Im Netz der vier Spinnen

Spider-Man - Dimensions Test

Spider-Man ist einer der beliebtesten Superhelden in Comic, Film und Spiel. Doch gerade seine Ausflüge in unser aller Lieblingsmedium waren bislang selten mehr als halbgare Versuche, Geld aus der Lizenz zu quetschen. Doch Dimensions ist ein richtig solides Spiel geworden, rund um vier grundverschiedene Inkarnationen von Peter Parker.
Alex Hassel 6. September 2010 - 22:36 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Ihr alle kennt sicher Spider-Man, der eigentlich Peter Parker heißt und dank seiner Superkräfte im hautengen Bodysuit an den Häuserwänden entlang kraxelt. Aber kennt ihr auch den Unterschied zwischen dem Amazing und dem Ultimate Spider-Man? Oder wisst ihr gar, wer Spider-Man Noir oder Spider-Man 2099 sind? Könnt ihr mit dem Begriff Marvel Multiverse etwas anfangen?

Sollte eure Antwort Nein lauten, geben wir an dieser Stelle Entwarnung. Denn uns erging es beim Test von Spider-Man Dimensions zunächst nicht anders. Im Falle dieses unterhaltsamen Comic-Trips ist das aber gar nicht tragisch, denn das Spiel mit seinen vier Spider-Man-Versionen funktioniert auch dann, wenn ihr keinerlei Vorkenntnisse habt.

Spider-Wer? 

Beseitigen wir zunächst die dimensionale Verwirrung: In den Marvel-Comics gibt es verschiedene Universen, die meist unabhängig voneinander existieren. Das ist auf den ersten Blick eine spannende Idee und auf den zweiten auch eine unternehmerisch positive Sache: So kann Marvel gleich mehrere Heft-Ausgaben der prinzipiell gleichen Comicfigur pro Monat verkaufen. Stellenweise verbinden sich diese Universen und die Charaktere treffen aufeinander. 
Vier Spider-Man-Inkarnationen stehen zur Auswahl.


In Shattered Dimensions begegnen sich gleich deren vier, was uns somit die Kontrolle von vier Ausführungen des Spider-Man beschert. Den ersten im Bunde dürfte jeder kennen: The Amazing Spider-Man ist die älteste Form des Superhelden – seit 1962 schwingt er sich im charakteristisch blau-roten Kostüm durch Comic-Bücher und Zeichentrickserien, seit 2002 auch in drei erfolgreichen Kinofilmen mit Tobey Maguire in der Rolle des Peter Parker. Dieser Spider-Man ist auch der primäre Held im Spiel.

Der Ultimate Spider-Man agiert in einer alternativen Gegenwart und ist quasi die moderne Form des rotblauen Netzspinners. Unter dem Titel "Ultimate" erlebten  Anfang dieses Jahrzehnts neben Spider-Man auch andere Serien von Marvel einen Neustart. Nach über 40 Jahren wollte man neuen Lesern den Einstieg in die Welt von Peter Parker und Co. erleichtern und kreierte mit Ultimate einen Reboot, der die Geschichten in moderner Form noch einmal von Beginn an erzählte (ähnlich den beiden jüngsten Batman-Filmen)

Spider-Man 2099 kommt aus der Zukunft. Dementsprechend futuristisch wirkt auch sein Kostüm. Noch spezieller geht es im Noir-Universum zu, welches uns einen düsteren, ganz in schwarz gekleideten Spider-Man präsentiert. Doch was als vier Comic-Serien funktionieren mag, muss noch lange kein gutes Computerspiel ergeben. Was haben sich die Entwickler also einfallen lassen, um den "multiplen Helden" in Szene zu setzen?
 
Im Kampf zwischen Mysterio und Spider-Man zerbricht das Artefakt und bedroht fortan alle vier Dimensionen.

Dünne Story trotz vier Dimensionen

Unser ärgster Widersacher in Shattered Dimensions ist Mysterio, ein Illusionist mit einer gläsernen Kuppel auf dem Kopf. Er wird von Spider-Man daran gehindert, die Tafel der Ordnung und des Chaos zu stehlen. Doch im Kampf zerbricht der Spinnenmensch versehentlich das gute Stück, was einen Riss zwischen den Dimensionen auslöst und damit die Zerstörung sämtlicher Universen einleitet. Das weise Medium Madame Web erkennt die Bedrohung und macht uns klar, dass nur Spider-Man und seine Alter Egos die Vernichtung abwenden können. Dazu müssen wir in den verschiedenen Universen die verstreuten Einzelteile der Tafel suchen und wieder zusammenfügen. Doch diverse Bösewichte verfolgen ihre eigenen Pläne und unternehmen alles, um uns daran zu hindern.
 
Das Intro, dessen Ereignisse wir euch soeben beschrieben haben, lässt schon durchblicken, dass Spider-Man Dimensions keine komplexe Story bietet. Hier geschehen Dinge nicht, weil sie logisch oder nachvollziehbar wären, sondern weil sie sich gut in ein Spiel einbinden lassen. Das aber muss kein Kritikpunkt sein, denn der Comic-Charme entfaltet sich trotz der seichten Hintergrundgeschichte. Kuriose Charaktere, ein schnippischer Spider-Man und diverse Ereignisse, die so eben nur in einem Comic möglich sind, lassen uns über die immer wieder klaffenden Storylücken hinwegsehen. Es ist wie bei einem guten Hollywood-Blockbuster: die Geschichte ist simpel, macht aber trotzdem Spaß.

Vier Spinnen und zwei Spielsysteme

Die Suche nach den zerbrochenen Tafelstücken führt euch durch insgesamt zwölf Levels, je drei pro Protagonist. Hinzu kommen ein Tutorial für Steuerungsgrundlagen und die Vorstellungen der vier Spielfiguren -- sowie der finale Großkampf gegen Myterio. Die Unterschiede bei der Steuerung der vier Protagonisten sind marginal und hauptsächlich optischer Natur, nur mit Spider-Man Noir ändert sich das Geschehen deutlich.  Mit ihm verwandelt sich Spider-Man Dimensions zu einem Schleichspiel und weist dabei deutliche Parallelen zu Batman - Arkham Asylum auf. 

Unser erster Feind heißt Sergei "Kraven" Kravinoff, ein boshafter und leidenschaftlicher Jäger. Sein Revier ist nicht der Großstadtdschungel New Yorks, sondern der echte Urwald. Folglich schwingen wir uns von Baum zu Baum anstatt von Hochhaus zu Hochhaus. Und statt typischen Gangstern erledigen wir unterwegs Kravens schwer bewaffnete Söldner. Das Spiel läuft streng linear ab und folgt dabei fast immer dem gleichen Muster: Vorstellung des jeweiligen Endgegners, Jump-and-Run-Passagen mit einigen Kämpfen, erneute Konfrontation mit dem Levelboss, wieder eine gute Portion Jump-and-Run und schließlich der Bosskampf.

Dass uns dabei nicht langweilig wird, liegt am stets hohen Spieltempo von Spider.Man Dimensions. Bis auf den Schleicheinsatz im Noir-Part geht es überwiegend rasant und fordernd zu. Pro Abschnitt benötigt ihr in der Regel 30 bis 40 Minuten, ehe ihr den jeweiligen Endgegner besiegt habt. In dieser Zeit halten unterschiedliche Bosskämpfe, Ereignisse wie das Ausweichen einer Flutwelle oder Flucht aus einem explodierenden Gebäude das Erlebnis frisch. Und nach all der Action warten dann noch die ruhigeren Schleichabschnitte in der Rolle des Spider-Man Noir auf euch, auf die wir gesondert eingehen.
 
Charaktere in Spider-Man - Dimensions.

Die meiste Zeit verbringt ihr mit 1 dem klassischen Amazing Spider-Man. Eine ebenfalls populäre Variante ist der 2 Ultimate Spider-Man, hier in seinem schwarzen Anzug. Futuristisch schwingt sich 3 Spider-Man 2099 daher, inklusive der Fähigkeit, die Zeit langsamer ablaufen zu lassen. Den Abschluss des Spinnenquartetts bildet 4 der Noir-Spinnenmann, bei dem es wesentlich düsterer zugeht. Auch unsere Widersacher sind alte Bekannte, wie etwa 5 Hobgoblin oder  6 Der Juggernaut, dessen Motto "Mit dem Kopf durch die Wand" wörtlich zu verstehen ist.
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