Test: Verbesserte PS3-Version

Sniper (PS3) Test

Sniper Ghost Warrior war für uns vor einem dreiviertel Jahr eine positive Überraschung und bot Scharfschützen-Taktik gepaart mit Baller-Einsätzen, eine knackige (wenngleich "allwissende") KI sowie überwiegend spannende Einsätze. Doch auch Mängel wie die kurze Spielzeit waren nicht zu übersehen. Wie schlägt sich die PS3-Version?
Jörg Langer 29. Mai 2011 - 2:01 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.

Schon bei mehreren Spielen hat GamersGlobal einen Nachtest gemacht, wenn es uns aufgrund umfangreicher Patches angebracht schien. Im vorliegenden Fall schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die deutlich mehr als ein halbes Jahr nach der PC-Version (GG-Test: 7.0) erschienene PS3-Fassung von Sniper - Ghost Warrior enthält nicht nur die umfangreichen Patches der PC-Fassung, sondern auch Zusatz-Content der Xbox-Version (für letztere extra zu kaufen) sowie eine kleine, exklusive Extra-Kampagne. Diese drei Faktoren zusammen beseitigen oder reduzieren einige der Kritikpunkte, die wir im ursprünglichen Test des City-Interactive-Titels bemängelt haben.

Böser Diktator, guter SniperOb Jagged Alliance oder Far Cry: Wenn ein Computerspiel auf einer idyllischen Insel spielt, ist ein spanisch sprechender Bösewicht meist nicht weit. Im Fall von Sniper - Ghost Warrior heißt der örtliche Diktator Manuel Vasquez. Der General hat den fiktiven Inselstaat Isla Trueno in seine Gewalt gebracht und ist nun emsig dabei, dessen Bodenschätze zu verhökern. Das wollen die USA nicht zulassen, doch als sie beginnen, ihre Muskeln spielen zu lassen, nimmt Vasquez kurzerhand die Inselbevölkerung zur Geisel. Ihr spielt den erfahrenen Scharfschützen Tyler Wells, der meist im Zweierteam, gerne aber auch mal allein mit allerlei Kommandoaktionen versucht, den Diktator auszuschalten.

Die Missionen sind abwechslungsreich: Ziel töten, Flak-Stellung sprengen, einem Kameraden folgen, Schleichen, befreundete Soldaten mit dem Scharfschützengewehr decken, Ziele für befreundete Sniper per Fernglas markieren -- es wird einiges geboten. Die Missionen hängen teils zusammen, so wird aus einer Zweiermission ein Einzelkämpfer-Auftrag, weil euer Kamerad angeschossen wird. Teils werdet ihr aber auch einfach ins nächste Einsatzgebiet gebracht, während euch eine Art animierter Briefing-Ladescreen das Wesentlichste erklärt. Es gibt Tag- und Nacht-Missionen und auch einen Einsatz, bei dem ihr wild feuernd in einem Truppentransporter sitzt. Überhaupt gibt es mehr Ballermissionen, als man angesichts des Titels denken würde. Erwartet hier aber nicht die präsentatorische Brillanz eines Black Ops: Weder gibt es nennenswerte Skriptereignisse, noch sind die Cutscenes sonderlich gelungen. Gut finden wir, dass unser Alter Ego nicht allzu viel einstecken kann. Und statt das weichgespülte "Heilen durch Kopfeinziehen"-System der meisten modernen Shooter zu benutzen, heilt ihr nur langsam bis zu einem Minimalwert, darüber hinaus stehen euch drei Spritzen pro Einsatz zur Verfügung, die euch etwa zwei Drittel eurer Gesundheit wiederbringen.

Verbesserte PS3-Variante
Szene aus der Zusatzkampagne Unfinished Business, in der ihr es unter anderem mit einem Helikopter zu tun bekommt.
Die PS3-Version enthält nicht nur von Haus aus fünf zusätzliche Multiplayer-Maps, die es für die Xbox 360 nur als DLC gab. Es ist auch ein weiterer Multiplayer-Modus (Capture the Flag) hinzugekommen und eine Hardcore-Einstellung, bei dem ihr auf ein HUD verzichten müsst. Doch auch für Solisten wird viel Zusatzstoff geboten: In der Minikampagne "Unfinished Business" erlebt ihr drei weitere Missionen, die nicht mehr auf Trueno spielen, sondern irgendwo in Südamerika. Hesus Santana, der Sohn des mittlerweile von euch besiegten Diktators, will in die Fußstapfen von Daddy treten und muss ebenfalls aufgespürt und ausgeschaltet werden. Highlight der kleinen Zusatzkampagne ist die Auseinandersetzung mit einem Helikopter, zu der wir nur verraten wollen: Ihr habt keine Bazooka, um ihn vom Himmel zu holen...

Was ihr habt in den drei Zusatzmissionen (sowie im Multiplayer-Part der PS3), das sind zwei weitere Sniper-Gewehre, das L96 und das M200 Intervention. Vielleicht am interessantesten aber ist der PS3-exklusive Challenge-Modus: Während die Areale in der Kampagne eingeschränkter (vulgo: schlauchartiger) sind, als das zunächst den Anschein hat, ihr oft Rückendeckung oder Hilfe von einem oder mehreren Alliierten habt und eine Minimap nahe Gegner anzeigt, seid ihr bei Challenge (Deutsch: Herausforderung) auf euch allein gestellt: Ihr wisst nur, wen ihr töten müsst, aber nicht, wo genau sich diese Person befindet. Als HUD ist nur noch der nächste Wegpunkt zu sehen sowie die Alarmierungsanzeige, aber unter anderem keine Munitionsanzeige oder Minimap. Dazu kommen die Einschränkungen der Schwierigkeitsstufe "Schwer" (siehe nächster Absatz). Während viele der Kampagnen-Einsätze eher Ballern als Snipern betonen, müsst ihr euch bei Challenge wirklich vorsichtig durchs Gebüsch beziehungsweise eine Tempelanlage schleichen und nur wohlüberlegte Schüsse abgeben.

Windrichtung und Pulsfrequenz
Im Zielfernrohr-Modus könnt ihr zoomen. Hier seht ihr die beiden Hilfen "Gegner markieren" und "Einschlagstelle des Projektils zeigen", die es im schweren Modus nicht gibt.
Sniper bietet drei Schwierigkeitsgrade. In den ersten beiden davon wird der Auftreffpunkt eures Projektils angezeigt und Gegner rot hervorgehoben. Gerade letzteres ist  eine wichtige Hilfe, da ihr oft eure Feinde schlicht nicht sehen könnt: In der wild wogenden, abwechselnd in Licht und Schatten getauchten Flora von Trueno sucht ihr eure olivgrün gewandeten Gegner selbst dann oft vergeblich, wenn sie bereits auf eurer Minimap (oben rechts auf dem Bildschirm) als rote Pfeile markiert sind und eigentlich nur 20 Meter vor euch stehen müssten. Die Minimap bleibt auch im höchsten, dritten Schwierigkeitsgrad erhalten, allerdings seht ihr in diesem weder die Gegner-Hervorhebungen noch den vermutlichen Aufschlagspunkt eures Projektils. Denn natürlich geht es vor allem darum: Beim Blick durchs Zielfernrohr gezielte einz
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elne Schüsse auf Wachen oder Missions-Zielpersonen abzugeben.

Auf "Schwer" beeinflussen drei Faktoren die Flugbahn der Kugel: Distanz (die Kugel legt eine ballistische Kurve zurück, sodass ihr auf sehr weite Entfernung über das Ziel halten müsst), Puls (wer direkt nach dem Rennen anlegt, bei dem wackelt das Fadenkreuz) und Windrichtung. Und wenn sich euer Ziel bewegt, müsst ihr bei größerer Entfernung auch schätzen, wo er ein oder zwei Sekunden nach Betätigen des Abzugs sein wird. So eine Sniperkugel (von denen ihr rund 250 mit euch führt) durchschlägt übrigens auch mal den ersten Gegner, um im dahinter stehenden zweiten zu landen, auch Holzwände sind meist kein Hindernis. Besonders "schöne" Schüsse erlebt ihr aus Perspektive des Projektils mit, das Ziel wird in Zeitlupe und anatomisch größtenteils korrekt umgeworfen, während eine "Blutwolke" den Head Shot unterstreicht. Diese Voyeur-Szenen könnt ihr entweder im Optionsmenü deaktivieren oder durch Drücken der "Start"-Taste abbrechen.
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Rechts eine ähnliche Szene auf PC (andere Map und Waffe). Da hier kaum Licht aufs Blattwerk fällt, wirkt sie auf den ersten Blick sogar weniger schön.
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