Test: Die Krönung

Uncharted 3 - Drake's Deception Test

Gears of War 3 hat erst kürzlich bewiesen, dass eine funktionierende Spielmechanik ohne große Änderungen auch ein drittes Mal prächtig zünden kann. Naughty Dog scheint sich ein ähnliches Ziel gesetzt zu haben. Spielerisch ist bei Uncharted 3 - Drake's Deception zwar fast alles beim Alten geblieben, dennoch ist es der beste Serienteil.
Benjamin Braun 24. Oktober 2011 - 18:05 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel stammen von uns.

Es ist nicht einmal vier Jahre her, seitdem Entwickler Naughty Dog den Schatzsucher Nathan Drake erstmals auf die Spuren eines Mythos schickte. 2007 begab er sich gemeinsam mit Elena Fisher und seinem väterlichen Freund Victor Sullivan nach Südamerika, um das goldene Paradies von El Dorado aufzuspüren. 2009 verschlug es ihn ins tibetische Hochland, um der Legende des Königreichs Shambala nachzujagen. In Uncharted 3 – Drake's Deception ist es die Suche nach der legendären und schon im Koran erwähnten Wüstenstadt Iram, die den Haudegen und seinen Mentor Sully quer durch Europa und Vorderasien (sowie 22 Kapitel) führt.

Allzu viel über die Hintergrundgeschichte des Abenteurers erfuhren wir auf seinen bisherigen Reisen nicht. Nathan soll ein Nachfahre des berühmten englischen Seefahrers Sir Francis Drake sein, dessen Aufzeichnungen immer eine zentrale Rolle bei Nates Nachforschungen einnahmen. Ansonsten wissen wir eigentlich nur, dass er ein ziemlich loses Mundwerk hat, klettert und springt wie ein Weltmeister und auch nicht davor zurückscheut, eine Waffe in die Hand zu nehmen. So erwehrt er sich dann angreifenden Söldnerkompanien, Kampfhubschraubern und anderem Unbill. Und das quer über die Welt und zurück – ein moderner Indiana Jones. Mit Uncharted 3 räumt Entwickler Naughty Dog der Vergangenheit unseres Helden und seiner Begleiter mehr Raum ein und führt ihn gleichzeitig auf sein bislang spektakulärstes Abenteuer. Weshalb das Spiel selbst den großartigen Vorgänger hinter sich lässt, haben wir für euch herausgefunden.
Flammenhölle im Herrenhaus: Während Sully unseren festgeklemmten Fuß befreit, schießen wir auf  die Gegner.

Kleiner RückblickWer die Uncharted-Serie kennt, kann diesen kleinen Abschnitt getrost überspringen, aber für alle neu Interessierten (oder die Vergesslichen unter euch...): Nathan Drake ist eine Art moderner Indiana Jones, der wie dieser auf den Spuren uralter Geheimnisse unterwegs ist. Da diese Geheimnisse meist auch ziemlich viel Geld oder Macht bergen, muss er sich nicht darum sorgen, dass es ihm zu langweilig werden könnte auf seinen Reisen.

In Uncharted 1 fand Drake in einem Tagebuch Hinweise auf das Dorado, die goldene Stadt. Die erweist sich zwar im Handlungsverlauf "nur" als eine große Goldstatue, aber das mindert ihre Faszination nur unwesentlich. Wie bei Indiana Jones kommt Drake mit Nazis in Berührung (aus zeitlichen Gründen zwar nicht direkt, aber immerhin mit ihren Waffen und einem gestrandeten U-Boot), und wie bei einem Indiana-Jones-Film birgt der gesuchte Schatz natürlich eine große Gefahr für seine gierigen Finder. Uncharted 1 wurde von Sony stark als PS3-Top-Exklusivtitel propagiert, doch in diesem Fall trafen Marketing und Wirklichkeit tatsächlich einmal zusammen: Das Naughty-Dog-Werk begeisterte weltweit die Spieler und Kritiker.

Mit Uncharted 2 (Untertitel: "Unter Dieben") spüren Nate und seine Freunde dem versunkenen Königreich Shambala nach. Dummerweise kreuzen sich dieses Mal die Wege von ihm und seinen Freunden mit denen einer hochgerüsteten Söldnerarmee, die auch vor dem Einsatz von schwerem Gerät nicht zurückschreckt. Und wo beim ersten Teil von Indiana Jones mal eben die Bundeslade gefunden wird, fährt Uncharted 2 immerhin den Baum des Lebens auf. Kleiner Tipp, falls ihr den auch mal findet: Nicht vom Harz naschen! Am Ende von Uncharted 2, das noch etwas krachender und besser inszeniert war als Teil 1, steht dann eine romantische Szene: Taschentücher bitte auspacken!

Ein weiterer Mythos Nates dritte Reise startet im verregneten London. Er und sein deutlich älterer Freund Sully durchstreifen die Straßen der englischen Haupstadt auf dem Weg zu einem Pub. Der abenteuerlustige Weltenbummler trägt ausnahmsweise mal Anzug, eine Krawatte aber wäre für den Mann, den wir sonst nur in Jeans und verdrecktem Sweat-Shirt kennen, zu viel des Guten. In der urigen Kneipe werden die Gäste bereits erwartet, der Barkeeper dirigiert das Helden-Duo ins Hinterzimmer. Nach einer Leibesvisitation beginnen auch gleich die Verhandlungen, für die ein Billardtisch kurzerhand zweckentfremdet wird. Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein adrett gekleideter Brite namens Talbot, der einen Metallkoffer mit jeder Menge Pfund-Noten bei sich trägt. Bevor der Koffer den Besitzer wechselt, will er noch die Echtheit der Ware prüfen, die Nate an einem Lederriemen um seinen Hals trägt. Es ist ein Ring. Sir Francis Drakes Ring, um genau zu sein.

Talbot ist zufrieden und schiebt den Koffer zu Nate herüber. Alles Falschgeld – wie Sully sofort bemerkt. Nate reißt den Ring wieder an sich und erklärt den Handel für geplatzt. Talbot sucht das Weite, während sich seine Schläger mit Billard-Queues bewaffnen. Nun übernehmen wir auch schon die Kontrolle. Geschickt weichen wir den Schlägen der Angreifer aus und kontern mit schnellen Fausthieben. Plötzlich umklammert uns jemand von hinten, während uns von vorne ein ande
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rer Rowdy auf die Pelle rückt. Wir springen hoch und verpassen dem anrückenden Gegner einen Tritt gegen die Brust. Mit einem rückwärtigen Kopfstoss befreien wir uns schließlich aus der misslichen Lage und prügeln uns weiter, bis alle Feinde reglos auf dem Boden liegen. Gemeinsam mit Sully suchen wir nach einem Ausgang und schalten in der Küche ein paar letzte Gegner aus, wozu uns das Küchen-Inventar wie gerufen kommt: Dem einen knallen wir die Ofentür vors Gesicht, während der nächste die gusseiserne Pfanne von Großmutter zu spüren bekommt.

Endlich sind wir wieder draußen, wo uns noch ein paar bewaffnete Schergen erwarten. Mit bloßen Fäusten kommen wir hier nicht weiter, doch da biegt auch schon eine Limousine in die Gasse ein. Neben Talbot steigt auch eine schwarz gekleidet Frau aus. Sie ist es, die uns den Ring abkaufen wollte. Für Sully und Nate ist die blonde Dame keine Unbekannte. Irgendwo sind sie sich schon einmal begegnet. Und sie scheint genauso versessen auf Sir Francis Drakes Fingerschmuck zu sein wie Nate. Sie nutzt die Gunst der Stunde, nimmt ihm den Ring ab und verschwindet in der Nacht. Lassen wir das einfach so auf uns sitzen...?
Kathrine Marlowe ist unsere Gegenspielerin in Uncharted 3. Mit allen Mitteln versucht sie, an Nates Ring zu gelangen.
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