde. Als es um die Kino-Szene ging, meinte einer der Podcaster, dass Rivers Verhalten dort ja sogar autistisch wirkte. Und diese Aussage wurde vom selben Herren direkt wieder abgelehnt, weil Autismus ja etwas ganz anderes sei und damit wurde es nie wieder zum Thema gemacht.

Aber wie ich den Kommentaren entnehmen kann, war da mein Eindruck ja nicht unbedingt repräsentativ. Freut mich :)

Namen (unregistriert) 22. Februar 2013 - 19:13 #

Vermutlich ist dein Eindruck nicht repräsentativ, weil man sehr mit der Thematik vertraut sein muss, oder noch besser, davon betroffen sein muss (direkt oder indirekt) um es wirklich zu verstehen.
Eventuell gibt es entsprechende Menschen im Entwicklerteam oder im näheren Umfeld.

Etwas dran vorbei aber im selben Grundsinn
Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich ;)

Sören der Tierfreund (unregistriert) 22. Februar 2013 - 1:49 #

Im Gegensatz zu deinen sonstigen Artikeln (die von der Thematik für mich meist uninteressant sind ^^) empfand ich diesen hier als richtig interessant und echt gut geschrieben.

Photon 07 Dual-Talent - 147 - 22. Februar 2013 - 3:41 #

Sehr schöner Text. Und für mich auch ein ganz besonderes Spiel, denn ich bin durch das Spiel erst auf den Asperger-Autismus aufmerksam geworden - und habe mich selbst darin wiedererkannt. Es hat auf jeden Fall bei mir eine Reihe Dinge erklärt.

Ich habe mir schon viele ähnliche Gedanken zu dem Spiel gemacht. Und der Autismus steht für mich klar im Zentrum. Und natürlich Johns Story. Ich habe jetzt zwar nicht so eine große Anzahl an Meinungen über das Spiel gelesen, aber irgendwie kommt es mir wirklich vor, als würden gerade diese beiden Dinge so sehr in den Hintergrund treten.

Ein letztes:
Summer Glau hat eindeutige Borderline-Tendenzen (wird in der Serie/im Film auch einmal erwähnt). Das lässt sich durchaus mit Asperger verwechseln, ist aber etwas grundsätzlich anderes.

Edit: Mir ist gerade noch etwas sehr interessantes eingefallen, worüber ich bei dem Spiel schon länger nachgedacht habe. John verhält sich für einen NT sehr rücksichtsvoll - aber meiner Meinung geht er ziemlich falsch mit River um. Gerade das große Wahrheitsverschweigen ist sehr schlimm für sie. Und eine Sache finde ich sehr arrogant: Dass er ablehnt, das Buch über ihre Kondition zu lesen. Gerade das würde doch einiges im Umgang helfen. Aber er sclägt das aus - warum, weiß ich nicht. Will er nichts mit "der Krankheit" zu tun haben oder was? Dabei handelt es sich nicht einmal um eine Krankheit ...

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 16:44 #

Dass John sich weigert, fand ich auch etwas arschig von ihm. Ich glaub, das hat aber auch irgendwie mit seiner persönlichen Geschichte zu tun, weswegen er sich nicht mit der Realität beschäftigen wollte.

Blackiris (unregistriert) 24. Februar 2013 - 21:44 #

Ich glaube, John hatte Angst davor, ein anderes Bild von River zu bekommen, wenn er die ganzen Hintergründe kennenlernt. Sicherlich wäre es nur vernünftig und erwachsen und richtig gewesen, sich möglichst viel wissen über ihren Zustand anzueignen, aber ursprünglich hat sich Johnny zu River hingezogen gefühlt, weil sie „anders“ war, und dabei wollte er es vermutlich belassen. (Ob er sich dessen bewusst war, ist eine andere Sache.)

Das ist sicherlich egoistisch von ihm. Aber vielleicht war es wirklich nur die Angst, sein Bild von River verändern zu lassen.

Thomas_de_Ville 14 Komm-Experte - 2233 - 22. Februar 2013 - 3:38 #

Danke, ein sehr guter Artikel!

BruderSamedi 17 Shapeshifter - P - 8122 - 22. Februar 2013 - 9:26 #

Sehr schöner Artikel!
Die ganzen Serienreferenzen habe ich nicht erkennen können, weil ich keine der Serien kenne. Und an viele Details, die du zu einem Gesamtbild zusammenpuzzelst, kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.

Dass es um Autismus geht, war ja schon klar, als ich den Soundtrack gekauft habe (direkt mit dem Spiel zusammen). Und ich meine ich hatte auch gegoogelt bei dem Buch, ob das jetzt Asperger ist (das ich ja wenigstens vom Namen her kenne) oder was anderes und wo die Unterschiede liegen.

Dass die Mehrheit dieses ganze Feld nicht mitbekommen hat, möchte ich auch mal bestreiten - für mich war es ein Aspekt des Gesamtbildes. Würde mich jemand fragen, worum es in TtM geht, ich würde die Rahmenhandlung erklären, aber sicher nicht Autismus erwähnen. Wenn allerdings jemand behauptet, es würde keine Spiele mit dem Thema Autismus geben, ich würde ihn auf TtM verweisen. Insofern denke ich, dass die starke Geschichte einfach den Aspekt Autismus überlagert, auch wenn das persönliche Empfinden natürlich anders sein kann.

Edit: Noch ein Nachtrag: "Die Tragik der Geschichte ist einerseits natürlich die Geschichte von John, der im Grunde sein Happy End findet, was wohl alle Spieler zu Tränen gerührt hat." Johnnys Happy End hat zu Tränen gerührt? Weniger. Am intensivsten war für mich die im Text schon beschriebene früheste Erinnerungsszene und die Auflösungen/Erklärungen, die sich dadurch ergeben.

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:38 #

"Dass die Mehrheit dieses ganze Feld nicht mitbekommen hat, möchte ich auch mal bestreiten - für mich war es ein Aspekt des Gesamtbildes."

Was mich freuen würde, da irre ich mich auch mal wirklich gern :)

everardt 17 Shapeshifter - 8252 - 22. Februar 2013 - 9:08 #

Hut ab vor diesem Artikel. Sehr persönlich und auch mutig und außerdem sehr schön geschrieben.

Allerdings glaube ich, dass das Thema Autismus in den Reviews nur deshalb nicht erwähnt wird, weil es im Spiel auch nicht explizit benannt wird. Man wollte wahrscheinlich nicht spoilern.

Kirkegard 19 Megatalent - 17602 - 22. Februar 2013 - 11:04 #

Sehr schöner Artikel. Und gut isser auch, weil ich dadurch Lust aufs Game bekommen habe ^^

Viktor Lustig 15 Kenner - P - 3856 - 23. Februar 2013 - 21:04 #

Dem kann ich mir nur anschließen... ich habe es mir gerade eben alleine wegen diesem Artikel geholt!

Bin gespannt!

Kainchen 13 Koop-Gamer - 1537 - 22. Februar 2013 - 12:04 #

Na ja ein Spiel mit dem RPG-Maker XP erstellt, ich empfinde es als überbewertet(vor allem wenn man sich in der RPG Maker Szene bewegt - es gibt weitaus bessere Titel). Philosophisch sicherlich sehr wundervoll gezeichnet - allerdings hat der Autor bereits davor einen besseren Titel veröffentlicht und das gratis. Ich freue mich trotzdem für ihn das er den Sprung vom Hobbyentwickler geschafft hat.

Ultrabonz 14 Komm-Experte - 2316 - 22. Februar 2013 - 15:00 #

Wow! Der beste Beweis für interaktive Literatur.

Asderan 14 Komm-Experte - 2529 - 22. Februar 2013 - 17:00 #

Alter Falter. Eine Besprechung, die einen genauso überraschend emotional aus den Stiefeln haut und beeindruckt wie dieses ungewöhnliche und überragende "Spiel" selbst. Stark!

Asderan 14 Komm-Experte - 2529 - 22. Februar 2013 - 17:05 #

... ich hab Tony Attwood damals übrigens gegooglet. Und der Mensch der mir das Spiel empfohlen hat sehr wahrscheinlich auch.
Will heißen: Ich glaube, ein bisschen optimistisch darf man wohl sein in Bezug auf die Leute, die sowas spielen.

Schade ist es trotzdem, wenn die anderen Besprechungen am Thema vorbeigehen...

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 17:10 #

Weswegen ich das nochmal betonen möchte: Das freut mich und da lieg ich wirklich gerne falsch :>

Asderan 14 Komm-Experte - 2529 - 23. Februar 2013 - 15:18 #

Ist vielleicht auch manchmal wirklich der Grund, dass die Rezensenten nicht Spoilern wollen, was mit River los ist. Das ist ja der Maintwist der Geschichte.

Es ist ja irgendwie auch eine große Leistung der Geschichte selbst, dass das ganze nicht so einfach beim Namen genannt wird.
Das wird auch dem wirklichen Leben gerecht: Sobald man jemanden in die Schublade "Asperger" packen kann, ist irgendwie alles erklärbar. Erst das Label schafft Verständnis.
Für viele Menschen wird der Aspie aber, wenn Sie ihn nicht banal in diese Schublade packen und einordnen können, als seltsam und schwierig erscheinen. Das ist ja die große Schwäche der meisten Menschen, dass sie mit Ungewohntem eben nicht gut klar kommen, bis es Ihnen einer erklärt.Ich wüsste selbst nicht, ob ich einen Aspie als solchen erkennen würde, trotz meiner vorhandenen Vorsensibilisierung.
Insofern ist es auch eine große Leistung von To the Moon, dass es den Spieler die unbedingte Zuneigung zu einem Menschen, der "irgendwie anders" ist, bewundern lässt.

Kotfur (unregistriert) 23. Februar 2013 - 14:16 #

Ich habe die Demo gespielt und auf Youtube noch ein bisschen Gameplay angeschaut und obwohl das SPiel vielversprechend anfängt, geht mir der zu häufig verwendete Comic-Relief gehörig auf die Nerven.
Die Unkreativität, die sich durch Querverweise auf alle möglichen Medien sichtbar zeigt, macht den Humor keineswegs besonders gut. Ein paar Sachen sind witzig, wie zum Beispiel die Sternenfrage, mit Verweis auf König der Löwen, aber größtenteils schmeißt es mich raus.

Die Grafik ist absolut ausreichend und die Liebesbeziehung ist wirklich sehr schön, größtenteils Verdienst der Musik, denn betrachtet man die Dialoge alleinstehend, liesse sich damit kein Blumentopf gewinnen.
Hinzu kommt, dass die Geschichte viel zu melodramatisch rüberkommt, da nur die Schlüsselmomente gezeigt werden, welche manchmal kaum verknüpfbar wirken, da der letzte Eindruck der Beziehung des Liebespaars noch ein ganz anderer war.

Sieht für mich nicht nach dem besten Spiel der Welt, sondern eher nach dem träumerischten Spiel aus. Durchaus positiv gemeint.

Aber dein Artikel ist auf jeden Fall sehr toll, q :*

EinFan (unregistriert) 24. Februar 2013 - 13:04 #

Danke, dein Artikel hat ausgedrückt, was ich sagen wollte! Ich fand das Spiel unglaublich bewegend und emotional und auch, wenn ich während des Spielens nicht genau wusste, was mit River los war. Das erste, was ich gemacht hatte, nachdem ich das Spiel um halb drei Uhr in der Früh durchgespielt hatte, war Tony Attwood zu googlen, weil der Name mir unglaublich bekannt vorkam (und weil ich mehr über River wissen wollte).
Rivers Tragik und die Tatsache, dass John einfach nicht verstanden hat, hat das Spiel für mich so traurig gemacht - und die ganzen Kommentare von Leuten, die nicht verstanden haben, was zwischen den beiden war, machen mich traurig... Aber keine Sorge, da draußen sind Leute, die die Hinweise verstanden haben. :)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 24. Februar 2013 - 13:22 #

:)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 24. Februar 2013 - 13:24 #

An der Stelle möchte ich mich auch mal für die vielen positiven Kommentare bedanken, damit hab ich wahrlich nicht gerechnet.

Blackiris (unregistriert) 24. Februar 2013 - 22:02 #

Toller Artikel, sehr ehrlich und aufrichtig geschrieben!
Auch wenn ich mich selbst ein bisschen mit dem Thema auseinandergesetzt habe und vor allen Dingen To The Moon schon durch die vielen Alpha- und Beta-Tests vor dem Release auf Detailebene kenne, und auch nach dem Release auch noch sehr intensiv damit beschäftigt habe, habe ich durch deinen Artikel noch einige neue Verbindungen zum Autismus entdeckt.
Zum Beispiel war mir die Bedeutung von „Des Kaisers neue Kleider“ in dem Kontext gar nicht klar (möglicherweise, weil ich den Inhalt des Märchens gar nicht kannte^^).

Der Artikel verdient auf jeden Fall Anerkennung. Es ist in der Tat traurig, dass viele Leute gar kein konkretes Bild von Rivers „Zustand“ haben. Dass das Wort Autismus nicht direkt fällt, liegt daran, dass Kan nicht zu direkt mit dem Begriff umgehen wollte, für den Fall, dass die Darstellung nicht ganz der Realität entspricht. Wenn man über ein schwieriges und komplexes Thema erzählt, sollte man sehr vorsichtig sein, wenn man sich der eigenen Sachkenntnis nicht zu hundert Prozent sicher ist. Es haben sich aber schon mehrere Asperger-Autisten und Menschen, die sehr nah damit zu tun haben, zu Wort gemeldet und angemerkt, dass die Darstellung ausgesprochen feinfühlig und realitätsnah ist. In dieser Hinsicht hätte sich Kan also nicht zu sorgen brauchen. ;)

Noch ein Hinweis zur Verwendung Ich-Perspektive: Meiner Auffassung nach klingt es gerade _nicht_ arrogant, wenn man aus dieser Perspektive schreibt, weil man damit ja betont, dass es sich um eine eigene Meinung handelt. Schlimmer finde ich, wenn Menschen ihre persönliche Ansicht als objektive Tatsache darstzustellen versuchen oder ihre Meinung als die Meinung aller anderen dastehen lassen wollen. Von daher war die Wahl absolut richtig - besonders, weil es sich um einen so persönlichen Artikel handelt.

Vielen Dank für den ausführlichen, informativen und auch bewegenden Bericht! :)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 25. Februar 2013 - 14:27 #

Kan hat mir gestern auch noch eine Antwort geschrieben, weil ich ihn gefragt hab, wie sein Verhältnis zu dem Thema ist:

"Thank you very much for the kind words; I'm really got you enjoyed the game and was able to relate to it. I don't have Asperger's myself, but I did know someone who did -- I also involved myself in some autistic communities while I was working on the game to try to make things accurate.

Cheers and take care,
Kan"

Endamon 15 Kenner - 3900 - 26. April 2013 - 0:11 #

Gut geschrieben und aufklärend. Ich habe das Spiel noch nicht gespielt, aber alleine durch diesen Artikel hier macht mich das Ganze sehr gespannt auf To The Moon.

Tsabotavoc (unregistriert) 9. Mai 2013 - 18:23 #

Ein sehr guter Artikel zu dem Thema.

Ich habe bei dem Spiel auch geweint als mir klar wurde das River (ein wunderschöner Name übrigens) John mit den Origamihasen an Ihr Treffen am Jahrmarkt erinnern wollte.

Ich kann mir gar nicht vorstellen wie hart es für River gewesen sein muss als John ihr offenbarte das er sich an das - für sie offensichtlich irrsinnig prägende und wichtige - erste Treffen am Jahrmarkt nicht erinnern konnte.

Auch das so sorgfältig bewahrte Schnabeltierstofftier zeigte mir das deutlich: River hat John irrsinnig geliebt. Es muss furchtbar sein so etwas nicht zeigen zu können.

Das Ende des Spiels hat mich dann nochmal zum Heulen gebracht. John hatte seine Erinnerung die er bestellt hatte. Aber erstens ging es Ihm ja nie um den Mond sondern nur um River - und zweitens: Ich hätte mir ein Happy End für River gewünscht.

Wobei ich das Spiel nicht als Spiel bezeichnen möchte. Ich sehe es mehr als digitales interaktives Kunstwerk.

yukeki 04 Talent - 23 - 1. Juni 2013 - 18:06 #

Ich fand das war ein so wunderbares spiel..nur schade dass es so traurig ist :/

Irgendwie (unregistriert) 13. Dezember 2016 - 1:20 #

eigentlich wollte ich die Ganze Zeit wissen wer River ist...