Eine Frage des Blickwinkels

Super Mario 3D Land Test

Hochkarätige Spiele sind seit dem Launch des 3DS eher Mangelware. Wie gut, dass Nintendo in solchen Situationen notfalls immer den schnauzbärtigen Klempner Mario aus dem Ärmel schütteln kann, der fast jeder Hardware eine Daseinsberechtigung verschafft. Ob dies auch mit Super Mario 3D Land gelingt, klärt unser Test.
Jonas Schramm 26. November 2011 - 17:42 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots in diesem Test wurden von uns selbst erstellt und per Pixel-Vervielfachung (ohne Interpolierung) von der Originalauflösung des 3D-Screens, 400x240, hochskaliert.

Frühe Besitzer eines Nintendo 3DS mussten in den Monaten seit der Veröffentlichung so einiges verkraften. Gerade mal vier Monate nach Veröffentlichung gab es eine massive Preissenkung um ein Drittel. Dann sorgte die Ankündigung eines Adapters für Verwirrung, der einen zweiten Analogstick hinzufügt. Vor allem aber tat sich auf der Software-Seite lange Zeit nicht viel: Masse, die auf den 3D-Effekt vertraute, ging vor Klasse.  Es war schon bezeichnend, dass das vermutlich bislang beste 3DS-Spiel The Legend of Zelda – Ocarina of Time war, also das Remake eines jahrzehntealten Klassikers. Aber zumindest Richtung Weihnachtsgeschäft sind einige Titel erschienen oder erscheinen in Kürze, die dem portablen Spielgerät einen Schub in die richtige Richtung geben könnten. Eines davon ist Super Mario 3D Land. Der italienische Klempner muss darin einmal mehr die Prinzessin retten, indem er munter durch allerlei Welten rennt und hüpft. Ob er auch ein neues Kaufargument für den 3DS liefert?
 
Die Kamera macht's
In Super Mario 3D Land spielen die Entwickler mit unterschiedlichen Perspektiven. So lauft ihr zu Beginn noch in einen dreidimensionalen Level hinein (oben). Etwas später mutet selbiger wie ein 2D-Jump-and-run an (Mitte). Zu guter Letzt steuert ihr Mario in der Draufsicht (unten).
Die Story in Super Mario 3D Land ist schnell erklärt: Prinzessin Peach wurde von Bowser entführt und Mario macht sich wieder einmal auf, sie zu retten. Das Spiel besteht aus 16 Welten, die jeweils sechs Levels bergen. Am altbekannten Spielprinzip wurde nichts Wesentliches verändert: Ihr weicht immer noch Gefahren aus, macht Goombas und etwaigen anderen Gegnern den Garaus und sammelt Münzen, die euch Extraleben bringen. In den Levels sind immer drei Sterne versteckt, die es zu finden gilt. Sie sind für euren weiteren Fortschritt wichtig, da ihr die Bosslevels nur mit einer bestimmten Anzahl an Sternen betreten dürft. Erst durch einen besiegten Bossgegner – sei es Bowser, Boom Boom oder der neue Boss Pom Pom – schaltet ihr dann eine neue Welt frei. Neben den normalen Levels warten auch immer wieder Mystery-Boxen und Toad-Häuser auf euch. Mystery-Boxen sind kleine Bonusabschnitte, in denen ein paar Extra-Sterne darauf warten, von euch eingesammelt zu werden. In den Toad-Häusern wiederum bekommt ihr einmalig ein Item geschenkt.
 
Super Mario 3D Land könnten wir im Prinzip als eine Art Best-of der gesammelten 2D- und 3D-Marios der letzten Jahre verbuchen. Und dennoch gelingt es Nintendo trotz der im Kern unveränderten Formel, dass es sich neu anfühlt. Das liegt vor allem am gekonnten Einsatz unterschiedlicher Kameraperspektiven. Steuert ihr Mario im ersten Moment in einen dreidimensionalen Raum hinein, erinnert derselbe Level kurz danach an ein 2D-Jump-and-Run, in dem ihr euch von links nach rechts bewegt. Später folgen dann auch noch Sequenzen, in denen ihr Mario aus Obendraufsicht durch den Level navigiert. Oder ihr seht Mario von vorne, lauft also direkt auf die Kamera zu, während ihr einigen anrollenden Kanonenkugeln und anderen Hindernissen ausweicht. Auch die Bosslevels fallen durch eine interessante Nutzung der Kamera auf: So spielen diese Levels meist auf einem Schiff, das sich von links nach rechts bewegt – und die Kamera gleich mit. Ihr müsst in diesen Abschnitten ständig in Bewegung bleiben. Sobald Mario nämlich aus dem Sichtfeld der Kamera verschwindet, verliert ihr ein Leben und müsst neu starten.
 
Damit die Entwickler den gewünschten Effekt der unterschiedlichen Perspektiven erzeugen können, dürft ihr euren Blickwinkel nicht frei justieren. Dies ist aber überhaupt nicht schlimm, da die Integration der Kamera nahezu perfekt ist. Die Folge der festen Kamera ist aber, dass es nicht allzu viel in den Levels zu entdecken gibt. Allenfalls die Sterne sind auch mal an Stellen platziert, die aus der festen Kameraposition nur zu erahnen sind. Weitere Geheimnisse fehlen weitgehend.
 
Altbekanntes mit aktuellem Touch
Der Weg ist wieder einmal das Ziel. Das Ende eines Levels wird durch diese Zielpfähle markiert.
Die Levels sind sehr abwechslungsreich und stellen euch stets vor neue Herausforderungen. Mit so ziemlich jedem neuen Spielabschnitt wird ein neues Element in den Levelaufbau integriert. Da wären zum Beispiel neue Gegnertypen, die ihr nur auf eine bestimmte Art und Weise besiegen könnt. Die Vielfalt reicht von den eben schon erwähnten Goombas, die noch in relativ gemächlichem Tempo schnurstracks auf euch zulaufen, über laufende Bomben, die nach einer gewissen Zeit explodieren, bis hin zu unterschiedlichen Pflanzenfeinden. Die wollen euch zum Beispiel auffressen, oder sie bespritzen den Bildschirm mit schwarzer Tinte, um euch die Sicht zu erschweren.
 
Zudem garantiert der Aufbau der Levels Abwechslung. Springt ihr im einen noch von einem Gummiseil zum nächsten, begebt ihr euch im nächsten unter Wasser oder klettert an drehenden Würfeln entlang. Dann wieder begebt ihr euch auf eine rasante Achterbahnfahrt, um noch später ein Spukschloss zu erkunden, in dem lediglich ein kleiner Teil der Umgebung sichtbar ist. Nämlich der, der im engen Lichtkegel liegt, der Mario umgibt. Wie immer in einem Mario-Spiel ist der Weg euer Ziel. Ihr lauft also immer einem Zielpfahl entgegen, um einen Level erfolgreich abzuschließen. Vom Startpunkt bis dorthin ist es meist nicht weit, was sicherlich auch ein Zugeständnis an kurze Spielsessions unterwegs ist. Zumindest, wenn ihr ohne zu sterben durchkommt, werdet ihr für keinen der Levels mehr als fünf Minuten brauchen. Allerdings wird euch diese
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s Kunststück gerade in den späteren Spielabschnitten nicht immer auf Anhieb gelingen.
 
Damit Mario gegen die Vielzahl an lauernden Gefahren gewappnet ist, macht er von Items Gebrauch. Der Tanuki-Anzug stand im Mittelpunkt der Vorberichte – auch wenn das Tierkostüm für alle Super Mario Bros. 3-Veteranen längst bekannt ist. Doch in gewisser Weise geht es in Super Mario 3D Land um genau diese Nostalgie, die durch die Verquickung bekannter Spielelemente hervorgerufen wird. Für alle, die mit dem Tanuki-Anzug nicht vertraut sind: Es handelt sich dabei um ein Marderhund-Kostüm, mit dem Mario einerseits für längere Zeit in der Luft gleiten kann, und der es ihm andererseits ermöglicht, Gegner mit einer Schweifattacke auszuschalten. Neue Power-ups sind Boomerang-Mario und die Propeller-Box. Aber auch bei diesen beiden sind die Einflüsse aus anderen Mario-Spielen offensichtlich. So ist der Boomerang-Mario an den Boomerang Bro. (unter anderem aus New Super Mario Bros. bekannt) und die Propeller-Box an den Propeller-Pilz aus New Super Mario Bros. Wii angelehnt. Machen sie deswegen weniger Spaß? Natürlich nicht.
Marios Power-ups
Damit es Mario auch im späteren Verlauf mit den zahlreichen Gegnern aufnehmen kann, stehen ihm wieder einige Power-Ups zur Verfügung. 1 Durch das Einsammeln der Feuerblume verwandelt sich unser Held in Feuer-Mario, der ab sofort mit Feuerbällen um sich wirft. 2 Durch den Superstern wird Mario für kurze Zeit unverwundbar. 3 Boomerang Mario ist eine Neuerung in Super Mario 3D Land, aber an den Boomerang Bro. aus älteren Teilen angelehnt. 4 Auch die Propeller-Box ist neu. Mit ihr könnt ihr auch große Strecken in der Luft zurücklegen. 5 Der Tanuki-Anzug ist das Highlight des Spieles. Mit diesem könnt ihr nicht nur eine Schweifattacke ausführen, sondern auch durch die Luft gleiten. 6 Den weißen Tanuki-Anzug erhaltet ihr, wenn ihr in einem Level fünfmal gestorben seid. Dadurch werdet ihr unverwundbar und könnt nur noch durch Sprünge in den Abgrund sterben.
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