Test: Vergesst die Ideallinie

Split/Second - Velocity Test

Nach dem Quadbike-Überraschungshit Pure von 2008 liefern die Black Rock Studios mit Split/Second erneut ein Rennspiel ab -- mit brachialer Action und riesigen Explosionen. GamersGlobal hat den Bleifuss ausgepackt -- weder Industrieanlagen, Flughäfen noch gegnerische Fahrer waren vor unserer kaum gebremsten Zerstörungslust sicher.
Mister G 20. Mai 2010 - 23:08
PC 360 PS3
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Folgender Leitsatz galt früher einmal: "Rennspiele fordern perfektes Timing und das Halten der Ideallinie. Risikofaktoren sollten vermieden werden." Vergesst das, denn Split/Second ist ganz anders. Wenn acht Sportautos, darunter die genial gelungene Nachbildung einer schnittigen Corvette C6, ein Muskelprotz im Stil des Ford Mustang GT oder ein US-Army-Schlitten im Hummer-Style über die Zielgerade donnern, schleicht sich ein grenzdebiles Grinsen ins Testergesicht. Ausscheren, Vollgas, soweit noch normal. Doch dann explodiert plötzlich der Truck vor uns. Handbremse! Einlenken! Das Baby wieder unter Kontrolle bringen! Dank Arcade-Steuerung alles kein Thema. Aber explodierende Trucks sind ja noch Kinderkram: Während unserer Zeit mit Split/Second haben wir noch weitaus skurrilere Dinge erlebt. Eine harmlose Telefonzelle verwandelte sich beim Vorbeifahren in ein flammendes Inferno, ein Airbus A 380 schoss uns mit einem Mordstempo entgegen.

Völlig abgefahren: Split/Second hat in etwa so viele Explosionen zu bieten wie zehn Modern Warfares gleichzeitig.

Komm ich jetzt in' Fernsehen?

Der Grund für dieses ganze Spektakel ist eine Fernsehshow. Unzählige Helikopter kreisen über dem Geschehen, dass wir aus der nächsten Nähe erleben. In der abgefahrenen Hintergrundgeschichte, die sich die Entwickler der Black Rock Studios ausgedacht haben, liefern die Helis die Bilder für die Show Split/Second. Und dabei fackeln pro Streckenkilometer mehr Fahrzeuge ab, als sie in einer durchschnittlichen Folge Alarm für Cobra 11 durch den Metallwolf gedreht werden. Aber diese Story ist nur Mittel zum Zweck und nimmt sich erfreulicherweise nicht einen einzigen Moment lang ernst. Hier geht's um Unterhaltung, um Adrenalin, und um sonst nichts. Den Unterbau bildet dabei besagte TV-Show mit zwölf Episoden, die durch rasant geschnittene Trailer eingeleitet werden und je aus sechs Rennen bestehen. Für gute Platzierungen in Rennen gibt es Credits. Und wer genug gesammelt hat, schaltet nicht nur immer schärfere Karren, Strecken und Rennmodi frei, sondern qualifiziert sich auch für Elite-Events. Werdet ihr Erster, dürft ihr dann mit der nächsten Episode weitermachen. Ein äußerst motivierendes System, das mit lockeren Sprüchen und sehr durchgestyltem Menü angereichert wird.

Tausche Drift gegen Explosion

Die Steuerung fühlt sich richtig schön arcadig an. Heiße Drifts, rasante Überholmanöver, waghalsige Sprünge -- abgesehen von den Spielen im Burnout-Franchise haben wir noch kein Rennspiel erlebt, das sich dermaßen spektakulär anfühlt. Stellt euch vor, ihr sitzt in einer Corvette C 6 und seid gerade von der Fahrbahn abgekommen, gecrasht und weit zurückgefallen. In normalen Rennspielen würdet ihr euch nun mühevoll Platz um Platz nach vorne kämpfen, müsstet stets auf Messers Schneide reiten, sprich: die Ideallinie nicht eine Sekunde verlassen. Sonst gäbe es keinerlei Chance, doch nochmal aufzuschließen.

In Split/Second  ist das alles ein bisschen einfacher: Vollgas, mit dem Stick wedeln und um die Kurve driften, schon lädt sich die Explosionsanzeige auf.  Explosionen? Wie jetzt? Hat euer Edelbolide etwa einen eingebauten Raketenwerfer? Mitnichten. Auf der Strecke warten unzählige Tankstellen, Laster, Autos, Kräne, Flugzeuge und ganze Häuserzeilen auf ihre Sprengung. Gelangt ihr in Reichweite, fordert euch ein aggressiv blau pulsierendes Symbol zum Knopfdrücken auf. Boom, im Optimalfall zerreißt die Explosion den Wagen vor euch. Dessen Fahrer muss kurz warten, darf dann aber wieder auf die Strecke. Der Clou: Wer in Haarnadelkurven einen richtig langen Drift durchzieht, darf nicht nur eine, sondern fünf Explosionen auslösen und damit fast die ganze Konkurrenz auf einen Schlag überholen. Die Idee ist nicht nur großartig inszeniert, sondern auch spielerisch durchdacht. Denn auch die Gegner jagen euch gerne mal in die Luft. Macht aber nichts, Rache ist schließlich Blutwurst und die Positionen wechseln deshalb zeitweise öfter, als ihr mitzählen könnt.

Im Modus "Überleben" schleudert uns ein Tanklaster Propangasflaschen entgegen, denen wir ausweichen müssen.

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