Test: Spiel, Satz und Sieg

Top Spin 4 Test

Zieht euch die weißen Socken über die Knöchel und spannt eure Rahmen: Es ist wieder Zeit für ganz großes Tennis. Wir reisten für euch rund um den Globus und schlugen unseren Gegenspielern die Filzkugel um die Ohren, bis wir schließlich die Weltrangliste anführten. Lest im Test, wieso uns Top Spin 4 dennoch nicht restlos begeistert.
Jörg Langer 28. März 2011 - 23:58 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.

Die ersten rund 20 Minuten von Top Spin 4 seht ihr in unserem First-15-Video -- viel Spaß beim Ansehen!

von Sven Ohnstedt

Boris Becker hat den Tennisschläger schon längst an den Nagel gehängt, heutige Identifikationsfiguren des deutschen Tennis sind nur Eingeweihten bekannt. Wie gut, dass es Videospiele gibt: In Top Spin 4 packt Bobbele die Volley-Keule wieder aus und hechtet auch im Jahre 2011 noch putzmunter jedem Ball entgegen. Auch andere Stars vergangener Tage geben sich im Spiel die Ehre: Sowohl Andre Agassi als auch Ivan Lendl und Pete Sampras sind, neben aktuelleren Vertretern, mit von der Partie. Und auch wenn es die namentlich erwähnten Herren nicht vermuten lassen: Top Spin 4 ist alles andere als altbacken. Ganz im Gegenteil: Die Tennis-Simulation wird im April mit dem neuesten Virtua Tennis um den Genre-Thron kämpfen. Grund genug also, dem Spiel ordentlich auf den Zahn zu fühlen.

Studieren geht über Probieren

In der Top-Spin-Akademie wird euch die Steuerung in insgesamt 26 Lektionen beigebracht. (PS3)
Auch virtuelles Tennis will gelernt sein. Bevor wir es mit den Weltstars aufnehmen können, statten wir der Top-Spin-Akademie einen Besuch ab. In insgesamt 26 Lektionen bringt uns hier unser persönlicher Trainer alle Facetten der Steuerung bei. Wir empfehlen euch dringend, zwei bis drei Stunden Zeit zu nehmen, um diese Übungen in Ruhe abzuschließen.

Top Spin 4 simuliert -- natürlich -- die vier Grundschläge des Tennis: Flat, Slice, Top Spin und Lob (manche rechnen noch den Stopp dazu). Während ein Flat einen "normal" geschlagenen Ball mit weitgehend gerader Flugbahn darstellt und eigentlich nur für Killerschläge aus bevorteilter Position heraus verwendet werden, besitzen Slice-Bälle eine deutlich flachere Flugkurve. Sie springen nach dem Aufprall folglich auch nicht so hoch wie ein Flat vom Boden weg. Das genaue Gegenteil trifft auf den namensgebenden Top Spin zu: Der Schläger wird im Moment des Treffens nach oben gerissen, im Resultat macht der Ball einen hohen Bogen, kann dadurch mit Wucht ins gegnerische Feld geschlagen werden  und springt dort weit und hoch ab. Top Spins bereiten dem Gegenspieler Probleme, da sie ihn in der Regel etwa auf Schulterhöhe erreichen und somit schwer anzunehmen sind. Unter einem Lob dürfte sich schließlich jeder etwas vorstellen können: Der Ball wird noch weitaus höher als beim Top Spin in die Luft geschlagen. Ziel eines Lobs ist es, dass der Ball über den am Netz befindlichen Gegner fliegt, aber trotzdem noch innerhalb des Spielfeldes landet.  

Jedem Grundschlag ist in Top Spin eine Aktionstaste zugeordnet. Ein einfacher Tastendruck reicht allerdings nicht aus, um den Ball sicher im gegnerischen Feld zu platzieren: Die Präzision sowie die Kraft des Schlags ist in Top Spin von eurem Timing abhängig. Hierbei wird zwischen dem gezielten Schlag und dem Power-Schlag unterschieden. Für einen gezielten Schlag tippt ihr die Aktionstaste nur einmal kurz an. Der Power-Schlag hingegen saust eurem Gegenspieler umso stärker um die Ohren, je länger ihr die Taste gedrückt haltet und damit die Power-Anzeige aufladet. So weit, so einfach – dieser Teil der Steuerung ist recht schnell gelernt. Der Haken: Top Spin verlangt, dass ihr die Taste genau dann loslasst, wenn der Spieler zum Schlag ansetzen soll. Sofern euch das gelingt, bekommt euer Ball die optimale Flugkurve und landet sicher im gegnerischen Feld. Also: Power aufladen, solange es geht, aber eben nicht zu lange. Lasst ihr die Taste nämlich zu spät los, knallt der Ball gegen den Rahmen eures Schlägers und fliegt sowohl unplatziert als auch ohne Wucht über das Netz. Derartige Bälle sind, wie ihr euch sicherlich denken könnt, ein gefundenes Fressen für euren Gegner. Scheut ihr dieses Risiko, solltet ihr euren Schlag lieber zu früh abschließen. Zwar verzichtet ihr dann auf die Vorteile eines perfekt getroffenen Balls, müsst aber eben auch nicht einen vernichtenden Gegenschlag fürchten, wenn ihr selbst zu spät reagiert habt. So ganz intuitiv ist das alles nicht: Im richtigen Tennis kommt es neben der generellen Schlagbewegung auch darauf an, was ihr im Moment des Kontakts zwischen Ball und Saitenbespannung macht -- reißt ihr den Schläger hoch, säbelt ihr nach unten, gebt ihr dem Ball mit einem Wisch des Handgelenks noch mehr Schwung? Das zu simulieren wäre aber vermutlich zu schwierig.

Links zerschmettern wir gleich die Glasplatte mit einem Power-Schlag. Rechts müssen wir die markierten Zonen treffen.

Starker Aufschlag,
Sturm ans Netz


Steuerung mit Playstation Move
Top Spin 4 lässt sich auf der PlayStation wahlweise auch mit Move steuern. Dabei haltet ihr den Move-Controller in der einen und das Gamepad in der anderen Hand. Da ihr das Gamepad nur mit einer Hand festhalten und somit die Aktionstasten nur schwer erreichen könnt, erfolgt die Eingabe der verschiedenen Schläge nun über die Schultertasten. Die Stärke des Schlags bestimmt ihr dagegen mit dem Move-Controller: Je kräftiger ihr schwingt, desto härter schlägt euer Charakter zu.

Uns machte die Move-Steuerung durchaus Spaß, auch wenn sie zwei Kritikpunkte aufweist: Zum einen müsst ihr den Controller wirklich so stark schwingen, dass es mit der Zeit zu Schmerzen im Arm führt. Zum anderen muss auch hier, wie bei der normalen Steuerung auch, die Eingabe schon vor dem eigentlichen Schlag beendet sein. Statt genau dann zu schwingen, wenn ihr den Ball treffen wollt, müsst ihr die Bewegung wider eure Intuition schon vorher abschließen.
Auch misslungene Schläge reichen gelegentlich aus, um dem Gegenüber die Punkte abzuringen. Meistens ist dem ein guter Aufschlag vorausgegangen: Platziert den Ball auch hier durch einfaches Antippen sicher, aber ohne allzu hohe Geschwindigkeit in der Aufschlagszone. Die Flugkurve des Balls richtet sich wie bei den Schlägen aus dem Feld nach der gedrückten Aktionstaste. So verpasst ihr der Filzkugel beispielsweise einen derartigen Drall, auch Effet genannt, dass sie plötzlich ihre Richtung ändert. Dieser Effekt lässt sich sogar noch verstärken. Führt dazu einen verstärkten Aufschlag aus: Bewegt den rechten Analog-Stick nach unten, um den Ball in die Höhe zu werfen. Hat der Ball seinen höchsten Punkt erreicht, also gerade im Begriff ist, wieder zu fallen, wählt ihr mit einer Bewegung des Sticks nach links, rechts oder oben die gewünschte Flugkurve aus. Vergesst dabei nicht, mit dem linken Analog-Stick die Aufschlagszone anzuvisieren, sonst schießt der Ball meterweit ins Aus.

Es werden viele Spielstunden vergehen, ehe euch sowohl Aufschläge als auch druckvolle Schläge flüssig von der Hand gehen. Sobald euch dies gelingt, könnt ihr die Schultertasten des Controllers mit einbeziehen und so euer Stellungsspiel beeinflussen: Ändert schnell euer Standbein („Inside-Out“), spielt einen Stoppball, der direkt hinter dem Netz aufkommt (oder aber an der Netzkante hängenbleibt). Oder haltet schon während des Aufschlags die Serve-and-Volley-Taste fest, um anschließend in Becker-Manier schneller nach vorne zu eilen. Hierbei handelt es sich um Feinheiten, die sich an fortgeschrittene Spieler richten. Einsteiger sollten die Schultertasten erst einmal ignorieren: Ihr werdet auch ohne diese Funktionen eure ersten Turniere gewinnen, zumal gerade Stoppbälle wirklich sehr gut geschlagen werden müssen. Ansonsten landet ein harmloses Bällchen irgendwo an der T-Linie (Feldmitte) und lädt euen Gegner zu einem Vollstreckungsschlag ein.




Einmal rund um die Welt
Tennis wird bekanntlich überall auf dem Globus gespielt. Im folgenden zeigen wir euch einige wichtige Schauplätze in Top Spin 4:  1 Das Trainings-Center in Teranga mag euch wenig beeindrucken, ist aber für die Entwicklung eures Charakters wichtig. 2 Schlagt auf dem Rasenplatz in Dublin lange Bälle von der Grundlinie. 3 Der Sandplatz in Casablanca erinnert wohl nicht ganz unabsichtlich an eine spanische Stierkampfarena. 4 High-Tech in Shanghai: Noch stehen die Projektionen im Mittelpunkt, gleich aber folgt das Finale auf dem schnellen Hallenboden. 5 Das Stadion in Banhinia wird von dicken Pfosten getragen. Auf dem Teppichbelag des Tenniscourts springt der Ball kaum weg. 6 Bei den ganzen schweißtreibenden Turnieren darf ein wenig Luxus nicht fehlen: Haltet doch mal eine Trainingseinheit unter einem der Protzdächer Dubais ab.
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18.03.2011
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