Witzig, lang und richtig hübsch

The Book of Unwritten Tales 2 Test

KingArt hat bereits einen Publisher, startete aber dennoch eine Kickstarter-Kampagne, um ihr neues Adventure noch ein bisschen besser zu machen. Wir haben das erste Kapitel mit Nate Bonnet, Elfe Ivo und Gnom Wilbur durchgespielt und verraten euch, ob der Bremer Entwickler seine großen Versprechen halten konnte – oder nicht.
Benjamin Braun 11. September 2014 - 13:55 — vor 4 Jahren aktualisiert
The Book of Unwritten Tales 2 ab 29,99 € bei Green Man Gaming kaufen.
The Book of Unwritten Tales 2 ab 8,70 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Immer mehr Entwickler nutzen Steams Early-Access-Programm, um unfertige Versionen ihrer Spiele zum Kauf anzubieten. Das hilft die Entwicklungskosten zu decken und bringt frühes Spieler-Feedback, etwa zu Bugs oder Spielbalance. Bei Rollenspielen, Strategie-Titeln und ähnlichem kennt man das zur Genüge. Bei einem klassischen Point-and-Click-Adventure war es bislang nicht allzu oft der Fall. Der Bremer Entwickler KingArt hat es mit The Book of Unwritten Tales 2 nun aber getan und kürzlich das erste Kapitel auf Steam verfügbar gemacht. Wir haben uns für euch durchgerätselt und wollen euch nun an unseren Eindrücken teilhaben lassen.

Da es sich nur um einen Teil des Spiels handelt, der auch noch qualitativ finalisiert werden soll, vergeben wir aktuell keine endgültige Note, sondern eine Wertungstendenz – wie bei unseren Episodenspiel-Tests oder anderen Early-Access-Tests.

Wiedervereintes TrioNate Bonnet hat sich mal wieder in eine unangenehme Lage gebracht. Obwohl er im wahrsten Sinne des Wortes zu Beginn von The Book of Unwritten Tales 2 aus allen Wolken fällt, nimmt er sich jedoch die Zeit, uns erst mal die Ereignisse aus seinem ersten gemeinsamen Abenteuer mit Gnom Wilbur und Elfe Ivo zusammenzufassen. Ivo hat derweil mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Ihre königliche Mutter will Ivo unbedingt verheiraten und macht sie nicht gerade charmant darauf aufmerksam, dass sie ein paar Pfund zugelegt hätte. Das Elfenreich zu verlassen und ein neues Abenteuer anzugehen, rückt in weite Ferne, als die Königin Ivo in ihrem Zimmer einsperrt und von Vogel Tschiep-tschiep bewachen lässt. Aber es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass die Prinzessin über den Balkon in die Freiheit entkommt...

Bevor Nate, Ivo und Wilbur, der mittlerweile zum Magier und Lehrer in Seefels avanciert ist, sich erstmals in BoUT 2 über den Weg laufen, wird allerdings einige Zeit vergehen. Genügend Probleme zu lösen haben die drei bis dahin genug: Irgendeine rätselhafte Seuche verwandelt sämtliche Fabelwesen in pinkfarbene Knuddeltierchen, Wilbur wird des Mordes am Erzmagier verdächtig und Nate ... nun, der zieht Ärger von ganz allein an.

Allgegenwärtiger Humor
Der Hausmeister in der Magierschule (links) ist nicht gerade nett. Aber wie er selbst sagt: "Trolle trollen" eben.
Während sich KingArt für die auf fünf Kapitel eingeteilte Story einige Standbeine ausgedacht hat, die nach und nach zu einem gemeinsamen Strang verwoben werden, findet sich der vielleicht massivste Pfeiler in einem anderen Bereich. Wie schon bei den beiden Vorgänger setzen die Entwickler auf einen besonders anspielungsreichen Humor, in dem nichts vor einem satten Kakao-Bad sicher ist. Wie gehabt sind es vor allem Fantasy-Vorlagen wie Warcraft, Diablo, The Legend of Zelda oder Der Herr der Ringe, die KingArt auf die Schippe nimmt. Vor Anspielungen sind aber auch TV-Serien wie Scrubs und Dr. House ("Es könnte Lupus sein"), diverse Hollywood-Filme oder Adventure-Klassiker nicht gefeit.

Eine Zutat für einen Heiltrank besteht gewiss nicht zufällig aus einem roten Hering, und beim Versuch, mit Wilbur einen Kamin zu entzünden, dürften Genre-Fans sofort an eine bestimmte Szene aus The Secret of Monkey Island denken. Die Entwickler lassen auch sonst fast keine Gelegenheit aus: Ivo findet zum Beispiel eine röhrenartig geformte Pflanze. Kaum lassen wir sie hineinblasen, werden bei uns schmerzhafte Erinnerungen an die Fußball-WM 2010 in Südafrika wach. Nein, nicht weil wir im Halbfinale gegen Spanien gescheitert sind!

Obwohl wir gerade bei den rein visuellen Querbezügen, etwa in der Elfenbibliothek mit den verschiedenen Würfeln aus Portal, Star Trek oder den 80er Jahren, immer wieder schmunzeln mussten, gelingt es KingArt zumindest im ersten Kapitel nicht immer, den Humor innerhalb der Dialoge zu zünden. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass die vertonten Sprechzeilen hier und dort deutlich knapper ausfallen könnten: Aktuell gehen so einige Gags im übertrieben ausführlichen Blabla unter. Gerade in der Eröffnungsszene sollten die Entwickler auch noch etwas am Timing feilen. Dass gerade dort die Sprechpausen viel zu lang geraten sind und die Wirkung der Gags verpuffen lassen, kann man dem nicht-finalen Charakter der Version anlasten.

Fantastische SprecherÜber die Leistung der deutschen Sprecher (in die enthaltene englische Version haben wir aufgrund der Herkunft des Spiels nur kurz reingeschnuppert) können wir uns nicht beklagen – ganz im Gegenteil. Alle Originalsprecher bekannter Figuren sind wieder mit an Bord, also etwa Dietmar Wunder als Nate, Oliver Rohrbeck als Wilbur und Marion von Stengel als Ivo. Gemeinsam mit Sprechern wie Detlef Bierstedt (George Clooney) als Bonsai-Ent und Vieh, Bodo Wolf (Joker in der Batman Arkham-Reihe) oder Bernd Vollbrecht (Antonio Banderas) könnte man meinen, es habe sich nur das Who-is-who der deutschen Synchronkünstler versammelt. Lediglich bei einer der Kinderrollen in der Magierschule könnte KingArt noch mal über eine Alternative nachdenken, auch wenn das Mädchen bisher nur einen sehr kurzen Auftritt hatte. Bei Wilburs Schüler hingegen gibt es mit Angelina Geisler (die man gut und gerne mit der deutschen Sprecherin von Milhouse in Die Simpsons verwechseln könnte) ebenfalls nichts zu meckern.

Neben den Sprechern müssen wir einmal mehr die Arbeit von Komponist Benny Oschmann loben, der erneut für die musikalische Untermalung sorgt. Noch sind die per Liveorchester eingespielten Aufnahmen, die eine der Zusagen des Entwicklers während der Kickstarter-Kampagne war, zwar nicht enthalten. Aber das klingt schon jetzt so gut, dass wir uns gerade auch diesbezüglich aufs fertige Spiel freuen!

Logisch, kreativ und begrenzt non-linearGenre-Freunde erwarten von einem guten Point-and-Click-Abenteuer nicht nur eine gute Geschichte und eine hübsche Optik, sondern auch ein ansprechendes Rätseldesign. In diesem Bereich hatte KingArt versprochen, für einige alternative Lösungswege und so etwas wie "Sidequests" zu sorgen. Gesehen haben wir von beidem im ersten Kapitel noch nichts, wobei dort aber ohnehin nur eine größere Aufgabe dieser Kategorie noch implementiert wird. Dennoch sind wir im Großen und Ganzen sehr angetan bislang. Nicht jedes einzelne Rätsel i
Anzeige
st innovativ und einzigartig fürs Genre, aber auf typische Standardaufgaben verzichtet KingArt größtenteils. Tatsächlich müssen wir zwar in einem Teich angeln, aber das verpacken die Entwickler so nett in einem Rollenspielgag, dass wir selbst hier nicht "alles schon mal gesehen" schreien.

Sehr gut gefällt uns, dass die Aufgaben uns gewisse Freiräume in der Reihenfolge lassen. Drei Teilziele mit Wilbur im Schulgebäude etwa dürfen wir in mehr oder weniger beliebiger Reihenfolge angehen. Was uns in manchen Szenen nicht so gut gefallen hat, ist der "One-Click-Ansatz". Die rechte Maustaste hat zwar eine Untersuchen-Funktion, im Prinzip lässt sich das komplette Spiel aber mit der linken Maustaste bewältigen. Dadurch fühlen wir uns immer wieder genötigt, zunächst einen Kommentar der Spielfigur anzuhören (manchmal auch mehrere), bis wir ein Objekt aufnehmen können. Auch das mehrfache Untersuchen eines Buches in einer versteckten Bibliothek oder vereinzelte Situationen, in denen das Runaway-Syndrom zurückkehrt und man Dinge erst tun darf, wenn eine (logisch nicht direkt zusammenhängende) andere Sache erfüllt ist, sind etwas ärgerlich.
In Dialogen und Umgebung wimmelt es nur so von Anspielungen. Die Schwerter am Ständer, die Dracheneier vorne links oder auch die Würfel auf den Säulen dürften wohl den allermeisten bekannt vorkommen – und die Decke erst!
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 51 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.