Das "M.O.O.R." ist groß und leer

Test Drive Unlimited 2 Test

Der neueste Teil der traditionsreichen PC-Rennserie setzt wie der Vorgänger auf eine frei befahrbare, offene Welt mit einem richtig großen Streckennetz. Doch dass Masse nicht gleich Klasse ist, wissen Rennspiel-Fans spätestens seit dem exorbitant großen, exorbitant leeren Fuel. Wie also schlägt sich Test Drive Unlimited 2?
Jörg Langer 21. Februar 2011 - 22:43 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.

Von Bernd Wener

Test Drive Unlimited 2 ist groß. Sehr groß. Riesengroß sogar. Neben dem Eiland O'ahu aus dem letzten Teil rast ihr nun auch über die Partyinsel Ibiza. Insgesamt stehen euch damit mehr als 3.000 Streckenkilometer an Staub und Asphalt zur Erkundung zur Verfügung. Das Spiel startet auf einer wilden Geburtstagsfeier, unter deren Gästen ihr euch zunächst einen von sechs Charakteren aussucht. Danach bekommt ihr einen schicken Ferrari California geschenkt, den ihr sofort auf einer Probefahrt ausprobiert. Klingt wie ein alberner Tagtraum? Stimmt, und ihr werdet auch nach wenigen gefahrenen Metern jäh aus ihm gerissen. In Wirklichkeit seid ihr nur Angestellter eines Fahrdienstes, der wegen seiner Träumerei gleich noch gefeuert wird. Die hübsche, aber zickige Moderatorin Tess gibt euch allerdings noch eine letzte Chance: Sie schleust euch als Neuling in die Rennliga namens Solar Crown ein. In der Garage eines Freundes dürft ihr euch euren ersten Wagen kaufen...

Unsere ersten 15 Minuten mit Test Drive Unlimited 2: zum First15-Video

Repetitive Lizenzprüfungen als Tutorial

Um an den Rennen teilnehmen zu dürfen, müsst ihr zunächst die jeweiligen Lizenzen erwerben. Diese sind allerdings eher als Tutorial zu verstehen, nicht als echte Herausforderungen. Dummerweise wiederholen sich die Aufgaben für jede Rennklasse doch sehr. Spätestens nach der dritten Überholprüfung hatten wir wirklich genug davon und erfüllten die Lizenzgeschichte als lästige Pflichtübung.

Die Meisterschaften bieten eine gute handvoll Spielmodi, darunter normale Rennen, Zeitrennen und Eliminierungsrennen. Doch während gerade letztere bei vielen anderen Rennspielen packende Duelle und knallharte Kopf-an-Kopf-Situationen bedeuten, fahren wir in Test Drive Unlimited 2 der KI meist schon nach wenigen Kurven gnadenlos davon. Ohnehin kleben die Gegner sehr stark an der Ideallinie. Bei einem Rennen konnten wir sogar beobachten, wie die KI-Fahrer an einer Kreuzung durch mehrere Begrenzungspfosten einfach wie Geister hindurch schwebten, da die ideale Kurvenlinie an dieser Stelle exakt diese Stangen passierte. Den Stangen passierte allerdings nichts, es handelt sich schlicht um eine kleine... Abkürzung für die KI. Sonst bliebe sie noch weiter hinten.

Die Zeitrennen sind da schon schwieriger, vor allem, weil ihr bereits beim geringsten Abkommen von der Straße mit Zeitstrafen belegt werdet. Das ist zwar verständlich, damit ihr nicht einfach querfeldein fahren könnt, doch ein wenig größer hätten die gültigen Bereiche unserem Empfinden nach schon ausfallen dürfen.

Driften und Ausweichen

Die Steuerung geht sowohl mit Tastatur als auch mit Gamepad gut von der Hand. Unterschiedliche Bodenbeläge wirken sich spürbar auf das Fahrverhalten aus. Die Fahrhilfen können in drei Stufen geregelt werden, außerdem dürft ihr zwischen manuellem und Automatik-Getriebe wählen, was Standard ist im Rennspielgenre. Die Wagen reagieren sehr direkt, für unseren Geschmack allerdings etwas zu sehr Richtung Go-Kart. Vor allem die Unterschiede einzelner Gefährte halten sich, abgesehen von Beschleunigung und Endgeschwindigkeit, in Grenzen. Der Gewichtsunterschied eines schweren SUVs gegenüber einem leichten Sportflitzer kommt nicht deutlich genug zur Geltung.

Dennoch macht es uns Spaß, per Automobil die beiden großen Inseln zu erkunden und immer wieder ein schönes Fleckchen Erde zu entdecken. Autoliebhabern wird mit den 101 verfügbaren Modellen eine ansehnliche Anzahl erspielbarer Schätze geboten. Diese sind sehr ansehnlich modelliert und bieten sogar teilweise Cockpit-Perspektiven, die in der "Innenausstattung" konfigurierbar sind. Eine weitere unterhaltsame Idee ist das sogenannte F.R.I.M. (Free Ride Instant Money): Durch erfolgreiches Driften, Ausweichen oder Spingen füllt sich ein Balken am oberen Bildschirmrand. Erreicht ihr die nächste Stufe, könnt ihr entweder das Geld per Tastendruck schnell einkassieren oder auf noch mehr Geld in den folgenden Stufen hinarbeiten. Bei einem Zusammenstoß wird jedoch alles zurückgesetzt, und ihr verliert das bisher nicht eingesackte Geld.

Offene, aber leere Welt

Die Zwischensequenzen sind mäßig animiert und noch schlechter vertont. Vor allem die deutsche Sprachausgabe lässt sehr zu wünschen übrig.
Um mit der kalten Dusche nicht zu lange zu warten: Für ein erklärtes Open-World-Spiel wirkt der Open-World-Part von Test Drive Unlimited 2 eher aufgesetzt. Dabei wird durchaus einiges geboten. So könnt ihr zum Beispiel diverse Häuser kaufen (um den Garagenplatz für euren Fuhrpark zu erweitern), euer Geld in Klamotten und sogar Schönheits-OPs investieren, im Free-Ride-Modus beliebig durch die Landschaft cruisen. Des Weiteren dürft ihr nach versteckten Autowracks suchen oder durch diverse Ausstellungsräume schlendern, um euch nach neuen Boliden umzusehen -- und diese sogar für eine kurze Probefahrt auszuleihen. Wer will, bestreitet an einigen Stellen kleine Nebenmissionen, die aber meist nur darin bestehen, eine Person von A nach B zu chauffieren. All das erlebt ihr in einer bis auf den spärlichen Straßenverkehr äußerst leeren Welt. Kein Vergleich zu den belebten Sandkasten-Städten eines GTA 4 oder Mafia 2. Auf die ohnehin nur hölzern animierten Bewohner trefft ihr ausschließlich in Geschäften und Zwischensequenzen.

Neben der Leere der Spielwelt fällt uns deren Detailarmut negativ auf. Test Drive Unlimited 2 hat zwar durchaus seine schönen Plätze, die eine gewisse Urlaubsstimmung vermitteln. Doch ein großer Teil der beiden Inseln besteht aus karger Natur. Das mag der realistischen Nachempfindung der Originale geschuldet sein, in einem Rennspiel bevorzugen wir dann doch Schauplätze mit mehr Abwechslung und grafischer Opulenz.

Ihr könnt 60 Fahrerlevels erreichen, die in vier unterschiedliche Kategorien aufgeteilt sind. Neben "Sammlung" (wie viele Wagen besitzt ihr?) und "Entdeckung" gibt es auch die beiden Bereiche "Sozial" (Erfolge im Multiplayer-Part) und natürlich "Wettbewerb". Ein typischer Renn-Event sieht so aus: Ihr fahrt mit einem für die Rennklasse zugelassenen Wagen zum Austragungsort und beginnt die Meisterschaft. Jeder Wettbewerb ist in mehrere Einzelrennen unterteilt, die ihr in beliebiger Reihenfolge absolvieren dürft. Je besser ihr abschneidet, desto mehr Punkte kassiert ihr in der Rennwertung. Ihr müsst also nicht notwendigerweise alle Einzelrennen als Sieger verlassen. Theoretisch ist es möglich, auch mit lauter zweiten Plätzen genügend Punkte einzuheimsen, um in der Gesamtwertung ganz oben auf dem Treppchen zu landen.

Typischer Renn-EventEin typischer Renn-Event läuft so ab: 1 Zunächst fahrt ihr zum Startpunkt der Meisterschaft. 2 Nach einer kurzen Zwischensequenz wechselt das Spiel zur 3 Übersichtskarte, wo ihr euch das nächste Rennen aussuchen dürft. 4 So nah wie hier bei der Startaufstellung sind euch die KI-Fahrer selten. 5 Selbst nach einem mittelschweren Unfall haben geübte Spieler keine Probleme, ihre Führung zu behaupten.

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