Computerspiel-Sucht User-Artikel

Depression unter dem Gaming-Deckmantel

ChrisL / 27. Oktober 2019 - 10:24 — vor 1 Woche aktualisiert
Ab dem 1.1.2022 wird Computerspielsucht als Krankheit gelten. Welche Kriterien müssen dafür erfüllt sein und was bedeutet es für einen Betroffenen, so süchtig zu sein, dass eine Spielstörung vorliegt?
Im Mai 2019 erkannte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Abhängigkeit nach Computer- und/oder Videospielen offiziell als Krankheit an, nachdem zuvor lange darüber beraten wurde. Ab dem 1. Januar 2022 tritt die 11. Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (kurz ICD, vom Englischen International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) in Kraft, die auf der 72. Jahresversammlung der WHO verabschiedet wurde. Computerspielsucht wird somit zukünftig als eigenständige und eine Behandlung erforderliche Erkrankung anerkannt.
 
Die WHO-Kriterien zur Computerspielsucht
Eine Spielstörung ist gekennzeichnet durch ein Muster von anhaltendem oder wiederkehrendem Spielverhalten [...], das online [...] oder offline sein kann, manifestiert durch:
  • Beeinträchtigte Kontrolle über das Spielen (zum Beispiel Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Beendigung, Kontext);
     
  • zunehmende Priorität, die dem Spiel beigemessen wird, soweit das Spiel Vorrang vor anderen Lebensinteressen und täglichen Aktivitäten hat; und
     
  • Fortsetzung oder Eskalation des Spiels trotz des Auftretens negativer Folgen. Das Verhaltensmuster ist von ausreichender Schwere, um zu erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu führen.

Für die meisten Spielerinnen und Spieler ist das Hobby der Computer- und Videospiele nicht mehr als genau das: Sich mit einem Titel beschäftigen, solange Lust, Spaß und auch Zeit vorhanden sind; jederzeit aufhören zu können, wenn sich Familie oder Bekannte melden oder andere Termine anstehen. Und ab und zu auch mal über die Stränge schlagen, wobei die Betonung hierbei auf „ab und zu“ liegt.

Doch wie in vielen anderen Bereichen des Lebens gibt es Menschen, denen das eben Genannte kaum beziehungsweise schlecht gelingt. Diese Spieler kämpfen mit ihrer Sucht und schaffen es oftmals nicht, sich von Zwang und Druck zu lösen, was schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann. Soziale Kontakte werden (immer weiter) vernachlässigt und Schule, Studium oder Arbeit verlieren (stetig) an Bedeutung. Neben psychischen Problemen kann zudem auch die körperliche Gesundheit leiden.

Ist man selbst nicht betroffen, sind Themen wie Alkohol- oder eben (Computer-)Spielesucht naturgemäß nur schwer nachzuvollziehen. Nach wie vor ist es in der Gesellschaft nicht selten so, dass diese und andere Süchte nicht als Krankheiten wahrgenommen werden und die erkrankten Mitmenschen „sich doch nur mal zusammenreißen müssen“, was die gänzlich falsche Reaktion ist.

Theoretisch kann viel über etwas geschrieben werden, das man selbst nicht kennt. Doch wie sieht es tatsächlich aus? Wie geht es den Betroffenen mit der Computerspielsucht? Wie muss man sich diese Krankheit als Außenstehende vorstellen, welche direkten und indirekten Auswirkungen ergeben sich möglicherweise durch sie?
 
DAK-Studie
Laut einer repräsentativen Studie der forsa Politik- und Sozialforschung GmbH aus dem März 2019, die von der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Auftrag gegeben wurde, beschäftigen sich mehr als drei Millionen Minderjährige regelmäßig mit Computerspielen. Einer Auswertung des Deutschen Zentrums für Suchtfragen zufolge „zeigen 15,4 Prozent von ihnen ein riskantes oder pathologisches Spielverhalten“.

Damit wären 465.000 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren Risiko-Gamer, davon 79 Prozent Jungen. 3,3 Prozent der Betroffenen erfüllen sogar die Kriterien einer Computerspielabhängigkeit mit Entzugserscheinungen, Kontrollverlusten oder Gefährdungen.

Download der Ergebnisse als PDF.

Ein (ehemals) Betroffener über die Krankheit

Antworten auf diese und ähnliche Fragen versucht euch das folgende Interview mit einem GamersGlobal-User zu vermitteln, der mehrere Jahre in der Sucht gefangen war. Dem Wunsch, anonym zu bleiben, wird entsprochen. Dem Autor dieses Artikels sowie der Redaktion ist der Name bekannt.

Wie hat sich deine Sucht geäußert? Welche Spiele waren betroffen und über welchen Zeitraum sprechen wir?

Vorweg sei gesagt, dass ich mich in den vergangenen Monaten mit diesem Thema nochmal beschäftigt und mich mit der Zeit gedanklich auseinandergesetzt habe. Inzwischen ist mir klar, dass unter dem Deckmantel des Zockens eine handfeste Depression steckte. Jedoch war es damals für mich nicht ersichtlich. Ich hatte eine Depression mit suizidaler Neigung (hat man mir mal so gesagt). In dem Kontext stellt sich die Spielesucht natürlich anders dar. Denn eigentlich hat sie mir sogar geholfen, nicht in viele komische Gedanken zu verfallen.

Es traf zwei Spiele, die vor allem damit zu tun hatten, dass in der WG, in der ich eingezogen war, DSL 768 vorhanden war, wodurch das Problem durch das Internet begünstigt wurde. Mechwarrior 4 war auf PC erschienen und als Battletech-Fan musste ich das natürlich spielen. Durch den unkomplizierten Zugang zum Onlinemodus ging es los. Über den ganzen Zeitraum von vier Jahren, über den die Sucht ging, hatte ich es immer gespielt. Ich hatte dort schnell einen Clan gefunden, der natürlich auch dafür gesorgt hat, dass ich immer online war. Wir haben uns sogar einmal im Jahr persönlich getroffen. Weiterhin haben wir 2003 mit dem MMORPG Dark Age of Camelot angefangen, das ebenfalls ein Zeitfresser war. Dort habe ich mich morgens zwischen 6 und 7 Uhr eingeloggt und erst wieder 22 Uhr oder später abgemeldet.

An welchem Punkt wurde dir klar, dass es so nicht weitergehen kann?

Der ganze Prozess ist ja schleichend. In meiner Dark-Age-of-Camelot-Gilde gab es einen Spieler, der immer mit mir online war. Nach zwei Jahren war er auf einmal nicht mehr online und dies über längere Zeit. Später war sein Spiel-Charakter wieder anzutreffen, im Chat erhielt ich jedoch eine Nachricht von ihm, die mich überlegen ließ. Es war nämlich nicht er, sondern eine Bekannte, die uns mitteilte, dass sie und andere Bekannte ihn auf Spieleentzug gesetzt haben. Er war ebenso wie ich süchtig nach dem MMO. Er selbst war nach zwei Monaten nochmal da und hat uns im Teamspeak seine Geschichte erzählt. Bei ihm war es sogar noch heftiger als bei mir. Dieser Vorfall führte natürlich zu vielen Diskussionen in der Gilde und manche haben daraus Konsequenzen gezogen. Auch habe ich mir wieder Gedanken gemacht, was ich ändern muss.

Hattest du dir nach der Erkenntnis, dass es sich um Spielesucht handelt, professionelle Hilfe gesucht, oder war die Scham zu groß?

Damals war das Thema auf ärztlicher Seite meist noch unbekannt. Erst die letzten Jahre haben eine Änderung gebracht. Somit gab es keine professionellen Erstkontakte. Einen Psychologen aufsuchen war und ist für mich immer noch etwas total Überflüssiges. Ich halte einfach von diesem „Beruf“ nichts.

Ich bin der Meinung, dass Personen, die einem nahe stehen, viel mehr bewirken können. Zum Beispiel, indem sie finanzielle Unterstützung leisten, wenn es um den Erhalt der Wohnung geht. Außerdem kennt eine Mutter ihren Sprössling mit dessen Eigenheiten deutlich besser als es ein Fremder kann.

Was hast du konkret gegen die Spielesucht unternommen?

Da mein Geld nicht mehr für meine Aufwendungen reichte, musste ich arbeiten gehen und somit ging es irgendwann wieder seinen geregelten Gang.

Wie war die Zeit, in der du deutlich weniger spielen konntest? Wie haben sich die Suchtmerkmale in dieser Zeit bemerkbar gemacht?

Es war etliche Wochen mühsam, sich früh vom Rechner zu trennen und sich auf den Arbeitsweg zu machen. Auf Arbeit kreisten öfters die Gedanken darum, was ich als nächstes spiele, wenn ich abends wieder eintreffe. Das brachte mir schon Ärger ein, da einiges auf Arbeit schief lief, weil ich nicht aufgepasst habe. Doch die Regelmäßigkeit des Jobs hat sich positiv auf mein Zeitgefühl und die Abendplanung ausgewirkt. Deutlich spürbar war eine innere Unruhe/Nervösität, die sich dann erst wieder gelegt hatte, als ich wieder am Rechner saß und irgendwas gespielt hatte. Die ließ jedoch immer weiter nach.
 
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Mechwarrior 4 gehörte zu den Spielen, die besonders viel Zeit und Aufmerksamkeit einforderten.

RoT 18 Doppel-Voter - P - 12368 - 27. Oktober 2019 - 10:09 #

Spannendes Thema, ich hoffe ich finde im Laufe des Tagen mal eine ruhige Miunute...
Danke Chrisl

xan 18 Doppel-Voter - P - 9601 - 27. Oktober 2019 - 10:22 #

Wichtiges Thema und mutig sich selber dazu zu äußern! Ich stimme im vielen zu, dass eine Eigenerkenntnis kommen muss, um das Problem anzugehen. Ist aber ja bei vielen Süchten der Fall. Mittlerweile gibt es genug Studien, die die Auswirkungen von Sport, festen Rhythmus und bessere Ernährung auf das Gehirn untersucht haben. Lediglich die schlechte Sicht auf die Zunft der Psychologen Teile ich nicht.

Danke für den Artikel.

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 136671 - 27. Oktober 2019 - 10:22 #

Interessanter und lesenswerter Artikel!

TSH-Lightning 22 AAA-Gamer - P - 31190 - 27. Oktober 2019 - 10:37 #

Ein Bericht zu diesem Thema, aus erster Hand, ist natürlich besonders interessant. Es freut mich, dass du deinen Weg zurück in die Realität gefunden hast.

Maverick 30 Pro-Gamer - - 461765 - 27. Oktober 2019 - 10:40 #

Starker und lesenswerter Artikel, der sich mit einem schwierigen Thema befasst und zum Nachdenken über das eigene Spielverhalten anregt. ;)

Restrictor81 17 Shapeshifter - - 6480 - 27. Oktober 2019 - 11:02 #

Super Artikel. Danke.

Jac 18 Doppel-Voter - P - 9689 - 27. Oktober 2019 - 11:34 #

Ein sehr ernsthafter Artikel, der insbesondere durch die Schilderung des Betroffenen zum Nachdenken anregt. Klasse!

Otto 13 Koop-Gamer - 1582 - 27. Oktober 2019 - 11:35 #

Super und mutiger Artikel. Über ein Thema was gerne totgeschwiegen und verharmlost wird, besonders von uns. Und in der tat kann Videospielsucht am ende tödlich sein.

Unregistrierbar 17 Shapeshifter - 8517 - 27. Oktober 2019 - 11:44 #

Vielen Dank für diesen Artikel.

Ich muss allerdings davor warnen, sich von der beschriebenen "Selbsttherapie" inspirieren zu lassen. Bei allen Süchten ist es weitaus erfolgversprechender, sich jemandem anzuvertrauen. Der Austausch mit Gleichgesinnten kann die Schamschwelle stark verringern.

zuendy 15 Kenner - P - 3623 - 27. Oktober 2019 - 12:46 #

Ist halt abhängig davon was man hat, woher es kommt, ob man Rückendeckung von seinem Umfeld hat und viele viele weitere Faktoren. Ist jedes Mal eine individuelle Geschichte. Ließ man ja aus der Beschreibung oben heraus, das ihm/ihr der Weg zum Therapeuten null gebracht hat.
Ich denke, wenn man zur Selbsterkenntnis kommt regelmäßige Bewegung und diese Erkenntnis - oh jetzt geht es im Kopf schon wieder los, jetzt muss ich aufhören, ist man auf einem guten Weg.

Mein persönliches Risiko waren viele Jahre, Erfolge zu machen. Ich liebe es erfolgreich zu sein, egal in welcher Form. Bei einem abgeschlossenen Spiel ist halt mit dem Finale Schluss. Wenn es kein Ende gibt und es immer nur Microerfolge gibt, hatte mir das auch gereicht, die konnten sich auch ruhig wiederholen. Zum Glück konnte ich das für mich mit Inselkampf und Legend of the Green Dragon erkennen (waren abstrakt genug, um sich davon lösen zu können, dennoch sehr viel Zeit investiert), um so mit WoW erst überhaupt nicht anzufangen (wäre mein Spiel gewesen, auch heute noch). Letztlich dennoch alles Peanuts zum oben erzählten Lebensweg.

Unregistrierbar 17 Shapeshifter - 8517 - 27. Oktober 2019 - 13:16 #

Das Problem bei der Selbstanalyse ist, dass man sich selbst bescheisst.
Man kennt das von Alkoholikern - sie gestehen sich nicht ein, ein Problem zu haben, glauben, sie könnten jederzeit aufhören, halten Rückfälle für bagatellisierbar, planen den Einkauf schon so, dass sie meinen, Alkohol kaufen zu müssen usw.
Ein menschliches Gegenüber sagt einem diese Wahrheiten ins Gesicht, da gibts keinen Selbstbetrug und das hält einen dann eher von einem Rückfall ab als man selbst.

zuendy 15 Kenner - P - 3623 - 27. Oktober 2019 - 16:46 #

Und das ist nur eine Sichtweise auf diese Herausforderung, bescheißt sich denn wirklich jeder permanent selbst, nur um der Wahrheit nicht ins Gesicht zu sehen?

Und ja, natürlich gibt es diese Fälle, oft genug, nur sind nicht Alle so.

SupArai 17 Shapeshifter - - 8469 - 27. Oktober 2019 - 13:21 #

Ich lese da eher raus, dass es nie einen Kontakt zu einem Facharzt oder einem Psychologen gab, da der Betroffene nicht von diesem Beruf hält.

zuendy 15 Kenner - P - 3623 - 27. Oktober 2019 - 16:54 #

Ja, das trifft es eher. Falsch aufgenommen. Sorry.

SupArai 17 Shapeshifter - - 8469 - 27. Oktober 2019 - 13:56 #

Ich stimme dir bei der Anmerkung zu.

Ja, es mag Menschen geben, die an Depression erkranken und sich da selbst wieder rausholen können.

Aber es ist auch hilfreich und gegebenenfalls sogar sehr sinnvoll, sich an ein externes Hilfesystem zu wenden und sich dort behandeln zu lassen.

Gerade bei Suchterkrankungen, wie du ja schon schriebst, ist meines Erachtens das aktive Rausbewegen aus den alten Strukturen sehr wichtig.

Der Verweis, dass der Betroffene nichts vom "Beruf" des Psychologen hält, mag eine Meinungsäußerung sein. Ich finde den Kontext alleinstehend aber unglücklich. Gerade in der Einleitung wird die häufige, aber falsche Reaktion auf psychische Erkrankungen gut dargestellt: Reiß dich zusammen.

Die Einbeziehung Externer ist nicht überflüssiges und häufig der erste, wichtige Schritt.

Das Familie den Betroffenen zur Seite steht, finanziell und moralisch unterstützt, ist wichtig. Allerdings können die auch Teil des Systems sein, Stichwort Co-Abhängigkeit. Ich berate eher dahingehend, sich an externe Stelle zu wenden für die professionelle Unterstützung, und die Familie als emotionale Stütze zu nutzen.

Ich merke gerade, dass mein Text viel länger und ausführlicher sein müsste, das passt hier aber eher nicht...

Edit: Um das nochmal deutlich zu machen: Jeder Mensch entscheidet sich für einen Weg, und es liegt mir fern, den Weg des Betroffenen hier schlechtreden zu wollen, schließlich hat zu dem gewünschten Erfolg geführt. Ich möchte aber auch schreiben, dass es auch ein Weg ist, sich bei Problemen oder Erkrankungen an Hilfssysteme zu wenden.

malkovic 14 Komm-Experte - 2183 - 28. Oktober 2019 - 8:05 #

Und diesen Kommentar von SupArai hier möchte ich ganz klar unterschreiben. Auch wenn es natürlich schön zu lesen ist, dass sich der/die Betroffene im Artikel selbst rausgeholt hat (Hut ab!), sollte man sich in ähnlichen Situation, vor allem bei einer Depression, möglichst professionelle Hilfe suchen.

Green Yoshi 21 Motivator - P - 28511 - 28. Oktober 2019 - 10:13 #

Das stimmt. Und der Tipp mit der Arbeit funktioniert bei Alkohol-, Zigaretten- und Internetsucht nicht. Diesen Süchten kann man ja auch bei der Arbeit frönen. Das wird bei Computerspielen schwer, außer man hat sein eigenes Büro und nie Besuch.

Specter 17 Shapeshifter - P - 7756 - 27. Oktober 2019 - 12:27 #

Der Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich GG so schätze. Danke dafür! Eine inhaltliche Frage habe ich: Was sind Klemmbausteine? Das sagt mir so gar nichts...

Admiral Anger 26 Spiele-Kenner - P - 65091 - 27. Oktober 2019 - 12:45 #

Weil ich auch darüber gestolpert bin: Sowas wie Lego.

xan 18 Doppel-Voter - P - 9601 - 27. Oktober 2019 - 13:17 #

Der allgemeine Name für Lego, Cobi und andere Vertreter. Hat sich etwas eingebürgert, da Lego gerne jeden verklagt.

Specter 17 Shapeshifter - P - 7756 - 27. Oktober 2019 - 14:21 #

Danke dir und dem Admiral.

SupArai 17 Shapeshifter - - 8469 - 27. Oktober 2019 - 13:44 #

Danke für den Artikel.

zfpru 17 Shapeshifter - P - 7981 - 27. Oktober 2019 - 15:47 #

Vorsicht, jetzt kommt der Laie und selbst zertifizierte Arbeitsmediziner im Hobby. Meine Qualifikation besteht im wesentlichen aus der Schwarzwaldklinik und Dr. House. Aber eine Frage habe ich dennoch. Wenn die eigentliche Erkrankung eine Depression ist, wäre das die Diagnose und das Zocken ein Symptom. Und wenn es so ist, verleitet die Diagnose Sucht nicht dann dazu, sich an den Symptomen abzuarbeiten, die dann nicht besser werde, weil die Ursache nicht angefasst wird?

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Oktober 2019 - 21:31 #

Bewegung so wie soziale Kontaktpflege gehören zu den klassischen Therapien bei Depressionen. In sofern wurde die Ursache schon angefasst.

euph 27 Spiele-Experte - P - 79716 - 27. Oktober 2019 - 16:19 #

Sehr guter Artikel, Danke ChrisL und dem anonymen User.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 11261 - 27. Oktober 2019 - 16:22 #

"Inzwischen ist mir klar, dass unter dem Deckmantel des Zockens eine handfeste Depression steckte."

Das wäre aus meiner Sicht das eigentliche aber eben auch komplexere Thema gewesen.

amenon 16 Übertalent - P - 5261 - 27. Oktober 2019 - 16:37 #

Bin beeindruckt, welche Bandbreite hier immer wieder geboten wird. Danke für die Einblicke.

Sven Gellersen 22 AAA-Gamer - - 33452 - 27. Oktober 2019 - 19:31 #

Ein guter Artikel.
Ich finde es richtig und sehr wichtig, anzuerkennen, dass sich durch unser Hobby auch eine schwere Sucht entwickeln kann. Aber ignorieren sollte man dabei nicht, dass Süchte oft nur Symptome sind und keine für sich stehenden Erkrankungen. Depressionen wie im hier geschilderten Fall, traumatische Erlebnisse, schwierige soziale Umfelder und und und. Die Ursachen können vielfältig sein und neben der Sucht selbst muss es gelten, diese Ursachen zu behandeln.

Rainman 21 Motivator - - 29280 - 28. Oktober 2019 - 10:02 #

Gut zusammengefasst. Sehe ich genauso.

Faerwynn 18 Doppel-Voter - P - 10306 - 27. Oktober 2019 - 22:24 #

Grundsätzlich war ich vermutlich immer Teil einer gefährdeten Gruppe. Aber mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich kein Suchttyp bin. Ja, ich hatte sehr intensive MMPORPG Phasen, und sicher hat mich das in der Gesamtheit ein oder zwei Semester/Halbjahre durch Schule/Ausbildung/Studium gekostet. Bei mir wurde nur nie der kritische Punkt überschritten das Spielen vor die wichtigen Dinge zu stellen. Wenn eine Prüfung anstand, dann wurde eben weniger oder nicht gezockt. Die Leute im Studium, bei denen es Probleme gab, haben dann eben nicht gelernt und einfach weitergezockt. Um ehrlich zu sein habe ich das oft unter dem Thema "Selbstdisziplin" abgehakt.

Der Artikel hat mit der Depression einen wichtigen anderen Blickwinkel drin, wobei da Zocken sicher nur eine mögliche Selbstmedikation ist.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15735 - 27. Oktober 2019 - 22:26 #

Ist ein schwer schwieriges Thema, mit dem ich mich selbst auch verdammt schwer tue. In meinem direkten Umfeld gibt es einige Personen, denen eine Depression ärztlich attestiert wurde. Und bei einigen fällt es mir leicht es nachzuvollziehen. Eine Freundin konnte aufgrund einer Angststörungen das Haus nicht mehr verlassen. Bei anderen empfinde ich es als "convenient Krankheit", die ich kaum nachvollziehen kann. Da treten mir Symptome zu selektiv auf, immer dann, wenn es grade "so gut passt".

Ich neige zu folgender Sichtweise:

Es gibt Phasen im Leben, wo dich eine Sache maximal motiviert. Und dann investierst du da sehr viel mehr als nur Zeit und Geld. Und natürlich entstehen dabei immer Zwänge! Wenn man sich was aufgebaut hat (Online-Spiel, Sport, Firma etc.), dann will man das ja nicht verlieren, also tut man auch viele Dinge "gezwungenermaßen", um das Level zu halten. Irgendwann lässt aber die Gesamtmotivation nach und vielleicht fasziniert dich dann etwas anderes. Daran empfinde ich nichts als "krankhaft". Man lässt nur seinem Trieb freien Lauf, unterwirft sich dabei gewissen Zängen und nimmt Nachteile in anderen Bereichen bewusst in Kauf. Irrational ja, Krankheit nein.

Sobald jemand aber Dinge tut, obwohl sie ihm keine Freude (mehr) machen, dann ist das für mich die Schwelle zum krankhaften Suchtverhalten. Bzw. wenn man sich nicht einmal mehr zu den Dingen aufraffen kann, die einem eigentlich sehr viel Spaß machen, dann ist das die Schwelle zur Depression.

Ich bin kein Arzt, kein Psychologe oder Psychater. Aus meiner Sicht gibt es derzeit mehr Diagnosen als Kranke, aber ich kann mich irren. In dem Fall hier im sehr anschaulichen User-Artikel bin ich jedenfalls froh, dass sich anscheinend alles zum Guten gewendet hat und dass der-/diejenige den Ausweg aus dem Strudel gefunden hat!

tailssnake 17 Shapeshifter - P - 6792 - 27. Oktober 2019 - 22:31 #

"Sobald jemand aber Dinge tut, obwohl sie ihm keine Freude (mehr) machen, dann ist das für mich die Schwelle zum krankhaften Suchtverhalten."
Dann müsste der Großteil der Menschen aufhören zu arbeiten.

Q-Bert 19 Megatalent - P - 15735 - 27. Oktober 2019 - 22:38 #

Würde ein Großteil der Menschen sofort tun, wenn es für die Arbeit kein Geld gäbe.

Faerwynn 18 Doppel-Voter - P - 10306 - 28. Oktober 2019 - 7:50 #

Wenn der Suchtstoff kein High erzeugen würde, würden sicher auch viele Süchtige aufhören.

tailssnake 17 Shapeshifter - P - 6792 - 28. Oktober 2019 - 10:11 #

Nein, das High ist irgendwann weg, wenn man süchtig ist.

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Oktober 2019 - 21:33 #

Ja, aber dann ist man ohne den Suchtstoff down.

GeneralGonzo 14 Komm-Experte - 1914 - 28. Oktober 2019 - 11:18 #

Hmm, Ursache kann natürlich auch ein fehlender Partner sein, der zu so einer Sucht führt.
Ein (ehemaliger) Freund von mir schafft es nicht, eine funktionierende Beziehung aufzubauen, und flüchtet sich dann in seiner "Freizeit" in Computerspiele.
Ohne Partner fehlt natürlich jemand, der dich
a) ermutigt, kürzer zu treten mit dem Zocken
b) andere Hobbies in Partnerschaft ermöglicht
c) mahnende worte spricht....

Hinzu kommt, wie im Artikel erwähnt, das oft Arbeitslose, Studenten oder Schüler betroffen sind.
Warum? Weil hier die viele Freizweit einfach da ist. Wenn ich Arbeiten gehen muss, wird zumindest das ununterbrochene Zocken irgendwann doch unterbrochen...vom fehlenden Geld zu schweigen.

Wunderheiler 21 Motivator - P - 27632 - 28. Oktober 2019 - 11:40 #

Den letzten Satz verstehe ich nicht. Vom fehlendem Geld müssten doch die erwähnten Gruppen doch eher betroffen sein?

TheRaffer 19 Megatalent - P - 19980 - 30. Oktober 2019 - 13:43 #

So, bin jetzt erst zum Lesen gekommen. Starker Artikel, der zum Nachdenken über das eigene Verhalten anregt.

Danke dafür!

Elfant 22 AAA-Gamer - P - 37776 - 30. Oktober 2019 - 21:57 #

Wenn ich mich recht erinnere, gibt es in der AeB - Folge noch eine interessante Aussage: Die WHO hat die Videospielsucht auf drängen asiatischer Staaten aufgenommen.

Die Oxforter Studie war bislang entgangen. Da danke ich für den Link.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 146843 - 5. November 2019 - 20:01 #

Toller und wichtiger Artikel. Nur bleibt es leider bedauerlich, dass wie der hier angeführte Betroffene, so auch viele andere, die Existenzberechtigung des Berufszweiges Psychologe oder Psychotherapeut absprechen. So kann nicht allen geholfen werden.