Test: Große und kleine Bälle

Virtua Tennis 4 Test

Der Rasen ist wieder grün, der Sand wieder trocken, kurzum: Es ist Zeit für Tennis! Wir haben uns auf das digitale Spielfeld begeben, die neue Kampagne durchgespielt und uns in Multiplayer-Partien bewiesen. Geht Virtua Tennis 4 wie die 2009er Ausgabe weiter Richtung Realismus? Oder ist wieder Arcade-Fun pur angesagt? Lest selbst.
Sebastian Horst 3. Mai 2011 - 15:08 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3 Wii
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.
Die ersten 15 Minuten von Virtua Tennis 4 seht ihr in unserem First-15-Video -- viel Spaß beim Ansehen!

Coke oder Pepsi, McDonald’s oder Burger King, Playstation oder Xbox: Es gibt Entscheidungen, die sich nur schwer treffen lassen. Auch im virtuellen Tennis muss sich der Käufer seit 2003 alle zwei bis drei Jahre immer wieder entscheiden: zwischen den zwei großen Tennis-Reihen Top Spin und Virtua Tennis. Bisher spaltete sich die Spielerschaft in die Lager der Top-Spin-Realismusfans und der Arcade-Liebhaber, die Virtua Tennis den Vorzug gaben. Top Spin 4 hat schon Ende März vorgelegt und bewiesen, dass es auch in der neuesten Ausgabe wieder vor allem um den Realismus geht (GG-Note: 8.0). Ob auch Virtua Tennis 4 seinen Vorgängern treu bleibt, haben wir für euch in vielen Stunden auf dem virtuellem Grün nachgeprüft, auf PS3 und Xbox 360, mit und ohne Move beziehungsweise Kinect.

Neue, vielseitige Kampagne

Durch Minispiele verbessert ihr eure Fähigkeiten.
Das Herzstück für Einzelspieler ist bei jedem Sportspiel der Karrieremodus. In Virtua Tennis 2009 war dieser sehr langweilig geraten. Für den Nachfolger gelobte Sega Besserung und hat zu einem großen Teil Wort gehalten. Der neue Karrieremodus besteht aus einer World Tour, die euch über vier Saisons von Asien über Afrika und Europa nach Amerika führt. Der Beginn eurer Tennislaufbahn besteht darin, euch euren Tennisspieler im Charaktereditor zu basteln. Danach kann es auch schon losgehen. Anfangs seid ihr noch ein sehr schwächlicher Spieler, der kaum den Ball übers Netz bekommt. Um das zu ändern, müsst ihr eure Kondition und eure anderen Tennisfähigkeiten verbessern. Das macht ihr nicht mehr wie im Vorgänger im Training, sondern nur noch in den acht Minispielen.

Diese sind nach wie vor sehr abgedreht. Tennis-Puristen, bitte die Augen zuhalten: Ihr müsst beispielsweise Küken zur Henne führen, Bomben mit Zeitzünder so spielen, dass sie auf dem Feld des Gegner explodieren. Oder Fußbälle mit eurem Tennisschläger an Abwehr und Tormann vorbei in ein Tor befördern. Die Minispiele sind natürlich überhaupt nicht realistisch, aber ein Markenzeichen der Serie, wiederum sehr gut umgesetzt und insgesamt erfreulich vielseitig.

Die Spiele in der World Tour wie dieses Doppel (links) gehen nur über zwei Gewinnsätze (rechts).

Jede Saison besteht aus zwei kleinen Turnieren und einem großen Abschluss-Wettbewerb, für die ihr euch qualifizieren müsst. Um an einem Turnier teilnehmen zu können, braucht ihr eine bestimmte Zahl an Sternen, die ihr nur durch Öffentlichkeitsarbeit und sämtliche Matches bekommt. Die vorhandenen Sterne geben auch eure Position in der Weltrangliste an, die sich nun in verschiedene Stufen von Anfänger bis Ultimativer Star unterteilt. Neben Sternen bekommt ihr für fast alles Geld. Damit könnt ihr euch unter anderem neue Ausrüstung kaufen. Die bringt aber keine Boni, wie noch im Vorgänger, sondern sieht einfach besser aus.

Kurze Matches

PS3: Mehr Profispieler
Auf Xbox 360 und Playstation 3 sind jeweils 20 aktuelle Tennisstars, von denen ihr zwei erst freischalten müsst, und US-Veteran Jim Courier (Markenzeichen: Baseball-Kappe) enthalten. Die PS3-Fassung bietet außerdem Boris Becker (aggressives Serve-and-volley), Stefan Edberg (Meister der harten Grundlinienschläge) und Patrick Rafter (ebenfalls Serve-and-volley). Alle drei sind nicht in der Xbox-360-Version enthalten. 
Tennispartien führt ihr innerhalb von namenlosen Klein- sowie natürlich großen Turnieren, in Form von Sondermatches gegen bekannte Profis und auch als Trainingsspiele. Die Partien im Karrieremodus bestehen allerdings immer nur aus zwei Gewinnsätzen, und die wiederum nicht etwa aus sechs Gewinnspielen, sondern nur aus zwei. Dadurch sind die Matches sehr kurz und laufen außerdem auch fast immer gleich ab. Jegliche Aufhol- oder Tie-break-Dramatik fehlt. Selbst im höchsten der drei Schwierigkeitsgrade könnt ihr eure Gegner meist sehr einfach besiegen. Herausfordernder sind meist nur die realen Tennisspieler. Zumindest werden die Partien, sobald ihr eure Fähigkeiten steigert, merklich taktischer und ihr müsst nicht auf die immer selben Mittel zurückgreifen, um euren Gegenspieler zu besiegen.

Eine Saison endet mit der Vergabe der SPT-Preise. Hierbei werden zum Beispiel die Spieler mit den meisten Schmetterbällen und den meist Assen ausgezeichnet. Habt ihr alle der vier großen Turniere hinter euch gebracht, ist die World Tour zu Ende. Innerhalb einer Tour werdet ihr es nicht schaffen, die Fähigkeiten eures Spielers maximal auszubauen. Dafür müsst ihr den Karrieremodus mehrmals durchspielen. Bei einem erneuten Start behaltet ihr eure Fähigkeiten, freigeschalteten Stile und euer Geld. Nur Kondition und Sterne werden wieder zurückgesetzt. Leider ist jede World Tour identisch: Ihr bekommt immer dieselben Statusmeldungen, die Weltkarte ist identisch aufgebaut. Ihr habt im Endeffekt alles gesehen. Ein mehrfaches Durchspielen ist deshalb langweilig, nur ganz abgehärtete Spieler werden mehr als zwei Touren spielen.

Spannende Spiele gibt es nur außerhalb der Karriere mit den echten Tennisstars.
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