Test: Square Enix' PC-Revival

The Last Remnant Test

Ein japanisches Rollenspiel? Auf dem PC? Ganz recht – Square-Enix hat zum ersten Mal seit Final Fantasy 8 vor neun Jahren wieder ein Spiel auf den PC gebracht. Die Portierung des Xbox-360-Titels The Last Remnant ist nicht nur vorbildlich gelungen, die PC-Version des epischen Abenteuers übertrifft sogar das Konsolen-Original!
Armin Luley 8. Mai 2009 - 8:56 — vor 11 Jahren aktualisiert
PC 360
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Um in Square-Enix’ The Last Remnant die Welt zu retten, braucht ihr vor allem zwei Dinge: viel Zeit und eine schlagkräftige Armee -- denn anders als in der verwandten Serie Final Fantasy schlagt ihr Schlachten, nicht nur Scharmützel. Nun müsst ihr aber nicht sofort die Welt vor irgendwelchen Fieslingen schützen, sondern sucht in der Rolle des Helden Rush Sykes vorerst nur dessen Schwester Irina. Die wurde von mysteriösen Gestalten entführt, so wie es eben in Rollenspielen mit erschreckender Häufigkeit geschieht. Gleich zu Beginn begegnet ihr David Nassau, den gutmütigen Herrscher von Athlum, der sich euch auf der Suche nach Eurer Schwester anschließt – mitsamt seinen vier Generälen. Das klingt noch reichlich unspektakulär, wird aber im weiteren Spielverlauf richtig spannend.

Habt ihr die leicht zähe Einleitung erstmal hinter euch gebracht, entfaltet sich eine mitreißende Geschichte voll interessanter Charaktere, etwa dem wunderbar fiesen Magier Wagram oder dem mysteriösen „Eroberer“. Dabei bleibt das Spiel weitgehend klischeearm, ihr werdet Zeuge politischer Intrigen und unerwarteter Wendungen. Warum aber ausgerechnet der unreife Hauptcharakter Rush am wenigsten sympathisch ausfallen musste, er wirkt zuweilen sehr unreif, bleibt ein Rätsel.

Rushs Schwester Irina wurde entführt. Warum und von wem, das müsst ihr herausfinden!

Innovativ in den Kampf

Kernstück von The Last Remnant ist das Kampfsystem, das auf den ersten Blick verwirrt. Dank des behutsamen Tutorials bleibt die Lernkurve aber angenehm flach, auch wenn einige Zusammenhänge nicht erklärt werden. Die große Besonderheit von The Last Remnant: Ihr führt nicht nur drei oder vier Helden aufs Schlachtfeld, wie bei Final Fantasy, sondern gleich eine kleine Armee. Diese teilt sich in bis zu fünf Truppenverbänden mit jeweils maximal fünf Soldaten oder Generälen auf. Vorteil gegenüber der Konsolenversion: Der General und Anführer einer Truppe wird euch nicht vorgeschrieben, ihr könnt eure Einheiten also frei wählen und eure Truppen etwa nur mit Generälen füllen. Jedem Truppenverband könnt ihr eine Formation zuweisen, die im Kampf Vor- und Nachteile bringt. Die anfänglichen Scharmützel bestreitet ihr mit nur zwei Gruppen, was zuweilen recht öde und anspruchslos sein kann. Erst nach mehreren Stunden Spielzeit und mit der Freischaltung weiterer Gruppen entfalten die Schlachten ihr taktisches Potential, gehören dann aber auch zu den unterhaltsamsten des gesamten J-RPG-Genres.

Das komplexe Kampfsystem ermöglicht im späteren Spielverlauf viele taktische Manöver.

Zufallsbegegnungen gibt es in The Last Remnant nicht, es ist also euch überlassen, ob ihr ein Monster bekämpft, es umgeht oder gar gegen mehrere Kreaturen gleichzeitig vorgeht. In den rundenbasierten Gefechten gebt ihr zunächst jeder Gruppe einen Befehl, etwa mit Kampfkünsten anzugreifen, zu Heilen oder die Position zu halten – Die Spezialattacken einzelner Charaktere könnt ihr leider nicht selbst bestimmen, sie werden von der KI je nach Befehl angepasst. Habt ihr alle Befehle erteilt, beginnt die Kampfrunde. Bei manchen Angriffen müsst ihr mit dem richtigen Timing eine bestimmte Taste drücken, was positive Auswirkungen auf den Angriff der nächsten Einheit hat. Auf Wunsch lassen sich diese Quick-Time Events aber auch deaktivieren, dann bestimmt der Zufall über das Ergebnis. Löblich: Square Enix hat in der PC-Version die Option eingebaut, Kampfanimationen in doppelter Geschwindigkeit ablaufen zu lassen, was die Gefechte deutlich beschleunigt – das ist vor allem im Kampf gegen schwächere Monster sehr angenehm. Denn gerade in größeren Gebieten mit hoher Monsterdichte werden die Gefechte eintönig.

Wir geben es zu: Die Bombast-Zwischensequenzen von The Last Remnant tragen zu unserem Spielspaß bei!


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