Test: Mass of WarCraft

Star Wars - The Old Republic Test

Es ist soweit: Der neue Rollenspielkracher von Bioware war seit dem 13.12. für Vorbesteller spielbar und ist ab heute für alle verfügbar. Wir verzichteten auf Schlaf, Nahrung und Atempausen, um euch zum offiziellen Release-Termin einen ausführlichen – und hype-befreiten – Test zu präsentieren.
Karsten Scholz 20. Dezember 2011 - 3:53 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von uns.

Fast drei Monate haben wir uns durch die Beta-Phase von Star Wars - The Old Republic geredet, gekämpft und gehandelt. Haben uns vom Akolyten zum mächtigen Lord der Sith aufgeschwungen, uns in der großen Jagd mit anderen Kopfgeldjägern gemessen und vielen Welten als Jedi-Meister den Frieden zurückgebracht.

Doch all diese Taten sind seit dem 13.12. vergessen. Unser Jedi ein Padawan wieder ist, viel zu lernen er noch hat. Unser Sith ein Schüler, der weniger wert ist als der Dreck unter den Füßen seiner Lehrmeister. Und auch die kleinen Bugs und technischen Schwierigkeiten der Beta sind vergessen. Fürs Erste. Denn jetzt zählt es! Jetzt muss sich das Star Wars-MMORPG auf den Live-Servern beweisen. Jetzt müssen die Entwickler zeigen, wo der Trandoshaner seine Locken hat. Wir haben uns in der vergangenen Woche ausgiebig auf Tython, Tatooine und Co. ausgetobt und verraten allen Unentschlossenen, ob sie ihren Winterurlaub mit dem Lichtschwert in der Hand verbringen sollten.

Dieser Testbericht ist aber längst nicht alles, was wir euch aktuell zu The Old Republic berichten können und wollen. Neben der besonders langen Stunde der Kritiker mit Heinrich Lenhardt und Jörg Langer könnt ihr euch auf eine Koop-Mission mit beiden freuen, ebenfalls in Video-Form. Außerdem erscheint am heutigen Launchtag ein kommentiertes Video zu den acht Grundklassen, bei denen ihr auch die Startplaneten und die ersten Begleiter sehen werdet. Und schließlich führt unser Redaktions-Sith-Krieger Martin Lisicki ein Tagebuch über die Erlebnisse seines Alter Egos, das er auch über die Feiertage und zwischen den Jahren fortführen möchte. Aber jetzt zum wichtigsten, dem Testbericht...
Auf Coruscant, der Hauptwelt der Republic, fühlen sich Kenner der Film-Episoden 1-3 sofort wohl. Verehrer der wahren Trilogie (4-6) denken angesichts dieses Raumschiffs eher an die Millenium Falcon von Han Solo, über 1.000 Jahre später.

Am ersten Tag
Weltraumschlachten
Wenn Star-Wars-Fans an Star Wars denken, dann denken sie an Lichtschwerter, an seltsame Frisuren, aber doch nicht zuletzt auch bombastische Weltraumschlachten mit kleinen Jägern, riesigen Kreuzern und dem Todesstern mit den Ausmaßen eines Monds. Letzterer wird erst in ein paar tausend Jahren gebaut, doch Raumschlachten gibt es auch in The Old Republic. In einem  Minispiel an Bord eures Schiffs schießt ihr reihenweise feindliche Raumgleiter ab. Ihr greift in den Missionen feindliche Stützpunkte an, eskortiert Flüchtlinge aus einer gefährlichen Zone heraus oder fangt feindliche Jäger ab, die die Versorgungslinien eurer Fraktion unterbrechen wollen.



Das Spielprinzip ist dabei immer gleich: Ihr fliegt mit eurem Schiff durch einen fest definierten Schlauchbereich, in dem ihr euch mit der Maus frei bewegen könnt. Feindlichen Zielen setzt ihr in erster Linie mit eurem Geschütz zu, schwerere Brocken bekommen eure Raketen zu spüren. Ihr wiederum weicht dem Feindfeuer aus, besonders per Rolle (Leertaste). Bevor die feindlichen Attacken euer Schiff treffen, knabbern sie am Energieschild – der lädt sich dummerweise nur wieder auf, wenn ihr selbst nicht feuert. So einfach sich dieses Spielprinzip auch anhört, mit den Standard-Bauteilen eures Raumschiffs werden die Missionen schnell richtig knackig.

Gut, dass es auf jedem Planeten Händler gibt, die euch Upgrades verkaufen. Für die ersten blättert ihr ein paar hundert Credits hin, später investiert ihr die erspielten Marken in hilfreiche Verbesserungen. Obwohl die Weltraumkämpfe mit eurer persönlichen Geschichte nichts zu tun haben, finden wir sie als Abwechslung nett. Ihr tragt eine Schlacht vor riesigen Planeten aus, kämpft euch durch gefährliche Meteoriten-Felder und prügelt euch um stark bewaffnete Raumstationen. Das macht auch optisch einiges her.
Am ersten Tag zog sich der Autor den neuen Client. Aus den 50 GB aus der Betaphase sind mittlerweile "schlanke" 20 GB geworden. Spieler mit langsamer Internetleitung sollten dennoch auf die Datenträger-Version warten, um einige Stunden Download-Zeit einzusparen. Am zweiten Tag schuf er den Menschen, genauer: einen Jedi-Botschafter. Und er sah, dass der schneidige Robenträger gut aussah. Hätten wir früher gewusst, dass zu dem eh schon sehr femininen Klamottenstil auch noch ein fescher Haar-Reif gehört, hätten wir uns eine zierliche Dame anstatt des muskulösen Schönlings erstellt. Mit Miralukanern, Mirialanern, Twi´lek und Zabrak standen uns für den Botschafter vier weitere Völker zur Auswahl. Insgesamt sind in The Old Republic neun unterschiedliche Lebensformen (inklusive Cyborg-Menschen) spielbar, leider allesamt humanoid. Nur zu gerne wären wir in die Rolle eines pelzigen Wookies oder eines kleinen Jawas geschlüpft. Und auch die Anpassungsmöglichkeiten der verschiedenen Spezies werden nicht jeden Spieler zufrieden stellen. So bieten euch zum Beispiel die beiden Cryptic-Spiele Star Trek Online beziehungsweise Champions Online deutlich mehr Einstellungen an. Doch wie sagte schon Otto Rehhagel: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz." Und nicht bei der Trikot-Wahl.

Der Botschafter ist eine von vier Klassen, die ihr auf Republikseite wählen dürft. Als weiterer Lichtschwertschwinger steht euch der Jedi-Ritter zur Wahl,  die machtlosen aber nicht kraftlosen Schmuggler und republikanische Soldaten ergänzen das Quartett. Die vier Klassen des Imperiums bilden wiederum direkte Gegenstücke zu den vier Typen der Republik. So entspricht der Sith-Krieger dem Jedi- Ritter, während die Spielweise des Kopfgeldjägers sehr an den Soldaten erinnert. Republikanische Schmuggler und imperiale Agenten verstecken sich beide hinter Deckungen beziehungsweise Schilden. Sith-Inquisitoren setzen im Kampf vor allem auf Machtangriffe, wie der Jedi-Botschafter auch. Diese Klassenspiegelung verspricht auf den ersten Blick wenig Abwechslung, fördert aber gleichzeitig das Balancing zwischen den beiden Fraktionen, was besonders PvP-Fans erfreuen dürfte.

Erste GehversucheEgal welche Klasse ihr wählt: Eure Reise beginnt immer mit dem fantastischen, auch durch die millionste Wiederholung nicht kaputt zu kriegenden Star-Wars-Thema von John Williams, während euch eine goldgelbe, klassenspezifische Schrift vor dem Hintergrund des unendlichen Weltraums einen ersten Einblick in die Geschichte eures Helden gewährt. Weiter geht es auf einem Schiff, das euch in euer Startgebiet bringt. Jedi-Ritter und Botschafter landen auf dem Planeten Tython, während es Schmuggler und Soldaten nach Ord Mantell verschlägt. Auf der Seite des Imperiums toben sich die Sith-Akolyten auf Korriban aus, Imperiale Agenten und Kopfgeldjäger müssen sich dagegen auf Hutta zurecht finden.

Gut für MMO-Neulinge: In der Anfangszeit werdet ihr von Tutorial-Hilfen geradezu erschlagen. Im Verlauf eurer Karriere lassen diese Hilfestellungen nach, ab und an werdet ihr euch sogar durch Kodexeinträge wühlen müssen, um zum Beispiel herauszufinden, welche Berufe gut miteinander harmonieren. Habt ihr dagegen schon einmal ein Online-Rollenspiel gespielt, werdet ihr in der Anfangszeit nur wenige echte Überraschungen erleben. Via WASD steuert ihr euren Helden, die Maus kontrolliert die Kamera.

Alle Fähigkeiten könnt ihr mittels Klick oder Tastenkürzel aus einer Leiste heraus aktivieren. Geht euch der Platz in der standardmäßig eingeblendeten Leiste aus, fügt ihr weitere im Optionsmenü eures Interfaces hinzu. Leider ist es bisher nicht möglich, die einzelnen Interface-Komponenten individuell anzupassen. Wer gerne die Lebensbalken von sich und dem Ziel im oberen Teil des Bildschirms hätte oder einfach nur die Skalierung der Balken kleiner schrauben mag, der schaut in die Röhre. Game Director James Ohlen versprach im offiziellen Forum bereits, dass Anpassungsmöglichkeiten für euer Interface ganz oben auf der Prioritätenliste des Entwicklerteams steht.

Kämpfe: konservativ aber actionreich
In die Röhre schauen auch alle MMO-Veteranen, die sich nach einem innovativen Kampferlebnis sehnen – seit Ultima Online sowie Everquest, die 1997 respektive 1999 veröffentlicht wurden, hat sich nur wenig im Gamedesign der Onlinerollenspiele getan, Age of Conan war noch eines der innovativsten seitdem. Star Wars - The Old Republic bedient sich hingegen der bewährten Mechanik: Ihr wählt ein Ziel aus, nutzt per Zahlentaste eine Fähigkeit und aufgrund eigener und gegnerischer Charakterwerte wird durch das Spiel berechnet, ob ihr trefft und wie hoch der angerichtete Schaden ist. Im Gegensatz zum aktuellen Genre-König World of Warcraft gibt es aber keine automatischen Angriffe, ihr müsst jeden Schlag oder Schuss selber ausführen. Dadurch spielen sich die Kämpfe gerade als Nahkämpfer sehr actionreich, ein Gefühl, welches bei den Jedi und Sith noch durch die mächtigen Lichtschwert-Schwünge verstärkt wird. Wir hatten bei einigen Angriffen tatsächlich das Gefühl, dass ordentlich Schmackes hinter unserem Schlag lag.  Aber auch Fernkämpfer können zufrieden sein. Wenn euer Kopfgeldjäger sich mit seinem Jetpack in die Lüfte hebt und eine mächtige Raketensalve auf die Feinde loslässt, wird euch als Fan von Boba Fett das Herz aufgehen. Versprochen.

Die acht Klassen unterscheiden sich vor allem durch den genutzten Ressourcen-Typ voneinander. Jedi-Ritter greifen zum Beispiel auf bis zu zwölf Fokuspunkte zurück, die ihr durch
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bestimmte Angriffe aufbaut, nur um sie gleich in noch stärkere Schläge zu investieren. Der Kopfgeldjäger muss sich wiederum mit dem Hitzewert seiner Waffe auseinandersetzen. Ballert ihr aus allen Rohren, teilt ihr kurzfristig zwar enormen Schaden aus, doch werdet ihr irgendwann eine Zwangspause einlegen müssen, um eure Waffe abkühlen zu lassen. Dank einigen Fähigkeiten könnt ihr diesen Prozess beschleunigen beziehungsweise bereits präventiv die Temperatur eures Kampfgerätes drosseln. Eine besondere Mechanik erhalten Schmuggler und Imperiale Agenten, die sich zusätzlich mit einem Deckungssystem herumschlagen dürfen. Ihr könnt entweder hinter natürlichen Gegebenheiten wie Kisten oder Steinformationen Schutz suchen, oder euch hinter einer künstlichen Wand verstecken. Dort genießt ihr neben einer erhöhten Verteidigung auch den Zugriff auf besondere Angriffe, die eben nur aus der sicheren Deckung aktiviert werden können. Gleichzeitig seid ihr in dieser Position aber auch sehr unflexibel und das wiederholte Aufstellen des Schildes oder Hinkauern raubt euch kostbare Zeit, sodass ihr immer abwägen müsst, ob sich der Sprung hinter die Deckung wirklich lohnt.

before
after
Auch bei hochaufgedrehten Grafikeinstellungen (rechts) fällt das fehlende Anti-Aliasing auf: Die Treppenbildung bei den Schatten ist besonders unschön. Dafür wirken besonders Gräser und Bäume detailliert.
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