Ein Addon der alten Schule

Wolfenstein - The Old Blood Test

In der Vorgeschichte zu The New Order ballern und schleichen wir uns mit B. J. Blazkowicz durch Horden von Regime-Schergen und begeben uns auf der Suche nach geheimen Informationen in die berüchtigte Burg Wolfenstein. Im Test verraten wir, ob es sich für Fans um einen Pflichtbesuch handelt.
Christoph Vent 6. Mai 2015 - 18:35 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Mit Wolfenstein - The New Order (GG-Test: 7.5) wagten Machine Games und Bethesda im Mai des letzten Jahres ein kleines Experiment. Während weitestgehend alle großen Shooter der letzten Jahre auf ein Autoheal-System vertrauen, erlebten in ihrem Spiel die guten, alten Medipacks ein Revival. Auch sonst erinnerte ihr Reboot der Wolfenstein-Reihe stark an eine klassische Oldschool-Ballerei, wobei man die Kombination mit modernen Elementen wie einem rudimentären Deckungssystem nicht scheute. Nun legen die Entwickler nach – und zwar mit dem Standalone-Addon Wolfenstein - The Old Blood, das euch erneut gegen Nazi-Deutschland, pardon, das Regime kämpfen lässt.

Rückkehr zur Burg WolfensteinThe Old Blood setzt gleich da an, wo The New Order aufgehört hat. Allerdings nur in spielerischer Hinsicht, denn bezogen auf seine Geschichte handelt es sich bei dem Addon um ein Prequel. Spieler von The New Order werden sich noch erinnern: Zu Beginn musstet ihr an der Ostseeküste die Festung von Wilhelm Strasse, auch bekannt als General Totenkopf, infiltrieren. In The Old Blood sollt ihr nun erstmal herausfinden, wo sich der Fiesling überhaupt befindet. An die geheimen Dokumente mit Informationen über seinen Standort zu gelangen, ist aber alles andere als leicht, denn sie befinden sich in der Obhut von Oberstleutnant Helga von Schabbs – und die vermuten Protagonist B. J. Blazkowicz und sein anfänglicher Begleiter Wesley in der Burg Wolfenstein. Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Bei der mehr oder minder gut durchdachten Aktion läuft so einiges schief, und schon bald befindet ihr euch in Gefangenschaft des Regimes.

The Old Blood besteht aus zwei großen Abschnitten: In der ersten Hälfte flüchtet ihr aus der Burg Wolfenstein in das angrenzende Städtchen Paderborn, in der zweiten Hälfte verschlägt es euch nach Wulfburg. Doch auch, wenn ihr anders als im Hauptspiel nicht gleich eine Reise durch Europa veranstaltet, werdet ihr euch nicht über einen Mangel an abwechslungsreichen Schauplätzen beklagen können. So erkundet ihr in der ersten Spielhälfte den Gefängnisbereich, schlagt euch bis zu den Docks vor, kämpft euch danach ins Innere der eigentlichen Burg vor und erreicht durch die Katakomben letztendlich die Stadttore von Paderborn.

Mit neuen Waffen gegen das Regime
Eine der neuen und vor allem in Verbindung mit dem Zielfernrohr stärksten Waffen des Spiels: der Bombenschuss.
Auch spielerisch wird einiges an Abwechslung geboten. Nach einer ersten Ballerei müsst ihr gleich eure Schleichkünste unter Beweis stellen – mit den im Gefängnisbereich patrouillierenden Prototypen der Maschinenroboter ist nämlich nicht zu spaßen. Zieht sich der Einstieg aufgrund immer gleicher Korridore und Aufgaben noch etwas in die Länge, dreht das Spiel danach immer mehr auf. Immer häufiger kommt es zu Gefechten mit den Soldaten der Burg Wolfenstein, teilweise werden die Schießereien auch mit einem selbst fahrenden Boot und Railshooter-Elementen kombiniert. Mit dem zweigeteilten Rohr, das ihr direkt zum Anfang in eurer Zelle einsammelt, erhält The Old Blood auch ein ganz neues Spielelement. Einzeln verwendet könnt ihr die beiden Teile wie die Kletterhaken in Tomb Raider (GG-Test: 9.0) einsetzen, um vorgegebene Wände zu erklimmen. Schraubt ihr sie aber zusammen, verfügt ihr sowohl über eine tödliche Stichwaffe als auch über ein Werkzeug, um Türen aufzuhebeln.

Die Schusswechsel mit den häufig gleich im Dutzend auftretenden Feinden spielen sich sehr dynamisch und anspruchsvoll. Sich in eine ruhige Ecke zurückzuziehen, ist so gut wie unmöglich: Deckungen werden zerschossen, die meist verzweigten Areale werden des Öfteren sinnvoll genutzt, um euch in den Rücken zu fallen, zudem werdet ihr durch Bewurf mit Granaten auf Trab gehalten. Auf der anderen Seite offenbaren
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sich auch einige Schwächen, die es bereits im Hauptspiel gab. Häufig greifen viele Gegner auf direktem Wege an, so dass ihr sie einen nach dem anderen abschießen könnt. Teils reagieren sie zudem nur langsam, selbst wenn ihr ihnen direkt gegenüber steht. Und in sehr seltenen Fällen neigen sie auch zu kompletten Aussetzern.

Um dem Regime den Kampf anzusagen, spendiert euch Machine Games neben bekannten Waffen wie dem Sturmgewehr auch neue Schusswaffen. Der Schockhammer ist besonders effektiv gegen Maschinensoldaten und Roboter, die abgesägte Schrotflinte liefert durchschlagkräftige Argumente gegen Soldaten und Untote. Ja, richtig gelesen: Im späteren Spielverlauf bekommt ihr es auch mit Regime-Zombies zu tun. Wie es dazu kommt, wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten. Bei der Gegnervielfalt hält sich The Old Blood ansonsten aber zurück: Soldaten in mehreren Variationen, Maschinensoldaten, gepanzerte Drohnen, Wachhunde – große Überraschungen solltet ihr nicht erwarten. Regelmäßig kommt es auch zu etwas schwereren Bosskämpfen, wobei ihr lediglich die Schwachstellen eurer Widersacher finden und diese unter Beschuss nehmen müsst.

Ernst nimmt sich die Geschichte von The Old Blood wie schon im Hauptspiel nur selten, später tauchen sogar Untote auf.
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