Im Team haut sich's besser

Tekken Tag Tournament 2 Test

Tekken Tag Tournament 2 ist nach einem Jahr in der Spielhalle endlich auf den Konsolen gelandet. Die normalen Tekken-Spiele hatten oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, reine Buttonmasher zu sein, ohne wirklich tiefgehende Spielmechanik. Ob es dieser Ableger anders macht?
Jörg Langer 19. September 2012 - 21:13 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Tekken könnte fast das neue Final Fantasy aus dem Hause Namco sein, nicht das Genre betreffend, aber in der jüngsten Veröffentlichungswut. Einen Animationsfilm, ein Crossover (Street Fighter X Tekken), einen 3DS-Ableger und eine Neuauflage von Tekken Tag Tournament später wird nun die für dieses Jahr letzte Runde eingeläutet: Tekken Tag Tournament 2 soll die Tugenden des Vorgängers übernehmen und die Spieler erneut mit packenden Partner-Duellen in seinen Bann ziehen. Damit wäre der wichtigste Unterschied zu den anderen Teilen der Serie genannt: In der Regel finden die Kämpfe in TTT2 zwischen zwei Kämpferpaaren statt – Optimisten können zwar auch gern solo gegen ein Paar antreten, haben dann auch etwas mehr Lebensenergie, sind aber in den Kombos eingeschränkt. Ist der Lebensbalken einer Seite vollkommen geleert, verliert dieses Team.
 
Gigantische Charakterriege
Die Geschichte von TTT2 spielt außerhalb des eigentlichen Tekken-Kanons rund um Dämonen und Engel. Sie bietet euch eine eher seichte Rahmenhandlung, untermalt von Zwischensequenzen und Dialogen zum Fremdschämen: Schönling Lee ist seinem Ziel, die ultimative Kampfmaschine „Combot“ zu entwickeln, verdammt nahe gekommen. Doch im entscheidenden Moment drückt er statt des Speicherbefehls die Löschentaste und muss demnach noch einmal ganz von vorn anfangen. Dummer Lee! Aber egal: Ihr übernehmt nun quasi die Rolle des neuen Combots, der sich mit Massen von Gegnern messen muss.

Gut 50 Charaktere stehen euch zur Auswahl. Die meisten sind aber nur optische Gegenstücke anderer Fighter.
Die Charakterriege umfasst mehr als 50 Figuren von Serienveteranen wie Kazuya, Nina Willliams, Paul Phoenix und Heihachi über neu gewonnene Lieblinge wie der Roboterdame Alisa bis hin zu fast vergessenen Prügelknaben, darunter Kunimitsu, Michelle Chang oder Tiger Jackson. Was sich nach spielerisch maximal möglicher Varianz anhört, wird mit einem simplen Trick auf diese stattliche Zahl aufgeplustert: Viele der Kämpfer sind nur optische Gegenstücke zu anderen.
 
Wichtig und wuchtig: Tag Assaults
Die Konstellation eurer Teams spielt trotz der reichen Auswahl eine große Rolle: Figuren, die sich miteinander vertragen, erzeugen mehr Netsu. Das ist eine Art „Zorn“, der sich beim Teampartner aufbaut, während der Buddy im Ring Dresche kassiert. Bei einem Tag-Wechsel richtet ihr dann wesentlich mehr Schaden an als sonst. Euer Mitstreiter ist während des Wechsels verwundbar und kann gegnerische Angriffe nicht blocken, was sich negativ auf euren Lebensbalken auswirken kann.  Wesentlich effektiver und spektakulär in Szene gesetzt sind da die Tag Assaults...

Abgedreht: Pandabär gegen Känguru...
 
... oder auch gegen einen Raubsaurier.
Jeder Charakter besitzt einen solchen Tag-Angriff, der den Gegner in die Luft befördert, während der Partner ins Bild springt, zusätzlichen Schaden verursacht und den Initiator die Attacke vollenden lässt. Als zweites Tag-Feature steht euch der Tag Crash zur Verfügung - habt ihr genug Netsu gesammelt und befindet euch sprichwörtlich am Boden, springt euer Partner kopfüber ins Bild und unterbricht die momentan ausgeführten Angriffe des Gegners. Der verprügelte Partner besitzt nun die Möglichkeit zur Flucht, opfert dafür aber sämtliche Energie des roten Lebensbalkens, die sich außerhalb des Ringes wieder regenerieren würde. Als Drittes könnt ihr im Doppel „Tag Throws“ ausführen, die den aktiven Charakter während eines optisch ansehnlichen Wurfes austauschen.
 
Feenkostüme und fliegende SumoringerTekken Tag Tournament 2 hat streng genommen schon mehr als ein Jahr auf dem Buckel; damals erschien es in den Spielhallen. Seitdem sind einige Bonusinhalte dazu gekommen, die in der Konsolenversion inkludiert sind. Das Herzstück der Konsolenfassung ist das Kampflabor, das sowohl als Storymodus als auch umfangreiches Tutorial dient. Von den normalen Schlägen über Bewegungen und Blockmanöver bis zu Kontern werden euch sämtliche Basics in praxisnahen Kampfsituationen beigebracht. Der Modus bedient dabei sämtliche Klischees gängiger japanischer Beat-em-ups und schreckt auch vor Selbstironie nicht zurück. Schulabsolventen in Ritterrüstung und im Feenkostüm, fliegende Sumoringer, gut verhüllte Frauen, die bei einem Treffer fast komplett entblößt werden oder anstürmende Hühnchen sind nur einige der obskuren Charaktere, die sich euch in den Weg stellen.
 
Nach jeder absolvierten Prüfung werden euch Punkte auf ein Konto gutgeschrieben, die ihr in neue Angriffe aus dem Repertoire des Charaktercasts investiert
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. So stellt ihr euch euren eigenen Kampfsportler zusammen, den ihr on- und offline ins Feld führen könnt. So reizvoll das ist, so nervtötend kann es oft sein. Profis werden sich insbesondere am Anfang langweilen, da selbst das Vor- und Zurückgehen lang und breit erklärt wird. Einsteigern werden ab dem dritten von fünf Kapiteln einige graue Haare wachsen – das Blocken und Kontern verlangt exaktes Timing, Tekken verzeiht dahingehend keinen Fehler.
 
Die anderen Spielmodi entsprechen dem Standard im Genre: Arcademodus, Trainingsmöglichkeit, Survival Mode, Time Attack und Matchmaking im Onlinemodus. Letzterer dürfte jeden Online-Veteranen auf Anhieb überzeugen: Zuerst werden Filteroptionen wie die Gegnerstärke und die bevorzugte Verbindung eingestellt, danach die Charaktere ausgewählt und im Anschluss in einem kleinen Trainingsmodus auf einen Gegner gewartet. Sollte es an der Tür klopfen, wird noch mal ein kurzes Fenster mit der Verbindungsqualität angezeigt. Erst wenn ihr diesen Dialog bestätigt, geht es in den Kampf. Die langwierige Charakter- und Stagewahl vor jedem Match entfällt.
 
Habt ihr anfangs in der Kampagne noch die Chance, durch simples Button-Mashing zufällige Siege einzufahren, sind später nur Tag Team-Attacken Garanten für einen Erfolg. Das gilt allerdings nicht uneingeschränkt für Online-Matches...
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