Test: Moderne Gladiatoren

UFC 2010 Undisputed Test

Wem Wrestling nicht real genug, Boxen eher als harmloses Getänzel und Kickboxen irgendwie komisch erscheint, dem könnten die Kämpfe der UFC eher liegen: brutal, kompromisslos und fast ohne Regeln. Ob die aktuelle Auflage des Spiels auch einem größeren Publikum gefallen kann, erfahrt Ihr in unserem Test.
Alex Hassel 9. Juni 2010 - 23:19
360 PS3
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UFC vs. EA Sports
Die Beziehungen zwischen dem Veranstalter der Kämpfe und dem Publisher sind derzeit alles andere als freundlich. Noch 2009 habe man seitens EA zu verstehen gegeben, dass man UFC nicht "als echten Sport betrachte" und daher kein Spiel dafür entwickeln wolle. THQ sprang ein und brachte UFC 2009 auf den Markt.
EA hat seine Meinung mittlerweile geändert und will noch dieses Jahr EA Sports MMA veröffentlichen. Anlass genug für UFC Präsident Dana White, EA den "Krieg zu erklären". Seinen markigen Sprüchen folgten handfeste Drohungen. Jeder Kämpfer, der sich am EA Spiel beteiligt, werde seinen Platz in der UFC verlieren. 
Wer in dem Buchstabenkürzel MMA nicht etwa eine Sonderform der Online-Rollenspiele ausmacht, sondern den Begriff Mixed Martial Arts (gemischte Kampfkünste) erkennt, dem dürfte das Prinzip der Ultimate Fights geläufig sein. Bei dieser Form des Vollkontaktsports prügeln Vertreter der verschiedenen Kampfsportarten auf sich ein. Erlaubt ist, was den Kontrahenten kampfunfähig macht. Regeln gibt es dabei so gut wie keine. Ambitionierte Kämpfer und solche die es noch werden wollen, sollten nur vermeiden, ihren Gegner zu töten(!), zu beißen oder in die Augen zu stechen. Fernab dieser simplen und nachvollziehbaren Grundregeln gilt aber das Prinzip: Fast alles ist erlaubt!

Übrigens: Ähnlich gelagerte Sportveranstaltungen wussten schon die Römer zu schätzen, nur nannten sie das Geschehen "Gladiatorenkampf" und drückten den Kontrahenten noch Waffen in die Hand. Wenn ihr euch die Schwerter wegdenkt, greift dasselbe Prinzip im modernen Free Fight (wenngleich ohne den fatalen Abgang des Verlierers): Zwei Kämpfer schlagen sich gegenseitig krankenhausreif, begleitet von einer johlenden Menge. Das diese Form des Sports nicht sofort auf Anerkennung und große Popularität stoß, dürfte nicht verwunderlich sein. Organisationen wie die UFC (Ultimate Fighting Championship) hievten den Sport erst vor relativ kurzer Zeit aus verruchten Hinterhöfen und Garagen ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Inklusive einer passenden Vermarktung.

Die UFC Events erfreuen sich insbesondere in den USA einer großen Beliebtheit und werden dort im PayTV übertragen.

Ein Sport für echte Kerle

Wer zum ersten Mal einen Kampf der UFC betrachtet, wird zu Beginn kaum Unterschiede zu einer herkömmlichen Wrestling- oder Boxveranstaltung feststellen. Die größten Auffälligkeiten sind noch der achteckige Ring (Oktagon genannt) und das Fehlen von Kostümierung sowie Boxhandschuhen. Darüber hinaus gibt es Nummerngirls, Ringsprecher, Meisterschaftsgürtel -- eben all das, was man von Kampfveranstaltungen erwartet. Die Spreu trennt sich vom Weizen ab dem Zeitpunkt, in der der Ringgong den Kampf freigibt. Hier gibt es keine abgesprochene Choreographie oder ein taktisches Abtasten des Gegners mit der Fürhand, beim Ultimate Fight geht es direkt in die Vollen. Nur selten dauert dabei ein Kampf die vollen drei oder fünf Runden; wahrscheinlicher ist ein vorzeitiger Abbruch wegen K.O. oder Aufgabe.

Es ist eine der Stärken von UFC 2010 Undisputed, die Brachialität dieser Kämpfe glaubwürdig nachzustellen. Kaum ein Kampf dem anderen, zu unterschiedlich sind die Herangehensweisen und Taktiken der Gegner. Während ein Kickboxer standesgemäß mit Tritten und Kniestößen seinen Gegner zermürbt, versucht ein Jiu-Jutsu-Kämpfer eher, schmerzhafte Griffe anzuwenden. Das Ergebnis ist oft blutig: Cuts, Schwellungen und gebrochene Nasen. UFC 2010 ist auch in seiner Darstellung um Realismus bemüht. Fast empfindet man so etwas wie Mitleid mit seinem virtuellen Gegner, wenn man diesem gerade mittels einer gelungenen Kombination das Gesicht ramponiert hat.

Traute Zweisamkeit: Kämpfe in der UFC sind immer anders. Oft geht es sehr schnell, doch es kann auch passieren, dass sich die Kämpfer minutenlang am Boden bearbeiten und auf einen Fehler des Gegners lauern.

Schwer zu lernen, noch schwerer zu meistern

Wer das Oktagon betritt, sollte sich seiner Sache sicher sein, andernfalls drohen ernsthafte Folgen für die eigene Gesundheit. UFC 2010 trägt diesem Umstand Rechnung, in dem es allzu unbedarfte Spielernaturen, die sich nicht mit der Steuerung vertraut gemacht haben, binnen weniger Sekunden eiskalt auf die Matte befördert. Ihr dürft euch vom Setting und der brutalen Inszenierung nicht täuschen lassen: UFC 2010 ist kein arcadeorientiertes Kampfspiel für zwischendurch, sondern eine umfangreiche und schwer zu erlernende Simulation des Sports.

Schon das Tutorial schlägt in vollem Umfang mit über einer Stunde zu Buche. Doch auch nach Abschluss der Übungseinheiten wird kein Neueinsteiger die Steuerung mit all ihren Funktionen kennen, geschweige denn beherrschen. Der grundlegende Aufbau der Tastenbelegung ist dabei noch simpel. Jede Extremität (Arme und Beine) ist jeweils einem Knopf zugeordnet. In Kombination mit Schulter- und Analogtasten wird die Höhe und Intensität der Aktionen festgelegt. Bewegung, kleine Sprints, ducken und blocken, nebenbei auf die Ausdauer achten -- all das ist noch Standard in Kampfspielen und stellt keine größere Herausforderung dar.

Knifflig wird es, wenn die Kämpfer ihre Positionen wechseln. Anders als beispielsweise beim Boxen, beharken sich die Kämpfer bei UFC 2010 nicht ausschließlich stehend. Im Free Fight sorgen Grapples, Clinches, Pummels und Konsorten für ständig neue Situationen -- und damit für neue Steuerungsoptionen. Liegt ihr mit dem Rücken auf dem Boden, müsst ihr natürlich anders agieren, als wenn ihr eurem Gegner direkt gegenüber steht. Zu wissen, welche Aktion in welcher Situation angewendet werden muss, zählt zu den größten Herausforderungen dieses Spiels. Denn die KI verzeiht nur selten Fehler. Achtet ihr einen Moment lang nicht auf Eure Deckung, nutzt der Gegner die Chance und befördert Euch blitzschnell zu Boden, gefolgt von einem fiesen Aufgabegriff und dem damit praktisch sicheren Sieg der CPU. Denn egal, wie sehr wir im Test den Analogstick rüttelten und schüttelten, es war uns schlichtweg nicht möglich, uns auch nur ein einziges Mal aus einer sogenannten Submission (Unterwerfungssituation) zu befreien. Dabei war es unerheblich, ob wir einen erschöpften oder vollkommen ausgeruhten Kämpfer steuerten, eine Befreiung war nicht möglich. Im Gegenzug konterte die KI jeden unserer Aufgabegriffe mühelos. Ein ohnehin schon schweres Spiel wird dadurch noch unberechenbarer.

"Blitz-K.O.": Mitunter reicht ein glücklicher Treffer, und der Kampf ist bereits nach wenigen Sekunden vorbei.
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