Test: Neues Ende, neue Quests

The Witcher 2 - Enhanced Edition Test

Mit einem Jahr Verspätung, dafür mit mehr Inhalten und angepasster Steuerung, schafft es Geralt von Riva auf die Xbox 360. Ein Fest für Konsolen-Rollenspieler? Oder doch nur eine lieblose Portierung? Wir haben uns mit dem Controller bewaffnet, uns erneut durch das düstere Fantasyspiel gekämpft und können die Frage klar beantworten.
Tim Gross 13. April 2012 - 9:32 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

The Witcher 2: Assassins of Kings (GG-Test: 8.5) war eines der besten Rollenspiele 2011 – und eines der wenigen wirklich "erwachsenen" Rollenspiele der letzten Jahre. Dazu führten die ernste Geschichte in einer düsteren, realistischen Fantasywelt. Dazu führte ein kantiger Protagonist, mit dem sich viele Spieler identifizieren konnten. Ein umfangreiches Kampf- sowie ein ausgetüfteltes Crafting-System. Und natürlich jede Menge Sex. Schade für Konsoleros: Sie bekamen nicht die Möglichkeit, Geralt von Riva näher kennenzulernen. Zwar sollte bereits der erste Teil portiert werden, doch das Projekt wurde gestoppt. Bei Teil 2 wurde ebenfalls eine Konsolenfassung versprochen, und dieses Mal hat CD Projekt das Versprechen gehalten: Ab 17. April können Xbox-360-Besitzer ebenfalls The Witcher 2 spielen.

Für alle Eigentümer der Microsoft-Konsole hören die guten Neuigkeiten aber noch nicht auf. Denn anstelle des ursprünglich veröffentlichten Spiels bekommen sie die sogenannte The Witcher 2 - Enhanced Edition spendiert. Die enthält nicht nur alle bereits erschienenen DLCs, sondern liefert mehrere Rollenspielstunden extra in Form weiterer Inhalte, komplett mit neuen Charakteren und zwei weiteren Schauplätzen. Obendrauf gibt es ein neues Intro und auch eine neue Endsequenz; das Original-Ende kam bei vielen Spielern bekanntlich nicht so gut an. Eine Parallele zur aktuellen Mass Effect 3-Diskussion? Wir finden nicht, aber entscheidet selbst.

Bevor nun aber die Käufer der PC-Version entrüstet "Unfair!" schreien: Zwar sind die neuen Inhalte mit Sicherheit entwickelt worden, um die Xbox-Fassung als neu erscheinen zu lassen, statt als eine um knapp ein Jahr verspätete Umsetzung. Aber sie werden den PC-Versionsbesitzern samt und sonders als (großer) Download kostenlos zur Verfügung gestellt; der Preload hat bereits begonnen. Der nun vorliegende Test behandelt die Xbox-Version von The Witcher 2 und geht auf die neuen Inhalte sowie die Umsetzung von Steuerung und Grafik ein. Detaillierte Informationen zur Geschichte des düsteren Rollenspiels oder dem Charakter- und Skillsystem erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test zur PC-Version, der weiterhin – leider auch, was einige Kritikpunkte anbelangt – Gültigkeit hat.
 
Das Wichtigste in Kürze
In The Witcher taucht ihr in eine detaillierte Fantasywelt ein, die eine erwachsene Geschichte bereithält. (Xbox 360)
Wer das Hauptspiel bereits kennt und nur wissen möchte, wie sich der Hexer auf der Konsole schlägt, der darf diesen Absatz getrost überspringen. Für alle alle anderen ein kurzer Überblick, worum es in The Witcher 2: Assassins of Kings überhaupt geht: Ihr seid Geralt von Riva; Hexer, Monsterjäger, Problemlöser. Und ihr habt ein Problem, denn ihr werdet des Mordes an Foltest, dem König von Temerien, beschuldigt. Geralt hat mit dem Mord nicht das Geringste zu tun, wollte den feigen Anschlag gar verhindern. Doch er war zur falschen Zeit am falschen Ort und so gut wie jeder ist von der Schuld des Hexers überzeugt. Also müsst ihr der Welt und vor allem Foltests Abgesandten Veron Roche beweisen, dass ihr unschuldig seid. Eine Aufgabe, die um einiges leichter wäre, würdet ihr zu Beginn des Spiels nicht im Kerker sitzen. Im gelungenen Prolog gelingt euch mit ein wenig Hilfe die Flucht aus dem Gefängnis und Geralt nutzt die neu gewonnene Freiheit, um den wahren Königsmörder zu finden.
 
Auf eurer Suche entfaltet sich eine epische, erwachsene Geschichte voller Twists und Weggabelungen. Außerdem deckt ihr nach und nach Details eurer geheimnisvollen Vergangenheit auf, bei denen der unerfüllbare Drang des Hexers nach Neutralität stets eine wichtige Rolle spielt. Während des Spielverlaufs redet ihr mit unzähligen authentischen Charakteren – und trefft Entscheidungen jenseits von "gut" und "böse", die sich extrem auf den weiteren Verlauf des Spiels auswirken. Aber auch das Kämpfen gegen Soldaten und fiese Monster, das Brauen von Tränken oder das Aufspüren neuer Items kommt nicht zu kurz. Und wer sich nur etwas Mühe gibt, darf sich auch mal zu einer Dame ins Bett kuscheln.

Komfortabel von der Couch aus
Weiterhin schwierig: Fokuswechsel zwischen mehreren Gegnern. Ist nur noch einer übrig, macht das nichts aus...
The Witcher 2 ist ein komplexes Rollenspiel. Solche lassen sich bekanntlich am besten auf dem PC steuern, der Maus sei Dank. Trotzdem hat CD Projekt ganze Arbeit geleistet und die Steuerung fast perfekt auf den Xbox-Controller umgesetzt. Dass sich Geralt so gut durch die Welt manövrieren lässt, liegt unter anderem an der überarbeiteten Kamera. Anders als auf dem PC folgt sie den Bewegungen des Spielers sanft. Ihr müsst also nicht ständig den rechten Analogstick benutzen, um die Kamera anzupassen, sondern könnt die meiste Zeit ohne Nachjustieren durch die hübsche Witcher-Welt rennen. Wer möchte, kann die Kamera natürlich trotzdem drehen, wie er möchte. 
 
Aber auch abseits aller Kameraeinstellungen geht die Steuerung sehr gut von der Hand, gerade in den Kämpfen. Hier könnt ihr mit dem linken Trigger einen Gegner fixieren, ähnlich wie Link in den Zelda-Spielen. Dann bleibt euer Widersacher stets im Fokus und Geralt nimmt zumeist automatisch eine sinnvolle Stellung ein. So gelingt es leicht, Angriffe des Gegenübers zu blocken oder ihnen auszuweichen und euch im Anschluss per Rolle in dessen Rücken zu platzieren. Nur der Fokuswechsel zu einem anderen Gegner in Gruppenkämpfen gestaltet sich mitunter schwierig, da man den gewollten Gegn
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er nicht immer auf Anhieb anvisiert bekommt. Doch das ist Kritik auf hohem Niveau, denn die Kämpfe steuern sich alles in allem sehr komfortabel. Auch das Auswählen der Hexer-Zeichen (lies: Zauber) klappt mit Gamepad ohne Probleme. Haltet ihr den linken Bumper gedrückt, wird das Spielgeschehen stark verlangsamt und ihr könnt über ein Kreismenü aus euren Zeichen wählen; eingesetzt werden die Zauber dann mit "Y". Auf die gleiche Weise (aber mit dem rechten Bumper) wählt ihr zusätzliche Waffen wie Fallen, Bomben oder Wurfmesser aus. 
 
Die Menüs lassen sich etwas umständlicher, aber doch noch gut bedienen, hier müsst ihr zusätzlich zum Analog-Stick beziehungsweise zum D-Pad die Schultertasten einsetzen. Gestört hat uns eigentlich nur, dass wir es nicht immer beim ersten Versuch geschafft haben, ein gewünschtes Objekt anzuvisieren, etwa beim Gegnerplündern. Steuerungs-Fazit: Auch wenn sich Geralt mit Maus und Tastatur doch ein wenig komfortabler durch Welt und Kämpfe bewegen lässt, ist die Gamepad-Steuerung gelungen. Auf der nächsten Seite kommen wir zu den größten Neuerungen in der Enhanced Edition von Witcher 2.
Die Kämpfe gehen auch mit dem Controller gut von der Hand, vor allem aufgrund der verbesserten Kameraführung. (360)

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