Brutal, verstörend, witzig

Wolfenstein - The New Order Test

Benjamin Braun 20. Mai 2014 - 5:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
Im Spiel müsst ihr viele Nazis, Verzeihung, Regime-Soldaten aus dem Weg räumen. Aber nicht immer ballernd wie hier mit einem Geschütz. An vielen Stellen könnt ihr auch schleichen und die Feinde heimlich einen nach dem anderen ausschalten.
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Old-School-BallereiWolfenstein - The New Order präsentiert sich traditionsbewusst als Old-School-Shooter, ohne jedoch auf ein paar Elemente moderner Actionspiele zu verzichten. Egal ob Heilpakete, Rüstung oder Munition: Alles müsst ihr manuell per Knopfdruck bei gefallenen Gegnern oder in zerstörbaren Kisten einsammeln. Blazkowicz' Lebensenergie lädt sich in Kampfpausen zudem nur zum Teil automatisch wieder auf. Konkret bekommt ihr maximal 19 Lebensenergiepunkte wieder zurück. Bei fünf verbleibenden Punkten geht es wieder auf 20 rauf, bei 21 auf 40. Mithilfe der Heilpäckchen könnt ihr eure Lebensenergie zwischenzeitlich "überladen", um in einem Kampf nicht so schnell draufzugehen. Die Überladung sinkt allerdings sekündlich wieder zurück. Ihr beginnt mit 100 Lebensenergie-Punkten, die ihr im Laufe der 16 Kapitel dauerhaft erhöht, indem ihr bestimmte Objekte einsammelt. Da die jeweils um zehn Punkte pro Objekt erhöhte Lebensenergie später in einigen Situationen über Leben und Tod entscheiden kann, können wir diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Für uns ist die resultierende Zwangserkundung respektive das Inkaufnehmen eines Nachteils im späteren Verlauf nichts anderes als ein Streckmechanismus. Immerhin werden Fundorte, sofern wir die Gebietskarte finden, mit einem Fragezeichen markiert.
 
Den Doppelwaffenmodus "Akimbo" gibt es für fast jede Waffe im Spiel.
Sinnvoller integriert sind da schon die Verbesserungsmöglichkeiten durch Waffen-Challenges, die so genannten Vorteile. Die in vier Kategorien (Kampf, Taktik, Heimlichkeit und Zerstörung) unterteilten Upgrades ermöglichen euch beispielsweise eine erhöhte Tragfähigkeit für Munition oder Handgranaten, wenn ihr etwa eine bestimmte Anzahl an Kills im Doppelwaffen-Modus erzielt. Die Kampfvorteile erhöhen zudem eure Geschwindigkeit. Im Zerstörungsbaum könnt ihr die Fähigkeit freischalten, dass Granaten bei Kontakt sofort explodieren. Zwingend erfüllen müsst ihr die Challenges, die ihr theoretisch alle in einem Spieldurchgang erfüllen könnt, nicht. Gerade in den späteren Levels werdet ihr jedoch froh sein, wenn ihr Handgranaten nicht liegen lassen müsst, bloß weil eure Inventarkapazität dafür nicht ausreicht.
 
Zu den modernen Shooter-Elementen zählen unter anderem ein Deckungssystem, das so ähnlich wie in Call of Duty - Ghosts (GG-Test: 8.5) funktioniert. Haltet ihr hinter hüfthohen Objekten den linken Trigger gedrückt, lugt ihr per Stickbewegung oben drüber, an Türrahmen oder Säulen entsprechend zur Seite. Hundertprozentigen Schutz gibt es in der Deckung aber nicht, da fast alle Objekte unter Feindbeschuss (oder auch eigenem) nach und nach zerbröseln.
 
Neue Waffen braucht das LandGeballert wird in Wolfenstein - The New Order mit einer ganzen Reihe von Schießprügeln, die ihr Old-School-mäßig alle auf einmal mitnehmt. Das Arsenal deckt mit Schrotflinte, verschiedenen Sturmgewehren oder Sniper Rifle im Wesentlichen den Shooter-Standard ab. Eine Besonderheit ist das Elektrokraftwerk, das ihr im Kampf aber auch als Schneidewerkzeug einsetzt, um Maschendrahtzäune oder Halteketten zu durchtrennen. Anstelle von Munition verbraucht es Energie, die ihr an bestimmten Vorrichtungen wieder aufladet. Groß ist der Vorrat nicht, im Kampf gegen einen gigantischen Regime-Roboter in London allerdings gibt es gleich mehrere der Ladestationen.
 
Sämtliche Waffen im Spiel verfügen über zwei Feuermodi und weitere Upgrade-Funktionen. Auch die sind, ähnlich wie die Lebensenergie-Aufwertungen, in Form von Sammelobjekten verfügbar, allerdings wesentlich offensichtlicher verteilt. Für das Sturmgewehr gibt es später einen Granatwerfer-Aufsatz, fürs Scharfschützengewehr ein Lasermodul als alternativen Feuermodus. Nett ist zudem die Idee für die Schrotflinte, mit der ihr später optional Splitter-Munition verschießt, um auch Feinden in der weiteren Umgebung noch Schaden zuzufügen. Besonders viele Verbesserungen gibt es für das Elektrokraftwerk. Das Reflexionsmodul ermöglicht euch beispielsweise, Schüsse von fast allen Oberflächen abprallen zu lassen, wodurch ihr quasi um die Ecke schießen könnt. Mit dem Zielsucher ist es im Zoommodus der Waffe zudem möglich, gleich mehrere Feinde auf einmal unter Beschuss zu nehmen.
 
Welche dieser Waffen ihr im Kampf einsetzt, müsst ihr vom jeweiligen Feindtyp abhängig machen. Maschinengegner sind für Elektrogranaten und das Elektrokraftwerk empfänglich, wobei ihr sie mit einem Treffer oft für ein paar Sekunden außer Gefecht setzt. Auch die Großwaffen der Maschinensoldaten oder aus Geschützstellungen entfernte MGs sind effektiv gegen gepanzerte Feinde, die zum Ende hin vermehrt auftreten. Allzu facettenreich sind die Feinde in The New Order allerdings nicht ausgefallen. Schwieriger wird es in den späteren Kapiteln neben den stärkeren Panzerungen vor allem durch größere Massen.
 
Schleichen leichtgemacht
Ein bisschen Duke muss sein...
Ballern ist aber nicht die einzige Möglichkeit, in Wolfenstein - The New Order die Regimesoldaten aus den Socken zu hauen. In den meisten Spielabschnitten ist es auch möglich, aus dem Verborgenen heraus zu agieren. Geduckt könnt ihr euch sämtlichen ungepanzerten Gegnern von hinten nähern und sie per Messerangriff lautlos ausschalten. Besonders wichtig ist das bei den Offizieren, die als einziger Feindtyp Alarm schlagen und somit für Gegnernachschub sorgen. Wo sie sich im aktuellen Level befinden, bekommt ihr durch eine Entfernungsanzeige grob angezeigt.
 
Um sie ungesehen zu erreichen, stehen in den Levels Lüftungsschächte oder unterirdische Gänge zur Verfügung, die ihr später zunächst mit dem Schneidbrenner des Elektrokraftwerks öffnen müsst. Erwartet aber keine grundsätzlich non-linearen Strukturen. Ihr habt manchmal etwas größere Freiräume, in dem Sinne offen ist das Leveldesign aber höchst selten. Dafür sind die Karten ziemlich groß geraten, der Blick auf die Karte verhindert so manches Verlaufen.
 
Neben dem Nahkampfangriff sind auch die schallgedämpfte Pistole und Wurfmesser dazu geeignet, lautlos vorzugehen. Die Messer funktionieren nur auf mittlere Distanz, sparen aber Munition. Ein Treffer in den Unterleib wirkt bereits tödlich, das Messer könnt ihr anschließend wieder an euch nehmen. Schlägt einer der Offiziere jedoch Alarm, müsst ihr ihn so schnell wie möglich ausschalten. Tut ihr das nicht, nimmt der Gegnernachschub bis zu einem bestimmten Punkt nämlich keinen Abbruch.
Hinter fast jedem Objekt wie diesem Türrahmen könnt ihr in Deckung gehen und euch Call-of-Duty-mäßig herauslehnen. Aber Vorsicht: Viele Deckungen lösen sich unter Beschuss auf. Fühlt euch also nie zu sicher.
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