Ein echter Gilbert

The Cave Test

Ron Gilberts neues Spiel ist vor allem bei Adventure-Freunden heiß begehrt, obwohl es kein klassischer Genre-Vertreter ist. Wie viel Adventure tatsächlich drinsteckt und weshalb wir viel Spaß mit den sieben Abenteurern und der sprechenden Höhle hatten, erfahrt ihr im Test.
Benjamin Braun 21. Januar 2013 - 22:41 — vor 6 Jahren aktualisiert
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal
 
Was begehren wir am meisten? Auf diese Frage gibt es keine klare Antwort, denn jeder von uns ist auf etwas ganz eigenes fokussiert. Nicht anders ist das bei den drei (aus sieben) Helden, die sich in The Cave aufmachen, die namensgebende Höhle zu erkunden. Es ist keine normale Höhle – und damit meinen wir nicht, dass in ihr eine Art Erlebniswelt mit Zoo, Inselparadies oder Rummelplatz steckt. Nein, diese Höhle kann sprechen und macht von ihrer für eine Höhle außergewöhnlichen Fähigkeit auch regelmäßig Gebrauch. Die spöttischen bis sarkastischen Kommentare passen gut zur abgedrehten Handlung mit ihren Drachen und Monstern oder Betrügereien auf einer unterirdischen Kirmes. Und anders als von vielen befürchtet, steckt im neuen Spiel von Monkey Island-Schöpfer Ron Gilbert trotz Hüpfeinlagen und nicht vorhandenen Multiple-Choice-Dialogen noch jede Menge Adventure drin. In unserem Test verraten wir euch, weshalb uns die teils unterschiedlich lösbaren Rätsel Spaß gemacht haben und warum  wir Ron Gilberts Abenteuer sonst noch weiterempfehlen würden. Ist The Cave gar ein neuer Superhit geworden?
 
Sieben Helden sollt ihr sein
Details zur Geschichte der Charaktere erfahrt ihr in simplen Bildergeschichten.
Schon Vader Abraham fragte in seinem Schlumpflied "Warum seid ihr alle hier?". Diese Frage könnten wir genauso auch den sieben Leuten (genau genommen sind es acht, da eine Spielfigur ein unzertrennliches Zwillingspaar ist) stellen, die sich vor dem Eingang einer Höhle versammelt haben. Jeder von ihnen würde diese Frage anders beantworten, denn sie alle sind hier, um das zu finden, was sie am meisten begehren. Da wäre zum Beispiel der Hinterwäldler, der auf der Suche nach seiner großen Liebe ist. Dem Ritter geht es um Ruhm und Ehre, die er mit dem Aufspüren von Excalibur einheimsen will. Die Abenteurerin sucht nach dem Grab eines Pharao und die Wissenschaftlerin will ihr Raketenexperiment zum Abschluss bringen. Ihre Motive sind so verschieden wie ihre Spezialfähigkeiten, was die Wahl eures Dreiertrupps sehr spannend macht.
 
Von eurer Wahl hängt vor allem ab, welche Gebiete der Höhle ihr in den folgenden Spielstunden betreten werdet. Nur wenn ihr das Zwillingspärchen wählt, die unzertrennlich sind und ebenfalls als eine Spielfigur zählen, gelangt ihr in das Haus ihrer Eltern. Ohne die Zeitreisende seht ihr vom Höhlenabschnitt mit der Zeitmaschine nichts – und auch in den Himalaya-artigen Abschnitt des Mönchs werdet ihr ohne ihn nicht vordringen. Eure Charakterauswahl, die entfernt an Gilberts Maniac Mansion (GG-Report) erinnert, wird mit dem ersten Betreten der Höhle permanent und kann bis zum Abspann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Möchtet ihr also alle Teile von The Cave kennenlernen, müsst ihr das Spiel wenigstens dreimal angehen, um wirklich jede Kombination zu erleben, sogar 35mal. Wir haben es zum Test exakt zwölfmal durchgespielt, wobei wir mittlerweile in etwa einer Stunde durch sind. Die Anordnung der Gebiete ist linear, verlasst ihr eins, gibt es kein Zurück mehr.
 
Der Mönch
Nur er darf ins "Himalaya-Kloster", wo er ein Zen-Meister werden will. Per Telekinese manipuliert er weit entfernte Objekte.
Da die speziellen Gebiete der Charaktere unterschiedlich schwierig und umfangreich sind, kann die Spielzeit für den ersten Durchgang stark variieren. Je nach gewähltem Trio könnt ihr mit fünf bis acht Stunden rechnen. Ein Wert, den viele Vollpreis-Adventures nicht erreichen – und dabei mehr als doppelt so teuer sind. Möchtet ihr alle Gebiete wenigstens einmal gesehen haben, könnt ihr etwa sechs bis acht Stunden draufschlagen. Außer den „drei aus sieben“ Spezialgebieten durchlauft ihr vier Abschnitte und einen davon zweimal. Ohne zu viel verraten zu wollen: Es geht in eine Mine, in einen Zoo und auf eine Insel. Im kurzen Prolog steht zudem der Eingangsbereich der Höhle samt Souvenir-Shop zur Erkundung bereit.
 
Eine Spezialfähigkeit könnte helfen
Auch wenn die vier Gebiete der nicht-gewählten Charaktere für euch unzugänglich bleiben, sind sie doch immer vorhanden und werden wenigstens am Rande passiert. In die Gebiete rein kommt ihr aber nur mithilfe der jeweiligen Spezialfähigkeit, die die Helden mitbringen. Nur die Wissenschaftlerin verfügt über Hacking-Fähigkeiten, mit denen sie ein Terminal manipulieren kann. Nur die Abenteurerin kann sich mithilfe ihres Enterhakens über einen Abgrund schwingen und nur mit der Telekinese-Fähigkeit des Mönchs kann der Tempel seines Meisters erreicht werden. Die Spezialfähigkeit kommt meistens gehäuft in den Spezialgebieten zum Einsatz, mit den technischen Fertigkeiten von Zeitreisender oder Wissenschaftlerin könnt ihr aber auch an vielen anderen Stellen etwas anfangen.

Wo ihr ansonsten etwa einen Charakter benötigt, um eine Falltür offen zu halten, kann die Wissenschaftlerin auch ein Terminal hacken, wodurch die F
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alltür dauerhaft passierbar bleibt. Dadurch ist ein weiterer Charakter fuer Aktionen frei, der ansonsten am Hebel verbleiben müsste. Ähnliche Vorteile können durch die Abenteuerin entstehen: Habt ihr sie nicht dabei, müsst ihr eine Kiste vor einem Vorsprung platzieren, um daran hochklettern zu können. Die Abenteurerin schwingt sich mit ihrem Enterhaken einfach so zum gewünschten Punkt. Die Zwillinge hinterlassen wiederum eine Art Abbild, das einen Hebel weiterhin halten kann, während ihr mit dem Duo längst woanders im Level unterwegs seid.
 
Der Ritter wiederum ist in der Lage, eine Schutzglocke herbeizuzaubern. Durch einen flammenlodernden Schacht kommt ihr also nur mit ihm, während alle anderen Charaktere sich beim Sprung ins Feuer in Rauch auflösen. Keine Angst: In The Cave können eure Helden zwar durch Fallen, schießwütige Wachen oder auch einen Sturz in große Tiefe jederzeit sterben. Eure Spielfigur wird aber sofort wiederbelebt und an einem sicheren Punkt zurückgesetzt. Nur manchmal liegt dieser Punkt relativ weit von ihrem Sterbeort entfernt. Solltet ihr euch irgendwo verhakt haben, könnt ihr das Rücksetzen auch manuell vornehmen.
Die Spezialfähigkeiten
Jede der sieben Spielfiguren verfügt über eine Spezialfähigkeit, die wir euch an dieser Stelle etwas genauer vorstellen möchten. 1 Die Abenteurerin führt einen Wurfhaken bei sich, mit dem sie sich an speziellen Objekten über einen Abgrund schwingen oder sich an ihnen hochziehen kann. 2 Der Mönch beherrscht Telekinese und kann damit Objekte in der Umgebung manipulieren. 3 Die Wissenschaftlerin ist technisch hochbegabt. Sie hackt Terminals und kann selbst aus unter Strom stehenden Schaltkästen Sicherungen entnehmen. 4 Der Ritter verfügt über eine Art Schutzschild, den er allerdings nur im Stand (oder auch im Fall) einsetzen kann. Die Fähigkeit dient in erster Linie dazu, NPCs oder Monster abzulenken, damit die anderen unbeobachtet Aktionen durchführen können. 5 Die Zwillinge erschaffen auf Knopfdruck ein Abbild von sich selbst, das etwa einen Schalter gedrückt halten kann, während sie selbst weitergehen. 6 Der Hillbilly mag nicht viel im Kopf haben, dafür kann er eine Sauerstoffglocke um sein Haupt erschaffen. So kann er quasi unbegrenzt unter Wasser bleiben. Nicht im Kasten zu sehen ist die Zeitreisende, die sich über eine geringe Distanz durch Zeit und Raum teleportieren kann.
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