Test: Shooter-Hit für die Wii

The Conduit Test

Unglaublich, aber wahr: Für Nintendo Wii gibt es tatsächlich ein waschechtes, forderndes, mit Schusswechseln nicht geizendes Actionspiel: Bei The Conduit findet die WiiRemote zu einer Rolle zurück, die sie nach 1.000 Casual Games bereits vergessen hatte: als "Lasergun" mit realitätsnahem Zielvorgang.
Jörg Langer 12. Juli 2009 - 1:07 — vor 9 Jahren aktualisiert
Wii
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Gibt’s nicht ist ab sofort Gab’s nicht: Nach einem einzigen tollen (Metroid Prime 3 Corruption) und ansonsten einigen mittelprächtigen (Call of Duty: World at War) bis schwachen (Red Steel) Baller-Versuchen hat die Wii endlich wieder einen 3D-Shooter erhalten, der seinen Namen verdient und selbst PC-Fans von WASD und Maus weglocken könnte: The Conduit von High Voltage holt beinahe das Letzte aus der schwächlichen Wii-Hardware heraus, und nutzt geschickt die Stärken der WiiRemote. Dazu gibt’s viele Einstelloptionen und sogar einen Multiplayer-Modus mit bis zu 12 Spielern, sodass wir die etwas hanebüchene ­Story weitgehend verzeihen. Denn deren Verschwörungsgedöns und "überraschende" Handlungswendungen erstaunen niemanden, der jemals Deus Ex oder Vergleichbares gespielt hat. Oder bis drei zählen kann...

Prometheus ist geflohen, vermutlich in diese U-Bahn -- wir schießen uns von vorn bis hinten durch. Dass mittendrin der Sound verstummt, ist kein Fehler, sondern kündigt unseren nahen Tod an. Am Ende finden wir das Allsehende Auge.
 
Die hanebüchene Story
 
Der spielbare Prolog versetzt euch mitten in die Handlung hinein, ein netter Kunstgriff, um euch gleich mal diverse Spielfeatures zu präsentieren und Lust auf mehr zu machen. Dann springt die Handlung auf Anfang zurück: Ihr seid ein geheimer Special-Elite-Superduper-Agent in Washington D.C., und plötzlich klingelt das Video-Telefon. Irgendein Typ, den ihr nicht kennt, von einer Organisation namens Trust, die ihr auch nicht kennt, gibt einen Code durch, den ihr kennt. Sofort vertraut ihr ihm und begebt euch ohne weitere Fragen zum nächsten Flughafen. Es gilt, einen Bösewicht namens Prometheus zu fangen. Ja, der Gott, der mit dem Feuer spielt -- beziehungsweise das Feuer zu den Menschen brachte, je nach Auslegung. Prometheus hat ein enorm wichtiges, enorm wertvolles Objekt in seine Gewalt gebracht, und muss gestoppt werden. Am Flughafen angekommen, seid ihr gleich mitten in einer wilden Schießerei, und die wird auch bis zum Ende des Spiels nicht mehr für länger als zwei oder drei Minuten unterbrochen. Wobei natürlich die Gegner wechseln, die Agenten und Soldaten (von einer seltsamen Macht zu Feinden gemacht) werden schon etwa eine Stunde später um Aliens ergänzt, den Drudge. Und auch eine dritte undurchsichtige Fraktion mischt mit, das Syndikat.

Das Tutorial fängt storytechnisch gegen Ende des Spiels an und zeigt so die wichtigsten Features wie das ASA (rechts).
 
In den ersten Missionen ballert ihr euch noch recht konventionell durch U-Bahnschächte und unterirdische Anlagen. The Conduit erlaubt euch zwei Waffen gleichzeitig, zwischen denen ihr jederzeit umschalten könnt. Das kann etwa eine Pistole und ein Schrotgewehr sein, aber auch ein Raketenwerfer und eine MG. Dazu gibt’s mehrere Granatentypen, die ihr stilecht mit dem Nunchuck werft -- und zwar tatsächlich desto weiter, je stärker eure Wurfbewegung ist, und je höher, desto weiter ihr mit der WiiRemote nach oben schaut. Es mag an uns liegen, aber wir vergaßen auch nach Stunden des emsigen Testens ab und zu, was wir mit dem Nunchuck auslösen können, und warfen uns durch ungewolltes Herumzucken der linken Hand eine Granate direkt vor die eigenen Füße. Womit wir bei der Bedienung wären.

In der Standardbelegung werdet ihr bei jeder Nahkampfattacke euren Blickwinkel völlig verreißen.
   
Beinahe geniale Bedienung
 
In PC-Terminologie gesprochen, entspricht der Nunchuck den WASD-Tasten: Mit dem Analogstick bewegt ihr euch nach vorn und hinten beziehungsweise „straft“ nach links oder rechts (mit der C-Taste duckt ihr euch). Dementsprechend hat die WiiRemote die Funktion der Maus: Dorthin, wohin ihr schaut, bewegt ihr euch auch, gleichzeitig zielt ihr so auf Gegner. Das funktioniert meistens sehr gut und wirkt in Feuergefechten realistischer als vom PC gewohnt -- bringt aber auch so seine Tücken mit sich. Beispielsweise führt ihr einen Schlag mit der gehaltenen Waffe durch, indem ihr die WiiRemote Richtung Bildschirm stoßt -- dabei aber nicht die Blickrichtung zu ändern, grenzt ans Unmögliche. Außerdem gibt es das Wii-typische Problem, dass ihr im Eifer des Gefechts auf Stellen außerhalb des Bildschirms zeigt -- hier helfen (oder verwirren) euch jedoch zwei optionale Funktionen: Die erste zentriert das Fadenkreuz, wenn es den Bildschirm verlassen würde, die zweite führt dann einen 180-Grad-Turn aus. Übrigens ist diese Funktion entgegen einer früheren Aussage von High Voltage uns gegenüber doch wieder reingenommen worden (sie liegt auch auf der Cursor-nach-oben-Taste) -- eine gute Entscheidung, wie wir finden. Apropos Cursortasten: Mit Links und Rechts schaltet ihr zwischen euren Waffen durch, mit Unten aktiviert ihr die Zoom-Sicht eurer Waffe oder, sollte diese keine solche bieten, einen Fernglasmodus. Die A-Taste dient zum Springen und Objekte manipulieren, per Minus-Taste ladet ihr eure Waffe nach und per Plus-Taste erscheint das ASA (Alles Sehende Auge).
 
Das alles ist schon sehr durchdacht, aber per Optionsmenü könnt ihr die Steuerung weiter an eure Bedürfnisse anpassen. Und zwar in einem Detailgrad, wie wir ihn bei einem Wii-Spiel noch nie erlebt haben. So könnt ihr eure Laufgeschwindigkeit (dies ist nur fürs Solospiel gültig), das Drehtempo sowie die Empfindlichkeit der Steuerung nach X- und Y-Achse getrennt einstellen. Die Anzeigen für Lebensenergie und Schild, Waffen sowie eine Kompasszeile könnt ihr relativ frei über den Bildschirm verschieben. Und ihr wählt sogar den viereckigen Bereich aus, innerhalb dessen eine Bewegung des Fadenkreuzes nicht zu einer Drehung eurer Figur führt. Alles in allem ist die Steuerung sehr gelungen, auch wenn kleine Schönheitsfehler (in der Grundeinstellung: unabsichtliches Granatenwerfen, Drehungen beim Zuschlagen) nerven und wir die Steuerung per WiiRemote und Nunchuck insgesamt ermüdender finden als mit Maus und Tastatur oder Gamepad. Dank Konfigurationsmenü lassen sich aber Granatenwurf und Nahkampf umbelegen.

Schlechtes Timing: Während wir die (Alien-) Waffe nachladen, attackiert uns ein wütender Druge im Nahkampf.

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