Test: Action-Sensation für PS3

Uncharted 2 Test

Besondere Spiele erfordern besondere Artikel: GamersGlobal beschreibt die cineastische Inszenierung, die rasante Action und die spannende Story in einem Monolog des Hauptcharakters Nathan Drake. Auf größere Spoiler verzichten wir natürlich! Selbstverständlich kommt auch der Autor zu Wort, etwa in Sachen Multiplayer-Modus und im Fazit.
Mister G 13. Oktober 2009 - 12:55 — vor 10 Jahren aktualisiert
PS3
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Es gibt Shooter, in denen ballert man Hundertschaften gesichtsloser Feinde ab. Es gibt Action-Adventures, in denen taucht, hangelt, springt und schießt sich eine weibliche Heldin, den Frustfaktor durch Sexappeal mühsam überdeckend. Und es gibt Uncharted 2: Among Thieves: Ein Action-Adventure quasi ohne Ladezeiten, liebevoll inszeniert, durchdacht bis ins letzte Detail, mit glaubwürdigen Charakteren. Kletter- und Hangelpassagen wechseln sich mit fulminanten Gefechten gegen Massen von Soldaten oder sogar Helikoptern ab. Die Schauplätze wechseln ähnlich rasant wie in einem Bond-Film, und sind ebenso faszinierend. Zwischendrin gilt es, antike Schätze zu finden, aber die Archäologie steht hier klar hinter der Action zurück. Und weil ein besonderes Spiel auch einen besonderen Artikel verdient hat, hält der Autor jetzt erstmal seinen Mund und lässt den Mann reden, der ihm 12 Stunden (ohne Multiplayer) unglaublich gute Unterhaltung geliefert hat. Natürlich fehlen in der Ich-Erzählung bewusst bestimmte Stellen, damit ihr euch durchs Weiterlesen nicht den Spielspaß ruiniert.

Panorama-Blick: Die scharfen, plastischen Texturen und hohe Weitsicht lassen den Cell-Prozessor der PS3 glühen.

Mein Name ist Nate

Typisch von Mister G: Statt den Test selber zu schreiben, verdonnert er mich dazu, "meine Erlebnisse aufzuschreiben". Aber als Videospieleheld habe ich  ja nichts zu melden, muss nach links, wenn der große Meister nach links drückt, und so weiter. Also: Mein Name ist Drake. Nathan Drake. Ach, lassen wir das, nennt mich einfach Nate. Ich bin kein James-Bond-Verschnitt, der zwar 80 Kugeln abbekommt, aber schlussendlich doch immer nur diesen kleinen blutigen Riss an der Lippe hat. Mich müsst ihr euch eher als John McClane vorstellen, ihr wisst schon, der Stirb-Langsam-Cop, der in seinem typischen Abenteuer die Bluttransfusionen aller städtischen Kliniken benötigt. Das also ist meine Geschichte, euch als „Uncharted 2“ bekannt...

In diesem Video seht ihr ungeschnitten die ersten 5 Minuten des Spiels -- das mit einem Cliffhanger beginnt...

Ich wache auf, bin angeschnallt in einem Zug. Verdammt, überall Blut. Nicht schon wieder! Ich stürze, falle, schlage mir den Schädel an einer Wagontür an, knalle auf eine Sitzlehne, reiße sie mit nach unten. Alles geht ganz schnell, plötzlich hänge ich außen an einem Eisenbahnwagon, unter mir eine eisige Bergwelt. Jeden Moment droht der Wagon, in die Tiefe zu stürzen. Egal, der Typ, der mich durch mein PS3-Abenteuer steuert und sich selbst Mister G nennt, drückt in schneller Reihenfolge X auf dem Controller, und ich ziehe mich rauf. Ah, tut das weh,  in meinem Arm klafft eine tiefe Wunde, ich sehe aus wie McClane am Ende von Stirb Langsam 2. Um mich herum erstreckt sich ein riesiges Gebirgsmassiv, der Himalaya. Was ich hier mache? Keine Ahnung, wurde mir aus dramaturgischen Gründen noch nicht mitgeteilt. Beim Klettern greife ich fast immer automatisch an den richtigen Fleck, mein "Führungsagent" (auch als Mister G bekannt) muss also nur grob die Sprung- oder Kletterrichtung vorgeben. Also gut, weiter geht’s, noch ein Sprung, dann kann ich mich an der Wagenachse festklammern. Ständig fallen neue Teile runter, Sitzbänke und anderes Mobiliar – als ob ich nicht schon genug Wunden hätte...


Hängen, hangeln, balancieren, klettern, springen: Nathan benutzt selten den Bürgersteig, um voranzukommen.

Verschnaufpause im Paradies

Plötzlich bin ich nicht mehr im Himalaya, sondern fläze mich auf einem Liegestuhl. Urlaub auf Borneo, eine klasse Idee vom Entwicklungsstudio Naughty Dog! Die Möwen kreischen, Wellen laden zum Surfen ein. Doch mit der Idylle ist es schnell vorbei, mein alter Kumpel Harry Flynn will mit mir ins Nationalmuseum von Istanbul einbrechen. Eigentlich will ich nicht, aber er hat zwei überzeugende Argumente: Das eine nennt sich Chloe dabei. Südländischer Typ, braun gebrannt, Model-Proportionen. Wir waren mal ein Paar. Das andere ist die eiskalte Bierflasche, die mir Chloe auf den Tisch stellt. Mehr als eine Kussszene bekommt ihr aber nicht von uns zu sehen, irgendwo ist Schluss! Auf jeden Fall hat der olle Marco Polo einst eine Schatzflotte aus 13 Schiffen von China nach Persien gesteuert, kam dann aber nur mit einem einzigen an. Wo der Rest geblieben ist, der unbeschreibliche Schätze verspricht, könnte in einer alten Öllampe versteckt sein, die besagtem Nationalmuseum aufbewahrt wird. Ach so, hierbei handelt es sich um eine Rückblende. Doch kein Urlaub, in Wahrheit liege ich immer noch im Zug, vier Monate später... Ich muss aufstehen... aber ich bin so... müde.

Nach dem Treffen auf Borneo brechen wir durch einen Abwasserkanal ins Museum ein – Mister G würde das Tutorial nennen, ich nenne es Rumhüpfen, Rumspringen und sich dabei nass machen. Mister G findet es im übrigen genial, dass ich sichtlich nass werde und meine Klamotten erst mit der Zeit wieder trocknen. Super, ich hatte dieses Jahr schon eine Erkältung! Flynn ist mein Partner in dieser Sequenz, wir helfen uns gegenseitig mit Räuberleitern und ziehen uns gegenseitig an Absprüngen hoch. Alles easy, erst im Museum wird es kniffliger. Ich bin ja gegen Gewalt, also zumindest vor 9 Uhr morgens, oder gegen Zivilisten. Deshalb schleiche ich mich an die Wächter ran und Mister G gibt mir per Viereckstaste zu verstehen, dass ich die Wache „leise ausschalten und schalfen legen“ soll. Das machen wir ein paar mal, dann folgen wieder Sprung-Hangel-Kletterpassagen über die Dächer des Museums. Wow, ist das schön hier! Istanbul erstrahlt als Lichtermeer in der Nacht, das ganze Museum fühlt sich sehr abwechslungsreich an. Hier gibt es schmale Dächer, über  die wir balancieren, dann wieder einen Brunnen, der reich mit Gold verziert ist. Dummerweise drängelt Flynn schon wieder, wir müssen weiter, die Lampe bergen. Die sieht aus wie eine grüne Gießkanne, entpuppt sich aber als die erwartete Schatzkarte. Was danach passiert, verrate ich lieber nicht – schließlich wollt ihr mit mir das Abenteuer ja selbst nochmal erleben!

Über weite Strecken habt ihr bei Uncharted 2 das Gefühl, euch in einer dreidimensionalen Urlaubspostkarte zu bewegen. Doch so malerisch die Schauplätze sind: An jeder Ecke lauern Überraschungen und Gefahren.

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