Drei Freunde auf Abenteuerreise

Trine 2 Test

Tim Gross 11. Dezember 2011 - 22:15 — vor 7 Jahren aktualisiert

Die Welt von Trine 2 kennt nicht nur märchenhaft bunte Szenen, sondern auch einige düstere Abschnitte wie diesen hier.
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Hübsche Märchenwelt
Das muss jetzt einfach mal gesagt werden: Trine 2 ist verdammt schön anzusehen! Auch wenn es sich um einen 2D-Sidescroller handelt, der auf der Festplatte gerade mal 1,5 Gigabyte belegt. Die Areale sind atmosphärisch gestaltet und strotzen nur so vor Details; ständig ist irgendwo irgendwas in Bewegung. Auch die vielen Licht- und Schatteneffekte müssen sich nicht verstecken. Besonders die tollen Wasserspiegelungen haben es uns angetan. Die stets nachvollziehbare Physikengine wurde ja bereits lobend erwähnt. Trotzdem benötigt ihr keinen High-End-PC, um Trine 2 in voller Pracht genießen zu können.
 
Die Levels sind aber nicht nur schön, sondern auch abwechslungsreich. Ihr besucht einen Märchenwald, dunkle Höhlen, ein gruseliges Baumhaus, eine Schmiede, eine riesige Bergwelt und kommt sogar an einen Urlaubsstimmung verbreitenden Strand. Bei dieser Pracht dürfte es euch nicht schwer fallen, die Umgebung genau im Blick zu behalten. Denn oft gibt es Objekte, die ihr benutzen könnt, etwa versteckte Steine, die Amadeus auf Gegner rasseln lassen kann. Das Einzige, was wir bemängeln können, sind die gelegentlich etwas hakeligen Animationen. 
 
Zwar gibt es nicht unglaublich viele unterschiedliche Musikstücke, aber die einzelnen Kompositionen bleiben gut im Ohr. Die Musik passt sich der Situation an und wird beispielsweise unter Wasser langsamer und beruhigender. Die Sprecher machen einen ordentlichen Job, gerade der deutsche Erzähler, der die Story präsentiert. Die englischen Sprecher gefallen uns jedoch einen Tick besser. Vor jedem Spielstart könnt ihr übrigens auswählen, in welcher Sprache ihr spielen wollt. Nettes Detail am Rande: Die Charaktere unterhalten sich schon auch mal untereinander, was gelegentlich zu amüsanten Situationen führt. Solche Dialoge hätten wir uns allerdings öfter gewünscht, anstatt nur zu Beginn eines Levels.
 
Kein Lichtblick ist die künstliche Intelligenz. Die Gegner sind nicht übermäßig clever und Kämpfe werden dadurch schwer, dass besonders viele Feinde auf dem Bildschirm herumtollen. Auch haben wir im Test einige Aussetzer festgestellt, gerade bei den Bogenschützen, die teils nicht auf uns reagierten und sich opferbereit meucheln ließen. An anderer Stelle hingen Gegner an kleinen Hindernissen fest, die sie eigentlich mit Leichtigkeit hätten überspringen sollen.
 
Im Multiplayermodus seid ihr mit bis zu drei Charakteren gleichzeitig unterwegs. Wenn ihr nur zu zwei seid, können die Spieler die Charaktere wie im Einzelspielermodus wechseln.
 
Klasse Koop-Spaß
Fast jedes moderne Spiel im Action- oder Action-Adventure-Genre hat seit Resident Evil 5 und Left 4 Dead einen Koop-Modus, so auch Trine 2. Hier seid ihr mit allen drei Charakteren gleichzeitig unterwegs, statt dass immer nur einer aktiv gesteuert wird. Das eröffnet völlig neue Herangehensweisen und erhöht den Wiederspielwert enorm. Schließlich lassen sich Rätsel plötzlich ganz anders lösen. Amadeus kann beispielsweise eine Kiste beschwören, die als Plattform von den anderen beiden genutzt wird. Wenn Zoya oder Pontius auf der Kiste stehen, kann Amadeus seine Gefährten durch den Level schweben lassen. Mit solchen Tricks erreicht ihr viele Stellen, die euch sonst versagt geblieben wären. Was aber, wenn ihr nur zu zwei spielt statt zu dritt? Dann könnt ihr den dritten Charakter jederzeit einwechseln, ähnlich wie im Solomodus.
 
Bis zu drei Spieler können an einem Rechner loslegen. Wenn ihr online spielt, könnt ihr entweder ein schnelles Spiel starten und einfach einem laufenden Spiel beitreten, oder auch ein eigenes hosten. Ihr könnt aber auch gemeinsam an einem Computer spielen – sofern ihr mindestens einen Controller übrig habt. Beim Spielen mit Freunden ist es – ähnlich wie beim Multiplayer-Modus von Portal 2 –  sehr hilfreich, wenn man sich untereinander verständigt. Ein Headset ist beim Online-Spiel fast schon Pflicht, denn ohne Kommunikation ist es müßig, die zahlreichen Rätsel anzugehen. 
 
Die leider wenig gelungene Story (neben der KI unser Hauptkritikpunkt) wird nur in Standbildern präsentiert.
Fazit: Verfeinerter GenussTrine war ein Überraschungserfolg. Der Nachfolger kann das aus naheliegenden Gründen nicht von sich behaupten, aber das macht gar nichts! Der Mix aus Rätseln, Geschicklichkeitseinlagen und Kämpfen fühlt sich immer noch taufrisch an. Obwohl wir bei einigen Rätseln etwas länger nachdenken mussten beziehungsweise bei manchen Jump-and-run-Passagen mehrere Versuche brauchten: Trine 2 ist nie unfair. Dafür sorgen auch die gut verteilten Checkpoints. Auf der Habenseite verbucht das Fantasy-Spiel eine wunderschöne Grafik bei niedrigem Hardwarehunger und angenehm kurze Ladezeiten. Dazu kommt die tolle Physikengine, die nicht nur sinnvoll eingesetzt wird, sondern jede Menge Laune macht. 
 
Kritikpunkte gibt es wenige, aber es gibt sie. So haben wir immer wieder KI-Aussetzer festgestellt. Und einige Passagen sind wirklich nur schwer zu meistern. Da rauft man sich trotz vieler Checkpoints schon mal die Haare. Unser größter Kritikpunkt ist allerdings die Story. Euch ist vielleicht aufgefallen, dass wir zu diesem Punkt nicht viel gesagt haben. Das liegt daran, dass es nicht viel zu sagen gibt. Ritter Pontius sagt uns zwar zu Beginn, dass wir das Königreich retten müssen, aber warum das nötig ist, wird niemals wirklich klar. Erst ganz am Ende wird der Geschichte um zwei Schwestern ein wenig Sinn gegeben. Auch die Präsentation der Story mittels Standbildern ist nicht unbedingt die höchste Form der interaktiven Erzählkunst.
 
Prinzipiell könnte man Trine 2 auch vorwerfen, im Vergleich zum Vorgänger nicht wirklich etwas Neues zu bieten. Doch das Spielprinzip ist so toll umgesetzt und die Rätsel so intelligent gestaltet, dass wir diesen Punkt nicht negativ bewerten. Stattdessen hätten wir uns eher noch mehr vom Gleichen gewünscht, denn die Spielzeit ist mit sechs bis acht Stunden nur gerade so okay. Durch den Multiplayer-Modus und der Tatsache, dass ihr beim erneuten Durchspielen ganz andere Stellen erreichen werdet, könnt ihr jedoch nochmal vier bis fünf Stunden dazurechnen. Angesichts des niedrigen Preis von 12,99 Euro bei Steam wundern wir uns, dass ihr überhaupt noch lest, und nicht schon herunterladet! Der deutsche Publisher dtp bietet das Spiel übrigens für nur wenige Euro mehr in einer Boxversion an, die zusätzlich zu Trine 2 auch den ersten Teil, ein Artbook und den Soundtrack enthält.
 
 Autor: Tim Gross / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

 Trine 2
Einstieg/Bedienung
  • Gelungenes Tutorial
  • Gute Lernkurve
  • Steuerung geht leicht von der Hand
  • Man muss Teil 1 nicht gespielt haben
  • Gamepad-Steuerung weniger exakt als Tastatur/Maus
Spieltiefe/Balance
  • Einige Passagen lassen sich auf unterschiedliche Weise lösen
  • Freischaltbare Extras ...
  • Wiederspielwert ist vorhanden, da man beim zweiten Durchspielen neue Fähigkeiten nutzen kann
  • Immer fair (manchmal aber sehr schwer)
  • Viele gut verteilte Checkpoints
  • Mix aus Rätseln, Kämpfen und Geschicklichkeitseinlagen
  • Etwa 10 bis 12 Stunden Spielzeit (inklusive Koop-Modus)

     
  • Einige Trial & Error-Situationen
  • ... die leider nicht besonders spektakulär sind 
  • Schwache Story
Grafik/Technik
  • Wunderschöne Märchengrafik
  • Atmosphärische Levels
  • Tolle Licht- und Schatteneffekte
  • Niedriger Hardwarehunger
  • Klasse Physik-Engine
  • KI nicht sehr clever und mit einigen Aussetzern
Sound/Sprache
  • Musik bleibt in den Ohren
  • Sprecher machen einen guten Job
  • Deutsche und englische Sprache vorhanden
  • Figuren könnten sich öfter miteinander unterhalten
  • Noch ein oder zwei Musikstücke mehr hätten nicht geschadet
Multiplayer
  • Koop an einem Rechner möglich
  • Erhöht den Wiederspielwert enorm
  • Rätsel lassen sich auf ganz andere Art und Weise lösen
  • Ohne Kommunikation kommt man nicht weit
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Amazon.de Aktuelle Preise (€): 29,95 (PC)
Userwertung
8.2
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2D-Actionadventure
12
Frozenbyte
07.12.2011
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Tim Gross 11. Dezember 2011 - 22:15 — vor 7 Jahren aktualisiert

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