Test: Vin Diesel ist der

Wheelman Test

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Ausdrucksstark wie immer: Vin Diesel. Der charakteristische Glatzkopf mimt unseren Protagonisten Milo Burrik optisch wie akustisch. Auch in der deutschen Version wurde Diesels Standardsynchronsprecher verpflichtet.

Negativ fallen bei den Verfolgungsjagden hauptsächlich drei Dinge auf: Es gibt zuwenig Fahrzeugtypen, nach Ableben eines Gegners poppt oftmals sofort ein neuer auf und die Physik ist stellenweise vollkommen übertrieben. Midway verwendet für Wheelman eine Lizenz der Havok-Engine, die auf realitätsnahe Physiksimulation spezialisiert ist. Trotzdem verhalten sich die Autos des Gegenverkehrs teilweise wie Spielzeugautos und kleben im ungünstigsten Falle derart penetrant vor der eigenen Motorhaube fest, dass man bei den überwiegend zeitbasierten Missionen oftmals gleich den Neustart wählen kann.

Milo hat zwei Schießprügel, einmal standardmäßig eine gewöhnliche Pistole, die mit unendlich Munition gesegnet ist. Daneben ist Platz für genau eine weitere Waffe, die man im Verlauf des Spiels von gefallenen Gegnern aufnehmen kann. Will man eine andere Waffen mitnehmen, muss man seine bisherige Zweitwaffe ablegen. Zur Auswahl steht ein Standardrepertoire an Maschinenpistolen, MGs und Gewehren. Im Fahrmodus könnt ihr auf die Reifen Eurer Verfolger oder die heraushängenden Schützen schießen. Allerdings übernimmt die KI das Zielen, während ihr weiter das Auto lenkt. Das Prinzip ist simpel, Milo benötigt etwas Zeit zum einschießen, solange müsst ihr das Fahrzeug in der Spur halten, bis er endlich trifft. Zu Fuß übernehmt ihr direkt die Kampfsteuerung. Hier spielt sich Wheelman wie jedes andere Action-Spiel. Milo kann sich hinter Objekten niederknien, um in Deckung zu gehen. Dass rote Fässer gerne explodieren und großen Umgebungsschaden anrichten, ist keine große Überraschung. Munition spart man, wenn man sauber zielt und Kopfschüsse anbringt. Das holt jeden Gegner mit dem ersten Treffer von den Beinen. Allerdings tut Munitionsparen keine Not, denn die Pistole hat wie gesagt unendlich davon. Eine andere Waffe braucht man nicht unbedingt.

Wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei. Rammen oder Reifen zerschießen, jedes Mittel ist erlaubt, um aus dem Bereich des Radars (rechts unten) zu kommen. Der Zielkreis markiert hier den Reifen Reifen des Polizeiwagens.

Sonderbeschäftigung

Unschön: Die Fenster sind ein Fake, wer zu schnell fährt, landet ab und zu im Nirgendwo (PC), und Passanten stören sich nicht an schweren Waffen -- Klar, sie sind unsterblich.
Die Nebenmissionen sind ein Spiegelbild der Hauptmissionen: Am Anfang recht spaßig, dann aber zunehmend monoton. Es gibt genau sieben Missionstypen, und die werden permanent aufs Neue durchdekliniert. Vorgabe ist immer ein Zeitlimit, in dem ihr an einen bestimmten Punkt gelangen oder einen Gegner ausgeschaltet müsst. Angeblich gibt es vier Ränge, die ihr je nach Schnelligkeit erreichen könnt. Effektiv sind aber nur die beiden besten tatsächlich interessant, denn nur dann werden weitere Missionen freigeschaltet und die Fähigkeiten Milos verbessert. Besteht ihr nämlich eine Nebenmission, vereinfacht ihr damit das Handling aller Autos, macht sie stabiler oder erleichtert zukünftig das Sammeln von Konzentration. Dieser Ansatz ist zwar gut, allerdings verkommt das Ganze wegen der mangelnden Abwechslung zur puren Fleißarbeit. Apropos Fleiß: Für Freunde der Achievements gibt’s Beschäftigungstherapien in Form von "Zerstöre 100 Löwenstatuen" und "Finde und benutze alle Sprungrampen". Na dann, frohe Eiersuche.

Kooperative Beschäftigungstherapie in Form eines Multiplayermodus gibt es übrigens überhaupt nicht. Milo arbeitet lieber allein.

Gestalterische Mängel

Unsere letzten Gedanken widmen wir der gestalterischen Seite. Die Unreal-Engine zaubert ein hübsches Szenario auf den Schirm, dem es allerdings – wer hätte es gedacht – ein wenig an Abwechslung fehlt. Liberty City aus GTA 4 ist eine Stadt mit Charakter, man weiß jederzeit, wo man sich befindet. Midways Interpretation von Barcelona verliert sich dagegen ein wenig in Beliebigkeit. Die Straßen sehen alle ähnlich aus und die Gebäude sind allesamt flach; der Detailgrad von Wheelman ist deutlich niedriger als bei GTA 4, die Umgebung sieht besonders in Bewegung verwaschen aus. Bunte Schaufenster entpuppen sich als simple Bitmaps, die man lieber nicht aus der Nähe betrachten möchte. Zwar sind die Hardwareanforderungen der PC-Version moderat, doch scheint die Streamingtechnologie nicht immer die beste zu sein. Fährt man zu schnell, stockt erst die Musik, dann verschwindet die Straßenkulisse und das Auto stürzt in eine graue Leere. Wahrscheinlich muss man dem Entwickler zumindest zugutehalten, dass dies nicht gleich zum Absturz des ganzen Spiels führt. Allerdings sieht man den Ladeschirm durch das Missionsgehoppse via PDA schon oft genug, da möchte man das nicht auch noch während einer heißen Verfolgungsjagd erleben.

Insgesamt kommen die Simulationsaspekte wesentlich zu kurz. Die Stadt ist lediglich eine Kulisse, aber man hat nie das Gefühl, dass sie lebendig wäre. Es gibt nichts Interessantes zu entdecken, Passanten verhalten sich immer nach demselben Schema, keiner reagiert auf gezückte Waffen. Und außerhalb von Missionen kann man sowieso niemanden töten. Von einer Weltensimulation erwartet man einfach mehr Reaktionen auf das Spielerverhalten.

Wilde Schießereien im Zeitlupenmodus. 1 Beim Präzisionsschuß könnt ihr die blockierenden Fahrzeuge anvisieren 2 ein Schuß macht den Weg frei. 3 Genauso beim Cyclon, wenn der Gegner von hinten attackiert, wie dieses Motorrad. 4 Während die KI sicher rückwärts lenkt 5 nehmen wir in Ruhe das Motorrad aufs Korn und vernichten den fahrbaren Untersatz des Gangsters. Keine Angst, das Spiel ist nur während der Verlangsamung so grau.

Fazit: Fast ein gutes Spiel

Wheelman versucht sich einerseits in der Simulation einer offenen Welt, möchte aber eigentlich auch die Geschichte eines Actionfilms erzählen. Dieses Experiment ist eher mäßig gelungen. Formal sind eigentlich alle Voraussetzungen für ein gutes Spiel gegeben; Steuerung und Grundkonzept sind gut ausgearbeitet und greifen sofort. Mit den Spezialmanövern bringt Midway ein optisch wie spielerisch interessantes Feature in den Rennalltag. Allein, es mangelt an überzeugendem Spielinhalt. An allen Ecken und Enden scheint der Ruf nach mehr zu ertönen: mehr Fahrzeuge, mehr Details bei der Spielwelt, mehr Missionstypen, abwechslungsreicheres Leveldesign. Das katapultiert das Spiel Spiel schlussendlich zurück ins Wertungsmittelfeld. Wo GTA 4 durch seinen grandiosen Protagonisten und bissige Gesellschaftskritik zu fesseln weiß, bietet Wheelman gerade einmal einen stereotypen Standardhelden. Die etwas wirre Handlung wirkt so austauschbar wie die Filme mit Vin Diesel. Zwischendurch zaubert Wheelman immer mal wieder eine hübsche Idee aus dem Hut, allerdings vergeht Faszination mindestens genauso schnell wieder und man greift sehr bald zum nächsten Game. Am Stück möchte man das Spiel jedenfalls nicht durchspielen. Schade eigentlich, das Potential war vorhanden.

Einstieg/Bedienung eingängige Fahrzeugsteuerung Komplexität nimmt langsam zu Controllersteuerung möglich (PC) Missionen direkt ansteuerbar Tastatursteuerung nicht frei belegbar (PC) Missionen zu Fuß sind schwerfällig Fahrzeugphysik stellenweise übertrieben
Spieltiefe/Balance moderater Schwierigkeitsgrad tolle Spezialmanöver KI keine Herausforderung Missionen hauptsächlich auf Zeit ausgelegt Weltsimulation mangelhaft
Grafik/Technik moderate Hardwareanforderung detailarme Umgebung Monotonie verwaschene Optik
Sound/Sprache unterschiedliche Radiosender Original Synchronsprecher nicht lippensynchron Soundtrack auf Dauer eintönig
Singleplayer Vin Diesel nettes Spiel für Zwischendurch Auf Dauer eintönige Missionen Wenig unterschiedliche Fahrzeuge Träge Storyline Nebenmissionen ohne Zusammenhang
Multiplayer nicht vorhanden

Armin Luley 22. Mai 2009 - 0:15 — vor 12 Jahren aktualisiert
Name 23. Mai 2009 - 2:36 #

Harter, aber wohl zutreffender Test. Was ich nicht so gut finde, ist das Rumhacken auf Vin Diesel: Ich mag seine Filme, mei, es sind halt Actionstreifen, was erwartest du? Und Pitch Black ist Kult!!

Gucky 23 Langzeituser - - 38658 - 23. Mai 2009 - 11:04 #

Ich muss hier aber Armin zustimmen, denn Filme wie "The Fast and the Furious" treffen genau auf seine Schilderung zu. Pitch Black und der DC von Riddick bilden bei seinen Filmen für mich eher eine Außnahme, da sie von dem von mir geschätzten David Twohy stammen, der auch schon für den verkannten und tollen "Arrival" verantwortlich war. Bitte nicht den zweiten Teil von "Arrival" ansehen, der ist nämlich nicht von Twohy und ziemlicher Mist.

Was mir an "Pitch Black" nicht gefallen hat war die Anti-Helden Rolle von Riddick. Hier wurde versucht Riddick sympathisch für die Zuschauer erscheinen zu lassen wohl auch mit der Intention sich mit ihm zu identifizieren. Das will ich bei einem grundlos mordenden Killer, der zudem unbrechenbar erscheint nicht tun. Erst in "Riddick" wurde der Grund für seine Brutalität erklärt (Furianer = Kriegerrasse und der Hass auf den Lord Marshal, der für die Vernichtung seiner Kultur verantwortlich ist). Dies trifft aber nur auf den gelungenen DC zu, der diese Erklärungsstränge beinhaltet.

lg

Fabian Knopf Dev - P - 18492 - 23. Mai 2009 - 15:11 #

Er hat dem Spiel doch sogar ein "+" für Vin Diesel gegeben, da kann man ein paar Seitenhiebe schon verschmerzen oder? :)

Marco Büttinghausen 20 Gold-Gamer - 20481 - 23. Mai 2009 - 5:45 #

Na mit einer 6.5 ist Wheelman ja nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen hier, als ich mir ein paar Videos von dem Spiel angeguckt habe und die abstruse Fahrphysik und das seltsame Handling gesehen habe, war das Spiel für mich gestorben.

Mister Y 11 Forenversteher - 668 - 23. Mai 2009 - 7:47 #

Also in meinen Augen lebt ein Open World Spiel, das sich immerhin mit GTA 4 (und demnächst Mafia 2) messen muss/möchte hauptsächlich von seiner Atmosphäre ( also Glaubwürdigkeit der Spielwelt, interressante Story, glaubwürdige Steuerung, guter Soundtrack --> also Radio, stimmige Optik und interressant inszenierte Missionen) und gerade das ist scheinbar nicht vorhanden... Somit ist die Wertung noch äußerst großzügig.

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