Test: Lokomotivführer werden

Train Simulator - Railworks 2010 Test

Fast jeder kleine Junge träumt davon, als Erwachsener einmal Lokomotivführer zu werden. Die Realität aber sieht dann später häufig ganz anders aus -- was übrig bleibt, ist die Faszination Eisenbahn. Wir haben uns im Train Simulator auf die Schienen gewagt und sagen euch, ob es sich lohnt, den alten Traum wieder aufleben zu lassen.
Florian Pfeffer 13. Juni 2010 - 14:18 — vor 6 Jahren aktualisiert
PC
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von Florian Pfeffer

Wenn das Stichwort Train Simulator fällt, dann erinnern sich zahllose Eisenbahnfans wehmütig an eine Zeit, die mittlerweile fast zehn Jahre zurückliegt: 2001 erschien der Microsoft Train Simulator, der bis heute noch als Budget-Version erhältlich ist. Hunderte Add-ons, darunter auch viele nichtkommerzielle, wurden seitdem von der Community entwickelt und halten das Produkt am Leben. Zweimal wurde mit der Arbeit an einem Nachfolger begonnen, zweimal wurde das Projekt wieder gestoppt; zuletzt Anfang 2009, als Microsoft aus Kostengründen sein hauseigenes Studio ACES schloss, das die Entwicklung übernommen hatte -- eine Maßnahme, der übrigens auch der bekannte Microsoft Flight Simulator zum Opfer fiel.

Der nun beim Publisher Aerosoft erschienene Train Simulator - Railworks 2010  ist gewissermaßen der Stiefenkel des Microsoft Train Simulators und er hat ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich: Nach der Fertigstellung des Microsoft-Produktes begann dessen Entwickler Kuju Entertainment mit der Realisierung eines weiteren, eigenen Zugsimulators, der 2007 als Rail Simulator auf den Markt kam. Nach dem Release übernahm ein extra gegründetes Unternehmen namens Railsimulator.com die Weiterentwicklung und den Support. Mitte des letzten Jahres folgte dann mit Railworks ein Nachfolger zum Rail Simulator, dessen deutsche Variante nun der Train Simulator - Railworks 2010 darstellt. Soweit zur Geschichte, doch kann Railworks 2010 die Erwartungen erfüllen, die an seine ehrbare Abstammung geknüpft sind?

Die Loks in Railworks 2010 fallen durchweg sehr detailliert aus. Gleiches gilt auch für die Landschaften und Bahnhöfe. Die Passagiere dieses Bahnsteigs sind bereits rechts in den Zug eingestiegen.

Großer Umfang und tolle Optik

Für die deutsche Fassung des Simulators wurden nicht nur die Handbücher und Bildschirmtexte vollständig lokalisiert, sondern auch spezielle deutsche Loks, darunter die Dampflok BR 52 und die E-Loks 143 und 151, implementiert. Außerdem erhielt das Programm zusätzliche Waggons (Tankwagen, FALNS und FAS Schüttgutwagen, GBS Gedeckter Güterwagen, IBBHS Kühlwagen, OMM 52 Offener Güterwagen, Personenwagen "Silberling") und wurde weiterhin um die Eigenheiten des hiesigen Signalsystems (moderne Signaltechnik sowie alte Formsignale) ergänzt. Das Zugbeeinflussungssystem PZB, das das unbefugte Überfahren eines roten Signals verhindert, fand ebenfalls Einzug in die hiesige Version.
Für gut betuchte Eisenbahn-Fans: Der RailDriver Desktop Train Cab Controller für ca. 200 EUR.

Neben der Quantität überzeugt Railworks 2010 auch bei der Qualität. Der Detailgrad des Spiels ist hervorragend: Dampfloks rauchen kräftig, auf den Bahnsteigen tummeln sich Passagiere, Autos und LKW fahren abseits der Strecken auf den Straßen umher und halten brav an Bahnübergängen. Die Loks selbst werden originalgetreu simuliert. Optisch sind die Modelle exakte Kopien ihrer Echtwelt-Pendants, sämtliche Bedienelemente im Lok-Cockpit könnt ihr sowohl per Tastaturbefehl als auch durch direkte Interaktion mit der Maus bedienen. So entsteht ein glaubwürdiges Mittendrin-Gefühl, wenn ihr am Leistungshebel zieht oder per Knopfdruck im Nieselregen die Scheibenwischer ein- und ausschaltet. Und wer es besonders realistisch mag, der investiert gleich in einen richtigen Eisenbahncontroller, etwa in den knapp 200 EUR teuren RailDriver Desktop Train Cab Controller.

Abwechslungsreiche, aber wenige Strecken

Von den mitgelieferten Strecken befinden sich nur zwei in Deutschland: die Industrieroute von Hagen nach Siegen und die Seebergbahn, die von Echten nach Berndorf verläuft. Auf diesen Routen gilt es mehrere Szenarios zu absolvieren, die sich allerdings relativ ähnlich sind. Meistens müsst ihr Passagiere oder Fracht in einer bestimmten Zeit von einem Ort zum anderen zu befördern. Dabei solltet ihr natürlich möglichst wenig Regelverstöße wie beispielsweise Geschwindigkeitsübertretungen oder Missachtung von Signalen verüben. Am Ende eines jeden Szenarios bekommt ihr eine detaillierte Übersicht angezeigt, die euch über die Art der Verstöße und die Pünktlichkeit in den gefahrenen Streckenabschnitten informiert.

Im Westen der USA steht euch die Durchquerung der Mojave-Wüste zur Auswahl. Außerdem könnt ihr mit einem überlangen Güterzug von Barstow nach San Bernardino in Kalifornien fahren. Wenn ihr hier allerdings durchgängig die Geschwindigkeitsvorgaben einhaltet, die in den unterschiedlichen Streckenabschnitten zulässig sind, dann seid ihr ordentlich beschäftigt und eure Hauptaufmerksamkeit wird sich darauf richten, im richtigen Moment zu beschleunigen oder zu bremsen.

Aus Großbritannien kommen die meisten mitgelieferten Strecken, darunter so bekannte Abschnitte wie von Oxford nach Paddington oder von Newcastle nach York. Auf ihnen habt ihr vor allem mit den verschiedenen Witterungsverhältnissen zu kämpfen, denn in England regnet es meistens. Und starker Regen wirkt sich sehr negativ auf die Fahreigenschaften aus: Wenn die Räder nicht durchdrehen sollen, müsst ihr besonders vorsichtig Gas geben. Hinzu kommt noch, dass ihr während der Fahrt natürlich eine breite Palette an verschiedensten Signalen zu beachten habt; hier wird Railworks 2010 besonders fordernd. Zum Glück sind sämtliche Signale im gedruckten Handbuch aufgeführt und erklärt, sodass ihr immer mal wieder einen Blick in die Übersichten werfen könnt, wenn euch gerade die Bedeutung eines Signals entfallen ist.

Regenreich: Die Strecken in England werdet ihr häufig bei widrigen Wetterverhältnissen befahren müssen.
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