Test: Dramatischer & emotionaler

Splinter Cell Conviction Test

Schleich oder stirb? Diese einfache Regel gilt für den neuesten Splinter-Cell-Teil nicht mehr. Actionlastiger? Ja! Aber auch emotionaler, vielseitiger, dramatischer. Mit vielen Gadgets, aber auch großer Entscheidungsfreiheit, haben wir mit Jack Bauer, Verzeihung, Sam Fisher die westliche Freiheit gerettet. Oder so ähnlich...
Jörg Langer 13. April 2010 - 12:48 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Nur noch fünf Stunden. Ganze 300 Minuten bleiben, um Washington DC vor einem fiesen Terroranschlag zu retten. Eine EMP-Bombe wird detonieren. Wichtige Computersysteme werden entschlummern, Autos crashen, Flugzeuge vom Himmel stürzen. Die Bodyguards der Präsidentin werden von Kugeln durchlöchert, die mächtigste Frau der Welt im Oval Office gefangen genommen. All das wird in Splinter Cell Conviction passieren, wenn nicht ein Mann es verhindert: Sam Fisher. GamersGlobal mimt den rachsüchtigen McClane-Verehrer und zeigt, dass der alte Sam selbst mit 50 und Rückenschmerzen tödlicher als jeder James Bond ist. Dabei ist die Ausgangslage so grotesk wie die der letzten 24-Staffeln: Sam soll eine Regierung retten, die ihn erbittert jagt. Er soll den Menschen das Leben schenken, die ihm alles genommen haben: seine Würde, als er in Double Agent seinen besten Freund erschießen musste. Seine Familie. Sein ganzes Leben. 
 
Angegraut, aber nicht mehr so hobo-zottelig wie in ersten Previewbildern vor einigen Jahren: Sam Fisher, Agent.

Heldengeneration „Alte Säcke“
 
Dreckigem Söldnerpack den Hintern versohlen, Terroristen mit Blei vollpumpen, die Welt retten und dabei verdammt cool aussehen. Das können echte Actionhelden auch noch mit weit über 50 Lenzen. John „Die coolste Sau auf Erden“ McClane holt in Stirb Langsam 4.0 mal eben mit einer Polizeikarre einen Helikopter vom Himmel, ballert und boxt Elitesoldaten zu Boden, die gut 20 Jahre jünger sind als er -- und verliert dabei Mengen an Blut, die auf eine unsichtbare Dauerzufuhr aus einem großen Transfusionskanister schließen lassen. McClane und Fisher haben vieles gemeinsam: Sie kämpfen nicht mehr, weil es ihnen irgendjemand befiehlt, sondern aus einem ganz privaten Grund -- beide wollen ihre Tochter retten. Darum geht es, Vorschriften interessieren nicht und auf Unterstützung pfeifen sie.

Ein Stoß in empfindliche Körperteile ersetzt die Pistole.
Genau deshalb wirkt Splinter Cell Conviction über weite Strecken sehr authentisch: Sam ist eben kein Superagent à la Jack Bauer mehr, der von seiner Agency Satellitenbilder und Position von Feinden im Sekundentakt bekommt. Er ist ein Familienvater, der mit einer Waffe umgehen kann. Und das eben sehr gut. Von Beginn an fiebern wir wie in einem guten Thriller mit, wir wollen als Sam unsere Tochter finden. Aber Moment mal: Wer Double Agent gespielt hat, weiß doch, dass Sara tot ist? Auch Sam denkt das, will zu Beginn auf Malta ihre Mörder zur Rechenschaft ziehen. Doch dann hören wir eine wohlbekannte Stimme. Nämlich die von Datenanalystin Anna Grimsdóttír, die in früheren Serienteilen (nicht aber in Double Agent) als Operator unsere Fluchtwege durchgab. Doch welche Ziele verfolgt sie dieses Mal? Arbeitet sie wirklich für das Weiße Haus und will den Terrorangriff verhindern? Was weiß sie über den Verbleib von Fishers Tochter? All diese bohrenden Fragen werden nach und nach geklärt, während sich Fisher immer mehr zu einem Getriebenen entwickelt, der keine Regeln mehr kennt. Und keine Gnade.

"Keine Gnade", so formuliert es der Spiel-Charakter Victor Coste in einem langen Monolog. Der dient als Erzähler der Story. Da Conviction großen Wert auf die Charaktere und ihre Handlungsmotivation legt, skizziert er immer wieder Sams Leben und Karriere -- als unaufdringliche Einführung für Spieler, die bislang nichts mit Splinter Cell am Hut hatten. Aber was ist mit der für Ubisoft sicherlich wichtigeren Zielgruppe, den bekennenden Fans der Serie? Die hatten im Vorfeld der Veröffentlichung große Angst um ihren geliebten Sam. Würde Conviction zu einem belanglosen Shooter verkommen? Unsere Antwort lautet: Nein! Das neue Splinter Cell ist frischer, cooler und moderner als seine Vorgänger, am eigentlichen Gameplay ändert sich aber wenig. Noch immer geht’s aus der Schulterperspektive durch in sich abgeschlossene Levels, die jedoch unterschiedlichste Herangehensweisen erlauben. Ubisoft Montreal wirft euch quasi in einen Sandkasten, und ihr müsst euch durchbuddeln.

Sehr detaillierte "Sandkasten"-Levels sind das Markenzeichen der Serie -- was ihr wie tut, entscheidet ihr.
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