Starker Serien-Neustart

Tomb Raider Test

Steckbrief
LinuxMacOSPCPS3PS4360XOne
3D-Actionadventure
ab 18
18
Crystal Dynamics
Square Enix
05.03.2013
Link
Amazon (€): 9,99 (PC), 24,46 (PS3), 24,99 (360), 68,99 (PS3), 45,95 (360), 129,99 (360), 145,00 (PC), 350,00 (PC), 17,99 (PlayStation 4)
GMG (€): 117,90 (STEAM), 106,11 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 18,99 (STEAM), 17,09 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 8,99 (STEAM), 8,09 (Premium), 8,99 (STEAM), 8,09 (Premium), 29,99 (STEAM), 26,99 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 191,99 (STEAM), 172,79 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 19,99 (STEAM), 17,99 (Premium)
Testvideo
Vor mehr als vier Jahren erschien der letzte Teil der legendären Serie mit Lara Croft – und enttäuschte viele Fans. Mit dem neuesten Teil wagt sich Crystal Dynamics an einen Neustart, der eine realistischere, tiefgründigere Lara zeigen soll. Und der hemmungslos beim König der "Indiana Jones"-Actionspiele klaut, Uncharted 3.
Benjamin Braun 25. Februar 2013 - 16:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Gerade noch so entkommen wir vom Schiff, das an den Klippen einer pazifischen Insel zerschellt. Eine Metallstange hat sich bei einem Sturz in unsere linke Körperhälfte gebohrt. In klatschnassen Klamotten machen wir uns auf den Weg ins Zentrum der Insel, um die anderen Überlebenden des Schiffsunglücks wiederzufinden. Die Nacht bricht herein, es ist kalt. Es gelingt uns noch, ein kleines Lagerfeuer zu entzünden, dann weinen wir uns neben den wärmenden Flammen in den Schlaf. Kein Wunder nach allem, was wir innerhalb der letzten Stunden durchgemacht haben! Und doch ein Wunder: Denn sind wir nicht die unbesiegbare Lara Croft, die toughe Heldin aus zig Action-Spielen, die „weinen“ trotz ihrer elitären Bildung nicht mal buchstabieren kann?

Vorgeschichte einer LegendeDie Lara Croft im neuen Tomb Raider muss erst noch zur Superheldin werden – und wird im Remake sowieso realistischer (und weniger üppig) gezeigt als in den bisherigen Serienteilen. Lara ist Erbin und Tochter eines berühmten Wissenschaftlers. Ihr Vater hat sie mit seiner Leidenschaft für fremde Kulturen und Mythen angesteckt. Nun ist sie alt genug, um sich auf ihre erste eigene Forschungsreise zu begeben: Sie nimmt die Spur von Königin Himiko auf, die einst über das fernöstliche Reich Yamatai herrschte. Tomb Raider erzählt die Geschichte von Lara Croft von Grund auf neu, als hätte es die vorherigen neun Serienteile nicht gegeben. Zu Beginn ist sie bloß eine Archäologin aus reichem Elternhaus, die noch nie in ihrem Leben eine Waffe in der Hand hatte. Eine junge Frau, die Schicksalsschläge und Verletzungen nicht einfach so wegsteckt. Die auch mal Gefühle zeigen darf, aber an ihren Erfahrungen wächst. Kein leichtes Unterfangen im interaktiven Medium, bei dem fast immer das Gameplay weit vor der Charakterentwicklung kommt. Gemessen daran gelingt Crystal Dynamics der Plan sehr gut; beispielsweise dauert es relativ lange, bis Lara (außer in purer Notwehr) das erste Mal zur Waffe greift.

Am Anfang steht die Schiffsreise eines Forschungsteams, das im pazifischen Ozean südlich von Japan nach Yamatai sucht.  Lara schlägt eine andere Route vor, die mitten ins Teufelsmeer beziehungsweise Drachendreieck führt. So beunruhigend der Name auch klingen mag; noch können die Forscher nichts von den Gefahren ahnen, die sie dort erwarten. Nach der Havarie des Schiffs stellt Lara schnell fest, dass das „rettende“ Eiland im Pazifik tatsächlich so etwas wie das Bermuda-Dreieck ist. Denn ihr Schiff ist nicht das erste, das sich die Insel holt. Schiffe aus allen Epochen der Menschheit rotten an den Küsten vor sich hin. Und wann immer jemand versucht, die Insel zu verlassen, stoppen rätselhafte Wetterphänomene die Flucht im Nu. Was mag diese Kräfte kontrollieren? Lara hat zu Beginn aber noch ganz andere Sorgen: Sie ist verletzt und will ihre Freunde wiederfinden.

Als wenn das nicht schon schwierig genug wäre, macht Lara schon bald Bekanntschaft mit ein paar ziemlich üblen Haudegen, die blindlings einem gewissen Vater Mathias folgen. Der hat seinen Gefolgsleuten offenbar das Blaue vom Himmel versprochen – für ihn zu morden, fällt ihnen nicht schwer. Was führt Vater Mathias im Schilde? Welche Rolle spielen die Eingeborenen auf der Insel? Und hatte eine Nazi-Expedition während des Zweiten Weltkriegs vielleicht doch die Antwort darauf gefunden, wie man unbeschadet von der Insel entkommt? Tomb Raider beginnt also realistisch, bekommt durch den Hintergrund mit Himiko und den sonderbaren Riten der Ureinwohner aber einen zunehmenden mythischen Touch. Ganz so, wie das auch in den vorherigen Serienteilen war – und auch in einer anderen Spieleserie, die in so mancher Hinsicht Pate stand.

Lara gibt den NathanCrystal Dynamics hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Uncharted-Serie eine der größten Inspirationsquellen für ihr Reboot war. Und egal, wohin wir schauen, es wimmelt nur so vor Anleihen aus den Abenteuern von Nathan Drake. Wenn Lara an einem Flugzeugwrack herumklettert, dann ahnen wir schon vorher, dass das nicht reibungslos verlaufen wird. Teils spektakuläre geskriptete Ereignisse kommen ständig vor: Da stürzen ganze Gebäude unter uns ein, ein Blitzschlag sprengt nur wenige Meter neben uns einen großen Felsen aus dem Berg. Die obligatorische Hängebrücke, die just bei unserem Nahen Ermüdungserscheinungen zeigt, darf natürlich nicht fehlen. Auch gibt es regelmäßig Fluchtsequenzen, bei denen wir mit Lara aus einem explodierenden Gebäude oder aus einem überschwemmten Schiff entkommen müssen. Dabei geht die Drake’sche Inspiration so weit, dass wir auch hier die Flucht im wahrsten Sinne des Wortes nach vorne antreten. Also auf die Kamera zu, ganz ähnlich wie Nathan Drakes Flucht aus einem sinkenden Schiff in Uncharted 3 - Drake's Deception (GG-Test: 9.5).

Diese Actionsequenzen sind oftmals noch gigantomanischer als im Vorbild. Als Lara der Flammenhölle eines Tempels entkommen muss, rennt und springt sie über Dächer und rutscht an einem Seil rüber zum Nebengebäude. Alle paar Meter explodiert irgendwas, Wachen werden unter Schutt begraben oder von der Druckwelle eines detonierenden Kanisters über die Brüstung geschleudert. Untermalt von treibender Musik steht Tomb Raider dem Vorbild in nichts nach, vergisst ab und zu aber, dass solche Over-the-Top-Momente auch wohl dosiert sein müssen, um sich nicht abzunutzen, was bei uns in der zweiten Spielhälfte geschah. Doch auch sonst zeigt Tomb Raider eine höch
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st dynamische Kameraführung, die mal ganz dicht an Lara dran ist oder die uns durch Kameraschwenks beim Klettern noch mehr die Gefahr vermittelt. Wie bei Uncharted gehen Zwischensequenzen fließend wieder in Spielgrafik über. So gibt es quasi nichts, was uns ohne unser Zutun aus dem Geschehen herausreißt.

Getreu der Tradition?Die Rätsel-Elemente früherer Teile und die "wie entkomme ich aus diesem Raum"-Momente gibt es im neuen Tomb Raider weiterhin. Sie fallen nur nicht mehr so komplex aus oder sind stärker in den optionalen Bereich verschoben worden. Wo es früher schon mal passieren konnte, dass wir auf einem langen Kletterpfad stürzen und den ganzen Weg nochmals machen mussten, bleiben solche Momente im neuen Tomb Raider die Ausnahme. Ob man das teils sehr lange Klettern und Hangeln auf der Suche nach dem richtigen Weg nun vermisst oder nicht: Man kann anerkennen, dass es dem neuen Tomb Raider um den Spielfluss geht. Erhalten geblieben sind auch die Sammelaufgaben, denn unzählige Reliquien, Dokumente und Kisten warten auf ihre Entdeckung. Verrat an der Serientradition? Sicher nicht, aber es ist eben auch nicht einfach "Tomb Raider 1 in schön".
Lara Drake trifft Nathan Croft
Crystal Dynamics hat sich mehr als deutlich von Naughty Dogs Uncharted-Serie inspirieren lassen. In diesem Kasten möchten wir ein paar Beispiele für die Parallelen geben. 1 In dieser Sequenz gelingt es Lara gerade noch so, den Fallschirm rechtzeitig zu öffnen, um dann in einer rasanten Sequenz den Tannen auszuweichen. 2 Erwarte das Unerwartete: Lara ist im Begriff zu fliehen als sich ein Verfolger an ihr festklammert, den sie im Rahmen eines Mini-QTEs abschütteln muss. 3 Geflüchtet wird in Tomb Raider oft. Ähnlich wie in Uncharted steuert ihr Lara dabei manchmal direkt auf euch zu. 4 Vorschnell vorgerückt? Dann kann es passieren, dass Lara in eine Schlinge tritt und es plötzlich kopfüber mit den Feinden aufnehmen muss. 5 Die Klettereinlagen zeigen oft spektakuläre Perspektiven, die an den Gigantismus in Uncharted erinnern. 6 Hätte Lara doch besser ihr knallrotes Gummiboot mitgenommen. So muss sie ohne Schutz den Hindernissen in diesem reißen Fluss ausweichen.
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