Schleichen gut, alles gut

Splinter Cell Blacklist Test

Mit dem nunmehr sechsten Teil der Reihe will Ubisoft Action- und Stealth-Freunde gleichermaßen ansprechen. Ob der französische Publisher das von manchen Fans als viel zu actionlastig empfundene Conviction mit Blacklist übertreffen kann, haben wir für euch herausgefunden.
Benjamin Braun 14. August 2013 - 18:48 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Sam Fisher ist mal wieder zurück. Die grauen Haare sind zwar noch da, aber von Alterserscheinungen ist weiterhin nichts zu spüren. Immer noch klettert, kämpft und rennt der smarte Geheimagent, als wenn ihn die Angst vor der Einweisung ins Altenheim zur zweiten Jugend zwänge. Jetzt ist er auch noch ausnahmsweise glatt rasiert und aufgrund eines Zwischenfalls auf einem Militärkomplex der Anführer der geheimen Spezialeinheit Fourth Echelon. Dennoch lässt er nicht etwa seinen jüngeren Kollegen Briggs die Drecksarbeit erledigen, sondern begibt sich selbst in den Kampf. Was soll man da sagen als Spieleredakteur, der sich schon mit einer führenden "3" manchmal alt und schwach fühlt...?

Ob die Auseinandersetzungen in Splinter Cell Blacklist dem mit dem Vorgänger Conviction (GG-Test: 8.5) eingeschlagenen Weg konsequent folgen oder die Entwickler ihr Versprechen gehalten haben? Darum soll es in diesem Test vor allem gehen.

Unterhaltsamer Story-Standard
Helden-Amis gegen fiese Terroristen: Splinter Cell Blacklist erzählt eine unterhaltsame, aber klischeehafte Story.
Sam Fisher erwarten schwere Aufgaben. Eine unbekannte Terror-Organisation, die sich selbst The Engineers nennt, plant Anschläge auf verschiedene zivile Einrichtungen in den USA. Die Liste dieser Ziele nennen die Terroristen „Blacklist“. Angeblich wollen sie damit einen Rückzug aller US-Soldaten aus fremden Ländern erzwingen und drohen den Vereinigten Staaten gleichzeitig mit Krieg. Sam will die Anschläge natürlich verhindern und reist dafür mit der fliegenden Kommandostation Paladin und seinem Team rund um den Globus. Dummerweise sind sich Fisher und die US-Präsidentin nicht ganz darüber einig, wie gegen die Terroristen vorgegangen werden soll. Auch innerhalb Fishers Team gibt es einigen Zwist – und wilde Spekulationen darüber, wer eigentlich hinter der ominösen Terrorzelle steckt.

Viel mehr gibt es zu der um spannende Wendungen bemühten Story eigentlich nicht zu sagen. Außer vielleicht, dass sie bei ihrer größtenteils gekonnten Inszenierung so manches Großereignis der Call of Duty-Reihe mühelos aussticht. Gleichzeitig bekommt ihr aber ungefähr ebenso viele Klischees über amerikanischen Patriotismus und böse USA-Feinde untergejubelt. Und auch der übliche Versuch, das „Weltpolizeitum“ der USA nebst Guantanamo-Inhaftierungen und ähnlichen Auswüchsen irgendwie auch ein bisschen kritisch zu beäugen, ist erkennbar – und bleibt ebenso typisch Augenwischerei. Unterhaltsam ist die Geschichte aber dennoch!

Schleich dich, sonst schieß ichWie anspruchsvoll ein Schleichspiel ist, hängt nicht zuletzt von drei Faktoren ab: Feindtypen, KI und Leveldesign. In allen drei Kategorien macht Splinter Cell Blacklist eine gute Figur, zeigt aber auch kleinere Schwächen. Zu Beginn bekommt Sam Fisher es ausnahmslos mit Gegnern zu tun, die eher schwach bewaffnet und vor allem nicht allzu stark gepanzert sind. Wie üblich trägt Sam seinen Kampfanzug, auf dem euch kleine Lämpchen anzeigen, ob ihr euch gerade im Schatten befindet oder nicht. Das allein gewährt euch allerdings nur bedingt Schutz, denn einige der Wachen haben offenbar besonders gute Augen und erkennen euch selbst im Schatten aus großer Distanz. Beträfe das nur einen der späteren Gegnertypen, der mit Infrarot-Maske ausgestattet ist, würden wir nicht meckern, so aber ist das nicht nachvollziehbar.

Die richtig harten Brocken warten später auf euch. Diese Riesen tragen dicke Kevlarwesten und einen kopfumschließenden Schutzhelm. Das macht es mit n
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ormalen Waffen quasi unmöglich, sie mit einem Schuss zur Strecke zu bringen, und auch ein Elektroschocker-Angriff bleibt bei ihnen wirkungslos. Gegner mit Helmen begegnen euch allerdings bereits früher. Die "Markieren und Ausschalten"-Funktion steht gegen sie nicht zur Verfügung, ihr müsst sie also zwingend manuell mit Waffe, Elektroschocker oder auch im Nahkampf erledigen. Ihr hört erstmals von „Markieren und Ausschalten“? Macht nichts: Die aus Splinter Cell Conviction bekannte Funktion, bei der ihr mehrere Gegner markiert und innerhalb gewisser Regeln automatisch ausschaltet, hat einige Änderungen erfahren. Während ihr in Conviction bis zu vier Feinde markieren konntet, sind es in Blacklist nur noch drei. Ihr müsst also deutlich stärker darauf achten, dass ihr bei eurem Angriff nicht beobachtet werdet. Dafür ladet ihr die Funktion nun generell mit heimlichen Ausschaltmanövern auf, also auch mit Kills – und nicht nur mit Betäubungen. Davon braucht ihr nun auch jeweils nur zwei, um die Funktion vollständig aufzuladen. Ihr müsst also nicht mehr wie in Conviction Stealthkills „ansammeln“, um mehr als nur einen Feind markieren und ausschalten zu können.
In Blacklist könnt ihr maximal drei Feinde per "Markieren und Ausschalten" auf einmal erledigen. Bei Gegnern mit Helmen geht das allerdings nicht – und die treten im Spielverlauf immer häufiger in Erscheinung.
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