Test: Elefanten und Pros

Virtua Tennis 2009 Test

Auf ein neues: Eines der beiden großen Tennis-Sportspiele geht in die neue Saison, nachdem der simulationslastigere Konkurrent Top Spin 3 bereits fast wieder ein Jahr alt ist. Spielt Segas Virtua Tennis auf Augenhöhe mit dem 2K-Sports-Star?
Jörg Langer 26. Mai 2009 - 14:51 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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Das Duell der Giganten steht an: Rafael Nadal (den wir übernehmen) gegen Roger Federer (Computer), der Weltranglistenerste gegen seinen aufmerksamen Verfolger. Das Match gewinnt an Tempo, hoch abspringende Topspins wechseln sich mit eleganten Rückhand-Slices und fiesen Lobs ab. Dann: Aufschlag Federer, seine Kanonenkugel treibt uns nach hinten, gerade so können wir mit einem Slice retournieren. Doch der Schlag ist viel zu schwach, die Filzkugel driftet nach oben ab, Roger steht perfekt und haut uns einen Topspin-Cross in die Ecke. Das ist Virtua Tennis, wie wir es kennen und lieben!

Amateure unter sich: Vor wenigen Zuschauern deklassieren wir hier unseren gerne an der Kugel vorbeischlitternden Kontrahenten. Gespielt wird voreingestellt nur auf zwei Gewinnspiele -- statt auf drei Gewinnsätze. Kleine Tenniskunde: Gezählt wird Love-15-30-45-Spiel beziehungsweise Einstand-Vorteil-Spiel, Sätze gehen bis 6 oder, wenn der Gegner bis auf 5 Spiele herankommt, bis 7 gewonnene Spiele -- bei 6:6 Spielen entscheidet in aller Regel der Tie-Break. Im Breitensport-Tennis werden zwei Gewinnsätze gespielt, im Profitennis drei -- maximal also steht es dann am Ende 6:7, 6:7, 7:6, 7:6 und 7:6, das andere Extrem wäre ein 6:0, 6:0 und 6:0. Ende der kleinen Zählkunde.

Schon seit erinnerungsverklärten Sega-Dreamcast-Zeiten jagen wir bei Virtua Tennis den Gegner über den Court. Das Spiel fasziniert mit der Dynamik der Zweikämpfe, dem Lesen des gegnerischen Spiels. Und es hat sich weiterentwickelt, ein kleines Beispiel: Matchball gegen uns, Roger spielt einen Schmetterball, wir kommen ins Trudeln, können den Ball nicht kontrolliert zurückspielen und verlieren das Match ganz knapp. Punktgewinn für Roger und für die britischen Entwickler von Sumo Digital. Noch in Virtua Tennis 3 hätten wir die Kugel locker bekommen – indem wir über den halben Court gesprungen und die Filzkugel stilvoll retourniert hätten. Realistisch war das nicht, selbst ein durchtrainierter Tennisstar teleportiert sich nicht mal eben drei, vier Meter über den Court. Bei Virtua Tennis 2009 sind solche Szenen realitätsnäher geworden, wir stolpern in den roten Sand von Roland Garros in Paris.


Hello, Ladies! Neu begrüßen dürfen wir unter anderem Jelena Jankovic, Tamira Paszek sowie Ana Ivanovic.

Einfachster Einstieg

In der Tennisakademie sowie in Übungsspielen verbessert ihr eure Fähigkeiten.
Zugegeben, all das hört sich wahnsinnig kompliziert an. Jemand, der zum ersten Mal ein Virtua Tennis-Match bestaunt, denkt sicher, er müsse dutzende Button-Kombinationen auswendig lernen. Doch dann schnappt er sich den Controller und merkt, wie einfach sich die verschiedenen Schlagvarianten auslösen lassen, wie simpel man hier taktiert. Die Engländer sind eben echte Arcade-Spezialisten: Die Basis bilden lediglich vier Tasten: Mit der Dreiecks-Taste wird ein Lob gespielt, also ein langer, hoher Ball. Beim Slice wird der Filz entweder mit der Vor – oder Rückhand angeschnitten, was eine flache und gestreckte Flugbahn zur Folge hat. Entsprechend kommen entweder X oder- Kreis-Taste zum Einsatz, je für Vor- respektive Rückhand. Der Slice ist allerdings eher eine Art Rettungsschlag, optimal wenn ihr nah am Netz steht und Zeit gewinnen wollt, um euch mittig zu positionieren. Der effektivste Schlag ist der Topspin, damit lässt sich zum Beispiel Ana Ivanovic schlagen. Die süße Russin gehört neben Andy Murray, Novak Djokovic und Jelena Jankovic zu den 20 Neuzugängen im Tennisolymp.

Rund 25 führende Profis der Tennisweltrangliste warten auf euch, fünf müssen erst freigeschaltet werden.

Königsdisziplin Topspin

Doch zurück zum Topspin: In einer waschechten Tennissimulation wie Top Spin 3 ist das einer der schwierigsten Schläge, ich muss mich exakt unter den Ball stellen, ihn am höchsten Punkt treffen und den Schläger ganz durchziehen.  Virtua Tennis 2009“ gibt sich eher wie eine Light-Variante von Top Spin, hier spielt nur die Position eine Rolle und der Knopfdruck zum richtigen Moment. Dann noch im Moment des Schlags (bevorzugt mit den Digital-Richtungstasten des PS3-Mauspads, aber auch per Analogstick) die Richtung bestimmen, schon beginnt man das Katz- und Mausspiel des modernen Tennisspiels, bei dem der Gegner immer weiter aus dem Platz gejagt wird, links, rechts, links, bis dann der Vollstreckerschlag folgt. Zumindest, wenn ihr es richtig macht.

Top Spin 3 spricht eine sehr spezielle Zielgruppe an, primär Gamer, die auch im echten Leben Tennis zu spielen, sowie Simulationsfans. Virtua Tennis hingegen ist perfekt für einen Abend mit Freunden geeignet, einfach jeder ein Gamepad in die Hand und losgedaddelt. Alternativ darf endlich online gezockt werden, ebenfalls mit bis zu vier Spielern (im Doppel). Die wenigen Buttons machen den Einstieg kinderleicht. Wer Virtua Tennis 2009 allerdings als Kinderspiel abtut, der irrt. „Easy to learn, hard to master“ ist das Motto. Denn auch Profis entdecken immer wieder neue Strategien um ihren Gegner über den Court zu scheuchen.

Virtua Tennis bietet zwei grundsätzliche Spielmodi an: Einzelmatches oder -turniere, bei denen ihr mit den virtuellen Abbildern der weltbesten Tennisspieler und –spielerinnen antretet, auf wählbarem Untergrund und mit den normalen Tennisregeln. Oder ihr beginnt einen Karrieremodus, bei dem ihr erstmal per recht umfangreichen Editor einen Tennisstar bastelt.

In der Tennis-Akademie dürfen wir gegen Legenden antreten – beispielsweise Boris Becker oder Venus Williams (siehe Bild). Besiegen wir sie, verraten die "Oldies" spezielle Schlagvariationen – das motiviert ungemein.

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