Actionkracher mit Mechs

Titanfall Test

Flotte Gefechte mit Infanteristen und knallharte Action mit schwer gepanzerten Mechs: Schon die Beta-Version hat bewiesen, dass Respawn Entertainment ihr Fach versteht. Wir haben der finalen Version auf den Zahn gefühlt und verraten euch unter anderem, was euch in der Multiplayer-Kampagne und den weiteren Spielmodi erwartet.
Christoph Vent 10. März 2014 - 18:03 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Wenn die ehemaligen Chefs einer der erfolgreichsten Spielemarken ein neues Studio gründen, sind die Hoffnungen groß. So geschehen bei Respawn Entertainment: Im Jahr 2010 verließen Vince Zampella und Jason West sowie mehrere ihrer früheren Mitarbeiter Infinity Ward (Call of Duty, Modern Warfare) beziehungsweise Eigner Activision und wagten einen Neuanfang.

Titanfall, so der Name ihres exklusiv für PC und Microsoft-Konsolen erscheinenden Erstlingswerks, konzentriert sich voll und ganz auf eine der größten Stärken des Teams: Multiplayer-Gefechte – auf eine Solokampagne wird komplett verzichtet. Doch auch, wenn selbst das Spielprinzip auf den ersten Blick an Call of Duty erinnern mag, hat Titanfall ein paar Besonderheiten zu bieten. So spielt ihr etwa nicht nur als einfacher Soldat, sondern auch in an Mechs erinnernden Titanen.

Wir konnten Titanfall in London zwei Tage lang ausführlich spielen, alle Spielmodi inklusive der Multiplayer-Kampagne testen und uns auf den vielfältigen Karten austoben. Dabei levelten wir unser Alter Ego bis Level 30 (von 50). Wir konnten beliebig eigene Videos aufnehmen, aus denen wir wiederum die Screenshots dieses Artikels generiert haben. Wir spielten auf der Xbox One.

Trotz alleinigem Fokus auf den Mehrspieler-Part haben es sich die Entwickler nicht nehmen lassen, Titanfall eine simple Hintergrundgeschichte zu verpassen: Mit der Entdeckung des „Grenzlands“ in ferner Zukunft beginnt die Menschheit, allen voran die Interstellar Manufacturing Corporation (IMC), fremde Planeten zu erkunden und zu besiedeln. Zwar möchte die IMC die Kontrolle über die Kolonien halten, doch bilden sich immer mehr selbstständige Gemeinschaften. Die unabhängigen Bewohner der Planeten tun sich zusammen und gründen die Militia – es kommt zum Krieg.

Artistische Piloten
Die meisten Waffen sowie die zugehörigen Aufsätze müssen zunächst freigeschaltet werden.
In Titanfall schlüpft ihr entweder für die IMC oder die Miliz in die Rolle eines Piloten– so werden Infanteristen genannt, die Titanen steuern können. Doch bevor ihr euch hinter die Armaturen eines der Mechs klemmt, müsst ihr euch zunächst mit den Besonderheiten der Fußsoldaten auseinandersetzen. Dank sogenannter Jump Kits beherrscht ihr eine Art Doppelsprung, der euch größere Distanzen überwinden lässt. Aber auch in der Vertikalen bietet das Jetpack Vorteile: Warum die Treppe nehmen, wenn ihr durch das Fenster direkt in die erste Etage hüpfen könnt?

Als Pilot verfügt ihr über eine weitere wichtige Eigenschaft, den Wallrun: Springt ihr aus spitzem Winkel eine Wand an, könnt ihr diese wie Faith in Mirror’s Edge mehrere Meter entlang laufen. Kombiniert ihr sowohl Wallrun als auch Doppelsprung, sind selbst die verrücktesten Kunstsprünge möglich. So gelangen wir zu Beginn einer Partie innerhalb weniger Sprünge auf das Dach eines doppelstöckigen Hauses, überqueren mit einem Doppelsprung die Straße und befinden uns sofort in aussichtsreicher Position, um heranstürmende Gegner abzufangen.

Harter Einstieg
Das Tutorial, in dem ihr etwa das Laufen an der Wand lernt, empfehlen wir jedem Einsteiger.
Von der ersten Sekunde an baut Titanfall ein hohes Spieltempo auf. An ein Unreal Tournament oder gar ein Quake kommt die Geschwindigkeit nicht heran, flotter als in Call of Duty geht es aufgrund von Wallrun und Doppelsprung dennoch zu. Gerade Einsteigern – das war bereits in der Beta zu beobachten – fehlt es aber in den ersten Runden an der nötigen Übersicht. Da hilft auch das sehr gute, rund 20minütige Tutorial nur bedingt. Zwar erlernt ihr darin sowohl die grundsätzliche Spielmechanik als auch den Umgang mit Waffen und Sonderfähigkeiten, doch wird die Kombination aus allem die meisten Spieler am Anfang überfordern.

Es lohnt sich aber, die ersten Runden durchzustehen: Die flotten Gefechte in Titanfall gehören zu den derzeit dynamischsten im Multiplayer-Shooter-Genre. Trotz maximal zwölf Spielern (je Seite sechs) werdet ihr kaum Zeit zum Luftholen haben. Ihren Ursprung merkt man den Entwicklern von Respawn gerade in Sachen Bewegung und Waffengefühl an: Wer einen der letzten Ableger von Call of Duty gespielt hat, wird sich – abgesehen von den neuen Bewegungsmöglichkeiten – schnell zu Hause fühlen. Die Steuerung ist gewohnt direkt und ermöglicht schon nach kurzer Zeit erste Erfolgserlebnisse.

Motivierendes Levelsystem
Ihren CoD-Wurzeln treu bleiben die Entwickler auch beim Levelsystem und der Personalisierung der Piloten: Mit der Zeit schaltet ihr immer weitere Waffen frei, das obligatorische Scharfschützengewehr gibt es etwa erst nach rund zwei Stunden Spielzeit. Aufsätze wie ein Visier mit Zoom oder ein geräuschreduzierender Lauf müssen für jede Waffe separat erspielt werden. Hinzu kommen Pistolen und schweres Gerät für den Einsatz gegen die Titanen. Insgesamt verteilen
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sich die Schießprügel auf zehn primäre, drei Zweit- sowie vier Anti-Titanen-Waffen. Etwas mehr Mut hätte es aber sein dürfen. Zwar sind alle wichtigen Standardwaffen abgedeckt, doch angesichts des futuristischen Szenarios hätten wir zumindest ein Lasergewehr erwartet.

Weitere Personalisierungsoptionen findet ihr in den Sondereigenschaften. Der "Umhang" etwa macht euch für kurze Zeit fast unsichtbar. Vor allem Titanen können euch dann nur noch wahrnehmen, wenn ihr in den Angriff übergeht. Alternativ setzt ihr auf den "Stim", durch den ihr schneller lauft und eure Gesundheit flotter regeneriert. In zwei weiteren Kategorien schenkt ihr eurem Kämpfer längere Wallruns, eine Zusatzgranate oder schnelleres Nachladen. Oder ihr pflanzt eurem Titanen einen Chip ein, mit dem er im Automatikmodus besser zielt (das mit dem "Einpflanzen" ist nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, es ist eine Spezialeigenschaft eures Piloten). Durch die vielen Zusatzoptionen passt ihr euren Soldaten mit fortschreitender Spielzeit immer mehr an eure eigenen Bedürfnisse an. Wer gerne experimentiert, speichert sich zudem bis zu fünf Konfigurationen im Schnellzugriff.
 
Als Pilot einem Titanen im offenen Kampf entgegen zu treten, ist keine gute Wahl.

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