Kunterbunt und skurril

Sunset Overdrive Test

Bitte Anschnallen und gut festhalten! Insomniac Games schickt Xbox-One-Besitzer auf eine Achterbahnfahrt durch die Mutanten-Apokalypse. Eine abgedrehte Story, ein mit irren Fähigkeiten ausgestatteter Held, abwechslungsreiche Missionen und massig Gegner – ob am Ende auch der Spielspaß stimmt, verraten wir euch im Test.
Christoph Vent 27. Oktober 2014 - 9:00 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Insomniac Games sind zurück! Bekannt ist das Studio vor allem Besitzern von Sony-Konsolen, erschienen doch etwa die Ratchet & Clank- sowie die Resistance-Reihe exklusiv für die Playstation. Nun haben die erfahrenen Designer das Lager gewechselt, ihr neuestes Spiel Sunset Overdrive kommt ausschließlich für die Xbox One. Das orientiert sich spielerisch kaum an vorigen Werken Insomniacs, sondern lässt sich am ehesten als Infamous auf Speed beschreiben. Wie in den Sucker-Punch-Titeln verfügt euer Held nämlich über ganz besondere Fähigkeiten bei der Fortbewegung. Welche das sind, und wie sich Missions- und Storydesign schlagen, lest ihr im Folgenden.

Bier ist gesünder...
als Energy Drinks
Schon bei der Story von Sunset Overdrive wird klar: Dieses Spiel nimmt sich nicht wirklich ernst. Ihr befindet euch im Jahr 2027. In Sunset City bewirbt der Konzern Fizzco seinen neuen Energy-Drink Overcharge Delirium XT mit einer großen Releaseparty. Doch irgendetwas stimmt mit dem Gesöff nicht: Nur kurze Zeit, nachdem die ersten Partygäste die Zuckerbrause in sich hineingeschüttet haben, verwandeln sie sich in hässliche Mutanten, die Jagd auf Menschen machen. Die Seuche breitet sich noch in der Nacht rasant in der Stadt aus.

Euer namenloser Held wider Willen, dessen optische Erscheinung ihr zuvor im umfangreichen Editor festlegt, befindet sich zwar ganz nah am Epizentrum des Ausbruchs, doch er hat Glück im Unglück. Er ist an dem Abend für die Sauberkeit auf dem Konzert zuständig, hält sich also selbst von der Ekelbrause fern. Als dann plötzlich vor ihm ein Mutant auftaucht, handelt er geistesgegenwärtig und ergreift die Flucht. In einem kurzen Tutorial schafft ihr es im letzten Moment nach Hause – und gönnt euch erst mal ein Bierchen. Euer Plan: Die Katastrophe aussitzen. Zwei Wochen später geht euch aber der Gerstensaft aus. Nun ist es höchste Zeit, die Wohnung zu verlassen. Andere Überlebende sind schnell gefunden: Bastler Walter etwa arbeitet gerade an einem Hubschrauber, der euch die Flucht aus der Stadt ermöglichen soll. Das rettende Ticket müsst ihr euch aber erst noch verdienen.

Grind, Sprung, Wandlauf – Verwirrung
Mutanten sind allergisch gegen Feuer – der Schocker mit seinen sich selbst ausbreitenden Blitzen tut es aber auch.
Sunset Overdrive ist ein klassisches Open-World-Spiel. Die Missionen holt ihr euch in der Schulterperspektive in der Spielwelt ab. Auf welchem Weg ihr zu den Auftraggebern gelangt, ist euch freigestellt. So weit, so bekannt.

Was Sunset Overdrive aber anders macht, ist das "Wie". Wie in Infamous - Second Son (GG-Test: 8.0) bewegt ihr euch weder mit Autos noch mit anderen Fahrzeugen fort, und auch der Fußmarsch ist eher die Ausnahme als die Regel. Stattdessen besitzt euer Held die Fähigkeit, auf allen Arten von Geländern oder Kabeln zu grinden. Vorstellen müsst ihr euch das in etwa wie einen Grind mit einem Skateboard – mit der Ausnahme, dass euch das Brett unter den Füßen fehlt. Darüber hinaus dienen viele Gegenstände in Sunset City als Sprungfeld. Hüpft ihr auf ein Autodach, eine Markise, einen Container oder eine Lüftung einer Klimaanlage, werdet ihr mehrere Meter hoch in die Luft geschleudert.

Sunset City teilt sich auf drei Inseln auf. Ihr startet links im Industriegebiet, danach geht's ins Geschäftsviertel und zuletzt auf die Vergnügungsmeile mit Freizeitpark.
Ihr könnt auch an Häuserwänden entlanglaufen und auf einen weiteren Tastendruck hin an diesen sogar um die Ecke. Habt ihr den Dreh einmal raus, lassen sich diese Fähigkeiten zu langen Ketten kombinieren, sodass ihr bei eurer Reise durch die Stadt nur selten den Boden berühren werdet. Bis dahin dauert es allerdings ein wenig. Zwar setzt euch Sunset Overdrive die Fähigkeiten nicht von vornherein als gegeben vor, sondern führt sie nach der Reihe mit kurzen Tutorialabschnitten ein. Trotzdem werdet ihr in den ersten ein bis zwei Spielstunden des Öfteren eure Not haben, genau die Aktion durchzuführen, die ihr gerade beabsichtigt.

Der rechte Stick, dein bester FreundEin Problem bei der Aneinanderreihung von Grinds und Sprüngen ist vor allem die Übersichtlichkeit. Eine Markierung auf dem Boden zeigt euch an, wo ihr nach einem Sprung landen werdet – allerdings müsst ihr dafür die Kamera gen Boden ausrichten, was wiederum die Aussicht nach vorn einschränkt. Der rechte Stick zur Anpassung wird dadurch zu eurem wichtigsten Utensil, noch vor der Sprung- oder der Schusstaste. Ähnlich verhält es sich bei den Jump-and-run-Abschnitten, in denen ihr auch schon mal eine gebogene Stange entlang grindet. Gerade in solchen Situationen wäre es eine große Hilfe, würde die Ka
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mera automatisch mitschwenken.

Als richtige Herausforderung erweisen sich Grinds und Co. aber erst in Kämpfen. In den ersten Schusswechseln haben wir daher immer wieder Stromkabel und Rohre gemieden und stattdessen unser Glück im klassischen Bodenkampf versucht. Dass die erhöhte Bewegungsfreiheit gepaart mit einem recht hohen Spieltempo nicht gerade der Zielgenauigkeit zugute kommt, war wohl auch Insomniac Games bewusst. Anstatt einen Gegner nämlich genau ins Visier nehmen zu müssen, reicht es schon aus, ungefähr in seine Richtung zu zielen. Die automatische Zielerkennung erledigt den Rest: Sobald ein rotes Fadenkreuz auf dem Feind erscheint, könnt ihr euch sicher sein, ihn zu treffen. Mit zunehmender Übung werdet ihr aber immer besser in die Steuerung mit all ihren Details hineinfinden. Dazu gehört dann auch, dass ihr die Geschwindigkeit bei Grinds drosseln oder das sowieso schon flotte Tempo zusätzlich erhöhen könnt. Oder aber, ihr überwindet größere Lücken in der Luft mit einem kurzen Boost. Aber selbst wenn ihr das alles verinnerlicht habt, erreicht das Bewegungssystem von Sunset Overdrive nie die Intuitivität eines Infamous - Second Son.
Hoch über Sunset City geraten wir immer wieder in Geschicklichkeits- und Jump-and-run-Abschnitte. Die sind an sich gut gelungen, allerdings müssen wir ständig manuell die Kamera justieren, um nicht die Übersicht zu verlieren.
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