Test: Die Russen kommen!

Stacking Test

Double Fine kam mit Psychonauts und Brütal Legend zu einigem Ruhm und hat sich nun auf kleine Download-Projekte spezialisiert. Das neueste heißt Stacking und schlägt die bisherigen Spiele des Studios mit seinem skurrilen Holzpuppen-Setting in Sachen Verrücktheit um Längen. Wir haben das Adventure auf Holz und Nieren geprüft.
Philipp Spilker 20. Februar 2011 - 16:02 — vor 9 Jahren aktualisiert
360 PS3
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.

Von allen Figuren, in deren Haut uns Videospiele bereits haben schlüpfen lassen, ist Charlie Blackmore unter Garantie eine der ungewöhnlichsten. Charlie nämlich, seines Zeichens Hauptcharakter des Downloadspiels Stacking (der neueste Streich der Psychonauts-Macher Double Fine), ist eine Matroschka – jedoch nicht nur irgendeine, sondern die kleinste der Welt. Stacking aber spielt nicht etwa in Russland (die Heimat der ineinander schachtelbaren Matroschkas), sondern in einer Welt, die einzig und allein von solchen Puppen besiedelt ist. Und diese Welt hat gerade mit der beginnenden Industrialisierung sowie einem Baron zu kämpfen, der Kinderarbeit in großem Stil betreibt. Inszeniert ist all das in einem unverkennbaren Stummfilm-Stil. Kurzum: Stacking ist vom Konzept her eine der verrücktesten Spielideen der letzten Jahre. Wir haben es uns aber nicht nehmen lassen, das von außen vielversprechende Spiel auf seine inneren Werte zu überprüfen.

Diese Meeres-Safari müsst ihr im zweiten Level auf eine von vier Arten sabotieren, um im Spiel weiterzukommen.

Unsere ersten 15 Minuten mit Stacking: zum First15-Video

Jo, wir schaffen das!

Stacking beginnt auf unverkennbare Art und Weise (wie ihr in unserem First15-Video sehen könnt): Ein Vorhang öffnet sich, und wir lernen auf einer kleinen Theaterbühne die in Armut lebende Familie der Blackmores kennen, die allesamt als Schornsteinfeger arbeiten. Nachdem der Vater kurz nach dem Antritt seiner neuen Arbeitsstelle beim Baron spurlos verschwindet, ist die Familie wohl oder übel gezwungen, all ihr Hab und Gut zu verkaufen. Doch damit nicht genug: Eines Tages erscheint ein Scherge des Barons in der Wohnstube und zwingt alle Kinder der Familie, die Schulden ihrer Eltern in den Fabriken des Barons abzuarbeiten. Nur Charlie Blackmore, winzig wie er ist, darf zu Hause bleiben. Ein großer Fehler. Denn getreu dem Motto „Wir sind die Blackmores. Wir können alles schaffen!“ macht er sich nun auf den Weg, um nicht nur seine Familie wieder zu vereinigen, sondern dabei auch direkt den bösen Baron in die Knie zu zwingen.

Eure Reise mit Charlie Blackmore wird euch durch insgesamt fünf Umgebungen führen. Nebst dem königlichen Bahnhof erwarten euch dabei auch eher ungewöhnliche Locations wie ein Zeppelin. Diese sind allesamt sehr minimalistisch gestaltet, zeugen aber dennoch von Detailverliebtheit. Das fängt bei der Kulisse an, die teilweise den Eindruck macht, als würde sich die gesamte Welt im Inneren eines Pappkartons befinden, und endet noch lange nicht damit, dass Treppengeländer aus Stecknadeln bestehen und die Tische in einer Wartehalle des Bahnhofs nichts anderes sind als umgedrehte Zylinder mit einer darauf montierten Glühbirne. In diesen minimalistischen Stil reiht sich die Animation der vielen Matroschkas, die die Welt von Stacking bevölkern, ein. Animation ist dafür eigentlich schon ein zu großes Wort: Sie wackeln wie bewegliche Kegel durch die Gegend und können sich nur in der Höhe der Bauchnabelregion tatsächlich bewegen – logisch, denn an exakt dieser Stelle lassen sich ja auch echte Matroschkas auseinanderstapeln.

Mehrzweck-Rätsel

Die praktische Hilfefunktion mit drei abgestuften Hinweisen hilft euch bei weniger offensichtlichen Lösungsansätzen.
Um dem Baron das Handwerk zu legen, müsst ihr mit Charlie zunächst in jedem Level eines eurer Familienmitglieder befreien. Dafür müsst ihr wieder und wieder den Stapel-Mechanismus einsetzen. Von hinten stapelt ihr euch so in eine Matroschka hinein, die größer ist als ihr. Und mit dieser könnt ihr euch dann wieder in eine Matroschka stapeln, die größer ist. Und mit dieser... ihr versteht schon.

Warum solltet ihr das tun? Ganz einfach: Jede Matroschka-Gattung in Stacking (und derer gibt es viele) hat eine besondere Fähigkeit. Einige davon sind für das Vorankommen im Spiel nicht relevant (zum Beispiel die vornehmen Ladies, die zu wenig anderem fähig sind, als an ihrem Tee zu nippen), andere wiederum braucht ihr, um die Rätsel zu lösen (zum Beispiel den Boxer mit seinem Aufwärtshaken). Denn in seinem Kern ist Stacking trotz all seiner verrückten und ungewöhnlichen Ideen vor allem eines: nämlich ein Adventure. Im zweiten Level des Spiels beispielsweise müsst ihr auf einem Dampfschiff dafür sorgen, dass vier der Passagiere eine Meuterei starten und somit das Schiff zur Umkehr zwingen. Einer dieser Passagiere, Jäger Darby, hat auf dem untersten Deck eine kleine Meeres-Safari eröffnet. Die jedoch kann nur fortbestehen, wenn für die Sicherheit der Passagiere gesorgt ist. Um Jäger Darby also dazu zu bringen, sich beim Kapitän zu beschweren, müsst ihr die Safari sabotieren. Insgesamt könnt ihr das auf vier verschiedene Arten tun, die mal mehr und mal weniger abstrus sind. Wir verraten euch eine der weniger abstrusen: Mit dem Boxer könntet ihr zum Beispiel die Pappkulissen zerboxen. Für die Schiffs-Stewards wäre das Chaos genug, um die Safari zu schließen.

Bei solch simplen Aufgaben bleibt es freilich nicht: Im späteren Spielverlauf werdet ihr zunehmend die Fähigkeiten mehrerer Matroschkas kombinieren müssen, um erfolgreich zu sein. Dennoch: Solltet ihr euch dazu entschließen, bei jeder Aufgabe nur die offensichtlichste Lösung auszuprobieren, wird euch Stacking allerhöchstens vier Stunden lang in den Bann ziehen, bevor ihr auch schon den Abspann seht. Wir raten euch deswegen dringend dazu, auch nach den weniger offensichtlichen Lösungsmöglichkeiten für jedes Rätsel zu forschen. Für die meisten Aufgaben stehen euch derer mindestens drei, in mehreren Fällen aber sogar fünf zur Verfügung. Nach den verschiedenen Lösungsansätzen könnt ihr auch nach dem Durchspielen noch forschen, die Spielwelt ist dann frei erkundbar. Einige der Rätsellösungen sind allerdings sehr um die Ecke gedacht. Ihr werdet das gut gelungene, dreistufige Hilfesystem, dass euch für jede Aufgabe zur Verfügung steht, in einigen Fällen lieben lernen...

Um darauf zu kommen, dass ihr mit dem Feuerwehrmann dieses Feuer löschen könnt, werdet ihr nicht lange brauchen. Aber später werdet ihr den Wasserstrahl des Feuerwehrmanns auch mit anderen Figuren kombinieren müssen.
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Puzzle/Logik
7
07.02.2011 (PC) • 08.02.2011 (Playstation 3, Xbox 360) • 07.05.2013 (Linux, MacOS) • 21.03.2017 (Xbox One (Xbox 360 Backward Compatibility))
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