Test: Eierlegender Wollmilchork

World of WarCraft: Cataclysm Test

Mit der dritten WoW-Erweiterung holt Blizzard zum großen Wurf aus, will es allen Spielern recht machen: Einsteiger sollen leichter ins Spiel finden, Erfahrene durch neue Gildenfunktionen und knackige (Raid-) Instanzen wieder gefordert werden, PvP-Anhänger freudig auf "gewerteten Schlachtfeldern" kämpfen. Gelingt all dies?
Jörg Langer 7. Dezember 2010 - 21:45 — vor 9 Jahren aktualisiert
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von Benjamin Ginkel

Sechs Jahre nach dem Release von World of Warcraft und zwei Jahre nach der Veröffentlichung des zweiten Addons Wrath of the Lich King will Blizzard mit der Erweiterung Cataclysm an den gewaltigen bisherigen Erfolg anknüpfen und die wohl einmalige Erfolgsgeschichte des MMOs um neue Kapitel erweitern. 12 Millionen Spieler (zahlende Abonnenten sowie asiatische User, die kostenpflichtig zum Beispiel in Internetcafés spielen) meldete Blizzard zuletzt.
 

WoW Cataclysm für Einsteiger


Ihr benötigt nicht zwingend die Addons, um die veränderte WoW-Welt zu erleben: Solange ihr mit maximal Level 60 und den Inhalten aus dem Grundspiel plus eben der veränderten Welt zufrieden seid, beträgt euer Minimalinvestment, um ganz aktuell in WoW einzusteigen, 0 Euro für eine eine 10-Tages-Testversion von WoW (Link hier; für Battlenet-Nutzer hier). Danach aber schlägt das Level-Cap zu: Für die Levels 60-70 (sowie für Blutelfen und Draenei als spielbare Rassen) muss The Burning Crusade her, für die Stufen 70-80 (und die Todesritter-Klasse) Wrath of the Lich King. Und um die mittlerweile höchste Stufe 85 zu erreichen (sowie Goblins oder Worgen als Rasse zu haben) müsst ihr euch auch noch das aktuelle Addon Cataclysm zulegen. Dann belegt WoW übrigens rund 40 GB auf eurer Platte.

Fürs Erste aber zahlt ihr nichts für bis zu 10 Tage Spielzeit. Wenn euch das Spiel gefällt, rüstet ihr für aktuell z.B. 8,45 Euro das Hauptprogramm nach. Ab dem 2. Monat werden ab 10,99 Euro Abogebühr fällig.

Damit diese Zahl nicht kleiner wird, muss Cataclysm eigentlich die Quadratur des Kreises schaffen und sowohl Immer-noch-Spieler, Wiedereinsteiger als auch Neu-Einsteiger erreichen. Ein neuer Beruf, zwei neue Rassen, fünf zusätzliche Charakterlevels, sieben bisher nicht zugängliche Gebiete sowie fünf neue und zwei aufgewärmte Instanzen sollen euch dazu verleiten, das Spiel zu kaufen -- egal, zu welcher der eben umschriebenen Gruppen ihr gehört.

Wir haben uns die dritte Erweiterung von World of Warcraft genau angesehen, und zwar mehrere Wochen in der Beta und nun noch mal einen halben Tag mit der Verkaufsversion (zum Zeitpunkt der Testveröffentlichung, mittlerweile natürlich länger).

Kuscheln war gestern

Veteranen wissen es längst -- oder haben es sogar selbst erlebt: Lichkönig (und Vatermörder) Arthas wurde im Kampf von mutigen Helden und Tirion Fordring entthront und hat im Zwiegespräch mit Daddys Geist seinen Seelenfrieden geschlossen. Um die untoten Horden der Geißel im Zaum zu halten, hat sich Bolvar Fordragon den Helm des Lichkönigs aufgesetzt. Zumindest bis zur einer der nächsten Erweiterungen ist er fortan auf dem Frostthron gefangen. Mission accomplished, das Leben für die Bewohner Azeroths sollte fortan -- von den üblichen kleineren Kriegen zwischen Allianz und Horde einmal abgesehen -- friedlich sein. Also alle Warnschilder abmontieren, Warnlevel auf hellgrün setzen und sich in der nächsten Kneipe zulaufen lassen?

Schön wär's! Doch eine Verschnaufpause wird niemandem gegönnt -- sehr zur Freude der langjährigen Spieler, die mittlerweile nach neuen Inhalten lechzten: Kaum ist der Lich-König besiegt, erhebt sich Neltharion aus seinem unterirdischen Versteck. Neltharion ist auch als "verrückter Erdwächter" oder, griffiger, "Todesschwinge" bekannt -- und dürfte in etwa das sein, von dem ein Herr-der-Ringe-Balrog in seinen schlimmsten Albträumen davonläuft. Der riesenhafte, drachenartige Unhold (siehe Grafik links) zerstört bei seiner Rückkehr voller Wut die halbe uns bekannte Welt von WoW.

Das Resultat: Kaum noch ein Gebiet auf Kalimdor oder den Östlichen Königreichen sieht so aus, wie seit sechs Jahren gewohnt, praktisch jede Region trägt die destruktive Handschrift von Todesschwinge. Inseln wurden überschwemmt, blühende Landschaften in Einöden verwandelt, riesige Risse durchpflügen das Land.

Statt nun jedoch sofort aufzubrechen und den fiesen, metallverstärkten Schwarzdrachen zu jagen, müsst ihr euch auch als Stufe-80-Held zunächst mit dessen Lakaien auseinander setzen: In der ersten Raidstufe wird etwa der doppelköpfige Oger Cho'gall in der Bastion des Zwielichts euer Ziel sein. Der war schließlich Drahtzieher der vor-kataklystischen Anschläge in Sturmwind, Eisenschmiede, Donnerfels und Orgrimmar. Außerdem muss Blizzard natürlich rein spannungskurventechnisch ein wenig haushalten, sonst schreien alle in zwei Wochen schon wieder nach dem nächsten Addon...

Nicht nur die Bösen haben aufgerüstet

Wrath-Spieler kennen das Prinzip bereit: In den kommenden drei oder vier Content-Patches (4.1 bis 4.x) werden, mt jeweils mehreren Monaten Abstand, jeweils neue Raid- und Gruppen-Instanzen dazukommen, bis es zum finalen Schlag gegen Todesschwinge gehen kann. Außerdem trefft ihr in der Riege der Raidbosse auch auf einen alten Bekannten: Ragnaros, der Endboss des Geschmolzenen Kerns feiert sein Comeback -- allerdings nicht lauwarm aufgebrüht wie Naxxramas, sondern als neuer Encounter in der Feste Sulfuron.

Nicht nur in Sachen "neue Gegner" dürft ihr gespannt sein, wem ihr gegenüber tretet: Auch die Führungsriegen von Allianz und Horde wurden kräftig durchgemischt: So ist etwa König Varian Wrynns Sohn, Prinz Anduin, vom Dreikäsehoch zum jungen, abenteuerlustigen Teenager gereift, der mit euch durch Sturmwind streift. Die Zwergen-Hochburg Eisenschmiede wird nun von einem Rat regiert, da König Magni Bronzebart vorerst unpässlich ist. Er wurde bei einem Ritual versteinert. Auf der Seite der Horde hat sich Kriegshäuptling Thrall auf den Weg gemacht, die aufgebrachten Elementare zu beruhigen -- einstweilen aht er Garrosh Höllschrei als neuen Hordenchef eingesetzt. Diese Konstellation verspricht wieder mehr Spannungen. Zum einen innerhalb der Horde selbst, da Garrosh seinen Verbündeten nicht so recht traut, und zum anderen natürlich auch zwischen der Horde und der Allianz. Vorbei sind die Zeiten, in der die Völker auf Kuschelkurs gemeinsam gegen einen übermächtigen Feind antraten.Und das, obwohl doch Todesschwinge ganz offensichtlich die bislang größte Bedrohung für die Welt der Kriegskunst darstellt.
 
Im Inneren der Festung Sulfuron werdet ihr auf einen alten Bekannten treffen: Ragnaros, der Lord aller Feuer-Elementare ist zurückgekehrt und wird euch erneut die Hölle heiß machen. Allerdings erst in einem der kommenden 4.x-Content-Patches, zuvor trefft ihr erst mal während einer Questreihe auf den Boss.
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