Ko-op mit dir selbst

Zeit² Test

Der Traum unzähliger Hobbyprogrammierer: Das eigene Game beginnt als Studentenprojekt, kommt bei diversen Wettbewerben ins Finale und wird schließlich von einem großen Publisher veröffentlicht. So geschehen beim Sidescroller Zeit², das es seit kurzem für PC und Xbox gibt. Wir haben uns das Spiel genauer angeschaut.
Jörg Langer 18. Januar 2011 - 0:18 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC 360
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.

von Florian Pfeffer


Bei Spielen mit ungewöhnlichen Namen (wie spricht man Zeit² eigentlich aus – „Zeitquadrat“ oder „Zeit hoch zwei“ oder gar „Time Squared“?) stellt sich automatisch die Frage, wie die Entwickler eigentlich darauf gekommen sind. Bei Ubisofts neuem Sidescroller beantwortet sich diese Frage schon im Tutorial: Das für PC und Xbox 360 erschienene Ballerspiel bietet nämlich nicht nur klassische Seitwärtsscroller-Kost im Stil von Gradius oder R-Type, sondern kann auch mit ein paar ganz neuen Ideen aufwarten, die man so in diesem Genre noch nie gesehen hat. Als Hauptnovum haben die Entwickler ein Zeitreise-Feature eingebaut, mit dem ihr die Ballerei für euch jeweils ein paar Sekunden zurückdrehen und so die Gegner erledigen könnt, die einem beim ersten Mal durch die Lappen gegangen sind. Die bereits besiegten Gegner allerdings bleiben tot, somit erinnert die parzielle Zeitreise ein wenig an Braid.

Wir spielen den Lichtfleck mit blauem Heiligenschein. Letzterer zeigt uns den Ladezustand unserer Spezialwaffen an.
 
Zeitreisen leicht gemacht
 
„Wenn kein Gegner in der Nähe ist, verzichte darauf, wild um dich zu schießen“, ermahnt uns der Ladebildschirm, auf dem abwechselnd verschiedene Tipps eingeblendet werden. Offenbar ein Fall von Realsatire, denn der Zustand, keinen Gegner in der Nähe zu haben, kommt in Zeit² praktisch nie vor. Stattdessen nähern sich von Anfang an Unmengen an feindlichen – tja was eigentlich? – Raumschiffen, Fischen oder Mikroben vom rechten Bildschirmrand und wollen uns ans blaue Leder. Irgendwie ist über weite Strecken alles ziemlich blau in Zeit²: der von Matrix inspirierte Hintergrund, unser Kreis-Alter-Ego und natürlich die Gegnerwellen, die wie auf Schienen auf uns zukommen. Warum und wieso das alles so aussieht und passiert, erschließt sich uns mangels Hintergrundsstory nicht.
 
Behind the Scenes
Die erste Version von Zeit² entstand ursprünglich als Studentenprojekt während eines Programmierpraktikums an der TU Berlin. Der damalige Dozent Andy Nealen (Mitentwickler von Osmos) ermutigte die Studi-Entwickler (unter der Leitung von Thomas Bedenk), das Spiel bei Microsofts Programmierwettbewerb Dream Build Play 2008 einzureichen.

Dort kam es unter die Top 20 und nahm daraufhin an weitereren Wettbewerben teil, unter anderem auf dem Independent Games Festival 2009 und der Indie Game Challenge 2010, wo es als Finalist die Aufmerksamkeit von Ubisoft auf sich zog. Der Publisher lies das Game noch etwas aufpolieren und veröffentlichte es schließlich auf dem PC und auf Xbox Live Arcade.
Der Tipp auf dem Ladebildschirm ist aber ernst gemeint. Er bezieht sich auf eines der Features, in denen Zeit² von anderen typischen Vertretern seines Genres abweicht: Es wird nämlich kein Unterschied zwischen Lebensenergie und Munition gemacht. Von der hat man zwar unbegrenzt viel, doch beim Schießen geht ein winziger Teil der Lebensenergie verloren, weshalb man tatsächlich ab und zu die Frequenz reduzieren sollte, mit der man den Daumen auf den A-Button hämmert. Außerdem wird auch immer dann Lebensenergie abgezogen, wenn einer der blau leuchtenden Feinde (und das sind fast alle) es schafft, bis zum linken Bildschirmrand zu gelangen. Passiert dies, sollte man also tunlichst zurückspulen und diese Feinde quasi nachträglich ins Visier nehmen.
 
Damit wären wir auch schon beim namensgebenden Feature von Zeit², der Zeitreise: Per Knopfdruck könnt ihr ein paar Sekunden rückwärts in der Zeit reisen, was später im Spiel von einer netten Möglichkeit, ein paar Zusatzpunkte einzuheimsen, zu einer echten Notwendigkeit wird. Nach dem Zurückspulen taucht eure Kopie von vorhin in Form einer schwarzen Kugel gleichermaßen als Co-Op-Partner auf und ihr könnt euch auf die anderen Gegner konzentrieren. Schafft ihr es gar, euren „schwarzen Zwilling“ anzuschießen, resultiert dies in einem mächtigen Streufeuer, das sich fast über den gesamten Bildschirm erstreckt. Einige der Angreifer sind sogar nur während einer Zeitreise verletzbar, was teilweise eine taktische Vorgehensweise erfordert.

Unsere Kopie aus der Zukunft wird als schwarze Fläche (hier im linken unteren Teil des Bildes) dargestellt.
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Action
Shoot-em-up
7
Brightside Games
Ubisoft
12.01.2011
Link
6.0
6.5
PC360
GMG (€): 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium)