Test: Jump'n'Run-Perfektion

Super Mario Galaxy 2 Test

Nach 25 Jahren Jump'n'Run-Karriere könnte man eigentlich meinen, dass bei Mario langsam mal Alterserscheinungen eintreten müssten. Doch Pustekuchen. Mit Super Mario Galaxy 2 liefert er stattdessen die bisher beste Leistung seiner gesamten Karriere ab. Erfahrt in unserem Test, wieso Nintendo ein absolutes Ausnahmespiel gelungen ist.
Philipp Spilker 11. Juni 2010 - 22:03 — vor 10 Jahren aktualisiert
Wii
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Mein Blick wandert schon wieder sehnsüchtig vom Schreibtisch hinüber zum Fernseher. Das tut er jüngst ungefähr alle zwei Minuten. Wohlwissend, dass nur wenige Meter entfernt etwas auf mich wartet, das mich in den letzten Tagen sowohl Zeitgefühl als auch unwichtige Dinge wie Ernährung und Schlaf völlig hat vergessen lassen: Super Mario Galaxy 2. Doch ich widerstehe dem Drang, mir erneut die Wii-Remote zu schnappen. Denn Super Mario Galaxy 2 ist ein Sonderfall. Ein Spiel, dass es nur alle paar Jahre einmal gibt. Ein Spiel, für das allein es sich schon lohnt, eine Wii zu besitzen. Vor allem aber ist es ein Spiel, an dass ich nach dem ebenfalls schon tollen direkten Vorgänger Super Mario Galaxy mit ungeahnt hohen Erwartungshaltungen heranging -- und dem es gelungen ist, diese nicht nur zu erfüllen, sondern noch zu übertreffen. Soviel Zeit also muss sein, diesem Spiel Tribut zu zollen. Und euch im ausführlichen Test zu verraten, warum ihr es auf keinen Fall verpassen solltet.

Wir bohren uns mit dem neuen Power-up "Wirbelbohrer" in den kleinen Planeten hinein, um  auf der anderen Seite, an der Unterseite des Endgegners, vernichtenden Schaden zuzufügen. Dann gibt der einen von 242 Powersternen her.

Nie gekannter Abwechslungsreichtum

Super Mario Galaxy 2 übernimmt eine der größten Stärken seines Vorgängers: den Abwechslungsreichtum. Nintendo-Chefvisionär Shigeru Miyamoto  hat den für die Firma ungewöhlichen Schritt eines direkten Sequels mit den vielen noch ungenutzten Ideen begründet, die bei der Entwicklung von Super Mario Galaxy noch in den Entwicklerhirnen herumgesprungen seien. Das fertige Spiel beweist, dass es sich dabei nicht um leere Worte gehandelt hat. Klar: Auch in Super Mario Galaxy 2 seid ihr wieder im Weltraum unterwegs und arbeitet euch über Planeten der unterschiedlichsten Gattungen vor. Und auch die Power-ups, die ihr bereits in Super Mario Galaxy zu eurer Verfügung hattet, sind wieder mit im Gepäck. Aber dennoch fühlt sich nicht ein einziger Level wie bloßes Recycling an. Immer, wenn wir beim Test kurzzeitig "Kennen wir das nicht schon?" dachten, kam kurz darauf unter Garantie ein "Oh wow, so kennen wir das ja doch noch nicht!"-Moment.

Besonders knifflig sind die finalen Levels einer jeden Welt.
Dass euch nie langweilig werden wird, liegt einmal mehr an den genial designten Levels. Allein deren Anzahl ist bereits beeindruckend. 49 Galaxien warten auf euch -- in sieben Welten aufgeteilt, beim ersten Durchspielen könnt ihr aber nur sechs davon bereise. Und diese Galaxien wiederum bestehen aus mehreren Aufgaben. In den meisten warten drei Aufträge auf euch; je nachdem, welchen ihr zu Beginn auswählt, ändert sich die in der Galaxie zurückzulegende Route deutlich. Euer Ziel ist es immer, am Ende des Levels einen Power-Stern zu erreichen. Dafür müsst ihr entweder einen Endgegner besiegen oder einfach nur einen bestimmten Punkt in der Galaxie erreichen. Hört sich wenig abwechslungsreich an? Oh, ihr irrt euch!

Denn in Super Mario Galaxy 2 gilt die Maxime: Der Weg ist das Ziel. Und wie auch schon im Vorgänger seid ihr nur in den seltensten Fällen länger als eine Minute auf ein- und demselben Planeten unterwegs. Durch die Levels sind nämlich konstant Mini-Aufgaben verteilt. Habt ihr eine davon gelöst, erscheint ein Sternenring und ihr katapultiert euch an einen neuen Ort. Bevor ihr also überhaupt in die Gefahr kommen könnt, euch an eurer Umgebung satt zu sehen, findet auch schon wieder ein Szenenwechsel statt. Und so werdet ihr konstant erstaunt, ständig von Neuem überrascht -- und seid nie orientierungslos. Schon in den ersten sieben Galaxien von Super Mario Galaxy 2 steckt mehr Abwechslung als normalerweise in ganzen (guten!) Spielen.

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Vieles neu

Der Variantenreichtum liegt auch daran, dass die bereits bekannten Elemente sehr gekonnt mit Neuzugängen kombiniert werden. Und dieser Neuzugänge gibt es einige. Zum Beispiel könnt ihr euch nun mit dem Wirbelbohrer durch lockere Erde graben und somit Abschnitte derselben Weltkugel erreichen, die ansonsten für Mario unerreichbar wären. Teilweise bohrt ihr euch damit quer durch ganze Planeten hindurch, manchmal allerdings endet der Ausflug auch im Inneren, in dem ihr plötzlich ein neues Areal entdeckt. Dort spielt dann auch gerne mal die Schwerkraft verrückt -- plötzlich bohrt ihr euch nicht mehr nach unten, sondern auch nach seitwärts und oben. Auch einigen Gegnern könnt ihr nur mit dem Bohrer Paroli bieten.

Einen Neuzugang in Marios Verwandlungs-Kader stellt Wolken-Mario dar. Wenn ihr das Wolkenkostüm in einem Level aufsammelt, könnt ihr mitten im Sprung selbst eine Wolke produzieren, die euch für kurze Zeit trägt -- oder aber auf fest im Level platzierten Wolken stehen, durch die der dicke Mario sonst hindurch plumpsen würde. Damit überwindet ihr auch unüberwindbar wirkende Schluchten und findet, wenn ihr euch genau umschaut, auch das ein oder andere Geheimnis in hohen Höhen oder wahlweise tiefen Tiefen. Doch wagt euch nicht zu weit hinaus, denn euer Wolkenvorrat ist auf drei Stück begrenzt. Und solltet ihr aus Versehen ins Wasser treten, verschwindet eure neue Fähigkeit sofort.

Fürs Rabiate zuständig ist hingegen Felsen-Mario. Mit diesem Power-up könnt ihr euch jederzeit zu einem Felsen zusammenrollen, mit einem Affenzahn durch den Level kugeln, Hindernisse aus ihren Angeln reißen und Sprungschanzen nutzen. Da der Felsen jedoch keine eingebaute Bremse hat, könnt ihr eure Fahrt nur stoppen, indem ihr gegen eine Wand oder ähnliches donnert. Rollt ihr stattdessen in einen Abgrund, seid ihr tot. Die Entwickler führen all diese Neuerungen übrigens sehr behutsam ein und lassen euch beim ersten Kontakt mit einem weiteren Element erst einmal vorsichtig damit experimentieren, nur um euch dann in späteren Levels euer ganzes Können abzuverlangen. Freut euch schon mal auf einen Abschnitt, in dem ihr mit Fels-Mario auf einer überdimensionalen Kegelbahn unterwegs seid, die fieserweise keine Seitenbegrenzung hat...

Kleine Kunde der Power-ups 1 Wolken-Mario kann nicht nur auf Wolken stehen, sondern auch eigene Wolken produzieren, um sonst unüberwindbare Abgründe zu bewältigen.  2 Mit dem Wirbelbohrer (ihr seht den Umriss im Planeteninneren) bohren wir uns durch ganze Planeten hindurch.  3 Wenn Yoshi die Schote verspeist, kann er dank Tempo-Boost zeitkritische Passagen meistern, senkrechte Wände erklimmen und auf dem Wasser laufen.  4 Mit der Blasebalg-Beere verwandelt sich Yoshi für kurze Zeit in einen luftballonähnlichen Zustand.  5 Die Glühbeere macht mit ihrem Schein unsichtbare Plattformen sicht- und begehbar. Sobald sie erlischt, existieren auch die Plattformen nicht mehr.   6 Auch alte Power-ups aus Super Mario Galaxy wie der Bienenanzug sind wieder verfügbar.
 
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