Der Portal-Konkurrent im Test

The Ball Test

Während Portal-Fans begierig auf den zweiten Teil warten, ist nach Twin Sector heimlich, still und leise ein weiterer Konkurrent in die Händlerregale gerollt: The Ball. Ursprünglich eine Mod und Gewinner des "Make Something Unreal"-Wettbewerbs, setzt der Action-Puzzler nicht auf Portale, sondern eine tonnenschwere Kugel.
Christoph Licht 15. November 2010 - 22:57 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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"The Ball? Das habe ich doch bereits letztes Jahr gespielt!" werden einige Feinschmecker unter euch nun sagen – und haben recht. Bevor das Erstlingswerk der Teotl Studios vergangenen Freitag seinen Weg in die Händlerregale fand, begann seine Reise als Modifikation für Unreal Tournament 3, genauer gesagt als Teilnehmer des prestigeträchtigen "Make Something Unreal"-Contests. Der wird regelmäßig von Entwickler Epic Games abgehalten und lockt interessierte Modder mit Geldpreisen und Arbeitsverträgen. Dort belegte das Spiel den zweiten Platz und fand schnell mit Tripwire Interactive einen Publisher, um es kommerziell zu vertreiben. Das Ergebnis ist im Vergleich zur Mod-Fassung noch einmal stark überarbeitet und erweitert worden und ein waschechter Action-Puzzler -- ähnlich dem erfolgreichen Portal oder dem letztjährigen Underdog Twin Sector. Doch statt Handschuhe oder Portale löst ihr die vielen Rätsel nur mit einem Hammer und einer riesigen Kugel. Klingt ungewöhnlich, funktioniert aber erstaunlich gut.

Beispielaufgabe

Der Abfluss ist dicht, das Wasser kann steigen.

Aus der Egoperspektive betrachten wir den großen Raum vor uns. An den Seiten fließt Wasser herab, vorne an der Tür sehen wir einen Spielerschalter. Das sind Schalter, die nur wir betätigen können. Doch er ist zu weit oben, wir kommen nicht heran. Bei genauerer Untersuchung des Raums sehen wir in der Mitte einen Abfluss, der ein Stauen des Wassers verhindert. Aha, das ist des Rätsels Lösung: das Loch verstopfen, warten bis das Wasser hoch genug steigt und dann den Schalter betätigen. Wir drücken die rechte Maustaste und aktivieren den Magneten an unserem schädelverzierten Werkzeug, dem Hammer. Ohne dass wir hinschauen müssten, kommt aus einem anderen Raum nun unser Dauergefährte angerollt: die riesige, antike Kugel. Kaum haben wir sie auf dem Abfluss positioniert, steigt das Wasser, der Schalter kommt in Reichweite und die Tür öffnet sich. Wir stellen uns hinter die Kugel, halten die linke Maustaste kurz gedrückt, um den Hammer aufzuladen und schleudern sie dann in den nun geöffneten Gang – hin zum nächsten Rätsel.

Klingt simpel? Ist jedoch nur der zweite Teil des Rätsels in diesem Abschnitt. Vorher mussten wir zusammen mit der Kugel zwei Schalter gleichzeitig aktivieren, um überhaupt das Wasser zum Laufen zu bekommen. Davor haben wir uns gegen ein paar Mumien zur Wehr gesetzt. Und um überhaupt den Raum zu erreichen, haben wir allein in diesem Level bereits mehrere weitere teils sehr umfangreiche Rätsel gelöst. Und zwar nur mit Hilfe der mysteriösen Kugel und derer Fernsteuerung, unserem Hammer.

Eine uralte Zivilisation

Der mysteriöse Schamane gebietet uns ihm zu folgen.
Während wir in Portal den Anweisungen eines verrückten Computers folgen und in Twin Sector das Leben der Mannschaft zu retten versuchen, spielen wir in The Ball ein Archäologen, der 1940 in Mexiko in ein Loch fällt. Beim Erkunden der darunterliegenden Hölle findet er nicht nur die Überbleibsel eines uralten Volkes, sondern auch besagten "Ball", auf Deutsch Kugel.

Unser Weg durch The Ball führt uns durch acht buchstäblich riesige, aber rein lineare Levels. Ihr bewegt euch stetig von einem Rätsel zum nächsten, bis ihr bereits nach rund  4 bis 5 Spielstunden die finale Zwischensequenz erlebt.  Auf unserer Reise begeben wir uns immer tiefer ins Herz der verschollenen Zivilisation hinab und lernen mehr über ihr Schicksal. Die einzige lebende Person ist ein mysteriöser Schamane, der sich wie der G-Man in der Half-Life-Serie meist im Hintergrund aufhält und euch nur hin und wieder weiterhilft. Wer er ist und warum er uns hilft? Wir wissen es nicht. Statt von der Hintergrundgeschichte motiviert zu werden, fühlten wir uns stattdessen in den Tiefen äußerst einsam. Während uns sowohl in Portal als auch Twin Sector die Durchsagen der Computerstimme immer wieder begleiten, hören wir in The Ball vornehmlich das Schreien der Mumien. Die wenigen Zwischensequenzen in The Ball sind kurz und bestehen aus einer Erzählerstimme, die anhand einer Schrifttafel die Geschichte des Volkes weitererzählt. Aber warum wir überhaupt die ganzen Strapazen auf uns nehmen und nicht einfach nur in der ersten Höhle auf unsere Rettung warten, bleibt im gesamten Spielverlauf im Dunkeln.

Die drei jungen Herren werden sogleich ihr blaues Wunder erleben, wenn sie unsere dicke Kugel kennenlernen.

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Action
3D-Action
18
Teotl Studios
12.11.2010 (PC)
Link
7.0
6.8
PC
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GMG (€): 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium)