Test: Ein Fest für Trekkies

Star Trek Online Test

Star Trek Online kann auf eine bewegte Geschichte zurück blicken -- noch 2008 stand es kurz vor dem endgültigen Aus. Nun aber findet es tatsächlich seinen Weg in die Händlerregale und will frischen Wind ins MMO-Genre bringen. Ob dies gelungen ist oder ihr die Uniform lieber im Schrank lassen solltet, lest ihr im Folgenden.
Marco Büttinghausen 4. Februar 2010 - 23:35 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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Sternenzeit 4-2-2010. Gerade sind wir mit unserem Schiff aus dem Subspace gesprungen, da erreicht uns schon der Hilferuf von einem Klasse-M-Planeten. Keinen Augenblick später fliegen die ersten Photonen-Torpedos auf uns zu. Willkommen im Star-Trek-Universum, Captain! 

Während ihr bei anderen MMOs in aller Regel erstmal Ratten töten, Eichhörnchen fangen oder Kräuter sammeln müsst, bekommt in Star Trek Online jeder Fähnrich von Anfang an ein Schiff mitsamt Crew. Damit tragt ihr dazu bei, den Alpha-Quadranten und damit das gesamte Universum ein klein wenig sicherer zu machen. Gute Leute werden im Moment einfach gebraucht! Denn der Krieg mit den Klingonen ist wieder ausgebrochen, die Borg wurden gesichtet und das Dominion ist auf dem Vormarsch. Doch bevor wir uns eurer Zukunft in der Sternenflotte widmen, ist ein kurzer Blick in die Vergangenheit angebracht.

In Star Trek Online hat die Vernichtung eures Raumschiffs keinerlei Folgen -- und sieht auch noch hübsch aus.

Star Wars-Apologeten, aufgepasst: Star Trek ist das wahre Science-Fiction-Franchise! Vielleicht nicht so umsatzstark wie die Lukas'sche Merchandising-Familie, aber langlebiger, vielfältiger und erwachsener. Neben fünf immens populären Serien sind in den letzten 40 Jahren elf nicht minder populäre Filme entstanden. Seit den siebziger Jahren gab es gleichzeitig immer wieder Computerspiele mit eher schwankender Qualität. Fast alle Genres wurden bereits abgedeckt: neben Shooter, Rundenstrategie und Weltraumspiel hat es sogar zwei Vertreter im Adventure-Genre gegeben. Cryptic ist nun mit Star Trek Online der erste Entwickler, der sich an einem Massively Multiplayer Online Game zur erfolgreichen Lizenz versucht. Wobei: Star Trek Online ist eigentlich bereits seit 2004 in der Entwicklung. 2008 musste der damalige Entwickler Perpetual Entertainment die Segel streichen und die Rechte veräußern. Vor erst zwei Jahren hat dann Cryptic Studios quasi bei Null angefangen mit dem Projekt.

Angriff der Klingonen

Star Trek Online spielt etwa 30 Jahre nach Star Trek Nemesis. Aber auch der letztjährige, elfte Film mit dem simplen Titel Star Trek spielt eine  Rolle -- obwohl er sich hauptsächlich noch vor der ersten TV-Serie und zudem in einer alternativen Zeitlinie zuträgt. Doch die dortige Zerstörung des Planeten Romulus, der Heimatwelt der Romulaner, fließt auch zurück in die Kontinuität des normalen Universums. Neun Jahre, nachdem das Raumschiff Voyager wieder wohlbehalten im Alpha-Quadranten angekommen ist, sind die Romulaner schlagartig kopflos und der ganze Quadrant in Aufruhr. 2382 nutzen die Klingonen die Schwäche des romulanischen Imperiums und erobern langsam aber sicher den Sektor. Der Föderation ist das verständlicherweise gar nicht recht. Das Klima spitzt sich immer weiter zu, bis es 2399 zum endgültigen Zerfall des Kithomer Vertrags zwischen Föderation und Klingonen kommt.
 
Zehn Jahre später wirft euch Star Trek Online in einen offenen Konflikt mit den Klingonen, dem Dominion, den Borg und zahlreichen anderen Feinden. Es ist 2409, es herrscht Kriegszustand -- und falls ihr gerade nur Bahnhof verstanden habt: Im Laufe des Spiels werdet ihr durch Dialoge und Quests mehr über die Hintergründe und Abläufe in den Quadranten erfahren. Unschöne Überraschung dabei: Trotz Monats-Abogebühr stehen euch zu Beginn nur ein paar ausgewählte Völker innerhalb der Föderation offen. Wer einen Klingonen oder gar Ferengi spielen möchte, der muss sie erst mit echtem Geld im STO-Shop kaufen. Den kostenlosen Wechsel auf die Seite des klingonische Reichs (für PvP), dürft ihr zudem erst ab einem bestimmten Level vollziehen.

Vielfältige Planetenmissionen

Star Trek Online teilt sich im Wesentlichen in zwei Teile auf: Boden- und Weltraum-Missionen. Seid ihr zu Fuß unterwegs, schlendert ihr als Humanoid herum, ansonsten werdet ihr von einem Raumschiff verkörpert. Es gibt zahllose Raumstationen und Planeten. Eure Aufgaben sind zahlreich: So sollt ihr seltsame Pflanzen scannen, den Weg für ein paar Wissenschaftler freischießen oder Leute aus einer brennenden Raumstation befreien. Gerade die Planetenoberflächen suggerieren eine gewisse Freiheit, und zu Beginn habt ihr die Illusion, dass da tatsächlich riesige Landschaften auf euch warten. Wagt jedoch nicht, vom Pfad abzuweichen, denn dort erwartet euch schon nach wenigen Metern eine unsichtbare Wand. Dabei kaschieren die Leveldesigner die Grenzen nicht einmal mit Canyons oder undurchdringlichem Dschungel, ihr kommt einfach nicht mehr weiter.

Ihr werdet fast immer von euren (maximal drei) Brückenoffizieren begleitet, die euer Arsenal um wichtige Fähigkeiten wie Heilung oder Schilde ergänzen. Zwar dürft ihr euren Offizieren befehlen, diesen und jenen Skill zu benutzen oder einen bestimmten Punkt zu verteidigen, doch in der Regel könnt ihr sie einfach machen lassen. Sie handeln erstaunlich autark, stellen Schilde und Geschütztürme auf, werfen Plasma-Granaten, heilen euch und ihre Kollegen und hechten von Deckung zu Deckung. Auf so manch einfachen Missionen haben wir uns deshalb mitunter gefragt, wieso sie uns eigentlich mitgenommen haben. Was nicht gerade die beste Voraussetzung für ein spannendes Spielerlebnis ist.

Doch obwohl sich die Bodengefechte noch langatmiger und steifer geben als in den Serien – sowohl was die Animationen, als auch was das Kampfgeschehen selbst anbelangt: Flankenangriffe, die mit Bonusschaden belohnt werden, die vielen unterschiedlichen Fähigkeiten und die starke Beteiligung eures Teams erzeugen ein stimmiges Mittendrin-Gefühl.

Simpel im Weltraum

Gegnern in die Flanke fallen gibt Bonusschaden.
Die Aufgaben im Weltraum sind simpler gestrickt, aber nicht weniger spannend. Oft werdet ihr von jemandem angegriffen, ihr müsst jemanden angreifen, oder es bittet euch jemand um eure Hilfe (weil er angegriffen wird). Außerdem werdet ihr zahlreiche Anomalien scannen und unbekannte Sektoren erforschen. Über die WASD-Tasten steuert ihr eurer Schiff in alle drei Dimensionen (was schon nach 15 Minuten erstaunlich leicht von der Hand geht) und könnt ähnlich wie am Boden per Quickslot-Leiste oder Tastatur Fähigkeiten auslösen. Die sind auch bitter nötig, etwa um Not-Energie auf die einzelnen Schilde zu geben oder euren Gegnern eine Photonentorpedo-Breitseite zu widmen. Hier spielen wiederrum eure Brückenoffiziere und ihre Talente eine wichtige Rolle. Doch anders als auf dem Boden, habt allein ihr die volle Kontrolle.

Doch der ergebenste taktische Offizier hilft euch nichts, wenn euer Gegner sich gerade nicht im Schussfeld befindet. Wie in einer Seeschlacht umkreisen sich die Schiffe träge, versuchen den Gegner immer im Schussfeld aller Waffen zu halten und die eigenen Schilde zu maximieren – und das alles unter Berücksichtigung der drei Dimensionen. Die Kämpfe erreichen zwar nicht die taktische Komplexität eines Starfleet Command; taktisch anspruchsvoll und spannend sind sie allemal und dazu noch das grafische Highlight des Spiels.

Unsere Schilde hinten und auf der linken Seite lassen nach -- es wird Zeit, dem Gegner die andere Flanke zu zeigen.

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