Test: Ein Meister seines Fachs

Testament des Sherlock Holmes Test

Nach langer Wartezeit ist Frogwares' neues Abenteuer um den berühmten Meisterdetektiv da. Wir haben das Testament des Sherlock Holmes für euch geöffnet und gerieten mit jedem Schritt unserer Ermittlungen mehr und mehr selbst unter Tatverdacht.
Benjamin Braun 27. September 2012 - 23:10 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes gehört zu den bekanntesten literarischen Figuren überhaupt. Aber nicht nur in unzähligen Romanen und Erzählungen tauchten der Meisterdetektiv und sein Freund Dr. Watson auf, sondern auch in Filmen, TV-Serien, Theaterstücken, Gesellschaftsspielen und natürlich auch Computer- und Videospielen. Bereits in den 80er Jahren wurde der Mann mit der Pfeife in Textadventures der Firma Infocom aktiv, und auch Activision hatte es der britische Gentleman mit Spürnase Anfang der 90er längere Zeit angetan.

Seit 2002 hat sich die Firma Frogwares Sherlock Holmes verschrieben. Eher mäßig war der Auftakt Das Geheimnis der Mumie. Das später veröffentlichte Sherlock Holmes und das Geheimnis des silbernen Ohrrings machte es schon viel besser, blieb den meisten Spielern aber dennoch in zweifelhafter Erinnerung, aufgrund von Pixel-Sucherei und einigen Actionpassagen. Mit Sherlock Holmes und die Spur der Erwachten verabschiedete sich Frogwares schließlich von der 2,5D-Grafik und schickte Holmes und Watson in Echtzeit-3D auf die Spurensuche – zunächst aus der Ego-Perspektive, mittels Patch aber auch mit 3rd-Person-Sicht. Es folgten ein Wettstreit zwischen Holmes und Meisterdieb Arsène Lupin (2007) und die Jagd nach dem Frauenmörder Jack the Ripper (2009). Gemein hatten all diese Abenteuer, dass Sherlock Holmes ein unterkühlter, mitunter arroganter, aber höchst rechtschaffener Mann war. Mit dem jüngsten Teil der Serie, Das Testament des Sherlock Holmes, widmet sich das französisch-ukrainische Entwicklerstudio mehr denn je dem Wesen des Detektivs – und zeigt dabei, dass jeder Mensch auch eine dunkle Seite hat...

Sherlock Holmes unter Verdacht
Klassische Inventarrätsel gibt es nur selten. Auch nicht "verbrauchte" Objekte verschwinden nach der Verwendung mit der Umgebung meist dauerhaft aus dem Fundus.
Nicht nur Politiker in der Gegenwart bekommen manchmal die Unerbittlichkeit des Boulevard-Journalismus zu spüren. Auch Sherlock Holmes hat im Jahr 1898 mit einem Mann namens Farley einen Vertreter der schreibenden Zunft gegen sich, der dem Detektiv offenbar nur zu gerne ein Verbrechen oder zumindest eine Mittäterschaft andichten will. Nachdem wir den Diebstahl einer wertvollen Halskette der Marquise von Coningham aufgeklärt haben, bekommen wir auf einmal Besuch von Inspektor Baynes, Scotland Yard. Das wertvolle Schmuckstück, das Holmes zuletzt in der Hand gehabt haben soll, stellte sich als Fälschung heraus. Ist Sherlock Holmes ein gemeiner Dieb? Noch verschwendet Dr. Watson keinen Gedanken daran, dass an den Vorwürfen des Journalisten etwas dran sein könnte. Selbst Inspektor Baynes, dem Holmes nur zu gerne zeigt, dass er ihm als Ermittler haushoch überlegen ist, glaubt an die Unschuld des Detektivs.

Doch es bleibt nicht bei dem einen Bericht Farleys. Nachdem Holmes und Watson sich auf den Weg zu einem Bischof gemacht haben und ihn auf grausame Weise ermordet in seinem Büro auffinden, dichtet Farley Holmes eine Verstrickung in
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dem Mordfall an. Mehr noch: Der Mord am Bischof entpuppt sich als das Werk eines Giftmörders, der offenbar auch viele Seelen im Londoner Elendsviertel Whitechapel auf dem Gewissen hat. Holmes soll davon nicht nur gewusst haben, sondern gar der Auftraggeber jener Morde sein. Überhaupt scheinen an jedem Ort, den Holmes gemeinsam mit Watson betritt, weitere Indizien aufzutauchen, die für Holmes' Täterschaft sprechen. Der Detektiv selbst schweigt zu den Vorwürfen. Langsam kommen sogar Dr. Watson Zweifel an der Unschuld seines Freundes.

Diese Handlung finden wir äußerst spannend und wendungsreich gelungen. Zudem sorgt sie dafür, dass der Spieler genauso wie Dr. Watson händeringend nach einer sinnvollen Erklärung für all die belastenden Indizien sucht. Und auch mit Watson kommen wir in Situationen, in denen der eigentlich so freundliche und besonnene Arzt eine ganz andere Seite von sich zeigt. Jedoch könnten die Dialoge ab und an etwas knapper ausfallen. Manchmal würde es der Spielwelt auch gut tun, wenn wir mit unbeteiligten Personen, etwa den von Armut und Hunger geplagten Bewohnern von Whitechapel, umfangreicher interagieren und kommunzieren könnten.
Die Rätsel

Viele der Rätsel in Das Testament des Sherlock Holmes haben Minispiel-Charakter. An dieser Stelle wollen wir euch ein paar Beispiele geben. 1 Bei diesem Rätsel müssen wir einen Zifferncode ermitteln, den wir anhand mehrerer Hinweise herleiten. In diesem Fall lassen sich alle relevanten Hinweise direkt im "Minispiel" einblenden. 2 Hier müssen wir eine Kugel ins Ziel bringen, die sich in alle vier Richtungen bewegen lässt, dann aber unaufhaltsam auf die nächste Barriere zusteuert. 3 Schlösser müsst ihr mehrfach knacken. Anfangs sind es nur drei, später vier Abschnitte eines Drahts, die ihr in die richtige Form biegen müsst. 4 Sherlock Holmes' Herangehensweise ist streng rational und wissenschaftlich. Auf seinem Labortisch untersucht ihr bestimmte Objekte näher auf Spuren. 5 Zu dieser sonderbaren Ansammlung von Tierfiguren gibt es eine kleine Geschichte, anhand derer ihr sie korrekt anordnen müsst. Kenner der Serie wird diese Aufgabe an ein Rätsel aus dem zweiten Frogwares-Sherlock erinnern. 6 Auch die "Schlussfolgerungsaufgaben" gibt es wieder – allerdings nur in der ersten Spielhälfte. Dabei müsst ihr die gewonnen Erkenntnisse miteinander abgleichen und durch Querverweise wichtige Tatsachenbestände ermitteln.

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