Eine Kickstarter-Überraschung

The Banner Saga Test

Die Kickstarter-Kampagne des Rundentaktik-Rollenspiel-Mix dreier ehemaliger Bioware-Mitarbeiter war ein riesiger Erfolg – über 20.000 Backer schenkten ihnen und ihrem neu gegründeten Studio Stoic ihr Vertrauen und stellten ihnen über 700.000 Dollar zur Verfügung. Beinahe zwei Jahre später erscheint nun die erste von drei Episoden.
Stephan Petersen 15. Januar 2014 - 14:54 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Mehrere Helden sind bereits auf dem Schlachtfeld zusammengebrochen, aber auch der Gegner hat Federn gelassen. Insgesamt stehen nur noch vier Kämpfer aufrecht. Unser Krieger sieht sich mit zwei Kontrahenten konfrontiert, während sich unser Bogenschütze im Hintergrund hält. Wir sind am Zug. Mit einem Rundumschlag zieht unser Frontkämpfer einem der beiden Feinde einen neuen Scheitel. Dann ist der Gegner am Zug. Mit einem kräftigen Hieb streckt er unseren angeschlagenen Krieger nieder. Jetzt wird’s brenzlig! Der Bogenschütze kann gut austeilen, aber wenig einstecken. Fünf Stärkepunkte würde er dem verbliebenen Gegner vom Lebenskonto schießen – und damit genau einen zu wenig! Zum Glück aber hat uns der zuvor niedergestreckte Feind einen Willenspunkt eingebracht, den wir umgehend in unseren Angriff investieren. Und siehe da: Der letzte Feind fällt, die Schlacht ist gewonnen!

Nach der Arbeit an Star Wars - The Old Republic (GG-Test: 8.5) wollten die drei Bioware-Mitarbeiter Alex Thomas, Arnie Jorgensen und John Watson etwas Neues wagen – sie kündigten ihren Job und gründeten das Entwicklerstudio Stoic. Ihr erster Titel, The Banner Saga, sollte ein Spiel werden, das sie nach eigener Aussage selber gerne zocken würden und sich nicht an den Mainstream richten sollte. Gesagt, getan. Das fehlende Geld besorgten sie sich über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter: Rund 20.000 Backer unterstützten sie und übertrafen das Finanzierungsziel bei weitem. Statt der anvisierten 100.000 US-Dollar konnten über 700.000 US-Dollar gesammelt werden.

Nordische Fantasy-Welt
Immer wieder werdet ihr in Textfenstern mit Ereignissen konfrontiert, die eine Entscheidung erfordern.
Fast zwei Jahre später erscheint nun ihr RPG-Taktikspiel. The Banner Saga versetzt euch in ein mittelalterliches Fantasy-Szenario, das stark von nordischer Mythologie geprägt ist. Elfen, Zwerge und Orks sucht ihr darin vergeblich. Stattdessen leben Menschen und gehörnte Riesen, die sogenannten Varl, in dieser rauen, verschneiten Fantasy-Welt. Seit dem letzten großen Krieg bilden Menschen und Varl eine Allianz. Denn nur zusammen konnten sie einst die Dredge, mysteriöse Steinwesen, in die Berge zurückschlagen. Ohne den gemeinsamen Feind nehmen die Spannungen zwischen den Verbündeten allerdings wieder zu. Doch als die Dredge plötzlich in riesiger Zahl über die Siedlungen der Varl und Menschen herfallen, sind die Verbündeten wieder aufeinander angewiesen.

Das Geschehen erlebt ihr aus zwei Perspektiven: Im Westen der Fantasy-Welt seid ihr mit einem Trupp unterwegs, der überwiegend aus Varl besteht. Nachdem sie von den Dredge-Angriffen gehört haben, ziehen sie los, um die Steinwesen zurückzuschlagen. Der zweite Handlungsstrang schildert die Ereignisse aus der Sicht eines menschlichen Flüchtlingstrupps, der im Osten des Landes aufbricht und unter Führung des Jägers Rook nach Westen flieht. Nettes Detail: Auf den Maps nehmen die Varl gleich vier Felder (zwei mal zwei) ein, Menschen und kleinere Monster nur eines, was natürlich taktische Auswirkungen hat.

Entscheidungen mit Auswirkungen
Auf der Reise zwischen zwei Schauplätzen seht ihr euren jeweiligen Trupp durch schöne, handgemalte 2D-Landschaften ziehen. Außer Zuschauen könnt ihr in dieser Zeit nicht viel machen. Ein Mausklick auf die Karte offenbart euren aktuellen Standort. Ihr habt jedoch die Möglichkeit, eure Gruppe anzuhalten und ein Lager zu errichten. Das ist wichtig für die Moral, die ansonsten sinkt und wiederum Einfluss auf die Kampfkraft hat. Gleichzeitig müsst ihr eure Vorräte im Auge behalten. An jedem Tag verbraucht euer Trupp Vorräte, die sich nach dessen Größe richten. Geht die Verpflegung schließlich aus, kommt es durch Hunger zu schmerzlichen Verlusten und Einbußen bei der Moral.

Bereits auf dem mittleren der
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drei Schwierigkeitsgrade ist es gar nicht so einfach, die richtige Balance zwischen Moral und Vorräten zu finden. Zumal euch meist die Dredge im Nacken sitzen und im Minutentakt mal mehr, mal weniger schicksalhafte Ereignisse über euren Trupp hereinbrechen. Diese kommen in Form von englischsprachigen Textfenstern daher und erfordern immer eine Entscheidung. Ein Beispiel: Ein Junge ist verschwunden. Sein älterer Bruder berichtet, dass einige Kinder dazu gezwungen wurden, Vorräte zu stehlen und diese an Männer zu liefern, die unseren Trupp beobachten und verfolgen. Sichert ihr das Camp? Schickt ihr einen Suchtrupp los? Oder entscheidet ihr euch gar, den älteren Bruder als Köder zu benutzen? Geht euer Plan auf, dürft ihr euch jedenfalls über zurückgewonnene Vorräte freuen. Oder aber ihr trefft auf einen schwer verletzten Varl und habt nun vier Möglichkeiten. Schickt ihr ihm beispielsweise einen Heiler und versorgt seine Wunden, dankt er euch eure Nächstenliebe mit zwei aufgeschlitzten Hälsen, sprich ihr habt zwei Anhänger weniger. The Banner Saga konfrontiert euch ständig mit solchen Ereignissen, die Einfluss auf Moral, Vorräte und Größe unseres Trupps haben.
Wenn wir einen Willenspunkt in den Angriff investieren, können wir dem Steinkoloss die verbliebenen zwei Lebenspunkte auslöschen. Allerdings liegt die Trefferchance bei nur 20 Prozent.

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