Humorvolles Zeichen-Adventure

The Inner World Test

Benjamin Braun 8. Juli 2013 - 19:18 — vor 6 Jahren aktualisiert
Ganz so "voll" ist Roberts Inventar zwar selten, aber die leichten bis mittelschweren Rätsel sind alles andere als "casual". Für Genre-Einsteiger gibt es eine komfortable Hinweisfunktion, die Schritt für Schritt an die jeweilige Lösung heranführt.
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Klein, aber ohoThe Inner World führt euch neben Conroys Stadt und dem bereits erwähnten Wurzelwald auch noch zu einem alten Tempel und in das Schloss Conroys. Diese vier Schauplätze bestehen aus maximal sieben, teilweise nach oben oder unten scrollenden, Bildschirmen. Diverse Nahansichten etwa in Dialogen klammern wir an dieser Stelle einmal aus. Nicht gerade viel für ein Adventure! Über mangelnde Beschäftigung müsst ihr euch dennoch nicht beklagen, denn überall harren kleinere und mittelgroße Rätsel der Lösung. Dabei gilt es auch schon mal Code-Rätsel zu knacken, wenn ihr zum Beispiel durch einen geheimen Mechanismus eines Bühnenbildes eine Klappe öffnen müsst. Wie üblich habt ihr es auch in The Inner World aber vorwiegend mit Inventar- und Kombinationsrätseln zu tun. Eine gewisse Komplexität ist auch durch die Anzahl der Inventarobjekte gegeben, von denen ihr aber nur selten mehr als eine Handvoll zugleich habt.

Richtig gut hat uns gefallen, wie die Aufgaben logisch ineinandergreifen, wodurch die genretypisch hohe Linearität nie zum Störfaktor wird. Besonders gut gelingt das, weil einige Aktionen auch "unvollständig" möglich sind. Logisch erscheinende Aktionen können von Robert und der zeitweise ebenfalls steuerbaren Laura also öfters schon ausgeführt werden, obwohl noch irgendetwas fehlt. Anstelle eines minderhilfreichen Kommentars oder dem einfachen Ablehnen der Aktion, wie es manch anderes Adventures tut, veranschaulicht euch das Spiel auf meist sehr gekonnte Art, was noch fehlt, um das Vorhaben erfolgreich umsetzen zu können. Genreeinsteiger müssen deshalb keine Angst vor frustrierenden Hängern haben, zumal es kaum echte Kopfnüsse gibt. Notfalls hilft ohnehin die spielinterne Hinweisfunktion. Dort findet ihr übersichtlich die einzelnen Ziele aufgelistet und könnt euch per Mausklick zunehmend konkretere Hinweise auf die korrekte Vorgehensweise holen. Damit sorgt The Inner World auch dafür, dass sich Genreerfahrene nicht ganz so schwer damit tun, im Falle eines Hängers oder nach einer längeren Spielpause auch mal einen Blick in die Hinweise zu wagen. Wie die alten Invisiclues Marke Infocom werdet ihr zunächst nur sachte in die richtige Richtung gestoßen – der Rätselspaß bleibt erhalten.
Fast jede größere Aktion im Spiel wird in Form von Zwischensequenzen visualisiert, die deutlich näher am Geschehen dran sind und den auf den ersten Blick groben Charakteren eine facettenreiche Animationsvielfalt geben.

Schöner Comic-StilÄhnlich wie die meisten Daedalic-Adventures ist das Konkurrenzprodukt The Inner World ein 2D-Adventure in Zeichentrickgrafik. Die Hintergründe und Spielfiguren selbst wirken auf unseren Screenshots etwas grob, in Bewegung aber ist das anders. Es gibt nur sehr wenige Aktionen, die nicht vollständig und liebevoll visualisiert sind, in unzähligen Fällen kommen sogar kürzere oder mittellange Zwischensequenzen zum Einsatz. Die sind richtig schön gemacht und bringen durch den Zoom auf die Charaktere Abwechslung zur typischen Beobachter-Perspektive, wie sie in den meisten 2- oder 2,5D-Adventures zum Einsatz kommt.

Schade ist dabei eigentlich nur, dass ein paar dieser Comicsequenzen akustisch abfallen. Während etwa in einer normalen Spielszene im Wurzelwald diverse Hintergrundgeräusche zu hören sind, herrscht in einer der kürzeren Cutscenes Totenstille – von ein paar Soundeffekten und der Sprachausgabe mal abgesehen. Ist der Einspieler vorbei, sind die Hintergrundgeräusche wieder da. Das ist allerdings nur seltener der Fall und tritt vor allem auch nur in den kürzeren Animationssequenzen auf.

Etwas mehr Perfektion wäre ob des nicht gerade gigantischen Spielumfangs von etwa sechs bis sieben Stunden aber sicherlich drin gewesen. Alles in allem gebührt der Tonabteilung aber weit mehr Lob als Tadel. Auch für die schöne Musik, vor allem aber für die vielen passenden Soundeffekte und die fast ausnahmslos exzellente Vertonung. Wenn wir die Qualität von The Inner World in diesem Bereich mit der Lokalisation so manches AAA-Spiels von großen Publishern vergleichen, hat Headup Games allen Grund, stolz auf sich zu sein – oder die großen Anbieter eher einen, sich zu schämen. Da zeigt selbst ein Moritz Brendel (Alan Wake, Norman Jayden in Heavy Rain), dass er es auch ordentlich kann. Verstanden haben wir nur nicht ganz, weshalb die Ausgangsauflösung nur 1600 x 900 Bildpunkte beträgt. Dass das Spiel damit letztlich nur auf Full-HD hochskaliert wird, sehen wir The Inner World allerdings nicht an.

Drag & Drop trifft Point and Click
Alternativen
Freunde humorvoller Comic-Adventures kommen um Daedalics Abenteuer wie Harveys neue Augen (GG-Test: 9.0), Deponia (GG-Test: 9.0) oder Chaos auf Deponia (GG-Test: 9.0) nicht herum. Ihr wollt Comic-Look, aber ohne Kinderbuch-Stil? Dann kommt eventuell Jack Keane und das Auge des Schicksals (GG-Test: 7.5) für euch in Frage. Wer weniger Humor und mehr Spannung möchte, könnte in Memento Mori 2 (GG-Test: 8.0) fündig werden oder auch in Pendulos bislang letztem Werk, Der Fall John Yesterday (GG-Test: 7.0).
Bei unserem Preview-Ausflug nach Asposien hatten wir noch hier und dort mit dem schwammigen Mauszeiger zu kämpfen. Diese Probleme hat Studio Fizbin zum Glück noch rechtzeitig in den Griff bekommen. Egal ob Inventar-Bedienung, Dialogauswahl oder Interaktionen mit der Umgebung: Alles funktioniert weitestgehend tadellos. Unsere Hoffnung, dass die Kombination aus Point-and-Click und Drag and Drop für die PC-Version doch noch hin zum Genrestandard verändert wird, hat sich allerdings nicht erfüllt. Da die Steuerungsprobleme der Vorschauversion Geschichte sind, nehmen wir das nicht so krumm. Bei einem Problem ist es aber geblieben: Wenn Inventarobjekte aus dem Inventar gezogen werden, ist der Hotspot in der Umgebung nicht immer optimal anzusteuern. Ob das in der iOS-Fassung, für die die Touch-affine Steuerung ja offenkundig überhaupt entwickelt wurde, ebenfalls gilt, konnten wir noch nicht herausfinden. Zumindest optisch nahmen sich die beiden Versionen bereits bei einer Präsentation vor einigen Wochen nichts.

Autor: Benjamin Braun (GamerGlobal)

Benjamin Braun
Mir war auch vorher schon klar, dass Daedalic nicht als einziger Entwickler das Recht gepachtet hat, tolle Adventures zu machen. Aber mit dem schwäbischen Indie-Entwickler Studio Fizbin könnte den Hamburgern womöglich tatsächlich ernsthafte Konkurrenz in Haus stehen. The Inner World ist sicher nicht das längste Adventure, das ich je gespielt habe, aber ganz sicher eines der unterhaltsamsten. Die Dialoge sprühen nur so vor angenehm dezentem Witz, die Rätsel sind ebenso clever wie logisch aufgebaut. Und die Grafik ist mit ihren unzähligen liebevollen Animationen und ihrem schnörkellosen Stil ein echter Hingucker.

Es gibt eigentlich keinen Grund, weshalb ich Adventure-Freunden dieses Spiel nicht empfehlen könnte – außer vielleicht der Spielzeit. Ich gehöre nun wirklich nicht zu den Leuten, die durch Adventures hindurchrasen, aber The Inner World hat mich trotzdem nur rund sechs Stunden lang unterhalten. Allerdings hat es mich sehr gut unterhalten – und für mich ist das die Hauptsache! Also, Studio Fizbin: Von euch würde ich in Zukunft nur zu gerne weitere Adventures sehen. Vielen Dank für dieses kurzweilige Abenteuer!

 The Inner World
Einstieg/Bedienung
  • Gute Kombination aus Point-and-Click und Drag-and-Drop
  • Komfortable Autosave-Funktion
  • Allgemein hoher Spielkomfort
  • Kein reines Point-and-Click auch auf PC
  • Kein freies Speichern
Spieltiefe/Balance
  • Unterhaltsame Story
  • Schön designte Rätsel
  • Überwiegend großartige, humorvolle Dialoge
  • Sehr gute Hinweisfunktion ohne Vorbeten der Lösung
  • Relativ kurz (circa 6 Stunden)
Grafik/Technik
  • Liebevoll animierte Spielwelt
  • Unzählige schön animierte Zwischensequenzen
 
Sound/Sprache
  • Sehr gute Sprecher
  • Schöne Musik
  • Zwischensequenzen teils mit fehlendem Sound
Multiplayer
Nicht vorhanden  
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Amazon.de Aktuelle Preise (€): 36,80 (PC/Mac)
Green Man Gaming Aktuelle Preise (€): 4,99 (PLAYFIRE), 4,49 (Premium), 13,99 (STEAM), 12,59 (Premium), 24,99 (STEAM), 22,49 (Premium)
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Studio Fizbin
Headup Games
18.07.2013
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Benjamin Braun 8. Juli 2013 - 19:18 — vor 6 Jahren aktualisiert
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