Profi-Hacker auf Rachetour

Watch Dogs Test

Benjamin Braun 27. Mai 2014 - 9:00 — vor 4 Jahren aktualisiert
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... PS4-Version auf der rechten Seite. Auch wenn die Grafikqualität hier etwas geringer ausfällt, zeigt die PS4-Fassung jedoch weniger Grafikfehler als die PC-Umsetzung. Pop-Ups sind seltener genauso wie Texturnachlader. Flimmernde Objektkanten gibt es etwa in gleichem Maße, wohl aufgrund eines Bugs treten sie aber nur auf PC manchmal ganz massiv auf.
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Die PC-VersionWer einen leistungsfähigen PC sein Eigen nennt, bekommt mit der PC-Fassung von Watch Dogs erwartungsgemäß die hübscheste Version des Spiels – aber auch eine, die aktuell noch ein paar Probleme machen kann. Bei maximalen Grafikeinstellungen fallen insbesondere die komplexere Beleuchtung, die teils deutlich höher aufgelösten Texturen und schöneren Effekte, wie Wasser und Spiegeleffekte, ins Gewicht. Gerade bei Gräsern oder Bäumen fallen die Unterschiede auf. Welten liegen zwischen PC und PS4-Fassung allerdings nicht. Der größte Vorzug besteht in der nicht ganz stabilen, aber höheren Framerate als auf Konsole, die auf unserem Testsystem bei maximalen Grafikeinstellungen konstant über 50 Frames lag. Überfordert ihr euer System minimal mit den Einstellungen, wobei insbesondere die Kantenglättung die Performance deutlich verschlechtern kann, kann es jedoch zu teils herben Framerateeinbrüchen kommen. Nutzer von Nvidia-Karten sollten unbedingt die neuen Treiber herunterladen. Andernfalls ist selbst auf an sich ausreichend leistungsfähigen Systemen schnell die Leistungsgrenze erreicht, was zu starken Rucklern und sogar Lags bei Eingabebefehlen führen kann. So oder so gibt es beim Streaming der Spielwelt noch Nachbesserungsbedarf: Auf PC fallen Texturnachlader oder aufpoppende Objekte deutlicher auf als auf Konsole. Den Lag beim Speichern merkt man dafür nicht. Was die Steuerung angeht, ist auch Watch Dogs merklich auf die Gamepad-Nutzung abgestimmt. Die Maus-Tastatur-Kontrolle erweist sich aber vor allem in den Kämpfen als Vorteil. Ohne Fokus oder die Skills zur Reduzierung des Rückstoßes der Waffen könnt ihr aber auch mit WASD und Maus Probleme kriegen. Ärgerlich: Das schon für Konsolenverhältnisse große HUD (vor allem die Minimap) nimmt auch auf PC genauso viel Raum ein. Hier sollte Ubisoft noch eine Skalierungsmöglichkeit nachliefern.

Mehrspieler-Modi samt Dark-Souls-Invasionen
Die PC-Fassung sieht bei höchsten Grafikeinstellungen besser aus als die PS4-Version, allerdings braucht man für die Steigerung auch ein vergleichsweise starkes System. (PC)
Watch Dogs hält neben dem üppigen Einzelspieler-Angebot auch verschiedene Mehrspieler-Komponenten bereit. Da wäre der Free-Roam-Modus, in dem ihr euch vergleichbar mit Midnight Club Los Angeles einfach mit bis zu sieben weiteren Spielern in derselben Welt tummelt. Es gehören aber auch verschiedene kompetitive Spielmodi dazu, in denen ihr etwa online Rennen gegeneinander fahrt.

Die spannendste Mehrspieler-Komponente erinnert hingegen an die Invasionen in Dark Souls 2. Im Falle von Watch Dogs bedeutet das, dass andere Spieler in eure Welt eindringen können, um euch zu hacken oder zu beschatten. Bemerkt ihr den Eindringling, könnt ihr versuchen, den Invasor abzuwehren und auszuschalten, mit Waffengewalt. Gelingt es euch nicht, bevor der Feind eine so genannte Backdoor eingerichtet hat, verliert einen Teil eurer bereits erspielten Online-Punkte, die euch auch für die Kampagne spezielle Boni freischalten. Umgekehrt seid auch ihr in der Lage, in die Spielwelt anderer Spieler einzudringen, um den anderen zu jagen. Ihr könnt euch auch freiwillig in Online-Duelle mit anderen Spielern begeben, in denen ihr euch gegenseitig hacken müsst. Wir haben in der Testphase mehrere solcher Invasionen erlebt, teils in sehr unpassenden (wir wollten gerade eine Mission starten), teils in für uns sehr günstigen (wir standen zwecks ctOS-Hacking in erhöhter, schwer zugänglicher Position) Situationen. Innerhalb von Missionen bleibt ihr auf jeden Fall von solchen Hacking-Invasionen verschont.

Sorgen, dass euch durch die Invasionen euer Solo-Spielgefühl kaputtgemacht wird, braucht ihr nicht zu haben. Zum einen fügen sich die Invasionen erstaunlich gut ins Ganze ein, zum anderen könnt ihr sie im Spielmenü auch komplett ausschalten. Aber auch wenn ihr sie zulasst, ist ihre Frequenz an die Höhe eures Online-Kopfgelds gekoppelt. Dieses wiederum hängt von bestimmten NPCs in eurer Spielwelt ab, die versuchen, euch zu hacken. Reagiert ihr jedoch schnell genug, könnt ihr bereits diesen Hack-Versuch unterbinden.
Nicht alles in Watch Dogs ruft "Nextgen". Die Grafik ist aber dennoch sehr gut, einige Effekte sind erstklassig. Die Spiegelungen auf regennasser Straße sind beispielsweise nicht weniger stark als die in Infamous - Second Son.

Gute Nextgen-Technik
Alternativen
Falls euch der Ansatz von Watch Dogs zu ernst ist, könnte Infamous - Second Son (GG-Test: 8.0) für euch interessant sein. Allerdings solltet ihr einen gewissen Hang für Superhelden mitbringen, um das effektreiche PS4-Actionspektakel genießen zu können. Darf es gar komplett überdreht sein und muss gleichzeitig nicht den höchsten technischen Ansprüchen genügen, solltet ihr Steelport in Saints Row 4 (GG-Test: 8.0) einen Besuch abstatten. Steht ihr auf Piraten, lohnt sich ein Ausflug in Assassin's Creed - Black Flag (GG-Test: 8.0). Kein Weg vorbei führt am Open-World-Primus Grand Theft Auto 5 (GG-Test: 10.0) von Rockstar Games.
Im Vorfeld machten sich viele Spieler Gedanken, ob Watch Dogs wirklich "Nextgen-Grafik" bieten würde. Nach gut 30 Stunden Testspielzeit fällt unser Urteil zweigeteilt aus. Watch Dogs sieht auf der PlayStation 4 gut aus, und besticht mit hohem Detailgrad, überwiegend guten Texturen und exzellenten Animationen. Wenn nach einem intensiven Regenschauer der Boden noch feucht ist und sich Teile der Umgebung in den Pfützen spiegeln, muss sich Watch Dogs nicht mal hinter Infamous - Second Son (GG-Test: 8.0) verstecken. Sehr cool sind auch einige der Effekte, zum Beispiel, wenn wir mit Aiden durch einen Kanal geschwommen sind und an Land das Wasser von seinem Mantel abperlt. Auch im Effektbereich hat Watch Dogs einiges zu bieten. Es mag noch bessere Explosionen im Action-Genre geben. Aber wer ernsthaft behauptet, dass die aus dem Lastgen-Titel GTA 5 besser aussähen, muss Tomaten auf den Augen haben.

Schwächen zeigt Watch Dogs jedoch beim Detailgrad der Spielwelt, da viele Ecken und Hinterhöfe aus dem Baukasten zusammengesetzt wurden. Es gibt zwar auch einige markante Orte, die bei der Orientierung helfen, aber letztlich doch weniger, als im Open-World-Primus von Rockstar. Kleinere Macken ergeben sich zudem durch teils auffälliges Kantenflimmern und ein paar Bugs, bei denen Aidens ansonsten so galantes Rutschen über die Motorhaube eines Fahrzeugs nicht so funktioniert, wie es sollte. Auch beim Aussteigen aus Fahrzeugen nach einem Crash hüpft Aiden gerne mal aus dem Dach heraus. 30 Frames erreicht Watch Dogs nicht konstant. Runter geht die Bildrate aber meist nur beim Autosave. Da die Preview-Version vor einigen Wochen dieses Problem noch nicht zeigte, halten wir es allerdings für möglich, dass Ubisoft hier mit einem Patch noch nachbessern kann.

Richtig stark sind die Zwischensequenzen gelungen, die dank Motion-Capturing-Verfahren sehr realistisch aussehen. Wer auf Englisch spielt, darf sich zudem über eine exzellente Lippensynchronität freuen. Aber auch die deutsche Fassung können wir bedenkenlos empfehlen: Fast alle Rollen sind exzellent besetzt, bei den tragenden Rollen gibt es keine bösen Überraschungen. Und da wir in der Vergangenheit vermehrt die schlechte Lautstärkeabmischung der deutschen Version bemängeln mussten: Bei der von Watch Dogs ist auch diesbezüglich alles im grünen Bereich. So sollte das immer sein!

Autor: Benjamin Braun / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Benjamin Braun
Watch Dogs wurde so gnadenlos gehypt, dass am Ende eigentlich fast nur eine Enttäuschung stehen konnte. Aber das Gegenteil ist der Fall: Das Abenteuer von Aiden Pearce ist richtig gut geworden! Mir gefällt vor allem die ausgewogene Mischung aus Schleichen und Ballern mit all ihren feinen Zwischenstufen. Das erlaubt mir viele taktische Freiheiten und ich werde nur selten dazu gezwungen, die Situationen auf eine bestimmte Weise zu lösen. Das ist für mich genauso eine Grundvoraussetzung für ein gutes Open-World-Spiel wie Verfolgungsjagden, die praktisch nie zweimal auf dieselbe Art ablaufen.

Das alles funktioniert aber nur deshalb so gut, weil sich das Hacking-Motiv wie ein roter Faden durch Story- und Gamedesign zieht. Ja, es gibt hier und dort ein paar Logikfehler in der Spielwelt und auch der Handlung. Mir ist allerdings wichtiger, dass die Geschichte wendungsreich erzählt wird und mich mitreißt. Da kann ich über kleinere Stolpersteine hinwegsehen.

Keine Frage: An die Perfektion von GTA 5 kommt Watch Dogs nicht heran. Es bietet auch nicht zig Radiosender, die mir allein schon stundenlange Unterhaltung garantieren. Und auch nicht die Nebenmissionen, die genauso hochwertig wie die Storyaufträge inszeniert werden.

Doch nach diesem Auftakt (und der am Ende mehr als nur nahe gelegten Fortsetzung) freue ich mich schon jetzt auf ein weiteres Abenteuer von Aiden Pearce. Aber bis dahin werde ich noch ein bisschen weiterspielen. Denn auch nach 30 Stunden in Chicago habe ich noch Lust, weiterzumachen. Und ein besseres Kompliment kann man einem Open-World-Spiel kaum machen.
Jörg Langer
Zum Glück hat Ubisoft der Versuchung widerstanden, einfach alle wesentlichen Elemente von GTA 5 zu kopieren. Wer also nach einer ähnlichen Ansammlung von schrägen Vögeln, sarkastischen Sprüchen und zynischen TV-Sendungen sucht, wird enttäuscht. Die Spielwelt ist nicht ganz so groß und faszinierend. Und nein, man kann auch keine Flugzeuge oder Helikopter steuern. Doch mal ganz ehrlich: GTA 5 in seinen Kerndisziplinen schlagen zu wollen, kann eh nur in die Hose gehen. Stattdessen setzen die Entwickler bei Watch Dogs auf eine ernsthaftere Spielwelt und spielen ihr Hacking-Feature voll aus – was mir wesentlich mehr Interaktionsmöglichkeiten mit der Welt um mich herum erlaubt, als das beim Rockstar-Titel der Fall ist

Just dieses Hacking macht Watch Dogs einzigartig: Ich kann auf der einen Seite mit dem Auto quasi überall durchbrettern (erstaunlich viel in der Spielwelt geht zu Bruch) oder das Sturmgewehr auspacken. Ich kann aber eben auch per Hacking-Feature Passanten "aushorchen", verfolgende Polizeiwagen in von mir aktivierte Poller krachen lassen, mich von einer Überwachungskamera zur nächsten "schwingen". Das gibt dem Ganzen ein ganz eigenes Spielgefühl und macht Watch Dogs zu weit mehr als nur einer guten Kopie.

Kommt Watch Dogs als Gesamtwerk an GTA 5 heran? Nein, das nicht, weder bei der Vielfalt der Missionstypen noch dem Ausstattungsbombast in Sachen Musiklizenzen noch der letztendlichen Spielqualität. Werde ich mit Watch Dogs mehr Zeit verbringen als mit GTA 5? Einfach, weil es mal was anderes ist, und weil ich das Hacking-Ambiente lieber mag als den üblichen Gangster-Trott von Rockstar? SdK-Gucker wissen bald mehr...
 Watch Dogs
Einstieg/Bedienung
  • Eingängige Gamepad-Steuerung
  • Vier Schwierigkeitsgrade (jederzeit änderbar)
 
Spieltiefe/Balance
  • Spannende, wendungsreiche Story
  • Umfangreiche Kampagne
  • Starke Inszenierung
  • Unverbrauchtes Setting
  • Üppiges Angebot an Nebenmissionen
  • Viele Abschnitte auch schleichend lösbar
  • Große, lebendige Spielwelt
  • Viele coole Fähigkeiten und Gadgets
  • Spaßige "Digital Trips"
  • Hohe Solospielzeit (30 Stunden +)
  • Einige Logiklöcher in der Handlung
  • Polizei zu leicht auszutricksen
  • Nebenmissionen größtenteils ohne Storybezug
  • Kein Schusswaffengebrauch aus dem Fahrzeug
Grafik/Technik
  • Sehr gute Wettereffekte
  • Tolle Spiegelungen nach Regenfall
  • Sehr gute Animationen
  • Hübsches Wasser
  • Größtenteils gute Texturqualität
  • Lag beim Speichern
  • Framerate nicht immer konstant (PS4)
  • Physik mit Macken
Sound/Sprache
  • Sehr gute deutsche Sprecher
  • O-Ton und fünf weitere Audiosprachen enthalten
  • Sprachausgabe und Untertitel beliebig kombinierbar
 
Multiplayer
  • Hacking-Invasionen gut ins Solospiel integriert (+ abschaltbar)
  • Spaßige Online-Rennen samt Umgebungshacks
  • Lange Verbindungszeiten

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Amazon.de Aktuelle Preise (€): 9,95 (360), 7,99 (WiiU), 34,98 (PC), 7,95 (Xbox One)
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Userwertung
7.7
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Action
Open-World-Action
ab 18
18
Ubisoft Montreal
Ubisoft
27.05.2014
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Benjamin Braun 27. Mai 2014 - 9:00 — vor 4 Jahren aktualisiert

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