Eine Kickstarter-Überraschung

The Banner Saga Test

Stephan Petersen 15. Januar 2014 - 15:54 — vor 5 Jahren aktualisiert
Euer Trupp reist durch schicke, handgemalte 2D-Landschaften. Ansonsten bleibt die optische Präsentation aber mau.
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Kostbare HeldenMachen wir uns nichts vor: In vielen Rollenspielen oder RPG-lastigen Taktikspielen ist es kein großes Problem, den strahlenden Helden zu mimen. In The Banner Saga fallen hingegen Entscheidungen meist schwer: Wenn ihr human handelt, gefährdet ihr damit eventuell euren gesamten Trupp und die Erfolgschancen in den folgenden Kämpfen. Vielleicht bringt euch die Hilfe für ein paar Flüchtlinge aber auch neue Gefolgsleute und Vorräte? Die Folgen der unterhaltsam geschriebenen Ereignisse und unserer Entscheidungen sind niemals leicht vorhersehbar, aber dennoch immer plausibel. Übrigens haben sie auch Einfluss auf die (gelungene) Handlung. So seht ihr euch möglicherweise mit einem Ereignis konfrontiert, das auf einer Entscheidung basiert, die ihr mehrere Spielstunden zuvor getroffen habt – und einem eurer Helden das Leben kosten kann. Die gesamte Story soll übrigens in drei Episoden erscheinen und zuvor getroffene Entscheidungen einberechnen. Aber keine Angst: "Episode" bedeutet in diesem Fall kein zweistündiges Häppchen – mit dem ersten Teil werdet ihr um die zehn Stunden beschäftigt sein.

Die schon erwähnten Helden sind übrigens besonders kostbar, weil sie die von euch steuerbaren Streiter in den Rundenkämpfen sind. Eure Entscheidungen beeinflussen zu einem guten Teil, welche Helden an eurer Seite kämpfen oder im schlimmsten Fall sogar das Zeitliche segnen. Das führt sogar so weit, dass wir in einer späteren Situation die virtuelle Hose buchstäblich voll haben: Vor einem entscheidenden Kampf wird Rook von einem Freund gewarnt, nicht an diesem teilzunehmen. „Schau deiner Tochter Arlette in die Augen. Bist du wirklich bereit, hier und jetzt zu sterben?“, fragt er uns. Dann müssen wir uns entscheiden, ob der Hauptheld am Kampf teilnimmt oder nicht. The Banner Saga hat es zu diesem Zeitpunkt mit seinen weitreichenden Ereignissen und Entscheidungen so weit gebracht, uns komplett zu verunsichern. Wir würden es dem Spiel sogar glatt zutrauen, dass es unseren Hauptcharakter sterben lässt. Selbst Mass Effect oder The Walking Dead (GG-Test: 8.5) konnten keine derartige Ungewissheit in uns erzeugen.

Minimalistische Präsentation
Alternativen
Einer der bekanntesten Vertreter, die eine Mischung aus Rundentaktik und Rollenspiel bieten, ist die Fire Emblem-Reihe. Dessen letzter Ableger Awakening (GG-Test: 9.0) ist erst im letzten Jahr für den 3DS erschienen. Interessiert euch ein ähnliches Spielprinzip im Südamerika des 16. Jahrhunderts, solltet ihr einen Blick auf Expeditions - Conquistador (GG-Test: 7.0) werfen. Darf es auch ein Mix aus Strategie- und Rollenspiel sein, dann empfehlen wir euch das gerade erst erschienene Standalone-Addon Demons of the Past (GG-Test: 7.0) zu Spellforce 2. Entfernt ähnelt Banner Saga auch King of Dragon Pass (App der Woche), bei dem zwar  keine Rundenkämpfe enthalten sind, dessen Spielprinzip aber voll auf kniffligen, weitreichenden Entscheidungen beruht.
So weitreichend die Auswirkungen eurer Entscheidungen auf die Handlung und so motivierend die Kämpfe sind, so minimalistisch kommt die Präsentation von The Banner Saga zuweilen daher. Die Ereignisse müsst ihr euch in Textfenstern selber durchlesen – kein Vergleich zu den hunderten, oft wunderschönen Grafiken, die euch das in Sachen Entscheidungen (inklusive deren Langfristigkeit) ähnliche King of Dragon Pass serviert!

Dialoge, die übrigens ebenfalls Auswirkungen haben, präsentiert euch das Spiel in mäßig animierten Standbildern. Für jeden Charakter gibt es genau ein Bild, so dass Mimik und Gestik quasi nie zur jeweiligen Situation passen. So verrät uns beispielsweise der Text, dass unser Gesprächspartner als unser Gefangener gefesselt ist. Allerdings sehen wir einen ziemlich grimmig dreinblickenden Nordmann mit Axt und Schild in der Hand. Eine Sprachausgabe gibt es nur in seltenen Fällen. Etwas häufiger bekommen wir dafür atmosphärische Klänge auf die Ohren, die hervorragend zum Szenario passen. Kurzum: Der optische Stil mit seinen handgezeichneten Bildern hat seinen Charme, bleibt aber hinter dem zurück, was man aus anderen Spielen kennt.

Autor: Stephan Petersen / Redaktion: Christoph Vent & Jörg Langer (GamersGlobal)

Stephan Petersen
The Banner Saga ist erfrischend anders. Das Konzept aus Entscheidungen, Truppenmanagement und Rundentaktik geht auf. In vielen, vor allem action-orientierten Spielen, kann ich den strahlenden Helden mimen, weil ich weiß, dass mich das Spiel für „falsches“ Handeln nicht allzu sehr bestraft, und ich notfalls mit etwas Geschick die Kohlen wieder aus dem Feuer hole. Bei The Banner Saga ist das anders. Die Auswirkungen meiner Entscheidungen sind zwar immer plausibel, aber niemals wirkt das Spiel durchschaubar beziehungsweise vorhersehbar. Daran hat auch das gut ausbalancierte System aus Moral und Vorräten seinen Anteil, das gut in die Ereignisse eingebunden ist. Die minimalistische Präsentation kann ich daher doch verschmerzen. Zumal Dialoge und Texte eher kurz und gut geschrieben sind.
 
Dass die Entscheidungen mehr Auswirkungen als in einem The Walking Dead haben, ist bereits jetzt offensichtlich. Wie groß ihr Einfluss allerdings auf die folgenden zwei Episoden sein wird, muss sich noch zeigen. Ich wünschte außerdem, die Auswirkungen wären etwas besser oder zumindest häufiger abschätzbar. Neben den Entscheidungen sowie der unterhaltsamen Handlung motiviert mich aber auch die abwechslungsreiche Rundentaktik. Immer wieder zerbreche ich mir den Kopf, wie ich meine Kämpfer und deren Spezialfähigkeiten einsetze.  Das System aus Verteidigungswert, Schaden und Willenskraft funktioniert wunderbar, ist nicht zu komplex, aber trotzdem fordernd. Zudem stimmt auch hier die Balance, so dass ich immer wieder spannende und motivierende Rundenkämpfe erlebe. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Fortsetzung.

 The Banner Saga
Einstieg/Bedienung
  • Leicht verständliches Tutorial
  • Viele optionale Hinweise und Erklärungen
  • Übersichtliches Interface
  • Gute Steuerung
  • Tutorial und Hinweise nur in Textform
  • Schlachtfeld nicht drehbar
  • Figuren verdecken die dahinter stehenden Kämpfer
Spieltiefe/Balance
  • Unverbrauchter Genremix
  • Gelungene, unterhaltsame Story
  • Spielelemente gut ausbalanciert
  • Fordernde, motivierende Rundenkämpfe
  • Entscheidungen mit teils langfristigen Auswirkungen
  • Helden und Attribute spielen ein wichtige Rolle
  • Etwa zehn Stunden Umfang
  • Gegnerart und -anzahl vor dem Kampf unklar
  • Platzierung von Helden und Gegnern vor dem Kampf unklar
  • Folgen der Entscheidungen nur sehr schwer zu erahnen
Grafik/Technik
  • Schönes Art-Design
  • Schicke 2D-Landschaften
  • Optisch minimalistische Präsentation
  • Kaum Animationen
  • In Dialogen nur ein Porträt je Charakter
Sound/Sprache
  • Stimmungsvoller Soundtrack
  • Gut geschriebene Texte
  • Kaum Sprachausgabe
  • Keine musikalische Untermalung in Dialogen
  • Nur auf Englisch
Multiplayer
Nicht vorhanden.  
Partner-Angebote
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Userwertung
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Rundentaktik
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Stoic
Versus Evil
08.08.2014
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Stephan Petersen 15. Januar 2014 - 15:54 — vor 5 Jahren aktualisiert

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