Brutal, verstörend, witzig

Wolfenstein - The New Order Test

Benjamin Braun 20. Mai 2014 - 5:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
Ab und zu zeigt die KI Totalaussetzer. Der Supersoldat (zweiter von links) reagiert gar nicht auf unsere Anwesenheit und lässt sich wehrlos über den Haufen ballern. Die herbsten Schwächen zeigt die KI allerdings im Schleichmodus.
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Braune DummköpfeGerade im Schleichmodus werden die Schwächen der KI deutlich. Außer auf Schüsse reagieren die Gegner quasi nicht auf laute Geräusche – und selbst Sturmgewehrsalven werden im nächsten Raum von den Wachen regelmäßig überhört. Zudem scheinen die Feinde kurzsichtig zu sein. Aus größerer Entfernung nehmen sich euch nämlich gar nicht wahr oder brauchen wenigstens lange, um euch als Gefahr wahrzunehmen. Gucken können sie zudem nur geradeaus. Nähert ihr euch den Feinden also schräg von der Seite, wo sie euch problemlos sehen können müssten, erkennen sie euch nicht. Entdecken sie euch doch mal und schreien bereits Alarm, habt ihr zudem mehrere Sekunden Zeit, um sie doch noch um die Ecke zu bringen, bevor die anderen Wind von eurer Anwesenheit bekommen.
 
Entscheidet ihr euch fürs Ballern, fallen die KI-Schwächen nicht ganz so herb aus. Ähnlich wie in Rage sind die Gegner zwar zu blöd, vor Granaten wegzulaufen, ansonsten nutzen sie die zahlreichen Verbindungswege aber sinnvoll. Sobald die Feinde auf euch aufmerksam werden, versuchen sie, euch in den Rücken zu fallen, suchen Deckung und werfen zielgenau Granaten. Immer wieder entscheiden sich die Regime-Soldaten aber dafür, euch auf demselben Weg auf die Pelle zu rücken und stellen sich freundlicherweise hintereinander vor uns auf, wodurch wir sie locker niedermähen. Ab und zu zeigen sie Totalaussetzer und stehen für einige Sekunden tatenlos in der Gegend rum. Das passiert auch den großen Robotern immer wieder mal. Alles in allem ist das Gegnerverhalten im Kampf aber sehr ordentlich – und cleverer als in den meisten anderen Shootern. Von einer Moorhuhn-Ballerei, wie sie manche Spieler anderen Shootern gern unterstellen, kann in Wolfenstein - The New Order keine Rede sein. Nachbesserungen beim Schleichen sollten die Entwickler aber noch vornehmen.
Dauerfeuer ist in The New Order nur begrenzt zu empfehlen. Ihr habt nur eine begrenzte Menge an Munition und Granaten.
 
Steuerung mit Tücken
Auch bei den Nachbarn cut
Schweizer und Österreicher, die eventuell gehofft hatten, eine gänzlich unzensierte Version mit deutscher Sprachausgabe zu erhalten, gucken in die Röhre: Es gibt im gesamten deutschsprachigen Raum nur eine nicht-multilinguale deutsche Fassung, weshalb auch bei unseren Nachbarn die Hakenkreuze fehlen. Anpassungen bei der Gewaltdarstellung gibt es hingegen nicht. Köpfe explodieren häufig bei direkten Treffern, Granaten und Elektroschüsse lassen Gegner zerbersten. Ab und zu werden auch Teile von Gliedmaßen abgerissen, und Blazkowicz meuchelt seine Feinde mit dem Messer durch Stiche in Hals, Kopf, Brust und Rücken.
Die Gamepad-Bedienung funktioniert im Wesentlichen gut, zeigt aber ein paar unnötige Schwächen. Bei der Waffenauswahl über das Kreismenü kommt es immer wieder dazu, dass wir die falsche Waffe auswählen, da der Stick bei der Auswahl zu sensibel reagiert. Nicht optimal ist auch, dass Granaten mit derselben Schultertaste geworfen werden, die auch zum Aufrufen der Kreismenüs benötigt wird. So wechselt man gerne mal unfreiwillig die Waffe, obwohl man eigentlich bloß eine Handgranate werfen wollte. Ähnlich sieht es bei der Doppelbelegung der Klickfunktion des rechten Analogsticks aus. Stehen wir nah genug an einem Feind oder vor einer zerstörbaren Holzkiste, löst der Klick einen Nahkampfangriff aus. Ist der Abstand nicht optimal, erfolgt ein Messerwurf. Ebenfalls unerfreulich ist, dass die großen Waffen wie eine Art Gatling-Gun mit derselben Taste aufgenommen werden, mit der ihr nachladet. Das führt immer wieder mal dazu, dass ihr ein längst leer geschossenes Geschütz vom Boden aufhebt, obwohl ihr eigentlich nachladen wolltet. Weshalb den Entwicklern hier keine bessere Lösung eingefallen ist, wissen wir nicht. Und auch nicht, wieso Blazkowicz nicht automatisch auf eine Waffe mit noch vorhandener Munition wechselt, wenn die beiden primär ausgewählten leer sind.
Am Steuer eines gehackten Wachroboters räumen wir in einem Internierungslager in Kroatien auf.
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