Test: Paralleluniversum & Wölfe

Wolfenstein Test

Böse Landser und okkulte Experimente: Das Wolfenstein-Universum meldet sich nach acht Jahren Abwesenheit zurück, in der deutschen Fassung freilich mit „Wölfen“ statt Nazis, und ohne verfassungsfeindliche Symbolik. Ob der neue Ego-Shooter aus dem Hause Raven Software uns spielerisch überzeugen kann, erfahrt ihr in diesem Test.
Jörg Langer 27. August 2009 - 19:24 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Als 1981 der erste Teil der Wolfenstein-Serie namens Castle Wolfenstein von Muse Software und 1984 sein Nachfolger Beyond Castle Wolfenstein für den Apple II veröffentlicht wurde, da ahnte noch keiner, dass etwas später id Software mit Wolfenstein 3D einen Shooter-Meilensteilen legen sollte, der zusammen mit dem später erscheinenden Doom das 3D-Action-Genre quasi gründete. Viele Jahre später erscheint nun der neueste Teil, und wieder macht ihr Jagd auf Nazis, Verzeihung, „Wölfe“. Und wie im aktuellen Tarantino-Film Inglourious Basterds geht es dabei nicht zimperlich zu, und spielen historische Tatsachen eher keine Rolle.

Agent William „B.J.“ Blazkowicz ist wieder einmal im Auftrag des Office of Secret Actions unterwegs: Er klaut ein Medaillon von den Wölfen, das die Kräfte einer „schwarzen Sonne“ nutzt, um seinen Träger übermenschliche Kräfte zu verleihen. Die Wölfe haben in der imaginären deutschen Stadt Isenstadt mehrere Portale errichtet, die den Übergang von der realen Welt in die „Schleierwelt“ gestatten. Dummerweise braucht man besagtes Medaillon dazu, sonst wird man nach der Rückkehr in die Realwelt zu einem Monster. Wem das noch nicht verworren genug ist, dem sei noch gesagt, dass die Wölfe auf dem besten Wege sind, so ein Medaillon auf künstlichem Wege zu erschaffen. Damit könnten sie Isenstadt überrennen und danach gleich die ganze Welt.

Wer auch immer sich im Delirium diese alberne Geschichte ausgedacht hat: Die Wolfenstein-Spiele waren noch nie für eine gute Story bekannt – und auch Wolfenstein will ein Ego-Shooter alter Schule sein, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Unser Agent macht sich also auf den Weg nach Isenstadt, um die Wölfe aufzuhalten. Dabei wird er von den deutschen Widerstandskämpfern des „Kreisauer Kreises“ und einem mysteriösen Geheimbund namens „Goldener Morgen“ tatkräftig unterstützt.

Die Wölfe haben in Isenstadt viele dieser Straßenbarrieren erreichtet, die aber überwiegend kein Problem darstellen.

Offene Welt? Nur teilweise!

Wolfenstein verspricht eine offene Welt, wie man sie beispielsweise schon aus Stalker kennt (das dennoch größere Areale nachladen muss). Aber leider ist das nur eine Täuschung, denn statt einer großen Welt erkundet ihr nur aneinander gekoppelte Levels, als Levelübergang dienen Türen. Trotzdem ist das eine für die Wolfenstein-Serie neue Idee. Die recht detaillierten Stadtteile von Isenstadt wirken ziemlich leblos, außerdem erschweren euch Straßensperren den Weg zum nächsten Missionsziel. An vielerlei Orten könnt ihr versteckte Goldbarren und Mystikbücher finden. Diese Gegenstände können dazu genutzt werden, um Upgrades für eure Waffen und „Thulekräfte“ für euer Medaillon auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Neben den Hauptmissionen könnt ihr euch in der Stadt auch von Bürgern Nebenmissionen geben lassen, das bringt zusätzliches Geld.

Abgesehen von Isenstadt besucht ihr noch einen Bauernhof, ein Schloss, eine unterirdische Basis, fliegt mit einem Zeppelin und kommt letztendlich natürlich auch in die „Schleierwelt“. An abwechslungsreichen Levels mangelt es Wolfenstein also nicht. Leider muss man nach erfüllten Stadtmissionen zurück bis zum Auftraggeber laufen, was ziemlich lange dauern kann und durch die überall präsenten Wölfe auch gefährlich ist. Dieser Umstand erzeugt im letzten Drittel der Handlung den Eindruck eines künstlich in die Länge gezogenen Spielverlaufs, da wir immer wieder für einige repetitive Missionen kreuz und quer durch die Stadt geschickt werden. Die letzten paar Levels werden dann aber wieder sehr spannend.

Dieses lange Video demonstriert, wie man das Thulemedaillon einsetzt, um die Wölfe chancenlos aussehen zu lassen.

Steuerung am PC auch per Xbox-Controller möglich

Wolfenstein unterstützt neben dem üblichen Tastatur- und Maussupport auch den Xbox-360-Controller. Leider ist die Steuerung mit Tastatur und Maus etwas schwammig ausgefallen und erschwert dadurch manchmal das Zielen auf Gegner oder Missionsziele. Man kann diesem Manko etwas entgegenwirken, indem man die Mausempfindlichkeit auf Maximum stellt und die „Vertikale Synchronisation“ in den Grafikoptionen abschaltet. Danach funktioniert die Steuerung zwar immer noch nicht hundertprozentig rund, aber man gewöhnt sich schnell an die leichte Trägheit der Eingabegeräte. Etwas ungewöhnlich ist auch die Tastenbelegung in Wolfenstein. Während man ganz normal mit den WASD-Tasten laufen kann, mit der Leertaste springen und mit sich mit der C-Taste ducken kann, ist die Auswahl der Waffen etwas eigenartig. Die Tasten 1-4 sind für die Thulekräfte belegt worden, während die restlichen Nummerntasten für das Auswählen der Waffengattungen sind. Mit der Q-Taste kann man dann innerhalb einer Waffengattung die verschiedenen Waffen durchschalten.

Es kam beim Testen des Spiels des Öfteren vor, dass wir in einem Feuergefecht die falsche Taste gedrückt haben – hallo, Sensenmann! Das nervt umso mehr, als Wolfenstein kein Schnellspeichern erlaubt, euer Fortschritt wird nur an Speicherpunkten gesichert.

Wir führen mit Verbündeten einen erbitterten Kampf gegen die Wölfe, um an das örtliche Krankenhaus zu gelangen. Dabei schrecken die Gegner auch nicht davor zurück, schwere Artillerie gegen uns einzusetzen.

Das Waffenarsenal und die Thulekräfte

Preisfrage: Was bietet ein id-Software-Spiel fast immer im exorbitanten Umfang an? Richtig, besonders große und skurrile Waffen! Neben den üblichen Standardwaffen wie Pistole oder MP40 kommen die Teslakanone und der Flammenwerfer zum Einsatz. Neu im Arsenal ist eine Partikelkanone, die den Gegner in seine Moleküle auflöst, und eine Waffe namens „Leichenfaust 44“. Der geschmacklose Name deutet die Wirkung an: das Opfer wird unverzüglich pulverisiert.

Und dann habt ihr ja auch noch das Thulemedaillon, welches durch Einbau mehrerer Kristalle vier Kräfte zur Verfügung stellt. Die Schleier-Sicht lässt Verstecke rot aufleuchten und färbt Gegner in dunklen Räumen grünlich ein. Zudem erscheinen euch in diesem Modus auch Kreaturen aus der Schleierwelt, die wie fliegende Fische aussehen – trefft ihr sie, feuern sie ihrerseits Blitze ab, die im Radius befindliche Gegner töten. Außerdem könnt ihr mithilfe der Schleier-Sicht durch bestimmte, entsprechend markierte Wände gehen.
Die „Zeitdehnung“ verlangsamt eure komplette Umgebung (Bullet Time). Die „Schleier-Kraft“ umgibt euch mit einem Schutzschild, der alle gegnerischen Kugeln abprallen lässt und, nach entsprechendem Upgrade, sogar die Kugeln wieder auf den Feind zurückfliegen lässt. Das Spiel Übersoldier lässt grüßen! Letzte Thule-Kraft ist die „Verstärkung“: Mit dieser Macht wird die Durchschlagskraft eurer Schießprügel für eine kurze Zeit um ein Vielfaches erhöht.

Wie bereits erwähnt, könnt ihr euch auf dem Schwarzmarkt Upgrades für Waffen und Thulekräfte besorgen. Die teils sehr teuren Upgrades müssen teilweise mit einer Reihe von Mystikbüchern erstmal freigeschaltet werden. Es gibt also einen wirklichen Anreiz, die in den Levels versteckten Goldbarren, Geheimdokumente und Mystikbücher zu finden.

Per (temporärer) Schleier-Sicht spüren wir die Gegner leicht auf, da sie grün eingefärbt werden.


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