Test: Fortsetzung oder Zumutung?

Tales of Monkey Island #1 Test

Neun lange Jahre hat es gedauert, doch jetzt taucht der berühmteste aller Möchtegern-Piraten wieder aus der Versenkung hervor. Mit an Bord sind viele alte Bekannte, eine brandneue Geschichte und die Einführung des Episodensystems. Ob Monkey Island den Sprung in die Zeit der modernen Adventures schafft, lest ihr im folgenden Test.
Tim Gross 5. Juli 2009 - 22:44 — vor 10 Jahren aktualisiert
PC
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Guybrush Threepwood hat es nicht leicht. Viermal ist er seinem Erzfeind LeChuck bereits gegenübergetreten, nur um ihn jedes Mal aufs Neue vermeintlich vernichtend zu schlagen. Und auch nach dem bislang letzten Teil, Flucht von Monkey Island, waren alle Mühen umsonst, denn der charismatische Oberbösewicht kehrt in Tales of Monkey Island zurück. LucasArts hat Telltale Games beauftragt, ihre Adventure-Marke in die Jetztzeit zu übertragen, und Telltale benutzt ihr schon bei Sam&Max und Wallace&Grommit bewährtes Episodensystem. Fünf Episoden soll es geben, die erste heißt "Launch of the Screaming Narwhal".


Wer unsen (oben im Kasten verlinkten) Report zur Monkey-Island-Serie gelesen hat oder einfach ein Affeninselveteran ist, weiß: Der Geister-/Zombiepirat kidnappt mit Vorliebe Elaine, Guybrushs Angebetete. Und so finden wir uns in einer filmreif inszenierten Anfangssequenz wieder, in der wir direkt LeChuck gegenübertreten und unsere Herzallerliebste befreien müssen. Der Einstieg verheißt viel, ist aber auch verwirrend. Hier fehlt eindeutig die Vorgeschichte! Wie hat LeChuck Elaine entführt? Was hat er mit den 13 Affen von MonkeyVideo vor? Und wie ist Guybrush in Besitz eines magischen Säbels namens "The Cursed Cutlass of Kaflu" gekommen? Viele interessante und vor allem wichtige Fragen bezüglich der Story, die im Verlauf der ersten Monkey Island Episode leider unbeantwortet bleiben. Aber es kommen ja noch vier weitere...

Die Mimik der Charaktere kommt sehr gut rüber -- Guybrush ist in dieser Szene leicht perplex.


Ein Beispiel für die limitierte Grafik. Achtet auf das Seil der Brücke, das zu einer platten Textur wird.
Neuer Guybrush, veraltete Engine

Guybrush-Puristen fällt sofort das neue Charaktermodell auf, das schwer nach einem Kompromiss aus LeChuck´s Revenge und Curse of Monkey Island aussieht. So ist Guybrush noch immer groß und schlaksig wie im dritten Teil, hat aber ein cooles Piratengewand und einen Bart wie im zweiten. Die Mimik ist gut umgesetzt, auf den ersten Blick ist klar, ob Guybrush verwirrt, verängstigt, verlegen oder belustigt ist – dasselbe gilt für die anderen Figuren in Tales of Monkey Island. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man die schwache Technik in Betracht zieht: Alles ist sehr einfach gehalten, beispielsweise die Schatten. Effekte wie Feuer oder Explosionen lassen dementsprechend keine Kinnladen runterklappen, aber Telltale kaschiert die Limitierungen gekonnt. Außerdem hat die Simpel-Engine den Vorteil, dass Tales of Monkey Island auch auf schwachen Rechnern flüssig läuft und die Ladezeiten angenehm kurz sind.

Ein klassisches Adventure?

Zurück in die Gegenwart. Unter Anweisung von Elaine sollen wir unseren magischen Säbel mitsamt Malzbier nutzen, um LeChuck den garaus zu machen. Aber Guybrush wäre nicht Guybrush, würde er nicht die wertvolle Flasche mit unmöglich auffindbarem Malzbier fallen lassen. Also müssen wir schnellstens für Ersatz sorgen, während LeChuck im Hintergrund ein Voodoo-Ritual durchführt. Sehen wir uns nach nützlichen Gegenständen um; das ist aber gar nicht so einfach, weil die Kamera ungewohnt dynamisch ist. Das Schiff wackelt in den Wellen, und die Kamera wackelt mit. Auch die Steuerung lässt uns stutzig werden. Ihr könnt Guybrush am besten mit einer Maus und Tastatur Kombination lenken. Mit den Pfeiltasten bewegt ihr euch in die jeweilige Richtung, mit dem Mauszeiger wählt ihr Gegenstände aus, sprecht mit Charakteren oder öffnet Menüs. Zwar haben die Entwickler auch eine direkte Maussteuerung eingebaut, die ist aber längst nicht so komfortabel wie der übliche Point-and-Click-Standard; um dem mächtigen Piraten mit der Maus zu steuern müsst ihr nämlich die linke Maustaste gedrückt halten und dann den Mauszeiger in die gewünschte Laufrichtung bewegen. Per Shift-Taste wird gerannt, die Tabulatortaste öffnet das Inventar.

Alles in allem funktioniert das nach kurzer Eingewöhnungszeit gut, zwar nicht so gut wie bei den ersten drei Serienteilen, aber immer noch besser als mit der Grim-Fandango-Steuerung von Teil 4, Flucht von Monkey Island. Nun stehen wir also mit Malzbier-Ersatz und Voodoo-Säbel vor unserem Erzfeind. Als wir ihm den kalten Stahl in die Brust rammen, passiert etwas Unvorhersehbares. Aber erstmal rufen wir SPOILER-GEFAHR – weiterlesen des nächsten Absatzes auf eigene Gefahr! Echte Piraten lesen erst auf der nächsten Seite weiter...

In diesem Video seht ihr, wie sich Guybrush steuert und wie ein typisches Gespräch samt dynamischer Kamera abläuft.


LeChuck erlangt seine menschliche Gestalt zurück, während ein Teil seiner Bösartigkeit auf uns übergeht, genauer gesagt in unsere Hand. Später breitet sich der Fluch von LeChuck sogar über die Meere hinweg aus. Guybrush ist noch ganz verdutzt, genau wie wir ... plötzlich werden wir durch eine Explosion im hohen Bogen vom Schiff gefegt. Glücklicherweise weht ein vorteilhafter Wind und treibt uns auf die Insel Flotsam Island. Und so startet Tales of Monkey Island – Launch of the Screaming Narwhal. Auf Flotsam Island wird Guybrush sehr nett von einem einheimischen Piraten begrüßt – unsere Antwort auf die Gastfreundschaft nimmt aber die Form eines Faustschlages an: Guybrushs verfluchte Hand führt ein Eigenleben und drückt ihre Abneigung gegenüber dem restlichen Körper durch fiese kleine Attacken wie etwa Haareziehen aus. Autsch.

Guybrushs startet sein neues Abenteuer - bewusstlos. Hier treibt er gerade auf Flotsam Island zu.

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